Noch ein paar Wochen, dann geht es wieder los: der erste Spieltag, das erste Trikot, die ersten Nerven. Für BVB-Fans ist der Sommer gleichzeitig die längste und die kürzeste Phase des Jahres – lang, weil jeder Fußballtag fehlt, kurz, weil die Vorfreude die Zeit beschleunigt.
Die ruhigen Wochen eignen sich, um zu träumen und zugleich realistische Erwartungen zu formulieren. Beides muss kein Widerspruch sein.
Die Mannschaft
Der Kader steht noch nicht endgültig. Das Transferfenster ist offen, die Gerüchteküche brodelt. Sicher ist: Es gibt eine Basis, auf der aufgebaut werden kann – Spieler, die die Philosophie des Vereins kennen und wissen, was es bedeutet, das schwarz-gelbe Trikot zu tragen.
Die Frage ist, wie der Trainer diese Basis nutzt, wie er mögliche Neuzugänge integriert und wie er die schwierigen Momente managt – die es geben wird, denn das ist keine Prophezeiung, sondern Fußball-Mathematik.
Woran sich die Saison messen lassen muss

Intensität steht dabei an erster Stelle: ein BVB, der von der ersten Minute an weiß, was er tun will, der den Gegner unter Druck setzt, Räume schafft und den Mut hat, anzugreifen – auch auswärts, auch in schwierigen Situationen.
Konstanz ist der zweite Punkt. Eine der größten Schwächen der letzten Spielzeiten war die Unberechenbarkeit: Auf ein starkes Spiel folgte ein enttäuschendes. Das hat Punkte und Nerven gekostet – beides lässt sich in einer Saison nicht dauerhaft leisten.
Und schließlich Freude – am Spiel, am Tor, am Zusammenspiel. Fußball ist ein Spiel, was in all den taktischen Analysen und Statistiken leicht in Vergessenheit gerät. In seinen besten Momenten erinnert er daran. Von solchen Momenten dürfte es in 2026/27 gern viele geben.
Die Ziele
Ehrlich betrachtet: Der BVB kann in dieser Saison um die Meisterschaft mitspielen. Ob er es tut, hängt von vielen Faktoren ab, die von außen nicht vollständig zu überblicken sind. Aber das Potenzial ist da.
Im DFB-Pokal wäre ein tiefer Lauf wünschenswert – dieser Wettbewerb hat dem BVB in der Vergangenheit schöne Momente beschert. Und in der Champions League wäre ein Weiterkommen über die zuletzt erreichte Runde hinaus ein realistisches Ziel.
Was durch die Saison trägt
Die Gemeinschaft der BVB-Fans – auf der Südtribüne, auf den Rängen, auf Auswärtsfahrten, vor dem Fernseher, in Foren und Magazinen – ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Diese Gemeinschaft schreibt, analysiert, jubelt und leidet; sie sitzt nach Auswärtsspielen in verspäteten Zügen und behält trotzdem gute Laune. Genau das macht Fußball aus – nicht nur der Ball, sondern alles drumherum.
Die Konkurrenz schläft nicht
Realistisch bleibt: Bayern München ist Bayern München. Auch in einer Saison, in der beim Rekordmeister manches nicht rundläuft, ist er der Maßstab. Dazu kommen weitere Klubs, die aufgeholt, investiert und Hunger entwickelt haben. Die Bundesliga ist enger geworden – gut für den Fußball, aber kein leichteres Umfeld für den BVB.
Was der BVB braucht, ist ein Vorteil: etwas, das ihn von den anderen unterscheidet. Das kann die Atmosphäre sein, das Entwicklungspotenzial oder die richtigen Verstärkungen. Wahrscheinlich muss es eine Kombination aus allem sein.
Die jungen Wilden
Auffällig ist der Hunger der jungen Spieler im Kader – im Training sichtbar, in Interviews hörbar. Sie wollen beweisen, dass sie auf diesem Niveau spielen können, wollen Stammplätze und Verantwortung.
Das ist eine Energie, die sich nicht kaufen lässt. Sie entsteht aus dem Wunsch nach Wachstum und Durchsetzung. Gelingt es dem Trainerteam, diese Energie zu kanalisieren und in Leistung umzuwandeln, verfügt der BVB in der kommenden Saison über eine echte Waffe.
Ehrlicher Blick nach vorn
Weder Schönfärberei noch blindes Jubeln helfen weiter – gefragt ist ein ehrlicher, kritischer Blick, der Kritik übt, wo sie angebracht ist, und Enthusiasmus zulässt, wo er verdient ist. In diesem Sinne kann die Saison kommen.
Weiterlesen:
