Fanreise nach Dortmund: Ein Erlebnisbericht

30. Juni 2026

Es gibt Momente im Leben eines Fußballfans, die man nie vergisst. Der erste Schritt in den Signal Iduna Park gehört definitiv dazu. Als sich die Tore öffneten und der Rasen in seiner ganzen Pracht vor mir lag, lief mir eine Gänsehaut den Rücken hinunter – und das, obwohl es noch nicht einmal Anpfiff war. Unsere Fanreise nach Dortmund war mehr als ein Wochenendausflug. Es war eine Pilgerfahrt. Eine Heimkehr zu dem, was uns alle verbindet: die bedingungslose Liebe zum BVB.

Ankunft in der Schwarzgelben Stadt

Schon auf dem Dortmunder Hauptbahnhof empfängt dich die Stadt mit offenen Armen – zumindest, wenn du in Schwarz und Gelb gekleidet bist. Überall hängen Schals, in den Schaufenstern leuchten Trikots, und selbst der Kiosk-Besitzer am Gleis trägt ein BVB-Cap. Dortmund ist keine Stadt, die zufällig einen Fußballverein hat. Hier ist der Fußball Teil der DNA, tief verwurzelt im Ruhrgebiet, in der Arbeiterkultur, in der Gemeinschaft.

Wir hatten uns früh genug eingecheckt, um noch einen Spaziergang durch die Innenstadt zu machen, bevor es Richtung Stadion ging. Am Borsigplatz, dem historischen Geburtsort des Vereins, hielten wir kurz inne. Hier, in diesem schlichten Viertel im Norden der Stadt, wurde 1909 der Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund gegründet. Es ist ein stiller, fast unscheinbarer Ort – aber wer die Geschichte kennt, spürt die Schwere der Geschichte unter seinen Füßen.

Das Stadion – ein Tempel des Fußballs

Dann der große Moment: der Signal Iduna Park. Mit einer Kapazität von rund 81.365 Zuschauern ist er das größte Stadion Deutschlands – und wer ihn einmal erlebt hat, versteht, warum. Bis 2005 noch als Westfalenstadion bekannt, trägt er heute den Namen seines Hauptsponsors, aber für viele treue Anhänger bleibt er schlicht „das Westfalenstadion“. Der Name hat sich geändert, die Seele nicht.

Das Herzstück des Stadions ist die legendäre Südtribüne – die größte Stehplatztribüne Europas mit rund 25.000 Plätzen. Als sie sich vor dem Anstoß mit einem einzigen gelben Meer aus Schals füllte und der Lärm anschwoll wie eine Welle, die sich überschlägt, verstand ich auf der Stelle, warum Gästetrainer diesen Ort fürchten. Es ist kein Lärm – es ist ein physisches Erlebnis. Die Südtribüne singt, und du spürst es in den Knochen.

Für uns als Gäste auf der Gegengeraden war der Blick auf dieses Meer aus Gelb fast genauso beeindruckend wie das Spiel selbst. Immer wieder ertappte ich mich dabei, wie ich nicht den Ball beobachtete, sondern die Tribüne gegenüber. Sie atmet. Sie lebt. Sie ist der zwölfte Mann – und das ist kein Klischee, das ist Realität.

Geschichte, die man spüren kann

Zwischen den Spielen hatten wir Zeit für das BVB-Museum, und das sollte sich niemand entgehen lassen. Die Exponate erzählen die Geschichte eines Vereins, der immer wieder aufgestanden ist – oft gegen alle Widerstände. Besonders berührt hat mich der Abschnitt über den 28. Mai 1997: das Champions-League-Finale im Olympiastadion München. 3:1 gegen Juventus Turin – und das gegen den haushohen Favoriten. Karl-Heinz Riedle traf doppelt, und dann kam Lars Ricken: 16 Sekunden nach seiner Einwechslung erzielte er mit einem Heber aus 25 Metern das 3:0. Es ist eines der schönsten Tore in der BVB-Geschichte, und die Museumsbilder bringen es sofort zurück.

Nicht weniger legendär: die Meistertitel. Unter Ottmar Hitzfeld, der den BVB von 1991 bis 1997 trainierte, holte die Borussia in der Saison 1995/96 die deutsche Meisterschaft – ein Titel, der den Grundstein für die Europapokal-Euphorie des Folgejahres legte. Und dann natürlich das Double unter Jürgen Klopp in der Saison 2011/12: Meisterschaft und DFB-Pokal, mit einer Mannschaft, die ganz Deutschland in ihren Bann gezogen hatte. Klopp und der BVB – das war mehr als Trainer und Verein. Das war Herzblut auf Rasen gegossen.

Im Museum erinnert auch ein Schaukasten an den DFB-Pokal 1989: ein 4:1-Finalerfolg gegen Werder Bremen, bei dem Norbert Dickel zwei Tore erzielte. Dickel, der heute als Stadionsprecher im Signal Iduna Park seine unverwechselbare Stimme erhebt, bleibt damit doppelt im Gedächtnis der Fans – als Torschütze und als Stimme des Vereins. Wer ihn an einem Spieltag die Aufstellung verlesen hört, weiß: Das ist Kontinuität. Das ist Identität.

Besonders stolz präsentiert das Museum auch den Triumph im Europapokal der Pokalsieger 1966: Am Hampden Park in Glasgow bezwang der BVB den englischen Traditionsklub FC Liverpool mit 2:1 nach Verlängerung – der erste europäische Titel der Vereinsgeschichte. Eine Epoche, geprägt von Männern wie Lothar Emmerich, der von 1960 bis 1969 das BVB-Trikot trug. „Emma“, wie ihn die Fans liebevoll nannten, war ein Torjäger alter Schule – wuchtig, treffsicher, leidenschaftlich. Auch er steuerte damals zu diesem historischen Abend in Schottland bei.

Das Revierderby – mehr als ein Spiel

Kein Besuch in Dortmund wäre vollständig ohne ein Gespräch über das Revierderby. BVB gegen Schalke 04 – Dortmund gegen Gelsenkirchen. Zwei Städte, wenige Kilometer voneinander entfernt, und doch Welten auseinander, wenn es um Fußball geht. Das Derby ist kein Spiel. Es ist ein Zustand. In Dortmund wird es Wochen vorher besprochen, nach dem Abpfiff noch wochenlang nachgelebt. Wir hatten das Glück, in einer Kneipe nahe dem Stadion Zeitzeugen zu treffen, die uns von Derbys aus den 1980ern erzählten – mit leuchtenden Augen und gestenreichen Händen, als wäre es gestern gewesen.

Ein älterer Herr am Tresen fasste es so zusammen: „Gegen Schalke gibt es kein Unentschieden. Du gewinnst, oder du bist drei Wochen lang still.“ Die Lacher gingen durch die ganze Kneipe. Aber dahinter steckt ein Wahrheitskern, den jeder BVB-Fan kennt.

Fazit: Einmal Dortmund, immer Dortmund

Eine Fanreise nach Dortmund ist kein gewöhnlicher Städtetrip. Es ist ein Eintauchen in eine Welt, in der Fußball tatsächlich mehr als ein Sport ist – ein Lebensgefühl, eine Gemeinschaft, eine Geschichte. Vom Borsigplatz über die Südtribüne bis hin zum Museum: Dortmund empfängt seine Gäste nicht mit Hochglanz-Tourismus, sondern mit Echtheit. Mit Ecken und Kanten. Mit diesem unbedingten Willen, der den BVB schon immer ausgezeichnet hat.

Wir sind zurückgefahren mit vollen Herzen, heiseren Stimmen und dem festen Vorsatz: Nächstes Jahr wieder. Denn einmal Schwarz und Gelb, immer Schwarz und Gelb. Echte Liebe.