Schwarz-Gelbe Schläfrigkeit führt zum Punktverlust in Gladbach

15. Juni 2013

Schwarz-Gelbe Schläfrigkeit führt zum Punktverlust in Gladbach

Aus dem Stadion im Borussia-Park berichten
Julian Bräker
und Christopher Neundorf

Die personellen Voraussetzungen für ein Bundesligaspiel waren schon einmal besser, als die die Jürgen Klopp vor der Partie bei der Borussia aus Mönchengladbach gegeben waren. Die Ausfälle von Lewandowski und Schieber sowie die Verletzung von Kuba ließen vermuten, dass sich die Mannschaft in der Offensive fast von alleine aufstelle. Dennoch wusste Jürgen Klopp mit der Nominierung von Moritz Leitner statt beispielsweise Bender oder Sahin zu überraschen. Dabei wich Klopp nicht vom einstudierten 4-2-3-1-System ab. Götze rückte in die Spitze, Leitner nahm für ihn die Position dahinter ein.

Auf der anderen Seite musste Lucien Favre ebenfalls zwei seiner wichtigsten Offensivposten ersetzen: Während Herrmann gelbgesperrt fehlte zog sich Arrango bei der Partie die Gladbacher in der Europa League bei Lazio Rom eine Verletzung zu.

Die Anfangsphase gestaltete sich den kalten Temperaturen entsprechend als Aufwärmphase beider Mannschaften. Der BVB versuchte das Spiel unter Kontrolle zu bringen und mit entsprechend viel Ballbesitz zu agieren. So war es folgerichtig, dass die erste Chance nach 8 Minuten für schwarz-gelb zu verbuchen war: Nach langem Ball von Hummels köpfte Piszczek den Ball vom Rand des Fünfmeterraumes in die Mitte, wo Dominguez in höchster Not vor Großkreutz klären konnte.

Das stete Dortmunder Pressing war für die Gastgeber eine große Bürde, verloren sie den Ball doch meist noch in der eigenen Hälfte. Das Plus an Ballbesitz des BVB in der ersten Viertelstunde war hoch, doch war es eher ein abwartendes Spiel, so dass der Ballbesitz nicht gleich zu Chancen führte.

Das Spiel war schon 25 Minuten alt und hatte noch keine Highlights zu vermelden, da versuchte Marx das ganze aus seiner Lethargie zu reißen und holzte Götze im Mittelfeld um – eine gelbe Karte war für ihn die Folge. Bei einer Partie mit mehr Höhepunkten wäre diese Szene wohl nicht einmal eine Erwähnung wert gewesen.

Zumindest ein bisschen schien das Foul aber auch als Wecker für den BVB gewirkt zu haben, denn Reus gab mit einem Seitenwechsel Piszczek die Möglichkeit zu einer Flanke, die „Kopfballungeheuer“ Moritz Leitner aufs Tor brachte und ter Stegen immerhin zu einer kleinen Flugeinlage zwang.

Dieser Stand nur kurze Zeit später wieder im Mittelpunkt, als Götze nach langem Ball frei durch war und dem Gladbacher-Keeper nur das Foul blieb. Gelbe Karte und Elfmeter für den BVB. Der Gefoulte trat entgegen aller abergläubischen Bedenken selbst an und verwandelte eiskalt zur BVB-Führung nach einer halben Stunde.

Die Führung gab dem Dortmunder Spiel weiterhin Sicherheit, so dass sich das Spiel auch mehr als zuvor in der Nähe des Gladbacher Strafraumes abspielte. Der BVB brachte das Ergebnis aber ohne weitere Großchancen routiniert in die Kabine.

Aus dieser kam man mit der Einwechslung von Santana für den angeschlagenen Mats Hummels. Seine Oberschenkelprellung stellt aber wohl keine Gefahr für das Spiel am Mittwoch in München dar. Gladbach versuchte deutlich mehr das eigene Offensivspiel zu forcieren und kam so auch zur ersten Torchance nach 55 Minuten: Wendts Hereingabe wurde von der BVB-Abwehr nur unzureichend geklärt, so dass Younes frei zum Schuss kam, den Weidenfeller aber problemlos fangen konnte. Der BVB ließ die Gladbacher unnötig in Spiel kommen, nachdem man sich zuvor bestens hat ermüden lassen.

Im Gästeblock war der Protest gegen die Eintrittspreise in Gladbach unverkennbar, die „Fußball muss bezahlbar sein“-Gesänge wurden von mehreren Spruchbändern wie „Eure Preispolitik ist zum kotzen“ untermalt. Zu Recht, denn für eine Stehplatzkarte verlangten die Fohlen 19,50 €, die mit der Vorverkaufsgebühr des BVB über 20 € schossen. Passend dazu flogen auch einige Weingummifrösche aus dem Gästeblock, symbolisch für die „Kröten“ die einem in Gladbach aus der Tasche gezogen werden.

Den Ball ins Tor schossen dagegen nach einer guten Stunde fast die Gastgeber: Ein wohl als Flanke gedachter Ball von Nordtveit von der Seitenauslinie senkte sich bedrohlich aufs lange Eck und musste von Weidenfeller über die Latte geklärt werden. Bei der darauffolgenden Ecke kam Stranzl frei zum Kopfball und musste eigentlich den Ausgleich markieren, doch er scheiterte recht kläglich an Weidenfeller.

Der Warnschuss kam beim BVB wohl nicht laut genug an, denn der Ausgleich für Gladbach fiel nur wenige Minuten später: Wendts Flanke wurde von Subotic Hinterteil direkt zu Younes abgefälscht, der bei seinem Startelfdebüt sein erstes Tor für die Fohlen markierte. Dabei hatte er auch das Glück, dass Santana den Ball abfälschte. Möglicherweise hätte der Schiedsrichter hier zuvor auf Abseits entscheiden können, denn die Flanke auf Wendt war eigentlich für de Jong gedacht, der im selbigen stand und sich erst sehr spät aus der Flugbahn des Balles entfernte.

Mit der Einwechslung von Bajner für Leitner kurz darauf brachte Jürgen Klopp einen echten Stürmer aufs Feld, der es Reus und Götze ermöglichte, in bekannter Weise im offensiven Mittelfeld zu rotieren. Der ungarische Stürmer der eigentlich für die BVB-Amateure spielt hatte sich laut Jürgen Klopp seine Chance redlich verdient und stellt mit seinen 1,95 Meter Körpergröße auch eine echte Anspielmöglichkeit dar.

Der BVB nahm das Spiel nun wieder in die Hand, doch man fragte sich, warum man sich überhaupt erst in diese Situation hatte bringen lassen. Die erste Halbzeit hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck vermittelt, dass Gladbach einmal ins Spiel kommen könnte. Doch man gab den Gastgebern freundlich diese Chance, die sie zu nutzen wussten.

Der BVB drückte jetzt auf den Sieg, so brachte Jürgen Klopp für die letzten zehn Minuten mit Sahin für Piszczek noch eine weitere Option das Offensivspiel zu beleben. Es sollte trotzdem bis zur 90. Minute dauern, bis es auf beiden Seiten fast zum Lucky Punch kam: Erst startete der eingewechselte Mlapa durch und umkurvte Weidenfeller. Der Winkel wurde jedoch für ihn zu spitz, so dass es nur für einen Schuss ans Außennetz reichte. Auf der anderenMinute musste Kehl mit dem Schlusspfiff den Sieg unter Dach und Fach bringen, doch er scheiterte nach Götzes Vorlage kläglich vor dem leeren Tor.

So blieb es beim Remis, das am Ende leistungsgerecht, doch aus BVB-Sicht mehr als unnötig war. 61 % Ballbesitz, 15 zu 6 Schüsse und 79 % gelungene Pässe reichten am Ende nicht für drei Punkte. Nicht zum ersten Male hat sich der BVB vom Gegner einschläfern lassen und dadurch Punkte liegen gelassen. Bei Fans und Spielern liegt der Focus jetzt auf dem Pokalspiel am Mittwoch in München, bei dem man die Münchener Jubelrufe ob des Ligavorsprunges von nunmehr 17 Punkten bestens verstummen lassen könnte.

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Julian Bräker, Christopher Neundorf (Fotos), 24.02.2013