UNSER RÜCKBLICK 2012 (6)
Das Jahr 2012 wird sicherlich wirtschaftlich als eines der lukrativsten in Erinnerung bleiben. Die aufgestellten Bestmarken und das Double haben den Club scheinbar in eine andere Umlaufbahn katapultiert. Dies zumal, da es der gesamte BVB wieder perfekt verstand, klug an der Sympathieschraube zu drehen…
3. Umfeld, wirtschaftliche Situation
Holger: Das Umfeld kann durchaus zum Mühlstein um den Hals eines Vereins mutieren, wenn Erfolge ausbleiben. Anders beim BVB. Da scheint alles zu stimmen derzeit. Darum zuerst mal die Frage an ihre Gäste gerichtet: Wie sieht das Umfeld des BVB von außen betrachtet aus bzw. wie kann man die Szenerie in Dortmund bewerten?
Bruno “Günna” Knust: Idyllisch kann man das schon nennen. Zufriedene Sponsoren, gute Außendarstellung, großer Rückhalt und totale Identifikation in Stadt und Umland, handzahme Presselandschaft, keine Störfeuer von egal woher und alle hoffen, dass die Traumzustände hier noch lange anhalten. Dortmund wat willze mehr? Wenn Teile der Fanszene nicht etwas aus der Spur geraten wären, könnte man es fast perfekt nennen…
Felix Meininghaus: Ok. Formulieren wir es einmal so: Wenn man als Verein aus dieser Phase keine Nachhaltigkeit generiert, muss man sich nachher schwere Versäumnisse vorwerfen lassen. Dann hätten die führenden Köpfe als Kaufleute komplett versagt.
Jens: Vor allem darf man nicht den Fehler machen, den bayerischen Weg zu beschreiten. Zuviel Selbstsicherheit kann in irgendwelchen Flughafenhangars enden. Aber ich sehe bei der Geschäftsführung des BVB eher ein konstruktives Understatement als Übertreibungen.
Peter: Angesichts des Rekordgewinns von 34 Millionen Euro, dem höchsten Gewinn überhaupt in der 50-jährigen Bundesliga-Geschichte, bleiben keine Fragen mehr offen. Diese Leistung wird noch größer, wenn man sich ins Hinterstübchen ruft, dass Dr. Niebaum diesen Klub vor wenigen Jahren um Haaresbreite in den Konkurs getrieben hätte.
Uli: Wäre einfach wünschenswert, dass sich die Entwicklung fortsetzen und die handelnden Menschen in dieser Konstellation so erfolgreich weitermachen würden.
Andreas: Der Verein und die Fans kommen zurzeit als eine Einheit rüber. Alles dem Motto ‘Echte Liebe’ unterzuordnen und tatsächlich glaubwürdig dabei zu sein, ist ein riesiger Erfolg.
Patrick: Sportlich und finanziell ist der BVB über jeden Zweifel erhaben. In Sachen Fanarbeit und gesellschaftlicher Verantwortung gibt es zwar erfreuliche Ansätze, aber auch noch Luft nach oben.
Heinz Büse: Ich empfinde es als Privileg, über eine Mannschaft wie Borussia Dortmund berichten zu dürfen. Keine Mannschaft in Deutschland spielt attraktiver, kein Verein hat ein besseres Stadion, nirgendwo ist die Atmosphäre besser. Nur schade, dass sich die Arbeitsbedingungen für uns Journalisten nach der Verlegung des Presseraums deutlich verschlechtert haben.
Holger: Der BVB schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle. Mit den sportlichen Erfolgen hält die wirtschaftliche Komponente naturgemäß Schritt. Nie war es leichter, Sponsoren zu gewinnen und lukrative Verträge abzuschließen. Ist das jetzt die Steilvorlage für die Phase der „Nachhaltigkeit“, wie von Aki Watzke propagiert?
Marcus Bark: In dieser Phase sehe ich den BVB noch nicht. Drei Titel in zwei Jahren haben natürlich auch Sponsoren angelockt. Der Hype würde aufhören, wenn Erfolge ausbleiben. Von Nachhaltigkeit würde ich erst sprechen, wenn der BVB sich vier Mal hintereinander für die CL qualifiziert hat.
Bruno “Günna” Knust: Das kann nur ein Teilbereich der sogenannten Nachhaltigkeit sein. Die Kohle muss stimmen, das ist klar, wenn der Honig fließt, nimmt man auch gerne mal den dicken Löffel. Aber die Nachhaltigkeit bezieht sich auch aus Aki Watzke’s Sicht sicher genauso auf den sportlichen Bereich. National und international dauerhaft mit in der ersten Reihe zu spielen ist erklärtes Ziel. Auf Lorbeeren ausruhen sollen sich andere, the Show must go on…
Marc: Sportlicher Erfolg geht ja immer mit wirtschaftlicher Prosperität einher. Wenn Borussia Dortmund die einmalige Gelegenheit nicht jetzt nutzt, wann dann?
Peter: Im ursprünglichen Wortsinn bedeutet Nachhaltigkeit eine „längere Zeit mit anhaltender Wirkung“. Ursprünglich entstammt dieses Wort aus der Forstwirtschaft, denn ein „forstwirtschaftliches Prinzip der Nachhaltigkeit“ ist es, dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann. Für Borussia Dortmund bedeutet das: ein Weidenfeller darf erst in Rente gehen, wenn ein adäquater Spieler ihn eins zu eins ersetzen kann. Aber mit seinen Leistungen wird Roman noch lange für Furore sorgen – etwa bis zum Jahr 2022. Erst danach wird er eine Pizzeria eröffnen, in die aus gutem Grund nur Frauen Zugang haben…
Rutger: Ehrlich gesagt, kenne ich die Erfolgskurve der Borussia nur als Sinuskurve. Deshalb fällt es mir schwer, wirklich an einen dauerhaften “zweiten Leuchtturm des deutschen Fußballs neben den Bayern” (Watzke), der in Dortmund steht, zu glauben. Man muss diese Zeit genießen, denn die Fußstapfen von Klopp werden, egal wann er Dortmund verlässt, für jeden Trainer der Welt zu groß sein. Irgendwann kriegen wir also alle wohl doch wieder ausreichend Auswärtstickets.
Ingo: Ich bin kein Finanzexperte, aber wäre die Phase der Nachhaltigkeit nicht schon längst eingeläutet, wäre ein Transfer wie Reus – meiner Meinung nach – überhaupt nicht möglich gewesen. Was aber sehr wohl gerade möglich ist, dass die Schulden soweit abgebaut werden, dass wir vielleicht irgendwann selbst mal über ein Festgeldkonto verfügen.
Andreas: Dafür ist der sportliche Erfolg ganz wesentlich, Ingo. Guck mal, wie viele Millionen allein durch die Erfolge in der CL schon rein gekommen sind. Da hat man den Reus schon bezahlt. Also wenn man die nächsten fünf Jahre oben mitspielt und an die fetten Töpfe der Champions League kommt, ist das Festgeldkonto auch nicht mehr so weit.
Patrick: Das Festgeldkonto ist schon jetzt nicht das schlechteste, denke ich.
Heinz Büse: Ja. Bessere Bedingungen könnte sich Hans-Joachim Watzke jedenfalls kaum wünschen. Der BVB ist zu einer Top-Marke mit höchsten Sympathiewerten geworden.
Jens: Finanziell werden die Bayern wahrscheinlich noch auf Jahre dem BVB voraus sein. Aber solange wir immer wieder mal sportlich an ihnen vorbei ziehen, kann ich damit sehr gut leben. Der Abbau von Schulden und die Sicherung des Vereins sollte eine hohe Priorität haben. Aber nur sparen, sparen, sparen bringt auch nichts. Da gibt es beispielsweise einen Verein, der auch an der B1 bzw. A40 liegt und sich lange rühmte, keine Schulden zu machen. Hat es geholfen? Leider nein.
Andy: Der BVB versteht es mittlerweile, sich als Marke zu sehen und diese mit Leben bzw. “Echter Liebe” zu füllen. Das hilft natürlich bei der Vermarktung. Ich glaube, auch unabhängig vom sportlichen Erfolg, würde die Marke “BVB” heute viel besser da stehen als noch vor sechs bis acht Jahren. Allerdings hilft der Erfolg enorm, das braucht man eigentlich nicht extra erwähnen.
Patrick: Stimmt, der Slogan ‘Echte Liebe’ scheint ein Marketing-Coup gewesen zu sein. Nicht nur, weil er hier so oft erwähnt wird.
Kim: Business and fun geht nicht zusamm’.
Holger: In Polen hat der BVB Schätzungen zu Folge – Lewandowski, Piszczek und Blaszczykowski sei Dank – eine halbe Million Anhänger, in Asien schauen dem BVB mittlerweile geschätzte 600 Millionen Menschen zu. Sollte der BVB seine Marketingmaßnahmen im Ausland weiter ausdehnen?
Felix Meininghaus: Deine Frage beantwortet sich von selbst: Eine Marketingabteilung, die so gute Möglichkeiten hat, im Ausland Fans und damit Kunden zu gewinnen und dies versäumt, hat ihren Job verfehlt.
Bruno “Günna” Knust: Ja sicher. Und das nicht nur, um gegen die von Uli the Hoeneß rausposaunte „regionale Angelegenheit BVB“ anzustinken. Ob Polen oder Asia – Borussia is’ für alle da…
Marc: Der deutsche Markt ist ja relativ gesättigt, was die Marketing-Chancen angeht. Insofern befürworte ich eine Expansion der Marketing-Aktivitäten in den relevanten Märkten Asien und möglicherweise auch Europa.
Rutger: Ist nicht mein Thema. Ist mir vollkommen egal. Ich bin ja beinharter Fußballromantiker. Aber Carsten Cramer wird’s schon richten, sollte das auf der Unternehmens-Agenda stehen.
Peter: Gemessen am Gesamtumsatz der Vereine in allen drei Ligen machen Umsätze im Merchandising-Bereich mittlerweile rund 7,6 Prozent aus. Wenn nun jeder dritte Chinese einen BVB-Toaster kaufen würde, steigt dieses Segment nochmals um gewichtige 2000 Prozent in die Höhe.
Ingo: Wie sagte einst ein gewisser Uli H. aus M.: die Bayern sind ein Global Player, der BVB eine regionale Angelegenheit. Damit hat er ja nicht ganz Unrecht. Von daher spricht nichts dagegen, den Erfolg dafür zu nutzen, Potenziale im Ausland auszuschöpfen.
Jens: Ja, und da war der BVB ja auch schon mal weiter. Ich meine, früher gab es auch schon mal eine chinesische Variante der Homepage. Spöttern zufolge stammt die Adress-Struktur der bvb.de-Seite noch von dieser Experimentierphase.
Uli: Von mir aus nicht, aus wirtschaftlicher Sicht vermutlich schon.
Heinz Büse: Nur, wenn Ertrag und Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
Marcus Bark: Da, wo es Sinn macht, wie in Polen, sicherlich. Der Markt in Asien ist schwierig, weil er von den beiden großen Spaniern und den Engländern besetzt ist. An Manchester United wird der BVB in den kommenden Jahren nicht herankommen.
Andy: Ich bin da auch eigentlich eher der Romantiker. Für mich gehört der BVB nach Deutschland und insbesondere in den Pott. Allerdings wäre es fahrlässig, die Potentiale im Ausland brachliegen zu lassen.
Holger: Ja, den Champions League-Titel und erst Recht den Weltpokalsieg hat man über die Grenzen hinaus nicht gut genug vermarktet, wenn ich das mal so Revue passieren lasse…
Patrick: Puh, Andy. Und warum sollten sich nicht auch Menschen außerhalb ihre Landes am BVB erfreuen und wir ihnen den Zugang dazu erleichtern? Das soll ja nicht heißen, dass wir ihre Spielplan und ihre Uhren nach anderen Zeitzonen ausrichten und ihre Spielstätte verlagern.
Andreas: Wenn man überall auf der Welt Merchandising-Artikel von ihre BVB kauft und wird damit eine konkurrenzfähige Mannschaft bezahlen können, ist mir das sehr Recht. Wenn wir aber dann bald morgens um 10 Uhr die Freundschaftsspiele machen, damit die Chinesen das zur besten Sendezeit bekommen, wird es schwierig.
Kim: Was wir sind der BVB und wenn die Asiaten Trikots kaufen, kaufen wir halt Asiaten…
Holger: Nüchtern zitiert: Der Aufsichtsrat hat sich dem Vorschlag der Geschäftsführung an die Hauptversammlung angeschlossen, diese möge beschließen, den im Geschäftsjahr 2011/2012 in Höhe von EUR 34.284.211,70 ausgewiesenen Bilanzgewinn zur Ausschüttung einer Dividende von EUR 0,06 je dividendenberechtigter Stückaktie zu verwenden… Spiegelt die erstmalige Dividendenausschüttung nun auch die positive Gesamtsituation wider?
Heinz Büse: Es wäre schwierig geworden, den Aktionären bei einem derartigen Gewinn eine Dividende zu verweigern. Der hohe Gewinn ist aber vor allem den hohen Transfererlösen geschuldet, er dürfte nur schwer zu wiederholen sein.
Marc: Die Dividendenausschüttung von Borussia Dortmund ist unter Rendite-Gesichtspunkten natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Allerdings ist es auch als Signal an die Anteilseigner zu verstehen, dass nicht nur „in Steine und Beine“ investiert wird, sondern auch langfristig eine Ausschüttung für die Aktionäre zu erwarten ist.
Felix Meininghaus: Einerseits klingt eine Rendite von sechs Cent pro Wertpapier nicht gerade epochal – und ist es auch nicht. Andererseits handelt es sich um die erste Gewinnausschüttung, seit die BVB-Aktie auf den Markt geworfen wurde und schnurstracks ihre Talfahrt antrat. Von daher bedeutet dies schon einen Lichtblick in dieser tristen Geschichte.
Bruno “Günna” Knust: Das mit dem Dividendchen sollte bestimmt ein Wink in diese Richtung sein und die 0,06 Euronen machen auch gleich klar, dass trotz guter Zahlen und Ergebnisse nicht schon wieder mit der Kohle um sich geworfen wird.
Marcus Bark: Klar, ich habe viele Versammlungen in den vergangenen Jahren besucht und es war nun wirklich nicht mehr möglich, die Aktionäre noch einmal zu vertrösten. Für die wäre es aber besser gewesen, wenn der BVB das Geld für einen Lewandowski-Ersatz zur Seite gelegt hätte. Mit einem Stürmer seiner Güte sehe ich für die kommenden Jahre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, sich für die CL zu qualifizieren. Dann steigt auch der Kurs…
Peter: Seh ich auch so. Dieses Geld wäre besser in zusätzliche Spieler investiert worden.
Jens: Gibt es wirklich BVB-Fans, die sich für die Dividende interessieren? Mich interessieren eher die Naturalien, dargeboten in Schale und Pottform.
Uli: Ja, was sonst? Obwohl auch das mir egal ist. Wichtig is’ auf’m Platz!
Andreas: Uli, dir ist aber echt vieles egal. Aber mal im ernst: Wer sich als Fan zu Beginn eine Aktie zugelegt hat und dafür 11 Euronen auf den Tisch gelegt hat, wird sich jetzt sicher tierisch über die sechs Cent freuen. Weiß er doch, dass, wenn das so weitergeht,er seine Kohle in 184 Jahren wieder raus hat. Also für echte Finanzhaie ist das nichts – das ist ein Fan-Artikel, den man eben an der Börse kaufen muss.
Andy: Danke Uli für die Spende ins Phrasenschwein. Als mehr als eine Geste darf man die 0,06 Euro Dividende nicht verstehen. Ich glaube auch eher, dass die meisten auf das Geld verzichten würden, wenn dafür in Beine oder Steine investiert worden wäre.
Marcus: Gab es eine Dividende?
Holger: So sehr der BVB in den letzten Jahren auch seine Strukturen professionalisiert hat – die Ticketproblematik bleibt die Achillesferse der Geschäftsstelle. Eine nervige Hotline, die entweder besetzt ist oder fehlerhafte Auskünfte liefert und so der immer größer werdenden Fangemeinde die Freude verhagelt. Warum löst die Chefetage dieses Problem nicht einfach?
Rutger: Weil’s eben nicht einfach ist. Ich würde mir zumindest bei der Kartenvergabe an die Fanclubs mehr Transparenz wünschen. Da wird zu viel gekungelt. Man hört da ja immer wieder komische Geschichten. Vielleicht sollte man auch mal den Angestellten weniger Bevorzugung bei der Kartenvergabe zukommen lassen.
Marc: Auch wenn ich unzählige Male an der Ticket-Hotline verzweifelt bin, ist es schwer, den Königsweg für dieses Problem zu finden. Eine reine Abwicklung über das Internet-Ticketing wird am Widerstand der nicht netz-affinen Anhänger (ja, auch diese Klientel gibt es noch und sie ist größer als manch einer denkt!) scheitern.
Bruno “Günna” Knust: Solange es immer mehr Nachfrage als Tickets gibt, wird sich das nicht lösen lassen und es wird immer Unzufriedene geben. Wenn sich das so einfach lösen ließe, gäb’ es sicher auch nicht diese nervigen und endlosen Schlangen beim Einlass ins Stadion. Das finde ich viel hinterwäldlerischer und nicht meisterlike.
Jens: Dann wäre der BVB und sein Ticketing ja nicht negatives “trending topic” bei Twitter an Verkaufstagen…
Uli: Gegenfrage: Wie wäre das denn so einfach zu lösen?
Marcus: Es braucht hier einfach eine optimalere Lösung – wie auch immer die aussieht. Dafür gibt es Profis. Heute ist das einfach nur frustrierend. Ja, die Anfrage ist extrem hoch – vor allen Dingen momentan. Aber auch das bewältigen große Vereine mit großer Nachfrage irgendwie.
Andy: Mir geht die elektrische Tickethotline auch gehörig auf den Zeiger. Eine Verbesserung der Kapazitäten, z.B. durch freie Leitungen und der Zuverlässigkeit der Auskünfte würden meiner Meinung nach schon zur Verbesserung der Gemütslage beitragen. Bis dahin stelle ich mir weiterhin die bange Frage: Wenn eine Karte angeboten wird, habe ich sie auch noch im nächsten Schritt des Bestellvorgangs…?
Marcus Bark: Ich bekomme das von Bekannten und Mannschaftskollegen auch mit, dass das suboptimal läuft. Gute Frage, wie man das lösen kann, denn die Probleme sind ja seit Jahren bekannt. Aber da bin ich zu sehr außen vor, als dass ich da fundiert etwas zu sagen könnte.
Andreas: Ohne Dauerkarte haste einfach die Arsch-Karte.
Patrick: Vor allem sollten die Online-Bestellmöglichkeiten verbessert werden. Wer sonst bestellt denn heutzutage noch Eintrittskarten telefonisch?
Denise: Ich ruf da nicht mehr an, nee! Entweder gibts Karten über den GmdK-Fanclub oder ich geh in die Kneipe meines Vertrauens, denn da bekommste dat Pils wenigstens geliefert…
Kim: Demnächst geht’s nur noch mit Barcode auf der Stirn ins Stadion oder das Zeichen auf der rechten Hand…
Holger: Stichwort Eintrittskarten-Preisspirale. Der Fußball wird immer teurer. „Kein Zwanni für nen Steher“ hat es bislang nicht vermocht, Wucherer wie beispielsweise den Hamburger SV zum Ändern ihrer überzogenen Preispolitik zu bewegen. England ist ein warnendes Beispiel dafür, dass die Aussperrung der klassischen Fans zu Lasten der Stimmung geht. Wo seht ihr das Ende der Fahnenstange erreicht?
Bruno “Günna” Knust: Jetzt, wo du das sagst, fällt mir ein, dass ich früher mal fast auf den Cent genau den Betrag, den ich heute an Euronen für die gleiche Katte zahle, an D-Mark latzen musste. Aber mit der Pizza beim Italiener ist es ja genauso. Letztlich muss jeder selber entscheiden, wie lange einem das Live-Erlebnis Stadion – oder ne fette Pizza – diese Summen wert sind. Der Hamburger Ticketstelle habe ich beim letzten Spiel das Götz-Zitat aufgesagt, die hamm’ ja echt ne kalte Lötstelle und ziehen einen über den Tisch da…
Peter: Letztlich wird das nicht der Fan, sondern die DFL entscheiden. Der kleine Mann – heute nennt man ihn wahlweise Leiharbeiter oder 400-Euro-Jobber – wird sich auf lange Sicht mit den Spiel-Häppchen bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten begnügen müssen – ein Ticket kann er sich nicht mehr leisten, wenn wir in der Liga englische Verhältnisse bekommen. Und die werden mit großer Wahrscheinlichkeit kommen.
Felix Meininghaus: Die Entwicklung in Europa zeigt aber auch, dass die deutsche Bundesliga viel richtig gemacht hat. Es wäre ebenso töricht wie kurzsichtig, diesen Weg auf dem Altar der Gewinnmaximierung zu opfern. England und Italien sind warnende Beispiele. Die DFL und ihre Klubs müssen sich aus strategischen und ethischen Gründen sehr gut überlegen, ob sie die Gefahr eingehen wollen, die deutsche Fankultur, um die uns so viele Länder beneiden, zu gefährden. Die jüngsten Entwicklungen lassen bei mir allerdings sämtliche Alarmglocken schrillen.
Ingo: Ich sag ja schon seit Jahren, wenn auch nicht ganz ernst gemeint, es wird enden wie beim Tennis mit einem Stuhl-Schiedsrichter, der dann “quiet please” auf die Tribünen bölkt. Und erlaubt sind nur noch Poloshirts statt Trikots und statt der Bratze im Brötchen wird’s dann unreife Erdbeeren mit Sahne zu überhöhten Preisen geben…….Nein, soweit wird’s nie nie nie niemals kommen – aber es wird sich bestimmt einiges ändern – auch was die Preise angeht. Ich denke und hoffe, dass es Stehplätze auch weiterhin geben wird. Bin mir aber ziemlich sicher, die Polizei wartet nur darauf, dass es irgendwann zu einem “Mini-Unglück” auf den Stehtribünen kommen wird, damit “dieser Wahnsinn” ein Ende haben wird.
Rutger: Echt jetzt? Wenn ich ein Polo-Shirt tragen muss, um ins Stadion zu kommen, verbrenne ich mich samt Shirt aus Protest auf dem Friedensplatz.
Jens: Das schlimme ist, dass ich Ingo wohl zu 1909 % zustimmen muss. Wenn man sich anschaut, wie amtierende Politiker und Polizeivertreter bzw. die Vertreter von Minigewerkschaften sich äußern und dabei sehr fragwürdiges Zahlenmaterial heranziehen, dann sehe ich da wirklich eine große Gefahr für den Fußball, wie wir ihn kennen und lieben.
Uli: Schwierig. „Kein Zwanni…“ ist eine gute Größenordnung. Bei den Sitzern kommt es immer drauf an. Aber man sieht ja am Beispiel Hamburg, wie schnell die Vereine überdrehen. Ein wenig Preisstabilität wäre schon gut, wobei ich zu bescheuert bin zu sagen, ab der Summe xy steige ich aus. Vermutlich würde ich zähneknirschend weiter blechen.
Andy: Leider bestimmen bei vielen Vereinen Angebot und Nachfrage die Preise. Eine soziale Verantwortung sehen die Oberen aus Hamburg dabei nicht. Solange irgendjemand die Preise für diese überteuerten Plätze zahlt, werden sie auch in der Höhe erhoben. Aber wer verzichtet schon gerne auf seinen Platz, um ihn einem anderen zu überlassen, der dann bereit ist, den Preis zu zahlen?
Rutger: Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Fans auch in Zukunft weiter ihre Stimme erheben und den Finger in diese Wunde legen. Obwohl es einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Hier hat das Fan-Engagement in Dortmund über die Landesgrenzen hinweg eine wichtige Vorbildfunktion. Es bleibt zu hoffen, dass die Initiative da nicht “einschläft”!
Holger: Am Beispiel HSV sieht man ja, dass die Bretter, die da zu bohren sind, unglaublich vielschichtig und meterdick sind. Da muss einfach auch 2013 noch einmal viel mehr kommen in der Richtung von Seiten der Initiative, die ich da natürlich in die Pflicht nehmen möchte!
Heinz Büse: Die meisten Vereinsbosse und die DFL-Führung sind sich dieser Problematik sehr wohl bewusst. Schließlich sind Spanien und England abschreckende Beispiele. Weitere Preiserhöhungen wären deshalb kontraproduktiv.
Marcus Bark: Ich denke auch, solange die Preissteigerung sich im Rahmen der normalen Teuerungsrate bewegt, wird Deutschland weiter in Europa als Vorbild angesehen und ausverkaufte Stadien in Serie melden.
>> Im 7. Teil geht es um die „FANS“
>> 1. Teil UNSER RÜCKBLICK
>> 2. Teil UNSER RÜCKBLICK
>> 3. Teil UNSER RÜCKBLICK
>> 4. Teil UNSER RÜCKBLICK
>> 5. Teil UNSER RÜCKBLICK
Redaktion, 07.01. 2013
