UNSER RÜCKBLICK 2012 (4)
Die Gerüchte, Manchester United wolle Robert Lewandowski im Sommer, halten sich konstant seit Monaten. Schon im Sommer möchte Sir Alex Ferguson den Borussen-Stürmer auf der Insel begrüßen. Sogar noch kurz vor dem Jahreswechsel berichtete ‚BILD‘ von einem unterschriftsreifen Fünfjahresvertrag, der dem Polen pro Saison rund 5 Mio Euro Gehalt garantieren soll. Der BVB soll dem Vernehmen nach an dem Deal rund 22 Mio Euro Ablöse kassieren. Also scheinbar alles klar?
Personelle Bestandsaufnahme (4)
Holger: Lasst uns über über die Baustellen beim BVB sprechen. Perisic kommt nicht zurecht mit seiner Reservistenrolle und wird sicher wieder gehen, auf Lewandowski’s Abschiedstournee müssen wir uns ebenso einstellen, wie auf die Verabschiedung von Felipe Santana. Wo liegt denn Eurer Meinung nach in diesen Personalien die Wahrheit? „Auf’m Platz“ kostet übrigens 5 Euro fürs Phrasenschwein…
Rutger: Auf’m Platz. Ich zahl’ die Zeche vor’m nächsten Heimspiel in Form von Fangetränken in der Roten Erde. Ansonsten kann man dazu grundsätzlich nur sagen: Reisende soll man nicht aufhalten.
Peter: Ja klar, irgendwann wird die Zäsur mit mehreren Spielerwechseln kommen, weil Michael Zorc nicht jeden widerspenstigen Berater im Zaum halten kann. Nur sollte der Nachwuchs endlich adäquat mitwachsen. Was die BVB-Amateure derzeit mit Bakalorz, Bittencourt und Benatelli veranstalten, ist, wie die Liga schon sagt, amateurhaft! Hier ist eindeutig noch viel Luft nach oben.
Ingo: Nun ja, bei Lewandowski mache ich mir persönlich keinerlei Hoffnungen mehr. Schade, ich fände es klasse, wenn er es ähnlich wie Reus im letzten Jahr bei Gladbach gehandhabt hätte. Er soll einfach sagen: da und da geht’s hin und jetzt Vollgas! Aber dieses Hickhack und Dauerschweigen geht mir einfach nur auf die Nüsse. Perisic – na ja – wenn er wirklich gehen will – sag ich nur: Schönen Gruß und auf Wiedersehen. Der Junge verschenkt sein Talent leider ein wenig und bevor er rummoppert, soll er es lieber woanders versuchen. Um Santana muss ich ganz ehrlich sagen, würde ich Rotz und Wasser heulen. Der Mann ist für mich sportlich und menschlich ein Borusse, wie man ihn sich nur wünschen kann. Manchmal ärgere ich mich auch wirklich über Kloppo, dass er überall rotiert, nur nicht in der Abwehr – Ausnahme ManCity.
Felix Meininghaus: Die Wahrheit ist, dass Borussia Dortmund’s größte Sollbruchstelle im Sturm liegt. Wenn Lewandowski nach dieser Saison geht – worauf vieles hindeutet – müsste Julian Schieber seine Rolle übernehmen, der seine Befähigung dafür noch nicht nachgewiesen hat. Allerdings bin ich – im Gegensatz zu einigen Kollegen – nicht so weit, den Stab über dem „Bullen von Backnang“ zu brechen – auch Lewandowski benötigte Zeit. Also: Abwarten. Dennoch muss in der vorderen Reihe dringend etwas geschehen, selbst, wenn man Marco Reus als Stürmer einstuft. Siehe Bayern, die mit Mandzukic, Gomez und Pizarro gleich dreifach besetzt sind.
Holger: Der hochtalentierte Arkadiusz Milik von Gornik Zabrze jedenfalls ist vom Markt. Bayer Leverkusen hat sich das 18 Jahre junge Supertalent geschnappt. Bereits im Winter soll er, der von Sevilla, Liverpool, Arsenal, Inter, Schalke, Stuttgart und dem BVB Gejagte, für rund drei Millionen Euro zur Werkself kommen. Schade!
Marcus Bark: Perisic beispielsweise ist nach wie vor nicht in der Lage, den Klopp-Fußball diszipliniert und konstant zu spielen. Dass er sich da wird umstellen müssen, war dem Trainer und Michael Zorc bestimmt bei der Verpflichtung klar. Sie dachten, das sei schneller in den Griff zu bekommen, ist es aber nicht. Felipe Santana wäre ein Verlust, weil er ein gleichwertiger Ersatz für Subotic und ein fast gleichwertiger für Hummels wäre. Lewandowski wäre durch einen – nicht zu stemmenden – Dzeko zu ersetzen. Aber nur, was die Torquote angeht. Einen besseren Stürmer für den erwähnten Klopp-Fußball als ihn kenne ich nicht.
Holger: Wie man aus England hört, sind die ersten Sondierungsgespräche mit City in Sachen Edin Dzeko zunächst wohl an der hohen Gage des Stürmers gescheitert, was ja nichts heißen muss. City will ihn los werden und sich dementsprechend sicher noch bewegen. Das würde ich als “ergebnisoffen” betrachten. Ein aussichtsreicherer Kandidat ist da wohl auch Kevin Gameiro von Paris St.-Germain. Über den laufstarken 25jährigen, der bei PSG seit der Verpflichtung von Zlatan Ibrahimovic nur noch spärlich zum Einsatz kommt, hat der BVB laut „L’Équipe“ in den vergangenen Wochen detaillierte Erkundigungen eingezogen.
Heinz Büse: Es steht leider zu befürchten, dass Lewandowski zum Saisonende geht. Das wäre ein herber Verlust für die Borussia. Perisic wäre leichter zu ersetzen. Er macht bei aller Fürsprache von Klopp zu wenig Fortschritte.
Uli: Aber wenn Perisic ihre Fußball verinnerlicht und die Herausforderung annimmt, kann er ein wirklich Guter werden. Das muss er aber wollen. Bei Lewandowski stelle ich mir die Frage: Warum sollte er denn überhaupt gehen? Warten wir’s doch ab. Und Santana? Es braucht doch nur etwas mit Hummels oder Subotic passieren (Gott behüte!), dann macht er 15 Spiele am Stück und ist nicht mehr aus der Truppe wegzudenken. Auch hier plädiere ich für abwarten. Die Spekulationen sollten wir den Boulevardblättern und Seiten wie transfermarkt.de überlassen.
Marc: Ivan Perisic’s Unzufriedenheit kann ich teilweise nachvollziehen. Allerdings ist es dem Kroaten bislang nicht gelungen, seine verbal proklamierten Ansprüche auch sportlich zu begründen. Robert Lewandwoski wird vermutlich den gleichen Weg wie Shinji Kagawa gehen: sportlich zu einem Star in Dortmund gereift und dann für viel Geld an einen finanziell potenteren Verein im Ausland verkauft werden.
Bruno “Günna” Knust: Klar, Perisic ist sicher enttäuscht über seine Situation, ich glaube aber auch, dass nicht nur ich von ihm unter’m Strich enttäuscht bin. Er zeigt zu selten, was er könnte und ist oft zu fahrig, wenn er denn spielt, zu uncool, zu eigensinnig und will mit dem Kopf ständig durch die Wand. Der Trainer gibt ihm immer wieder Chancen und er nutzt sie konsequent nicht. Wenn da keine Vorwärtsentwicklung bei ihm zu sehen ist, macht ‘ne Trennung Sinn und ist für beide Seiten besser. Felipe Santana zeigt immer wieder, dass Verlass auf ihn ist. Ihm fehlt zwar sichtbar Spielpraxis, um noch souveräner zu sein, aber man kann ihn immer bringen. Woanders wäre er vielleicht Stammspieler, doch als gleichwertiger Backup auf ihre Bank lebt es sich auch nicht schlecht und das Projekt BVB braucht ne starke zweite Reihe, in seinem Fall wär’ es dann ja sogar die anderthalbte Reihe und er ist immer mit einem Bein in der Mannschaft.
Jens: Von Perisic bin ich eigentlich insgesamt doch positiv eingenommen, aber den kann man ja nur als Einwechselspieler bringen, denn der bekommt ja gefühlt jedes Mal fünf Minuten nach Betreten des Platzes eine Karte. Das wäre viel zu gefährlich, wenn er von Anfang an spielen würde. Bei Lewandowski ist, glaube ich, das Problem nicht der Robert, sondern eher sein Berater. Ich denke mal, Berater haben mehr davon, wenn ihre Schützlinge teuer zu anderen Clubs transferiert werden, als dort zu bleiben, wo sie sich wohl fühlen.
Bruno “Günna” Knust: Lewandowski würde mir richtig fehlen. Der ist ein richtiger Kracher, nicht nur wegen seiner Tore, wenn man auch noch die dazu zählt, die er nicht macht, aber machen könnte, hätten wir mit ihm auf Dauer ‘ne Mordsperspektive. Der ist ja noch verdammt jung und hat noch reichlich Entwicklungspotenzial im Köcher, das hätte man in seinem ersten Jahr gar nicht vermutet. Wenn er clever ist. bleibt er bei uns, wir zahlen auch nicht mit Nüssen und hier hätte er ‘nen Stammplatz mit Torquotengarantie plus genialer Nebenleute, die ihn gut aussehen lassen.
Andy: Sollte Robert gehen, wäre dieser nicht zu ersetzen. Schieber ist da leider kein Vergleich. Perisic ist für mich einfach zu langsam im Umschaltspiel. Wenn er da seinen Nachholbedarf wett macht, dann kann er ein sehr wertvoller Spieler sein. ‘Tele’ ist für mich ein unverzichtbarer Spieler. Ihm sollte Kloppo mehr Einsatzzeiten geben, um der Stamminnenverteidigung auch mal die nötigen Verschnaufpausen zu verschaffen.
Rutger: Wieso wäre der nicht zu ersetzen? Machen wir dann den Laden dicht, oder was? Gibt noch andere Stürmer, die wissen, wo die Hütte steht.
Andreas: Lewandowski ist einer der besten Stürmer in Europa. Es wäre ein echter Verlust. Aber wenn man für ihn 30 Millionen bekommt, darf man ihn wohl nicht aufhalten. Für mich ist es eher enttäuschend, dass Schieber es noch nicht geschafft hat, sich weiterzuentwickeln. Hier sehe ich die dickste Baustelle. Im Mittelfeld würde Perisic nicht unbedingt fehlen. An Santana kann man sicher die Krux eines Trainers festmachen. Nach zwei Jahren als Edelreservist fehlt ihm vielleicht das letzte bisschen an Konzentration und natürlich Spielpraxis.
Patrick: Julian Schieber solltest Du schon noch etwas mehr Zeit geben, Andreas. Erinnere Dich nur an Lewandowski, Barrios oder Gündogan – die brauchten alle etwas Eingewöhnungszeit, um dann so richtig durchzustarten.
Jasmin: Perisic… puh… ja. Schwierig. Er hat als Joker schon echt das eine oder andere starke Spiel gemacht. Immer, wenn er von Anfang an gespielt hat, weiß der Fußballteufel, warum, hat er – finde ich – eher durchschnittlich bis unterdurchschnittlich gespielt. Zweikampfschwach bis hinten gegen. Deshalb glaube ich, man sollte sich nur zu Wort melden und etwas beanspruchen dürfen (das allerdings intern!), wenn man Leistung zeigt. Zum Thema Santana kann und will ich mich Ingo gern anschließen. Wenn dieser unglaubliche Sympathieträger gehen würde, würde auch ich Rotz und Wasser heulen. Wenn Hummels oder Subotic ausgefallen sind, habe ich mir nie einen Kopf darüber gemacht, dass dann was schief gehen könnte. Man weiß immer sofort: „Felipe macht das schon!“. Auch ich kann nicht verstehen, weshalb Kloppo den beiden Innenverteidigern zwischendurch nicht einfach mal eine Pause gönnt bei so einem Ersatzmann. Felipe ist zwar meiner Meinung nach nicht ganz so standfest wie Mats oder Neven, aber er macht, wenn auch manchmal erschrocken und hektisch, meistens das Richtige. Zu dem von ihm selbst gewünschten Abschied Lewandowski’s möchte ich mich hier nicht äußern…
Jan: Lewandowski ist Profi durch und durch. Klar, er wird gehen,das zeichnet sich ab. Aber zum Glück ist er eben professionell eingestellt und zieht so lange, bis er geht, noch durch und macht seine Buden. Was die Reservisten angeht – wir haben sicher einige auf der Bank, die anderswo in der ersten Garde stehen würden. Aber bei uns ist es ja nicht so wie in München, ein Ersatzmann kommt wesentlich schneller zum spielen, als man denken mag.
Kim: Mich interessiert auch nur unser Verein, die anderen sind mir ziemlich Schnuppe. Ich sehe die Mannschaft in diesem Jahr auf Europa`s Bühnen gefestigt, weil sie jetzt nicht mehr so grün hinter den Ohren ist, einfach mehr Cleverness an den Tag legt und auch mal die Kugel wegdrescht.
Holger: Dazu hat der BVB mit Löwe und Kirch offenbar auf Leute gesetzt, die möglicherweise gewogen und für zu leicht befunden wurden, oder?
Marcus Bark: Absolut. Löwe kam von einem Aufsteiger in die 3. Liga zu einer Phase, als der BVB das höchste nationale Niveau schon erreicht hatte. Er ist ein solider Außenverteidiger, aber keiner für die Ansprüche des BVB. Das gilt auch für Kirch, eine der wenigen Verpflichtungen, die mich in den vergangenen Jahren bei der Borussia stutzig gemacht haben.
Felix Meininghaus: Ja, seit dem Revierderby, als Klopp lieber das gescheiterte Experiment mit der Dreierkette einging, als Löwe für Schmelzer links in die Abwehrformation zu beordern, bin ich mir sicher, dass Löwe keine Chance hat, beim BVB eine echte Rolle zu spielen. Gleiches gilt für Kirch, selbst wenn er gegen Manchester als Ersatz für Piszczek eine ordentliche Partie hingelegt hat.
Uli: Sehe ich anders als Marcus. Kirch hat zuletzt gegen City einen richtig ordentlichen Job gemacht, ansonsten bloß viel zu wenig gespielt, um jetzt schon den Stab über ihn zu brechen. Und Löwe hat unbestritten gute Ansätze. Leider hat er die gute Entwicklung aus der Zeit unmittelbar nach seiner Verpflichtung nicht fortsetzen können, aber er ist noch jung. Warum sollte da nichts mehr kommen?
Ingo: Ich glaube schon, dass beide als Backup taugen. Für mehr sicherlich nicht, aber ich denke, es gibt in der Bundesliga nicht so viele Außenverteidiger, die einen ‘Schmelle’ oder einen ‘Pische’ eins zu eins ersetzen können.
Marc: Klar verfügt Borussia mit Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek über zwei der besten Außenverteidiger in der Bundesliga. Doch auch die zweite Reihe ist nicht so schlecht besetzt. Oliver Kirch hat gegen ManCity im Dezember unter Beweis gestellt, wie wertvoll er sein kann.
Jens: Ich denke, bei beiden ist es noch zu früh, ein endgültiges Urteil zu fällen. Deren Stunde kommt noch!
Rutger: Sie waren als Flickzeug für den zweiten Anzug vorgesehen und diesen Anforderungen genügen sie vollends. Ob es für mehr reichen kann, will ich nicht beurteilen.
Andy: Kirch hat durchaus ansatzweise gezeigt, dass er es kann. Löwe fehlt einfach die Spielpraxis und Kloppo anscheinend der Mut, ihn mal für Schmelle einzuwechseln. Dadurch, dass Löwe auch dauernd in der Zweiten spielen muss bzw. darf, hat er leider auch wenig Möglichkeiten, sich zu etablieren.
Bruno “Günna” Knust: Was da bei Löwe läuft, ist schon rätselhaft. Da kommt ja wirklich nicht mehr viel von ihm und das riecht als Lösung nach Tapenwechsel. Bei Kirch sehe ich das etwas anders. Der kam von nem Absteiger, der muss sich erst noch mit der Umstellung anfreunden. Beim FCK wollte man nur nicht verlieren und beim BVB will man nur gewinnen, das ist alles eine Frage der birnentechnischen Abläufe und ich unterstelle mal, dass er das im Laufe einer Saison verinnerlicht und sein Spiel findet. Eine Bewertung geht wohl erst im Sommer richtig.
Heinz Büse: Niemand hat auf Löwe oder Kirch gesetzt. Beide sind Ergänzungsspieler, die in der Not aushelfen. Sollte Watzke seine Pläne umsetzen und das Team in der Breite verstärken, dürften Kirch und Löwe allerdings kaum noch zum Kader gehören.
Peter: Kurz und knapp: Die BVB-Reserve hat auch nicht die Klasse eines FC Bayern, daher ist Schwarzgelb auch nicht Erster in der Tabelle.
Andreas: Ich denke, beide können sicher ihre Rolle ausfüllen. Vielleicht ist es nämlich genau die: zufrieden sein, wenn man beim Double-Sieger auf der Bank sitzt. Was nutzen einem die tollen Spieler, die aber dauernd in die Mannschaft drängen und gern auch mal ein bisschen Stunk machen?!
Marcus: Bei Löwe sehe ich tatsächlich ein “Gewichtsproblem”. Der Junge hat spielerisch gute Ansätze – auch wenn der Zug nach vorne fehlt – aber man hat ja schier Angst, wenn der Junge in die Zweikämpfe springt. Einfach bisschen mit Mario ins Fitnessstudio, dann wird das schon.
Jasmin: Bei Löwe sehe ich das auch so. Er ist einfach zu schmächtig. Er braucht auf jeden Fall noch etwas Zeit. Oder mehr Fitnessstudio-Besuche mit Mario… Oliver Kirch hingegen hat gegen ManCity einen tollen Job gemacht. Aber nur, weil er ein super Spiel gemacht hat, heißt es ja nicht, dass es immer so aussieht, wenn er spielt. Als Reservisten finde ich ihn allemal gut. Und er ist sich nicht zu schade dafür, mal bei den Amateuren einzuspringen, um Spielpraxis zu bekommen oder zu behalten.
Jan: Kirch gefällt mir gut, ein ruhiger Kerl, der, wenn er eingesetzt wird, Gas gibt, und, wie wir gegen City gesehen haben, das dann auch gut macht. Löwe könnte eventuell eher ein wenig Sicherheit und Spielpraxis bei den Amas sammeln, auf seiner Position ist Schmelzer gesetzt, wenn der verletzt ist, kommt Großkreutz…
Holger: Im Vergleich zu anderen Spitzenmannschaften hat der BVB einen eher recht kleinen Kader. Jürgen Klopp begründet das immer damit, dass alle nah dran sein sollen, auf’m Sprung ins Team zu sein. Dennoch sieht man bei Verletzungen schnell die personellen Engpässe. Und eine Saison auf drei Hochzeiten ist bekanntlich lang und wird über das Bankpersonal nicht unwesentlich mit entschieden. Muss Borussia da nicht noch zulegen?
Heinz Büse: Ganz sicher muss der BVB in dieser Hinsicht zulegen. Genau das hat Hans-Joachim Watzke unlängst in einem Interview angekündigt. Aber der Kader muss deshalb nicht größer werden, sondern vor allem homogener besetzt werden.
Rutger: Akuten Handlungsbedarf in der Winterpause sehe ich zwar auch nicht, auf einer oder zwei Positionen wäre eine Kaderverstärkung allerdings durchaus sinnvoll. Ein weiterer Stürmer würde nicht schaden. Eine dauerhafte Verletzung von Lewandowski könnte sonst zum Problem werden. Nicht unbedingt, weil ich Schieber keinen Leistungssprung zutraue, sondern weil man auch in diesem Fall noch Konkurrenzkampf auf der Position bräuchte.
Bruno “Günna” Knust: Im Sturm sehe ich noch Handlungsbedarf. Fällt Lewandowski mal aus, kommt erst mal ‘ne lange Zeit nix und da macht von der Bank aus auch keiner richtig Druck. Ich bin aber zuversichtlich, dass man auch das erkannt hat und das nicht dem Zufall überlässt.
Marcus Bark: Ja, aber in der Qualität. Optimal wäre die Verpflichtung eines Außenverteidigers, der auf beiden Seiten stark ist. Im Sturm ist auch Bedarf. Würde passen, wenn dort ein ganz junger geholt würde, vielleicht Yesil oder zumindest ein Typ wie Yesil.
Peter: Ja, unbedingt. Zwar soll sich der Verein nicht überschulden, doch vier Spieler – zumindest zweimal Mittelfeld und zweimal Abwehr – mit internationaler Klasse fehlen einfach, um den BVB zu komplettieren.
Felix Meininghaus: Nah dran an der Mannschaft ist relativ. Das gilt für Spieler wie Santana oder Leitner, nicht jedoch – wie erwähnt – für Löwe oder Kirch. Und Personal zu finden, das die Stammkräfte eins zu eins ersetzen kann, wird bei dieser Qualität aufwändig und teuer. Bleibt abzuwarten, ob und wann es gelingt, Spieler wie Amini oder Bittencourt in die Nähe der Stammelf zu führen.
Ingo: Viel größer würde ich den Kader eigentlich auch nicht haben wollen – schon jetzt gibt es immer mal wieder kleinere Störfeuer. Dazu haben wir ja durchaus talentierte Leute hinter den Backups, die tendenziell eher besser als schlechter werden.
Jens: Hmm… wollen wir Magath’s Reisebus XXL als neuen Mannschaftsbus? Mit dem werden sicherlich dann noch mehr Seitenspiegel lädiert!
Uli: Ganz schwieriges Terrain. Finde mal Leute, die finanziell passen, sportlich auf Anhieb helfen und kein Theater machen, wenn sie nicht spielen.
Andreas: Da bin ich ganz bei dir, Uli. Wie ich oben schon erwähnte: Es muss immer Leute geben, die da sitzen, nicht meckern und wenn sie gebraucht werden, alles reinwerfen. Das wird aber auch im nächsten Jahr die Kunst sein, genau die zu finden, die einerseits heiß drauf sind zu spielen, aber auch Geduld aufbringen, wenn es mal dauert.
Andy: Alles gut so, wie es ist. Was wir haben genug Talente in der Hinterhand.
Denise: Ich vertraue da voll und ganz ihre Trainer und auch ihre Sportmanager. Die beiden wissen schon, was sie tun und wen sie in dieser Mannschaft haben wollen.
Jan: Klopp macht bisher alles richtig, allerdings denke ich: sicher ist sicher. Ein paar Asse im Ärmel zu haben, wenn es hart auf hart kommt, ist nie falsch. Aber man kann in dem Fall natürlich auch auf so manchen Amateur-Spieler zurückgreifen, die auch nicht schlecht kicken.
Marc: Nachdem das Überwintern in der Todesgruppe der Champions League unter Dach und Fach ist, wird Borussia Dortmund die Dreifachbelastung mit Bundesliga, DFB-Pokal und Königsklasse auch im Frühjahr 2013 einiges an Kraft kosten. Wenn der Klub vom Verletzungspech verschont bleibt, kann Klopp’s Rechnung sogar aufgehen.
Holger: Letztes Jahr an gleicher Stelle stellte ich die provokante Frage, ob man Sebastian Kehl mit einem neuen Vertrag lediglich für seine Vereinstreue belohnen sollte oder, ob er doch noch mal wertvoll werden könnte für den BVB. Inzwischen kann man das, glaube ich, besser bewerten…
Felix Meininghaus: Sebastian Kehl’s Leistung sollte man nicht in erster Linie an dem fest machen, was er auf dem Rasen abliefert. Er ist als Kapitän und Stabilisator unheimlich wichtig für das Gefüge einer immer noch jungen Mannschaft, macht teilweise die Ansagen an das Team in der Kabine und hat eine große integrative Kraft. Außerdem spielt er in dieser Saison überraschend stabil und konstant. Hut ab! Bei Kehl habe ich nach den Spielen regelmäßig das Gefühl, dass er sich ständig wundert, wie es im Herbst seiner Karriere sein kann, in einer solch spektakulären Truppe mitmachen zu dürfen. Das beflügelt. Dennoch: Die qualitativ beste Besetzung, die der BVB auf der Doppelsechs zu bieten hat, ist das Paar Gündogan/Bender.
Marcus Bark: Hätte ich ihm auch nicht zugetraut, keine Frage. Immer noch ein sehr guter Stratege. Habe eine Geschichte über ihn mal mit „Der Meister des einfachen Passes“ überschrieben. Auf der Doppelsechs sind für mich dennoch auch Sven Bender und Ilkay Gündogan erste Wahl, den ich für einen der besten deutschen Fußballer halte.
Marc: Sebastian Kehl ist neben Roman Weidenfeller der erfahrenste Spieler beim BVB und auch in dieser Spielzeit extrem wichtig für den Verein. Seine Ruhe im Spiel und seine spielerische Stärke sollten jetzt außer Frage stehen.
Heinz Büse: Ja. Sebastian Kehl hat mehrfach bewiesen, dass er die Mannschaft verstärken kann. Darüber hinaus ist er als Meinungsführer unverzichtbar.
Bruno “Günna” Knust: Der is eben wie ein guter Rotwein, je älter umso besser…
Ingo: Ich war ja immer einer der größten Kehl-Kritiker, weil ich es gehasst habe, dass er nach seinen wenigen Einsätzen quasi sofort mit dem Abpfiff vor der Kamera stand. Inzwischen sage ich aber ganz klar: der Mann hat sportlich absolut seine Berechtigung in dieser Mannschaft. Dass er da als Typ rein passt, stand ja nie zur Debatte.
Rutger: Ha, Ingo! Wer wurde schon belächelt und hat am Ende Recht gehabt? Ich. Und Käpt’n Kehl natürlich. Er ist sogar dann wertvoll für’s Team, wenn er auf der Bank sitzt. Denn das macht er ebenso vorbildlich wie seinen Job auf dem Platz. Wenn er in Top-Form ist, kommen deutschlandweit nur wenige Sechser an ihm vorbei.
Jens: Ich glaube Kehli ist inzwischen eine der Stützen des schwarzgelben Spiels und alleine der Gedanke, was möglich gewesen wäre, wenn er nicht so oft verletzt gewesen wäre, stimmt einen da traurig.
Rutger: Hätte er sich nicht verletzt, wäre er vielleicht zu einer großen Stütze auch in der Nationalelf geworden. Damals war er der beste defensive Mittelfeldspieler mit deutschem Pass. Heute gehört er immer noch zu den Top-Leuten. Hoffentlich knickt der jetzt mal weniger um. Dann hat er noch zwei oder drei gute Jahre als Aktiver vor sich.
Peter: Ich bin kein großer Freund von Kehl’s Spielweise, aber wie er in den Spielen gerade gegen Real Madrid aufgetreten ist, war eine Klasse von einem anderen Stern.
Uli: Ja, unfassbar, wie er sich nicht nur zurückgekämpft, sondern auch direkt wieder das Zepter übernommen hat. Davor ziehe ich einen riesigen Hut, zumal ich gestehen muss, ihm das nicht zugetraut zu haben. Also ihm schon, halt seinem geschundenen Körper nicht.
Andy: Richtig Uli. Das Comeback des Jahres.
Jan: Schließe mich Uli und Andy an – tolles Comeback, Kehl gehört dazu. Keine Diskussion!
Jasmin: Ich muss da leider aus der Reihe tanzen. Ich finde, das Spiel ist etwas zu schnell für Kehl geworden, oder er ist aufgrund seines Alters halt langsamer geworden. Zudem finde ich, dass er immer dann super Spiele macht, kurz nachdem er wieder nach langer Verletzungspause zurückgekehrt ist. Ich habe erst vor Kurzem die Idee geäußert, dass der Käpt’n immer mal einen Monat Pause machen sollte, dann ein Spiel, ein Monat Pause, dann ein Spiel,…
>> Im 5. Teil geht es weiterhin um die „Personelle Bestandsaufnahme“
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Redaktion, Neujahr 2013
