Derbysieg für den BVB – Nummer eins im Revier!

24. April 2012

Derbysieg für den BVB – Nummer eins im Revier!

Aus der Turnhalle in Gelsenkirchen berichten
Arthur Makiela
und Christopher Neundorf

Im 143. Revierderby bezwang Borussia Dortmund den FC Schalke 04 vor 61.673 (davon 8000 Dortmunder-Anhänger) mit 3:1. Nach zwei Niederlagen in der vergangenen Saison war es die ersehnte Revanche für die Schwarzgelben, die nun zumindest bis zum Rückspiel Oberwasser haben. Besonders BVB-Kapitän Roman Weidenfeller rückte, wenn auch nicht selbst gewollt, in den Blickpunkt.

Ausgangssituation: Unter der Woche spielten beide Teams in der Champions- League gegen die Londoner-Teams im Einsatz. Die Schalker verloren daheim gegen die Blues vom FC Chelsea (3:0). Der BVB hingegen gewann mit 2:1 beim FC Arsenal. In der Bundesliga trennen Dortmund (2. Platz) und Herne-West (5.Platz) acht Punkte. Die Gesamtstatistik aller Partien in der Ersten Liga (82) war ausgeglichen: 29-24-29.

Randnotiz: Eigentlich darf man solchen Aktionen keine Aufmerksamkeit und ebenso wenig eine Plattform für diesen Wahnsinn schenken, doch leider hat diese Aktion direkte Auswirkungen auf das Spiel gehabt. Wegen „Pyrotechnik-Einsatz“ aus dem BVB-Block bat Schiedsrichter Knut Kircher beide Teams nochmals vom Rasen in den Kabinengang. Die „Fans“ ließen sich selbst vom heraneilenden Kapitän Weidenfeller nicht besänftigen und feuerten gar ein Geschoss in seine Richtung, was Kopfschütteln allenthalben auslöste. Mit fünfminütiger Verspätung wurde die Partie dann angepfiffen.

BVB mit Feldvorteilen

Beide Teams begannen schwungvoll, keine Anzeichen von Abtasten. In der vierten Minute wurde dann Julian Draxler gefoult. Der fällige Freistoß – aus gut 30 Metern abgefeuert – war aber harmlos. In der Folge übernahmen die Schwarzgelben das Zepter fest in die Hand. Marco Reus war der erste Dortmunder, der einen Abschluss auf das Schalke Tor hatte – aus rund 18 Meter schoss er mit Links in die Arme von Timo Hildebrand.

In der 13. Minute schepperte es im Kasten der Blauen. Auf der rechten Seite behauptete sich Großkreutz gegen Kolasinac und spielte fein in die Mitte auf Mkhitaryan, der mustergültig in die Lücke auf Reus durchsteckte. Der Nationalspieler behielt die Übersicht und legte in die Zentrale ab, wo Aubameyang zur 1:0-Führung grätschend vollstreckte. Auch nach dem Tor hatten der Torschütze (21.) und Lewandowski (25.), nach schöner Vorarbeit von Reus sogar die Gelegenheit, die Führung auszubauen.

Die Schlüsselszene

Überraschend dabei: Bis zur 30. Minute kam das Heimteam kaum zu gefährlichen Torabschlüssen. Ausgerechnet ein Strafstoß sollte dies ändern. Fuchs konnte sich auf Links durchsetzen und wurde im Strafraum von Subotic wenig abgeklärt touchiert. Der Ex-Dortmunder Kevin-Prince Boateng übernahm wie selbstverständlich die Verantwortung. Jedoch parierte Schlussmann Roman Weidenfeller den schlecht geschossenen Ball. Nur eine Minute später hatte der Schütze erneute eine Chance, schoss aber am Tor vorbei. Hätte der aus Mailand gekommene Mittelfeldspieler getroffen, wäre es womöglich eine andere Partie geworden. Doch das Leben ist kein Konjunktiv!

In der Folge entwickelte sich eine eher ausgeglichene Partie. Die Gastgeber wurden meist bei eigenen Standardsituationen gefährlich – klare Torchancen gab es indes nicht. Abgesehen vom Elfmeter war das Heimteam praktisch gar nicht vor dem Dortmunder Tor präsent. Daher ging die Führung für den BVB zu Halbzeit absolut in Ordnung.

Ein Mann, ein Schuss, ein Tor

Zur zweiten Halbzeit blieb Schmelzer, bereits mit Gelb (42.) verwarnt und zudem leicht angeschlagen, in der Kabine und wurde von Drum ersetzt. Vor eigener Kulisse übernahmen die Blauen jetzt das Kommando. Aufgrund einer Vielzahl von Fehlpässen im Spielaufbau, schenkten sie allerdings allzu oft die Bälle bereits im Mittelfeld wieder her. Ein solch vermeidbarer Fehler führte deann auch folgerichtig zum zweiten Dortmunder Treffer. „Miki“ behauptete das Spielgerät auf der rechten Seite am eigenen Strafraum, düste im Sprinttempo die rechte seite runter, ließ dabei mehrere Gegenspieler alt aussehen und legte mit viel Übersicht überlegt in die Mitte auf Nuri Sahin. Der gebürtige Lüdenscheider nahm Maß und zirkelte den Ball halbhoch und unhaltbar in den Kasten. Tor und großer Jubel in der jetzt wieder friedlichen Ecke!

Nach dem erneuten Gegentreffer wachten die Schalker auf und erarbeiteten sich Vorteile für deutlichere Torabschlüsse heraus. Besonders Boateng setzte sich vermehrt auf der rechten Seite in Szene. Szalai prüfte Weidenfeller (59.), der jedoch gut reagierte. In der 62. Minute sorgte der eingewechselte und sofort quierlig agierende Max Meyer für den Anschlusstreffer. Erst legte der Torschütze auf Szalai ab, Weidenfeller konnte die Kugel aus nächster Nähe zunächst reflexartig abwehren, gegen den Nachschuss von Mayer war er aber dann machtlos. Nach dem Anschluss bekamen die Gelsenkirchener die zweite Luft und drängten mit ihren überschaubaren Mitteln auf den Ausgleich.

Wieder sticht ein Joker

Dabei verlagerten die Keller -Schützlinge das Spielgeschehen öfter als zuvor in die gegnerische Hälfte. In Höhe des Sechzehners verlor Draxler den Ball gegen vier Schwarzgelbe inclusive Mkhitaryan. Der setzte zum blitzartigen Lauf über das gesamte Spielfeld an. Aus der eigenen Hälfte sprintete er bis zum Gegnerischen, ließ vier Schalker dabei stehen und legte dann mit viel Übersicht quer im Strafraum auf Kuba ab, der das Leder eiskalt um Hildebrand herum ins Tor bugsierte – nur drei Minuten nach seiner Einwechslung (Foto oben). Mindestens 85 % des Treffers gehen auf das Konto des armenischen Spielmachers.

In der Schlussphase hatte die Klopp-Truppe die Partie dann allerdings wieder unter Kontrolle. Meyer (76.) und Draxler (87.) prüften nochmals Weidenfeller, der sich erneut bewähren konnte und nichts mehr anbrennen ließ. Insgesamt geht der Sieg für Borussia Dortmund wegen der Zielstrebigkeit und dem ungeheuren Willen mehr als in Ordnung. Die heimische Elf – besonders in der ersten Hälfte – blieb insgesamt zu harmlos vor dem Dortmunder Tor. Aufgrund der sehr guten Chancenauswertung der Borussen war der Sieg mehr als nur verdient. 105 gelaufene Kilometer, also fünf mehr als der Gastgeber, sprechen ebenso für sich…

Mit dem Sieg sind die Machtverhältnisse im Pott wieder zurecht gerückt und nun spricht die Statistik für den BVB: 30 Siege, 24 Remis stehen 29 Niederlagen gegenüber. Am kommenden Freitagabend spielen die „Derbysieger“ dann vor heimischen Rängen gegen den VfB Stuttgart – Erinnerungen werden wach. Da ist doch auch noch was gut zu machen, oder?

Arthur Makiela, Christopher Neundorf (Fotos), 26.10.2013

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