BVB holt sich in Leverkusen den zweiten Platz
Aus der Leverkusener BayArena berichten
Christopher Neundorf und Andreas Römer
Borussia Dortmund gewinnt das Spitzenspiel in Leverkusen mit 3:2. In einer hart umkämpften Partie mit 220 Zweikämpfen auf hohem Niveau, setzte sich am Ende das abgeklärte Team durch. „Ein bisschen glücklich, aber nicht unverdient“, fand BVB-Trainer Jürgen Klopp.
Wo Spitzenspiel draufstand war diesmal auch Spitzenspiel drin: Bayer 04 und der BVB 09 zeigten den 30.000 Fans ein nervenaufreibendes, packendes Fußballspiel. Es war alles drin, was man sich als Liebhaber von spannendem Fußball so wünschen kann. Technisch absolute Spitze auf beiden Seiten, 5 Tore, fast 40 Torschüsse, 16 Ecken, 6 Gelbe Karten und ein Spielverlauf, der an die Nerven geht. Am Ende lag der BVB mit ein bisschen Glück vorn und übernahm den zweiten Tabellenplatz vom Gastgeber.
Der BVB schlug immer zu, wenn Bayer gerade vor dem Tor den BVB eine Großchance oder gar ein Tor erzielt hatte. So begann das Spiel: Die erste Chance von Bayer hatte Castro nach nur 2 Minuten verpasst, als er den Ball unbedrängt über BVB-Keeper Mitch Langerak und das Tor gehoben.
Der Australier vertrat BVB-Stammkeeper Weidenfeller, der mit Grippe das Bett hütete. Im direkten Gegenzug ging Borussia in Führung. Gündogan trieb den Ball durch die Mitte. Er wurde unsanft gestoppt. Schiri Aytekin ließ den Vorteil laufen und Lewandowski schob den Ball in die Gasse, wo Reus gestartet war. Ein toller Pass und Reus spitzelte den Ball am herausstürmenden Torhüter Leno vorbei überlegt rechts in Eck. 0:1 – Was für ein Auftakt.
Doch Bayer war nicht geschockt. Die Mannschaft trieb es weiter schwer nach vorn. In der siebenten Minute wurde wieder Castro am Strafraum freigespielt. Der trat aber ein riesiges Luftloch und verfehlte die Kugel. Im Gegenzug spielte Götze eine Zuckerpass in den Lauf von Lewandowski- Der Pole drang in den Strafraum ein und wurde von Leno am Elfmeterpunkte von den Beinen geholt. Es gab hier keine zwei Meinungen im Stadion – das war ein klarer Elfmeter. Kuba trat an und verwandelte sicher zum 0:2.
Doch wer nun glaubte, das Ding sei gelaufen, den überzeugten die Bayer-Kicker eines Besseren. Die Pillendreher zeigten, warum sie bis heute auf dem zweiten Rang standen, warum sie noch kein Heimspiel verloren haben. Eine gute Spielanlage und immer wieder schnelles Spiel nach vorn – der BVB konnte sich nicht sicher sein. Chancen von Kießling, der verzweifelt auf seinen 100. Bundesligatreffer wartet, Lars Bender oder Schürrle.
Auf der anderen Seite hatte die Borussia eine Reihe von erstklassigen Kontermöglichkeiten. „Hier waren wir nicht konsequent genug, waren zu verspielt“, kritisierte Klopp nach dem Abpfiff. Hier war es ein bisschen wie schon gegen Nürnberg – die Schwarzgelben machten immer noch einen Haken, noch einen Pass, um den Ball quasi ins Tor zu tragen. Hätte man hier ein bisschen mehr Zielstrebigkeit an den Tag gelegt, wäre das Spiel zur Pause entschieden gewesen.
So blieb es aber beim 2:0 für den Meister. Doch die Werkself des Chemiekonzerns hatte wohl irgendein Mittelchen im Pausentee. Oder es lag nur an der noch offensiveren Ausrichtung der Mannschaft. Sam war für den eher defensiven Rolfes gekommen und brachte die BVB Deckung in arge Nöte. In jedem Fall, stürmte Bayer nach dem Wechsel wie die Feuerwehr. Schon zwei Minuten nach der Pause die ersten dicke Chance für Bayer. Langerak hielt zunächst eine Schuss von Sam und Boenisch haute den Nachschuss am Kasten vorbei. Nur zwei Minuten später die nächste dicke Chance für Bayer. Eine Flanke von Sam bekam Kießling am Fünfmeterraum völlig frei auf den Kopf, Langerak hielt großartig und den Nachschuss knallte Schürrle aus zehn Metern in die Mitte des Tores. Dort stand aber Hummels und wehrte zu seiner völligen Überraschung noch einmal mit der rausgestreckten Brust ab. Was ein Glück!
Doch in dieser Phase hatte Borussia das Spiel aus der Hand gegeben. Fahrig in der Abwehr, schlampig in der Bewegung nach vorn, ließ man 17:6 Torschüsse(!) zu. War Bayer jetzt einfach zu stark? Wie auch immer: Borussia stand mächtig unter Druck. Und in der 58. Minute wurschelte Kießling den Ball im Strafraum gekonnt durch und Reinartz staubte aus fünf Meternzum 1:2 ab.
Nur vier Minuten später folgte mitten hinein in die ungeordnete Deckung gar der Ausgleich. Die BVB-Abwehr schwamm und schlief erneut. Einen Freistoß aus dem Halbfeld schlug Castro nach links, Boenisch stieg hoch und köpfte den Ball nach innen, wo erneut Reinartz aus fürn Metern – diesmal mit dem Kopf höher sprang als die Gelben, zur Stelle war und den Ball unerreichbar in den Winkel köpfte. Niemand konnte ihn daran hindern…
Überhaupt das Kopfballspiel. Bayer hatte während des gesamten Spiels die Lufthoheit. Santana und Hummels hatten in der Innenverteidigung häufig das Nachsehen gegen Kießling oder eben Hünen wie Reinartz.
Allerdings kam jetzt wieder das andere Gesicht der Borussia zum Vorschein: aus dem Nichts der direkte Gegenschlag. Die Bayer-Fans jubelten noch, da schlug der BVB erneut wieder eiskalt zu. Schmelzer schlug einen Ball auf links zu Reus, der weiterleiten wollte. Doch Bayer-Innenverteidiger Wollscheid schnappte sich das Leder – und spielte eine Rückpass auf Leno. Den erlief aber Götze und spitzelte den Ball mit letztem Einsatz am Keeper vorbei zurück an die Strafraumgrenze wo Lewandwoski – hart bedrängt – ins leere Tor schieben konnte. Tor!
Drei Tore in fünf Minuten – was für ein Höhepunkt. Weitere fünf Minuten später hätte der BVB den Sack zumachen können. Boenisch holte Lewandowski ungeschickt von den Beinen und es gab erneut Elfmeter. Wieder trat der zuletzt so sichere Kuba an. Diesmal war er aber unschlüssig und schob den Ball schwach in Richtung Tor, wo Leno keine Mühe hatte zu parieren und zum Helden der Roten wurde.
So waren noch 20 Minuten zu spielen und Bayer machte weiter Druck, Hummels wurde zum Turm in der Abwehrschlacht. Es blieb spannend bis zur letzte Sekunde. Die letzte Chance vergab Schürrle mit einem Kopfball vom Elfmeterpunkt. Dortmund gewann am Ende mit ein bisschen Glück und übernahm den zweiten Tabellenplatz. Mit neun Punkten aus drei Spielen ist der Start in die Rückrunde absolut gelungen.
>> Stimmen zum Spiel
>> Noten zum Spiel
>> Fotostrecke
Andreas Römer (Text), Christopher Neundorf (Fotos), 3.2.2013
