BVB II vs. Werkself II: Ein Gast, drei Dortmunder Tore, vier Profis und über 30 °C

1. Dezember 2015

BVB II vs. Werkself II: Ein Gast, drei Dortmunder Tore, vier Profis und über 30 °C

Vom BVB-Trainingsgelände in Dortmund-Brackel
berichten Pal Delia und Jens Matheuszik

Das Freundschaftsspiel zwischen Borussia Dortmund II gegen Bayer Leverkusen II endete bei sonnigen Temperaturen mit einem 3:1-Heimsieg unter Einbeziehung diverser Profis.

Der Spruch „Hätte, hätte, Fahrradkette“, der nicht nur durch einen BVB-Verteidiger, sondern auch ein Aufsichtsratsmitglied von Borussia Dortmund in letzter Zeit medial bekannt geworden ist, galt an diesem Wochenende auch für die U23 des BVB. Eigentlich hätte man den SV Darmstadt 98 empfangen, doch das Spiel wurde aufgrund der Länderspielpause auf Anfang Oktober verlegt.

Um ein wenig Spielpraxis zu gewinnen, wurde ein Freundschaftsspiel mit der U23 von Bayer Leverkusen vereinbart, die momentan im unteren Tabellendrittel der Regionalliga West einsortiert sind.

Beim für das Publikum nicht offenen Spiel gab es jedoch den einen oder anderen eher bekannteren Zuschauer, denn BVB-Trainer Jürgen Klopp (der sich für den heutigen „Tag der Legenden“ in Hamburg auch etwas vor dem Spiel warm machte) stellte mit Kevin Großkreutz, Sebastian Kehl, Oliver Kirch und Julian Schieber insgesamt vier Profi-Spieler dem Kader der zweiten Mannschaft zur Verfügung. Vervollständigt wurde der Kader mit „Gastspieler“ Patrick Owomoyela, der seit dem offiziellen Vertragsende beim BVB eben dort noch mit trainiert und sich fit hält.

Im Gegensatz dazu war auf dem Spielberichtsbogen die nominierte Werkself II und die Bank von Bayer Leverkusen II-Trainer Ralf Minge „traditionell“ besetzt.

A propos Spielberichtsbogen: Nachdem es ja im letzten Spiel des BVB II aufgrund des wenige Sekunden andauernden Einsatzes von 12 Spielern zu einigen Fragen kam (insbesondere der, wie eine solche Information derart falsch beschrieben es ungeprüft geschafft hat vom Revier aus nicht nur die Sportpresse sondern auch die überregionalen Medien zu erreichen…), verwirrte der BVB II diesmal die Beobachter umgekehrt. Nicht nur, dass kurzfristig der BVB II-Kapitän David Solga durch BVB I-Kapitän Sebastian Kehl ersetzt wurde (damit der U23-Kapitän im Laufe des Spiels dem Schreiber dieser Zeilen bei einem Pass des Balls am Spielfeldrand sagen konnte, dass das besser gehen würde) und für Mustafa Amini das Dortmunder Urgestein Kevin Großkreutz antrat – nein, auch bereits erwähnter Patrick Owomoyela tauchte auf dem Spielfeld auf. Aber nicht in der ursprünglich nominierten Elf. Nach einem hektischen Nachzählen (und Trikotnummernvergleich) war das Rätsel nicht sofort gelöst (für wen war er auf dem Platz?) bis es dann Dirk Krampe von den Ruhr Nachrichten auffiel, dass auf dem Spielbogen für den BVB II nur zehn Mann standen. Da musste man auch erst einmal drauf kommen. ;)

Bei über 30 °C direkt unter der strahlenden Sonne pfiff der Unparteiische das Spiel mit einigen wenigen Minuten Verspätung um 14:04 Uhr an.

Von Anfang an dominierte der BVB II das Spielgeschehen, welches zwar offiziell ein Freundschaftsspiel war, bei dem sich die Mannschaften aber nichts schenkten. Das bemerkte auch Marcel Deelen, der in der 5. Spielminute vor dem Tor Leverkusens (nach toller Vorlage von Julian Schieber) zu Fall kam, wo Schwarz und Gelb lautstark Elfmeter forderten, was der Schiedsrichter jedoch anders sah. Hätte man geben können, war aber nicht zwingend.

Zwei Minuten später sollte dann auch der Führungstreffer erzielt werden: Erst spielt Kevin Großkreutz den Ball auf Julian Schieber ab, dessen Ball jedoch – abgefälscht durch den Gegner – über dem Tor ins Aus ging. Die von Jeremy Serwy von links gespielte Ecke konnte auch wieder durch Leverkusen nur zu einer Ecke für Dortmund verwandelt werden. Ufuk Özbek schoss diese Ecke von rechts in den Strafraum, Julian Schieber nahm den Ball per Kopf an und verwandelte ihn in der 7. Spielminute zum 1:0-Führungstreffer.

In Folge dessen kam es zu weiteren Chancen der Dortmunder, die jedoch allesamt vor Abschluss scheiterten. Aus dem Spiel hinaus selbst kamen die Leverkusener nicht häufig zu Chancen, wiewohl Aziz Bouhaddouz sich sehr torgefährlich zeigte.

Dies zeigte sich auch nach einem Dortmunder Foul durch den neuen/alten Torhüter Johannes Focher gegenüber dem Leverkusener Angreifer Hamadi Al Ghaddioui. Der Schiedsrichter entschied hier in der 12. Spielminute auf Elfmeter, den der Neu-Leverkusener Aziz Bouhaddouz schoss – und dann auch zum 1:1 treffen sollte.

Doch der BVB II ließ sich von dem Ergebnis nicht beeindrucken und rannte weiter gegen das Leverkusener Tor an. Es soll nicht verschwiegen werden, dass auch Johannes Focher in dieser Phase des Spiels geprüft – aber nicht ernsthaft herausgefordert – wurde.

Nach einer Trinkpause in der Mitte der ersten Halbzeit wurde nicht nur bereits Marcel Deelen aus- und Marc Hornschuh eingewechselt (30. Spielminute), nein es begann die Leverkusener Sturm und Drang-Phase, mit mehreren Angriffen und Ecken. So eine Phase kann die andere Mannschaft vor allem dann effektiv beenden, wenn man selber ein Tor macht und so kam es dann auch:

In der 39. Spielminute gab der befreit aufspielende Julian Schieber den Ball auf Ufuk Özbek ab, der den Abschluss zum 2:1 im Leverkusener Tor klar machte. Schon das zweite Tor für das gut harmonierende Duo Özbek-Schieber an diesem Tag.

Danach wollte es das Team in Schwarzgelb wohl wissen, doch weder der Pass von Kevin Großkreutz (ebenfalls nach Vorlage von Julian Schieber) noch eine nachgesetzte Ecke von Ufuk Özbek sollte erfolgreich sein.

Erfolgreicher war jedoch wenige Minuten später in der 44. Spielminute Tammo Harder. Dieser bekam einen Pass vom links mitlaufenden – wer sollte es auch in diesem Spiel anders sein? – Julian Schieber ab und konnte zum 3:1 treffen.

Das sollte auch der Zwischenstand für die erste Halbzeit sein, da ein weiterer Torschuss des BVB II (durch Jeremy Serwy) vom inzwischen nach einer Verletzungspause wieder genesenen Leverkusener Torhüter Niklas Lomb gehalten werden konnte.

Im Gegensatz zu solchen Freundschaftsspielen gab es keine großen Massenauswechslungen, was auch damit zu tun hatte, dass gerade die vier Profis aus dem Team von Jürgen Klopp über die vollen 90 Minuten eingesetzt werden sollten. Einzig für den Vorlagegengeber und Torschützen Ufuk Özbek kam Nick Weber zum Halbzeitwechsel neu herein.

Besagter Weber sollte auch – nach einer vergebenen Chance von Schieber (auf Vorlage von Harder) – die erste richtig gute Chance für den BVB II in der zweiten Halbzeit auf dem Fuß haben, doch sein Abschluss in der 58. Spielminute ging knapp am Tor der Werkself II vorbei.

Unter der hitzigen Sonne Brackels schienen die Hausherren sich jetzt etwas auszuruhen, denn nach einem Hin und Her im Mittelfeld schien Leverkusen wieder ein wenig die Überhand zu gewinnen. Gefährlich wurde es in der 66. Spielminute als Leart Paqarada von links auf den rechts spielenden Paterson Chato Nguendon abgab, dessen Schuss jedoch sicher von Johannes Focher gehalten wurde.

Zwei Minuten später spielten die Leverkusener Doppelpass doch den Abschluss schaffte Mirko Casper nicht, denn dessen Ball landete weit über dem Tor im Aus.

In der 80. Spielminute wurde der Leverkusener Kader krampfbedingt (bei Khaled Narey) kurzfristig dezimiert und einwechslungstechnisch sah es mau auf Leverkusener Seite aus, jedenfalls hörte man den Ruf des Trainers „Was wir haben keine Spieler mehr“ deutlich…

Kurz vor Ende des Spiels knickte dann noch auf Dortmunder Seite Sebastian Kehl um und sollte eigentlich durch Mustafa Amini eingewechselt werden. Jedoch kam es dazu nicht mehr, da das Spiel nicht mehr unterbrochen, sondern am Ende durch den Schlusspfiff beendet wurde.

Auch wenn natürlich ein solches Spiel nicht so aussagekräftig ist (wenn die 3. Liga, angereichert durch Profis aus der 1. Liga, gegen einen Viertligisten antritt) – es hat doch gezeigt, welches spielerische Potential auch im Abschluss Julian Schieber hat. Etwas was gerne in der letzten Zeit immer wieder vergessen wurde…

Statistik:

Borussia Dortmund II (Startaufstellung): Johannes Focher, Marcel Deeln, Tammo Harder, Dominik Nothnagel, Jeremy Serwy, Ufuk Özbek, Sebastian Kehl, Kevin Großkreutz, Oliver Kirch, Julian Schieber, Patrick Owomoyela.

Bayer Leverkusen II (Startaufstellung): Niklas Lomb, Khaled Narey, Andre Mandt, Mirko Casper, Paterson Chato Nguendon, Sebastian Hirsch, Lukas Hombach, Paul Voß, Leart Paqarada, Hamadi Al Ghaddioui, Aziz Bouhaddouz.

Tore: 1:0 Schieber (7.), 1:1 Bouhaddouz (12.), 2:1 Özbek (39.), 3:1 Harder (44.)

Stimmen zum Spiel:

Johannes Focher (Torhüter Borussia Dortmund II):

Johannes Focher, Du bist zurück beim BVB II, ihr habt das Testspiel gewonnen. Wie hast Du dieses Spiel gesehen?

Was wir waren eigentlich überlegen. Bis auf den Elfmeter gab es auch ehrlich gesagt keine Torchance [der Leverkusener/die Red.].

Langweilt man sich bei einem solchen Spiel nicht im Tor?

Ja, was heißt langweilig? Man muss halt wieder ‚reinkommen, hatte halt lang keine Spielpraxis. Deswegen bleibt man da auf Spannung und freut sich, dass man 90 Minuten spielen darf.

A propos Freude: Freust Du Dich, dass Du wieder beim BVB II bist?

Ja, sicher, sehr!

Bereust Du denn den Wechsel?

Nein, nein, absolut nicht. Das Telefonat kam und dann habe ich gesagt: „Das will ich gerne machen!“

Die Chance muss man dann ergreifen?

Ja, was heißt die Chance? Bei Sturm Graz habe ich nicht mehr gespielt. Und ob ich jetzt das Jahr dort sozusagen auf der Bank versauere oder wieder zurück in die Heimat kehren darf.

Wird es jetzt wieder eine Torwartrotation geben wie in der Regionalliga West?

(*lacht*) Da bin ich der falsche Ansprechpartner…

… den richtigen frage ich gleich.


David Wagner (Trainer Borussia Dortmund II):
Es war bei angenehmen Temperaturen zum Zuschauen – bei vielleicht nicht so angenehmen zum Spielen – eine gute Gelegenheit allen Jungs mal 90 Minuten zu geben. Oder den meisten zu mindestens, die jetzt in der Vergangenheit nicht ganz so viel gespielt haben. Anfangs war es ein bisschen zäh, bis wir dann ‚reingekommen sind. Am Ende war es dann ordentlich – 3:1 – alles gut!

Die Jungs, die nicht ganz so viel gespielt haben: Sebastian Kehl, Kevin Großkreutz usw. zählen jetzt nicht dazu, oder?

(lacht) Ja, ich habe jetzt in allererster Linie von den Jungs gesprochen, die von mir gekommen sind. Was wir haben jetzt natürlich die Gelegenheit dadurch nutzen können, dass Kloppo auch wollte, dass seine Jungs heute 90 Minuten spielen. Was wir haben genau so fünf bis sechs, die nicht so viel gespielt haben, und dementsprechend haben wir zusammen eine Mannschaft hinbekommen. Deswegen waren da auch nicht so viele Wechsel dabei.

Leverkusen II merkte man schon an, dass sie nicht in der gleichen Liga spielen. Das Tor fiel nach einem Elfmeter und aus dem Spiel kam ja nicht so viel…

Ja, das ist richtig, aber ich möchte das nicht überbewerten. Ich finde ihre Jungs haben sich dann – zu mindestens in der 2. Halbzeit – ganz ordentlich bewegt, das war gut. Ich hoffe, dass Kehli jetzt nichts schlimmeres hat. Wenn alle gesund geblieben sind war es eine gute Geschichte heute.

Johannes Focher ist zurück im Dortmunder Tor. Wird es jetzt wieder eine Torhüterrotation geben wie in der Regionalliga West?

Nein, das ist nicht angedacht. Zlatan wird im Tor stehen, gut halten und dann hat sich alles andere erübrigt. Aber wir sind trotzdem sehr sehr froh, dass wir Johannes dazu bekommen haben, denn es ist extremst wichtig, so eine Saison ist extremst lang und da müssen wir auf allen Positionen richtig gut gewappnet sein. Das sind wir mit der Verpflichtung von Johannes.

Kommen wir zu einem anderen Thema – dem letzten Spiel beim MSV Duisburg und dem Stichwort 12. Mann. Da gab es ja Aufregung drüber, ob das spielentscheidend war oder nicht. Wie haben Sie das denn als Trainer gesehen?

Also ich habe es während des Spiels überhaupt nicht wahrgenommen und wusste überhaupt gar nicht, was da in der Pressekonferenz auf einmal angetreten wurde. Ich habe es mir dann aber kurz nach dem Spiel mir direkt auf Video angeschaut und muss sagen, was sich daraus entwickelt hat, ist eine totale…

…Zwischenruf von Jürgen Klopp:

Kannst Du auch mal ein bisschen ruhiger werden, jetzt? Wo waren wir stehen geblieben?

[an Jürgen Klopp gewandt] Jetzt bin ich raus, kannst Du das Interview weiter machen?

Es ging um Duisburg und das Video…

Also ich habe das direkt nachher auf Video gesehen und dann war mir direkt klar, dass das überhaupt nichts wahr. Es ging um 4 Meter und 2,7 Sekunden. Deswegen war das für mich von Anfang an klar, dass das vollkommen an den Haaren herbeigezogen ist.

Hat es Sie nicht überrascht, dass durch einen Artikel einer Zeitung in der gesamten Sportpresse so verbreitet wurde bis hin zu einem Artikel in der Bundespresse, ohne dass die Autoren anscheinend das Video gesehen haben?

Ja, nicht nur überrascht, sondern auch einen Ticken verärgert, weil viel zu wenig über ihre richtig gute Leistung geschrieben und gesprochen wurde als über diese Sache. Es ging wie gesagt um 4 Meter, es war auch kein Spieler drinnen oder wieder draußen und wieder drinnen, es hat auch kein Spieler den Ball berührt, es ging um 4 Meter, wo ein Spieler im Feld war, als der Einwurf dann ausgeführt und das Spiel fortgesetzt wurde. Das sind wie gesagt handgestoppte 2,7 Sekunden, 4 Meter – also das ist lächerlich, was daraus geworden ist.

Bericht/Stimmen: Jens Matheuszik, Fotos: Pal Delia – 06.09.2013