Vier Tore beim Pokal-Einstand in Stuttgart

1. Dezember 2015

Vier Tore beim Pokal-Einstand in Stuttgart

Aus Stuttgart berichten Christoff Strukamp
und Maria Victoria Friedel

Borussia Dortmund steht in der zweiten Runde des DFB Vereinspokals. Der BVB gewann am Samstagnachmittag sein Auswärtsspiel bei den Stuttgarter Kickers verdient mit 4:1. 38.000 Zuschauer – davon mindestens die Hälfte in Schwarzgelb – in der „Ausweicharena“ am Neckar sorgten nicht nur für einen neuen Zuschauerrekord bei den „kleineren Stuttgartern“, sondern auch für einen mehr als würdigen Rahmen für diesen Erstrunden-Pokalkick.

91 Tage nach dem geklauten Pokaltriumph in Berlin wehte dem BVB heute erstmals wieder Pokalduft um die Nase. Auf dem Weg zurück nach Berlin ging es für die Elf von Jürgen Klopp zunächst nach Stuttgart. Mit den Stuttgarter Kickers wartete auf den BVB nicht nur ein bereits in die Saison gestarteter Gegner, sondern auch eine Mannschaft, die sich „daheim“ im größeren Stadion des Lokalrivalen auf gar keinen Fall kampflos ergeben wollte.

Dem Drittligisten gönnte der in Stuttgart geborene Klopp dann auch gleich eine erste Überraschung. Mit Marco Reus stand erstmals wieder der Spieler auf dem Platz, der sich in der Vorbereitung auf die WM so schlimm verletzte. „Marco ist jetzt sechzig Minuten weiter, das hilft ihm und uns“, referierte der Coach später auf der Pressekonferenz über das Comeback seines Mittelfeldstars, der erstmals die Kapitäns-Binde trug.

Drei Tage nach dem Supercup-Sieg über den FC Bayern und eine Woche vor dem Bundesligaauftakt gegen Leverkusen war beim BVB bereits die erste Rotation sichtbar. Adrian Ramos stürmte heute neben Pierre-Emerick Aubameyang. Im Mittelfeld rotierten Jojic und Reus für Kehl und Hofmann in die Startformation. Vor Keeper Langerak, der am kommenden Freitag seinen 26. Geburtstag feiert, vertraute Klopp einer Abwehrformation aus Piszczek, Sokratis, Subotic und Weltmeister Erik Drum. Roman Weidenfeller trat die Fahrt ins Schwabenländle nicht mit an. Für ihn saß Zlatan Alomerovic auf der Bank.

Der BVB – vom Gastgeber im Vorfeld mit „Leuchte auf mein Stern Borussia“ musikalisch freundlich begrüßt – begann das Pokalspiel am Neckar ruhig und strukturiert. Im neuen 4-5-2 System war der Bundesligist gleich vorwiegend im Ballbesitz, brauchte aber fünfzehn Minuten ehe Jojic nach einer Kombination über Aubameyang die erste Großchance für Schwarz-Gelb auf dem Fuß hatte. Sein Schuss gegen die Laufrichtung des Keepers ging jedoch knapp links am Tor vorbei.

Der Drittligist in den hellblauen Trikots imponierte das herzlich wenig. Kampfbetont und selbstbewusst versuchten die Kickers sich ihre Chance auf die Pokalsensation zu erspielen. Dortmunds Defensive stand bis hierhin jedoch vorwiegend sicher und gönnte sich auch den ein oder anderen Ausflug nach vorne.

So auch in der 30. Minute, als Piszczek einen großartigen, langen Ball von Kirch von der linken Seite gekonnt aus der Luft holte und ihn blitzschnell in die Mitte brachte. Dort drosch Mkytharian die Kirsche aus zwölf Metern zielsicher unter die Latte – 1:0 für Borussia und beinahe wäre dem Armenier Sekunden später noch ein zweiter Treffer geglückt. Den Schuss in der 31. Minute konnte Torwart Redl jedoch zur Ecke fausten.

In den folgenden Minuten zeigte sich eindrucksvoll, dass dieses Tor lediglich der Dosenöffner gegen den Drittligisten sein konnte. Geknackt hatte der BVB die Mannschaft von Horst Steffen nicht. Keine zehn Minuten nach dem Dortmunder Führungstreffer war es Kickers-Stürmer Soriano, der die große Chance auf den Ausgleich hatte. Nach einem Fehlpass von Sokratis im Spielaufbau schob der Mann mit der Nummer 9 das Leder knapp am langen Pfosten vorbei. Der BVB durchlief nun eine schwache Phase und wäre kurz vor der Halbzeit für seine eigene Unsicherheit fast bitterlich bestraft werden. Sandrino Braun hielt sich zwei Minuten vor dem Pfiff jedoch für zu clever. Sein Versuch, Keeper Langerak, freistehend zu tunneln war, dann aber nichts für den Saisonrpckblick. Es blieb beim 1:0 für den Vizemeister aus dem Ruhrpott.

Nach dem Seitenwechsel ging das muntere Offensivfeuerwerk der beiden Team fröhlich weiter. Die eventuell sogar mehr als 15.000 Dortmunder hatten sich noch nicht wieder komplett auf den Tribünen eingefunden, da hatte der BVB schon gleich die erste Chance in Durchgang Zwei. Aubameyang hatte Torwart Redl schon fast umspielt, den Ball aber nicht mehr einschieben können. Auf der anderen Seite war es Kapitän Enzo Marcheso, der aus kürzester Distanz Langerak anspielte (49.). Drei Minuten Spieler musste sich Sandrino Braun erneut Schwarz ärgern, weil er auch die zweite Einschusschance des Tages nicht nutzen konnte (51.).

Und so kam es, wie es kommen musste: Gerade hatten sich beide Teams einen offenen und anschaulichen Schlagabtausch geliefert, da spurtete Aubameyang unnachahmlich in einen gar nicht so schlechten Rückpass auf den Torwart und vollendete vor dem leeren Tor gekonnt mit dem Innenriss (55.). Minuten später beendete Marco Reus – heute Kapitän – seinen ersten richtigen Arbeitstag nach überstandener Verletzung. Für ihn kam Sebastian Kehl ins Spiel. Jojic nahm die Position auf der 10 ein. Kirch rückte ein Stück nach vorne und für eine kurze Zeit war es dahin mit der Dortmunder Ordnung.

Edwini Bonsu bedankte sich und staubte aus kurzer und durchaus abseitsverdächtiger Distanz zum 1:2 – Anschlusstreffer ab. Wer hier für einen Moment einen langweiligen Pokalkick erwartet wurde schnell eines Besseren belehrt. Die Kickers schöpften eine halbe Stunde vor dem Ende wieder Mut und Borussia spielte trotz des nicht unverdienten Tores weiter munter nach vorne, Mkytharian, 63., und Sokratis 67., bemühten sich – zunächst noch vergeblich – den alten Abstand wieder her zu stellen.

Gegönnt war dies jedoch erneut dem fleißigen Aubameyang, der in 78. Spielminute in eine tolle Hereingabe von Lukas Piszczek herein sprintete und damit das 3:1 aus Dortmunder Sicht erzielte. Für ein erneutes Aufbäumen des Drittligisten reichten die Kräfte nun aber endgültig nicht mehr und so war es Neuzugang Adrian Ramos vorbehalten, der eine Minute vor dem Spielende einen klugen Pass von Aubameyang erlief, zum 1:4 Endstand einzunetzen.

Es war zugleich der spielerische Schlusspunkt unter einer guten und durchaus spannenden Erstrundenpartie, in der die Kickers den BVB vor keine leichte Aufgabe stellten, sich die bessere Mannschaft am Ende aber verdient durchsetzen konnte. Somit ist der BVB bei der Auslosung der zweiten Runde am kommenden Samstag wieder mit von der Partie. Für heute reicht die Erkenntnis, dass man dem Ziel Berlin ein erstes, kleines Stück näher gekommen ist.

Christoff Strukamp, Maria Victoria Friedel (Fotos) – 16.08.2014

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