BVB II: Die ominöse 90. Minute…
Aus Wiesbaden berichten Sebastian Rode und Jens Kaliske
Die englische Woche führte die U23 des BVB am heutigen Abend in die hessische Landeshauptstadt, wo man sich zuvor nichts begucken konnte. Das blieb auch diesmal so, denn wie so oft ging das Spiel in der Schlussminute verloren. Sieg, Unentschieden, Niederlage – der BVB ist nach drei Spieltagen im Ligaalltag angekommen.
Der BVB-Nachwuchs traf in Erfurt innerhalb von nur fünf Minuten doppelt durch Edisson Jordanov und Tammo Harder. Rund eine Viertelstunde vor dem Ende gelang Rot-Weiß zwar noch der Anschluss, mehr jedoch nicht. Im Heimspiel gegen Holstein Kiel reichten erneut fünf Minuten für zwei Treffer – David Solga und Oguzhan Kefkir waren erfolgreich. Am Ende reichte es trotzdem nur zu einem 2:2. Kein so schlechter Saisonstart, möchte man anmerken.
Beide Mannschaften standen sich bisher in sechs Duellen gegenüber – allesamt in Liga 3! Die Bilanz spricht dabei klar für die Hausherren, die viermal als Sieger vom Platz gingen. Die junge Dortmunder Elf ist noch ohne Erfolg, schaffte aber zwei Remis.
Bei angenehmen 23 Grad führte der Unparteiische die Mannschaften auf den Rasen der Brita-Arena. Und die Hausherren versuchten es direkt einmal mit José Vunguidica über die linke Seite. Im Strafraum verhinderte allerdings das Bein des Dortmunder Verteidigers Hornschuh einen möglichen Torabschluss (2.). Der BVB antwortete sofort mit einem schnellen Konter. Joseph-Claude Gyau kam in halblinker Position aus zwölf Metern ebenfalls zum Abschluss, verfehlte sein Ziel aber deutlich (3.).
Und die Gäste aus Westfalen bleiben dran! Die erste, allerdings scharf geschlagene BVB-Ecke des Spiels von Jordanov, befördert Soufian Benyamina allerdings per Kopf aus der Gefahrenzone (5.). Und nur zwei Minuten später durfte SV Wehen-Keeper Markus Kolke erstmals eingreifen. Der Schuss von Oguzhan Kefkir von der Strafraumgrenze stellte den Schlussmann allerdings vor keine allzu großen Probleme.
Im direkten Gegenzug kommt José Vunguidica wieder über die linke Außenbahn nach vorn. Seine scharfe Hereingabe verpasste Luca Schnellbacher nur denkbar knapp. Das Spiel begann durchaus unterhaltsam mit sehenswerten Offensivaktionen auf beiden Seiten. Doch die Partie gestaltete sich in der Auftaktviertelstunde weiterhin sehr intensiv, auch wenn die Strafraumszenen auf sich warten lassen in dieser Phase.
Zum wiederholten Male sorgte dann wieder José Vunguidica über links für Gefahr! Seine Hereingabe verpasste erneut Soufian Benyamina im Fallen nur knapp (15.). Glück gehabt! Die nächste Torchance hatte dann in der 18. Spielminute Nico Herzig. Nils-Ole Book drosch einen Freistoß in die Strafraummitte. Dort behauptete sich der Stürmer und köpfte aus nur fünf Metern knapp vorbei!
In der 22. Minute meldete sich der BVB-Nachwuchs mit einem beherzt vorgetragenen Konter zurück. Joseph-Claude Gyau knallte die Kugel aus acht Metern Richtung Tor, aber SV-Torsteher Markus Kolke kriegte grad noch die Fingern noch dran und lenkte das Leder ans Außennetz! Die anschließende Ecke brachte nix ein und landete danach sicher in den Armen des Keepers.
Spektakuläre Aktion dann in der 26. Spielminute: Luca Schnellbacher setzte nach einem Freistoß von Michael Wiemann zum Seitfallzieher an. Sah gut aus, brachte aber keine Gefahr für das Tor von Zlatan Alomerović. Borussia Dortmunds Edisson Jordanov versuchte es zur Abwechslung mal mit einer Einzelaktion, zieht in den Strafraum, aber Markus Kolke warf sich dem Angreifer entschlossen in den Weg und klaubte ihm das Leder vom Fuß (26.). Starke Szene des Wehener Torhüters!
Das Spiel bleibt unverändert spannend. Eine klasse Flanke von Alf Mintzel konnte Nico Herzig nur 120 Zeigerumdrehungen später in der Mitte nicht richtig kontrollieren und vergab damit eine recht gute Möglichkeit. Nach knapp einer halben Stunde kommen die Hausherren über rechts. Tobias Jänicke zirkelte das Spielgerät scharf vor das Tor, aber Zlatan Alomerović ist mit einer Faust vor Nils-Ole Book zur Stelle und kann klären.
Die Hausherren schaffen es weiterhin nicht ihre größeren Spielanteile in einen Treffer umzumünzen, aber binnen 4 Minuten holen sich José Vunguidica und Soufian Benyamina den gelben Karton ab. Sicherlich ist das auch ein bisschen dem Frust geschuldet, denn die Wiesbadener können einfach aus ihrer Überlegenheit keinen zählbaren Erfolg verbuchen gegen diszipliniert stehende Borussen.
Nach einer Ecke versucht es José Vunguidica akrobatisch, aber Schiri Schlager unterbindet die Aktion wegen gefährlichen Spiels (40.). Die Partie musste jetzt nach einem Zusammenprall zwischen Luca Schnellbacher und Jon Stankovic unterbrochen werden. Beide Akteure benötigen eine Behandlung, konnten aber weiterspielen (43.).
Eine temporeiche Partie zwischen Wehen Wiesbaden und Borussia Dortmund geht torlos in die Pause. Beide Mannschaften versuchten nach vorne zu spielen. Die Gastgeber hatten dabei zwar auch ein Übergewicht an Chancen, konnten sich andererseits aber durchaus glücklich schätzen, dass Markus Kolke einen Schuss von Joseph-Claude Gyau so eben noch von der Linie kratzen konnte.
Keine Wechsel in der Brita-Arena zum zweiten Durchgang, beide Trainer verzichten zunächst auf personelle Wechsel. Und gleich ist die Partie wieder unterbrochen. Oguzhan Kefkir lag am Boden, konnte nach einer kurzen Behandlungspause aber weiter machen (46.). Dann die Riesengelegenheit für den SVWW in Minute 50: Nach einem Traumpass von Tobias Jänicke läuft Soufian Benyamina frei auf das Dortmunder Tor zu, scheiterte mit seinem Schuss aber an Zlatan Alomerović, dem Teufelskerl – astrein, Zlatty!
David Wagner musste dann den angeschlagenen Oguzhan Kefkir vom Feld holen und brachte Julian Derstroff. Ging wohl doch nicht weiter (52.). Die Schwarzgelben sind nun ungeordnet und nur 120 Sekunden später trifft Soufian Benyamina nach erneut starker Vorarbeit on José Vunguidica aus kürzester Distanz das leere Tor nicht… Das Glück ist langsam aufgebraucht. Wehen drängt nun auf die Führung.
Und die roten Gastgeber halten jetzt den Druck hoch! Dann Doppelchance: Nach einer Ecke rauscht der Flugkopfball von Nico Herzig etwa zwei Meter am Dortmunder Kasten vorbei. Aber auch Tobias Jänicke hat offenbar zu wenig Zielwasser getrunken. Sein Versuch aus zehn Metern fliegt ebenfalls zwei Meter am Tor vorbei (57.). Nach einer Stunde versucht der BVB Coach weiterhin vehement Einfluß zu nehmen von außen und brachte Tim Väyrynen für Joseph-Claude Gyau.
In der 64.Minute haben die mitgereisten Borussen auf den Rängen bereits den Torschrei auf den Lippen, aber Evans Nyarko sein Geschoß senkt sich und knallt gegen die Latte! Toller Knaller! Wehen antwortet prompt. Aber was brauchen sie für Chancen? Tobias Jänicke steht im 16er vollkommen frei und schafft es doch tatsächlich, die Kugel meilenweit vorbei zu knallen (66.). Und so langsam läuft den Hausherren die Zeit weg, was sich wahrlich nicht auf ein strukturierteres Spiel auswirkt. Sebastian Mrowca köpfte einen Freistoß von Nils-Ole Book an den Querbalken, stand bei der Flanke aber im Abseits (69.).
Borussia kontert zum x-ten Male jetzt und in der Folge zieht Edisson Jordanov von der Strafraumgrenze ab, aber auch sein Versuch geht gut und gern zwei Meter vorbei (72.). 3.382 Zuschauer in der Brita-Arena sahen zwei Minuten später wieder einen Eckball für den BVB, den Wehen abermals aus der Gefahrenzone befördern konnte. Weil die Gäste mit ihren Wechseln neuen Schwung in die Partie brachten, versuchte es nun auch Marc Kienle mit einer personellen Änderung. Robert Müller kam für den guten, aber glücklosen Soufian Benyamina.
Noch 10 Minuten und Herzig holte sich Gelb ab. Reine Nervensache. Luca Schnellbacher hatte die Gelegenheit – freistehend – aber aus spitzem Winkel abzuziehen, aber. Zlatan Alomerović war auf dem Posten und parierte souverän (82.). Die letzte Patrone wurde jetzt geladen. Marius Kleinsorge sollte die heutigen Sorgen der Hausherren in der Offensive mindern helfen. Er kam für Tobias Jänicke ins Spiel, das nur noch sechs reguläre Minuten laufen sollte.
Und dann kann sie, die 90. Minute. Und der Joker sticht tatsächlich! In sprichwörtlich allerletzter Minute drückt der Spieler mit der Nummer 13 eine abermals klasse Vorbereitung von José Vunguidica am zweiten Pfosten stehend, über die Linie. Wieder einmal haben sie ein Tor in der Schlusssekunde kassiert. Es ist einfach ein Jammer, dass diese jungen Borussen das nicht schaffen, so ein herausgekämpftes Remis über die Zeit zu bringen. SV-Coach Marc Kienle wusste, was zu tun ist und nahm noch etwas Zeit von der Uhr. Daniel Wein durfte noch einige Sekunden mitwirken und übernahm den Part von Nils-Ole Book.
Lange mussten die Zuschauer auf den entscheidenden Treffer warten. Insgesamt geht der Sieg durchaus in Ordnung, da die Hausherren sowohl über mehr Spielanteile, als auch über ein deutliches Chancenplus verfügten. Allerdings hätte Evans Nyarko mit seinem Lattenschuss den Spielverlauf anders gestalten können. Wiesbaden steht mit aktuell sieben Punkten vorerst auf dem zweiten Platz, der BVB rutscht nun in der Tabelle auf Position neun ab. Mit dieser Platzierung würden am Ende allerdings alle durchaus zufrieden sein in Dortmund. Nun aber kommt erstmal Regensburg zu Gast.
Statistik:
SV Wehen Wiesbaden: Kolke – Mrowca, Herzig, Geyer, Mintzel – Wiemann, Book (92. Wein) – Jänicke (83. Kleinsorge), Vunguidica – Schnellbacher, S. Benyamina (78. R. Müller)
BVB II: Alomerovic – Narey, Hornschuh, Stankovic, Bandowski – Solga, Nyarko – Jordanov, Gyau (61. Väyrynen), Kefkir (52. Derstroff) – Harder
Trainerstimmen:
>> BVB-Trainer David Wagner
>> Marc Kienle
Sebastian Rode, Jens Kaliske (Fotos) – 05.08.2014
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