Niemand redet vom Derbysieg

1. Dezember 2015

Niemand redet vom Derbysieg

Nein, sie haben das Wochenende und vor allem den Derbysieg verdorben: der Pöbel, schwarz vermummte Krawallmacher (Express), das Pack (derWesten) Provokateure (FAZ), Vermummte Vollidioten (BILD), Brandgefährliche Chaoten (Sport1), Derby-Pyromanen (RN), Patienten (Reviersport) – egal wie man sie nennt. Diese Typen bestimmen die Diskussion um das Fußballwochenende.

Dabei hätten viele Themen diese Medienkolumne bestimmen können: Oliver Baumann, der arme Tropf aus Freiburg, der mit gleich drei ansehnlichen Patzern die Heimniederlage des SC Freiburg besiegelte. Oder man könnte einmal über die Qualität der Liga unken, wenn drei Vereine nach nur zehn Spieltagen mit zehn Punkten vor dem Rest liegen. Oder man könnte – und das täte man hier besonders gern – die Lobeshymnen über den fußballerischen schwarzgelben Derbysieg zusammenfassen. Doch das alles ist im Mediengetümmel des Wochenendes in den Hintergrund getreten, weil einige finstere Gestalten, das Fußballstadion für ihre irren und total bekloppten Aktionen nutzen. Andreas Morbach von der Süddeutschen bringt es auf den Punkt: „…niemand redet über das Spiel – sondern über die schaurigen Szenen davor.“

Auch die eher zurückhaltende FAZ zeigt sich erschüttert: „Provokateure im Dortmunder Zuschauerblock wollten sich unmittelbar vor dem Anpfiff auf gefährliche Art unbedingt in Szene setzen.“ Offensichtlich koordiniert seien verschiedene Sorten von Pyrotechnik abgebrannt worden. „Als dann noch offensichtlich Leuchtspurmunition unter Schalker Zuschauern landete, war die Austragung der Partie gefährdet. Es fehlte nicht viel, und das ganze Stadion hätte nach dem gelben Rauch Rot gesehen, im übertragenen Sinne: Feierabend vor der ersten Ballberührung.“

Konsequenzen fordern die meisten Medienvertreter. Kai Traemann von der Bild: „Harte Strafen gegen die Schwachmaten!“ Er outet sich als BVB-Fan und berichtet von seiner eigenen Erfahrung: „In zwölf Reporter-Jahren habe ich weltweit viele Fans erlebt – die Dortmunder aber sind die Besten der Besten! Auf Schalke erlebte man nun die schwarze Seite des Dortmunder Blocks. Weil ein paar vereinzelte Idioten randalierten, leiden alle darunter!“ Nicht minder klare Worte findet der Express: „Das war seit langem das Asozialste, was die Bundesliga ertragen musste.“

Nun sind die Derbys im Pott schon immer besonders gewesen. Provokation vor, während und nach dem Spiel gehören schon fast dazu. Aber in der Turnhalle war es diesmal anders. Christian Paschwitz, Nils Hotze und Andreas Reiners bringen die Aktionen vom Samstag bei Sport1-online auf den Punkt: „Es waren lebensbedrohliche Aktionen, (…) Brandgefährliche Chaoten verbreiteten mit massivem Pyrotechnik-Einsatz in mehreren Stadien Schrecken – und entfachten eine neue Sicherheitsdiskussion. Die Gewalt richtet sich nun auch gegen normale Fans, Auseinandersetzungen sind keine Angelegenheit mehr nur unter Hooligans oder Ultras.“ Das bemerkt auch die WAZ: „Das ist das Neue, das Schlimme an diesem Nachmittag: dass sich das Pack der Einen nicht nur mit dem Pack der Andern schlägt, sondern Unbeteiligte angreift.“ Man müsse wohl auch die romantische Idee, zwischen Dortmund und Schalke sei alles nicht mehr so schlimm begraben. „Offenbar war das eine blanke Kopfgeburt. In der Wirklichkeit wird es seit mehreren Jahren rund um das Derby nur noch rauer. Das nächste folgt am 26. März 2014, und Polizisten gehen davon aus, dass Schalker sich dann rächen wollen“, schreiben Hubert Wolf und Jörn Stender auf derWesten.de

Ja, auch die traditionell BVB-freundlichen Medien gehen mit den Chaoten hart ins Gericht. „Man stelle sich das nur einmal vor: Da führt der BVB souverän mit 3:1 auf Schalke – und muss das Spiel aufgrund eines vorzeitigen Abbruchs am grünen Tisch herschenken“, spekuliert Mathias Dersch von der Ruhrnachrichten. Er fordert: „Fans, Ultras und der BVB selbst tun daher gut daran, den Derby-Randalierern die Rote Karte zu zeigen und sie dauerhaft des Stadions zu verweisen.
Sie haben bewusst andere Menschen gefährdet und den Ruf des BVB beschädigt.“ Stefan Schinken vom Reviersport hat ein ganz ähnliche Meinung: „Wer Raketen auf gegnerische Fans abfeuert, Fackeln und Rauchbomben auf den Platz wirft, sich nicht einmal vom eigenen Torhüter beruhigen lässt, mit Nothämmern Scheiben zertrümmert und sich feige mit Sturmhauben vermummt, der ist schlichtweg ein Straftäter und gehört für sein Fehlverhalten entsprechend zur Rechenschaft gezogen.“

Zitate von BVB-Chef Watzke, von Trainer Klopp und Kapitän Weidenfeller sind in allen Medien zu Hauf nachzulesen. Unverständnis, Scham für diese Aktionen sowie die Drohung gegen die Anführer vorzugehen sind ihnen allen gemein. Jetzt wird schon spekuliert, welche Strafen der BVB zu befürchten hat. Geldstrafe sowieso, Teilausschluss von Zuschauern beim Heispiel? Statt 80 000 würden nur die Hälfte oder weniger ins Stadion gelassen. Das hätte wirtschaftliche Folgen, würde aber auch das Image bei Sponsoren und im Ausland beschädigen. Aber es besteht auch die Möglichkeit, dass der BVB keine Auswärtskarten mehr erhält. Tolle Erfolge dieser Randalierer – dann würden auch die friedlichen Fans erneut darunter leiden. Wen man auf den Videos erkennt und ausfindig macht, dem drohen mindestens Stadionverbot. Zurecht!

Und BVB-Kenner Freddie Röckenhaus von der Süddeutschen hofft sogar, dass die Aktion vom Samstag am Ende sogar noch ein Gutes habe: „Nach den offenbar gezielten Schüssen mit Leuchtspur-Munition in Schalker Sitzplatz-Blocks hinein, in denen sich auch Kinder und ältere Zuschauer befanden, scheint es in den Fankreisen des BVB eine zumindest teilweise Entsolidarisierung mit den Pyromanen zu geben.“

Andreas Römer, 28.10.2013

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