Was wir wollen wieder nach Berlin: Der BVB vor dem Viertelfinale an der Förde
Robin Den rechnet sic h in Dortmund was ausmeisten BVB-Fans dürfte allein beim Wort DFB-Pokal ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Zu tief sitzt der Stachel der Enttäuschungen nach peinlichen Niederlagen gegen unterklassige Vereine. Hierüber ließen sich problemlos ganze Artikel schreiben. Doch diese Saison ist alles anders. Nach Siegen beim SV Sandhausen (0:3), gegen Dynamo Dresden (2:0) und bei Fortuna Düsseldorf (4:5 n.E.) steht der zweifache Pokalsieger erstmals seit der Saison 2007/2008 wieder im Viertelfinale des Wettbewerbs.
Apropos 2007/2008, für den ein oder anderen BVB-Fan dürfte der diesjährige Pokalwettbewerb eine Art Déjà-vu-Erlebnis darstellen. Damals wie heute war den Schwarz-Gelben die Losfee hold und bescherte ‚uns‘ durchweg machbare Aufgaben. Die ganz große Pokaleuphorie bleibt rund um den Borsitzplatz allerdings bisher aus, zu gut steht der Deutsche Meister dafür in der Liga da.
An diesem Dienstag treffen die Borussen nun also zum ersten Mal in ihrer 102-jährigen Vereinsgeschichte auf den aktuellen Pokalschreck Holstein Kiel. An der Kieler Förde laufen die Vorbereitungen für das Spiel des Jahres auf Hochtouren. Ein Heizzelt soll den Rasen des Holstein-Stadions bespielbar machen. Zur optimalen Vorbereitung auf den Pokalhit legte die Elf von Trainer Thorsten Gutzeit am Wochenende ein Trainingslager im dänischen Lögumskloster ein. Der schneebedeckte Trainingsplatz der Störche erforderte ein Ausweichen auf skandinavische Kunstrasenplätze.
Sportlich könnten die Unterschiede zwischen den beiden Klubs kaum größer sein, trennen sie doch nicht weniger als drei Ligen. Pluspunkt für die Borussen dürfte zusätzlich sein, dass sie nach drei Spielen seit dem Ende der Winterpause wieder voll auf Wettkampftemperatur sind. Die Regionalliga Nord hingegen nimmt ihren Spielbetrieb erst wieder am kommenden Wochenende auf. Was sie jedoch eint ist die Tatsache, dass sowohl Thorsten Gutzeit als auch Jürgen Klopp mit Personalproblemen zu kämpfen haben. Definitiv ausfallen wird bei den Norddeutschen der Rechtsaußen Tim Siedschlag (Kreuzbandriss). Als Alternativen für diese Position werden Jakob Sachs und Sofien Chahed gehandelt. Fraglich ist noch der Einsatz des Kapitäns und Abwehrchefs Christian Jürgensen. Nach Rückenproblemen und einer Oberschenkelzerrung konnte er einen Großteil der Vorbereitung nicht absolvieren. Für ihn könnte Kevin Schulz von Beginn an spielen.
Bei der Borussia fehlen neben dem langzeitverletzten Mario Götze auch Sven Bender. Letzterer knickte am vergangenen Freitag beim Zweikampf mit dem Nürnberger Mittelfeldspieler Daniel Didavi um. Außenband-Teilabriss lautet die Diagnose von Vereinsarzt Dr. Markus Braun. Für Götze wird wie in den vergangenen Wochen Jakub ‚Kuba‘ Blasczcykowski auflaufen, Sven ‚Manni‘ Bender wird durch Neuzugang Moritz Leitner ersetzt werden. Ein weiterer Wermutstropfen für den Anhang des deutschen Meisters ist, dass im Holstein-Stadion nur Platz für rund 1.000 Gästefans ist.
Kleine Anekdote am Rande, die die „unschönen Szenen“ nach der Auslosung vergessen machen sollte: der bereits angesprochene Kieler Kapitän Christian Jürgensen und Linksverteidiger Dan-Patrick Poggenberg sind glühende Anhänger ihre Borussia!
Kurzinterview mit dem 27-jährigen „Fünfer“ von Holstein Kiel, Karsten Fischer (20 BL-Spiele für den VfL Wolfsburg), nach dem Abschlusstraining in Dänemark:
Wie verlief eure Vorbereitung auf das Pokalspiel? Ihr seid ja dieses Wochenende täglich nach Dänemark gefahren um hier auf einem Kunstrasen zu trainieren…
Was wir konnten hier in den vergangenen Tagen gut trainieren und uns gut vorbereiten. Wetterbedingt ist es in Kiel derzeit nicht möglich, sich optimal vorzubereiten. Daher haben wir die Möglichkeit genutzt um hier auf dem Kunstrasen ein paar Abläufe zu trainieren. Dementsprechend sind wir für das Spiel gut gerüstet.
Wie steht es denn um den Rasen im Stadion für Dienstag?
Was wir haben einen neuen Rasen bekommen, der durch eine Plane geschützt wird. Was wir hoffen, dass er in einem guten Zustand ist. Auch wenn er leicht angefroren sein sollte, darf das keine Rolle spielen. Wobei es für die Dortmunder sicherlich etwas schwieriger wäre, wenn der Platz nicht in so einem optimalen Zustand sein sollte.
Was sind eure Erwartungen an das Spiel gegen den deutschen Meister, was habt ihr euch vorgenommen?
Die Vorfreude ist groß, wir haben nichts zu verlieren. Unser Ziel ist der Aufstieg. Das Pokalspiel ist einfach ein Bonus, den wir genießen. Solch einen Gegner bekommt man nicht alle Tage zugelost. Das Stadion wird ausverkauft sein und wir werden versuchen, so lange wie möglich dagegen zuhalten. Vielleicht ist ja auch hier wieder eine Sensation möglich.
Wie genau wollt ihr taktisch an das Spiel herangehen?
Als Außenseiter werden wir versuchen defensiv kompakt und gut zu stehen und mit dem einen oder anderen Konter dann auch selbst Tore zu erzielen.
Das klingt ja alles recht besonnen gegenüber dem BVB. Den Schmähgesängen nach zu urteilen, die einige Kieler nach der Auslosung live im Fernsehen anstimmten, könnte man zu einem anderen Ergebnis kommen…
Das habe ich damals gar nicht so richtig mitbekommen. Es waren einige Fans dabei und das Ganze ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Aber wir können es jetzt nicht mehr ändern.
Gibt es eine „besondere Beziehung“ zum BVB bzw. eine Vorgeschichte dazu oder hätte das auch bei jedem anderen Gegner passieren können?
Nein, da gab es auf keinen Fall eine Vorgeschichte zu. Keine Ahnung, vielleicht wäre das auch bei anderen Gegnern dazu gekommen.
Wie lautet Dein Tipp für das Spiel?
Ich hoffe auf einen knappen Sieg. 1:0, 2:1. Hauptsache, wir gewinnen, egal wie.
Infos für Fans vor Ort
Wer den Borussen auch ohne Karte in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt nahe sein möchte, für den stellt die Stadionkneipe ‚Holsteiner‘, die sich direkt am Holstein-Stadion befindet, eine echte Alternative dar. Laut Aushang öffnet sie unter der Woche bereits um 12 Uhr ihre Pforten. Leider konnte das Lokal im Vorfeld von den anwesenden Kirsche-Redakteuren nicht in Augenschein genommen werden, da es bei der ‚Stadionbegehung‘ am vergangenen Sonntag geschlossen hatte. Eine weitere Möglichkeit, dem Spiel zu folgen, könnte die Champ’s Sportsbar sein, welche sich in Bahnhofsnähe zwischen dem HBF und dem Stadion befindet.
Von einer Anreise mit dem PKW ist allen Fans abzuraten. Die Parkplatzsituation rund um das Holstein-Stadion scheint für Spiele solcher Größenordnung völlig unzureichend zu sein. Die Busse der Linien 91 und 92 fahren direkt vom Bahnhof bis zum Stadion (Haltestelle „Am Stadion“).
Ramon Budde, Patrick Meiß (Interview), Moritz Gerlach (Fotos) – 06.02.2012
