BVB zerlegt Frankfurter Eintracht in Unterzahl
Aus dem Westfalenstadion berichten
Fabian Vidacek und Christopher Neundorf
Das Topspiel des Tages sollte seinem Namen gerecht werden. Nach einer beeindruckenden Leistung gewann Borussia Dortmund gegen den Überraschungsaufsteiger aus Frankfurt durch drei Treffer von Marco Reus mit 3-0. Obwohl Lewandowski-Ersatz Julian Schieber nach 31 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz flog, erhöhte der BVB in der zweiten Hälfte trotz Unterzahl das Tempo und sicherte sich dadurch einen verdienten Sieg gegen glücklose Frankfurter.
Als sich das Team von Jürgen Klopp am vergangenen Mittwoch beim Champions-League-Spiel in Donezk mit dem späten Treffer zum 2-2 für eine sehr gute Partie doch noch belohnte, beobachteten die Spieler der Frankfurter Eintracht das Geschehen in der entfernten Ukraine vermutlich vor dem heimischen Fernseher. Anders als die Dortmunder konnten die Kicker des frechen Aufsteigers während der Woche ihre Kräfte für das heutige Topspiel schonen.
Gebracht, das wissen wir inzwischen, hat dies dennoch nichts. Zwar versuchten die Gäste von Beginn an, dem BVB das Leben mit einer offensiven Spielweise schwer zu machen, die erste Möglichkeit des Spiels ergab sich jedoch für den Gastgeber. In der dritten Spielminute traf Kuba den Ball nach Reus‘ Zuspiel nicht optimal und setzte ihn deswegen zwei Meter neben das Tor. Nur eine Minute später hatte Marco Reus das 1-0 auf dem Fuß, Frankfurts Torwart Trapp verhinderte mit einer Glanzparade den frühen Rückstand. Kurze Zeit später war der U21-Torhüter der Eintracht jedoch machtlos: Mario Götze bediente Marco Reus mustergültig, dieser machte es besser als beim ersten Mal und schoss den Ball lässig zur Führung in die Maschen (8.).
Im Vergleich zum Donezk-Spiel konnte Jürgen Klopp heute Abend sowohl auf Neven Subotic als auch auf Ilkay Gündogan zurückgreifen. Beide komplettierten die Startelf und trugen mit starken Leistungen maßgeblich zur hervorragenden Leistung des gesamten Teams bei. Denn dass der BVB heute Ernst machte, bekamen die Gäste nur wenig später zu spüren. Die Dortmunder attackierten die Mannschaft von Trainer Armin Veh schon früh in der gegnerischen Hälfte und schalteten bei Ballgewinn blitzschnell um – so passiert nach zehn gespielten Minuten: Diesmal war es Hummels, der das Spiel nach einem Ballverlust der Frankfurter schnell machte und erneut Reus in Szene setzte, welcher Trapp keine Chance ließ und eiskalt zum 2-0 einnetzte. „Wahnsinn!“, dachten sich die jubelnden schwarzgelben Fans auf den Tribünen. So konnte es gerne weitergehen…
Trotz der zwei Gegentore zeigten sich die Frankfurter nur für kurze Zeit geschockt. Mit 60 Prozent Ballbesitz und gewonnenen Zweikämpfen suchten die Gäste den Weg nach vorne, schafften es jedoch nicht, ernsthafte Gefahr vor dem Tor von Roman Weidenfeller zu entwickeln. Spätestens im Sechzehner wusste die Dortmunder Abwehrreihe, das Kombinationsspiel der Rot-Schwarzen zu beenden.
Mit einem völlig unnötigen Ellbogeneinsatz gegen Bastian Oczipka (und zur gleichen Zeit wie Lewandowski eine Woche zuvor) vergrößerte Julian Schieber die Möglichkeiten der Gäste, hier vielleicht doch noch einmal zurückzukommen. Für das Vergehen in der 31. Minute zeigte Schiedsrichter Brych dem Ex-Stuttgarter die Gelb-Rote Karte. Welch ein Rückschlag für Schieber, der für mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Spiele den Platz von Lewandowski in der Startformation hätte einnehmen können.
Obwohl sie fortan in Unterzahl spielen mussten, brachten die Schwarzgelben die Führung sicher in die Pause. Kuba hätte fünf Minuten vor Ende der ersten Hälfte sogar auf 3-0 erhöhen können, drosch die Kugel aber aus etwa 15 Metern wenige Zentimeter über die Querlatte. Dann doch noch eine Schrecksekunde für die Dortmunder Fans auf den Tribünen: Der Frankfurter „Sechser“ Sebastian Rode nahm einen abgefälschten Pass von Lakic vor dem Fünfmeterraum an und spitzelte den Ball nur knapp neben das Dortmunder Tor. Nichts war es mit dem Anschlusstreffer, bis zur Pause blieb es beim 2-0 für die Borussia.
Von der Unterzahl war im Dortmunder Spiel auch nach der Halbzeit nichts zu spüren. Nach zwölf gespielten Minuten hatte Neven Subotic das 3-0 auf dem Fuß, doch sein abgefälschter Schuss streifte nur das Aluminium. Als nächstes war es Marco Reus, der die große Chance zu seinem dritten Treffer nicht nutzen konnte. Der BVB machte hier eindeutig das Spiel – es war eine beeindruckende Leistung der zehn Schwarzgelben gegen den Viertplatzierten aus der Mainmetropole.
Nachdem Srdjan Lakic die beste Chance der Frankfurter in ungewohnter Weise vergab, schickte sich der Deutsche Meister in Person von Mario Götze in Weltklasse-Manier an, den Sack endgültig zuzumachen. Der 20-jährige Nationalspieler setzte sich im Strafraum klasse gegen zwei Gegenspieler durch und legte dann zurück auf Marco Reus, der den (wenn auch nicht lupenreinen) Hattrick perfekt machte – grenzenloser Jubel entfachte unter den Dortmunder Fans, die wussten: Dieses Spiel würde ihre Mannschaft nicht mehr aus der Hand geben.
Eine viertel Stunde vor Schluss – die Gastgeber hatten das hohe Tempo nach der Pause inzwischen etwas heruntergefahren – waren auch die Frankfurter nur noch zu zehnt. Inui flog nach einem unnötigen Foul an Hummels mit Gelb-Rot vom Platz und sicherte seiner Mannschaft wenigstens in dieser Runde den Gleichstand.
Als Sebastian Jung in der 90. Minute mit seinem Kopfball nur die Latte traf, war wohl auch jedem der Frankfurter endgültig klar: Hier treffen wir heute nicht mehr. So und nicht anders sollte es kommen, am Ende pfiff Schiedsrichter Brych nach einer unfreiwilligen Rutscheinlage auf dem Dortmunder Rasen die Partie ab und besiegelte damit den ersten „Zu Null“-Sieg der Borussia seit dem 3-0 gegen Nürnberg von vor 3 Wochen. Damit eroberte sich der BVB den von Bayern Leverkusen am Nachmittag entrissenen zweiten Tabellenplatz zurück und vergrößerte den Abstand zum Viertplatzierten aus Frankfurt auf fünf Punkte.
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Fabian Vidacek, Christopher Neundorf (Fotos), 16.02.2013
