BVB II beendet Negativserie in Duisburg

1. Dezember 2015

BVB II beendet Negativserie in Duisburg

Aus dem Wedaustadion in Duisburg berichten
Julian Bräker und Jan Kusenberg

Wenn ein Spiel gegen die Zweitvertretung des BVB für einen Traditionsverein wie den MSV Duisburg zum „Spiel des Jahres“ und einzigen Derby wird, dann ist das wohl ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Verein gerade nicht seine besten Zeiten erlebt. Der Sturz in die dritte Liga war für die Meidericher ein schwerer Schlag – und doch herrscht nach dem ersten Schock mittlerweile wieder Aufbruchsstimmung in der „Schimanski“-Stadt.

David Wagner enderte nach den Misserfolgen der vergangenen Wochen seine Aufstellung und brachte unter anderem Amini und Kefkir in der Startelf. Auch Marvin Ducksch durfte als „Leihgabe“ von den Profis wieder mitwirken. Seine Rückkehr zumindest auf die Bank feierte Johannes Focher, der kurzfristig von Sturm Graz zurückkehrte und einen Vertrag bis zum Saisonende erhielt, der wohl primär eine Reaktion auf die längerfristige Verletzung von Bonmann ist. Als Ablöse wurde übrigens wohl ein kostenloses Testspiel der BVB-Profis in Graz vereinbart – auch eine kreative Möglichkeit der Transferfinanzierung.

Jungprofi Marvin Ducksch war es dann auch, der die ersten Minuten spielerisch bestimmte: Durch den gesperrten Bollmann wirkte die Duisburger Abwehr in der Anfangsphase regelrecht überfordert. Scheiterte Ducksch nach vier Minuten noch aus der Drehung an Keeper Lenz, so stand er nach sieben Minuten bei einer butterweichen Flanke von Bajner so frei vor dem Tor, dass er gar nicht anders konnte, als zur umjubelten Gästeführung einzuköpfen.

Das Tor gab dem BVB sofort ein extremes Selbstvertrauen, das darin mündete, dass man schnell das 2:0 nachlegen wollte: Erst scheiterte Ducksch freistehend an Lenz, dann war es der heute starke Treude, dessen trockenen Schuss nach Bajners schneidendem Pass Lenz nur mit größter Mühe zur Ecke klären konnte.

Die Duisburger Angriffsversuche blieben in der Anfangsphase mehr als zaghaft – der Schock über die Druckphase des BVB zu Beginn mit dem daraus resultierenden Führungstor saß anscheinend ziemlichl tief. Ein Kopfball von Bajic nach 22 Minuten konnte von Alomerovic festgehalten werden, das war es dann auch schon mit erwähnenswerten Duisburger Szenen in der ersten halben Stunde – wenn man mal einen Pass von Wolze ausnimmt, den Onuegbu kurz vor dem Tor des BVB um Zentimeter verpasste.

Diese Torszenen des MSV durfte man seitens des BVB nicht unwidersprochen auf sich sitzen lassen: Es war die 32. Minute und man war auf der Tribüne schon geneigt zu schimpfen, weil Amini 20 Meter vor dem Duisburger Tor mit dem Ball am Fuß fast „einzuschlafen“ schien, da reichte plötzlich ein simpler Doppelpass mit Ducksch und ein trockener Linksschuss von Amini ins linke Eck und es stand 2:0! David Wagner hatte mit seiner Aufstellung also ein goldenes Händchen bewiesen, war es doch zeitgleich Aminis erstes Pflichtspieltor in Schwarz-Gelb.

Um seiner bis dahin chancenlosen Mannschaft einen neuen Impuls zu geben, brachte MSV-Trainer und Ex-BVB-Profi Karsten Baumann direkt nach dem 2:0 Kühne für Aycicek. Dieser führte sich gleich mit einem bösen Foul an Bandowski am Strafraumeck ein und holte sich den gelben Karton ab – Solga setzte den fälligen Freistoß allerdings über das Tor von MSV-Torsteher Lenz.

Die Pausenglocke war schon fast geläutet, da mussten die jungen Borussen wohl zwingend in alte, ärgerliche Muster verfallen: Kingsley Onuegbu, bis zur 45. Minute nur als grobmotorischer Brecher ohne Ballkontrolle ausgefallen, nutzte einen Fehler der BVB -Hintermannschaft aus, umkurvte Alomerovic und schoss aus spitzem Winkel zum aus BVB-Sicht mehr als unnötigen Anschlusstreffer ein quasi – mit dem Pausenpfiff.

Duisburg hatte das berühmte Tor zum günstigsten Zeitpunkt geschossen und kam dementsprechend mit viel Schwung aus der Kabine. Dabei entstanden natürlich auch Lücken in der Abwehr der Gastgeber, doch Bajners Schuss nach Kühnes Ausrutscher touchierte nur noch den Außenpfosten (52.).

Über 21.243 Zuschauer, davon weit über 2000 aus Dortmund, sorgten für eine ausgezeichnete Stimmung im Wedaustadion, das offiziell den schlichtweg lächerlichen Namen des Reiseveranstalters „Schauinsland Reisen -Arena“ trägt. Das Spiel hatte diese Stimmung schlichtweg auch verdient – zwar lag dies vor allem am Auftritt der Gäste, jedoch hatten deren Spielzüge teilweise schon ein beachtlich hohes Niveau – wenn auch nicht über die gesamte Spielzeit. Wenn dies kein deutliches Zeichen gegen Parallelansetzungen in der 3. Liga ist, dann weiß ich es nicht mehr. Eine attraktive 3. Liga auch mit U23-Mannschaften gibt es nur, wenn man den Fans der U23-Teams auch die Chance gibt, die Spiele neben denen der Profis zu besuchen. Das Spiel in Duisburg ist mehr als ein deutlicher Beweis dafür, dass dies die Regel und nicht die Ausnahme sein sollte!

Auf dem Feld hatte der MSV sich zwar ein Übergewicht erspielt, zu echten Torchancen kam man aber Mitte der zweiten Hälfte nicht. Zoundi und Orsula für Gardawski und Öztürk sollten allerdings die Schlussphase beleben. Diese letzten 15 Minuten konnte Amini verletzungsbedingt nicht mehr miterleben, für ihn kam Harder. Dieser Hiobsbotschaft folgte kurz darauf die nächste, als Bandowski sich verletzte und durch Koray Günter ersetzt wurde. Diese Szene könnte allerdings noch ein sportgerichtliches Nachspiel haben: Günter hatte wohl den Platz betreten, bevor Bandowski ihn verlassen hatte, so dass der BVB etwa 15 Sekunden 12 Feldspieler auf dem Platz hatte. Da Bandowski auch noch ins Spiel eingriff, will der MSV die Szene nun prüfen und dann über Konsequenzen und einen Einspruch gegen die Spielwertung entscheiden. Eine Bestrafung des BVB scheint aber unwahrscheinlich, sieht das DFB-Regelwerk doch lediglich vor, dass solche Szenen mit einer gelben Karte und einem indirekten Freistoß für den Gegner zu ahnden wären – nichts das das Spiel entscheidend beeinflust hätte.

Genug der Seuche? Denkste! Wirklich nur eine Aktion später blieb Treude verletzt an der Außenlinie liegen und musste ebenfalls ausgew… – Nein, er konnte glücklicherweise nach einer kurzen Behandlungspause -vorerst- weiterspielen. Es wäre auch des Pechs innerhalb weniger Minuten eindeutig zu viel gewesen.

Duisburg setzte für die Schlussphase primär auf lange Bälle, während der BVB natürlich versuchte zu kontern. Einen solchen von Treude versuchte de Wit zu stoppen, foulte den Spieler des BVB aber. Der folgende Zwist der Spieler führte dazu, dass beide sich eine gelbe Karte mitnehmen durften.

Für Treude war dies jedoch auch schon die letzte Aktion, er musste natürlich dann doch verletzt ausgewechselt werden und für die letzten drei Minuten musste der Nürnberg -Rückkehrer Nick Weber helfen, die Schotten dicht zu halten. Übrigens der zweite Stürmer, den David Wagner bei Führung als Aushilfsverteidiger für einen Defensivspieler brachte – Mutig!

Die zweite Hälfte hatte sicherlich nicht mehr die Klasse und jene schönen Aktionen der ersten Hälfte, doch sah man einen BVB der leidenschaftlich für diesen Sieg kämpfte und dabei deutlich weniger unkonzentriert in der Defensive agierte, als in den vorherigen Spielen zuvor.

Auch die vom insgesamt schwachen Schiedsrichter Unger deutlich übertrieben angesetzte Nachspielzeit von sechs(!) Minuten, konnte daran nichts mehr ändern, auch wenn ein Volleyschuss von Zoundi noch das Außennetz so touchierte, dass die Duisburger Kurve den Torjubel schon auf den Lippen hatte.

Der Sieg der BVB U23 war nach der spielerisch starken ersten Hälfte und dem aufopferungsvollen Kampf im zweiten Durchgang mehr als verdient und lässt nach den Misserfolgen der vergangen Wochen mit nun neun Punkten aus sieben Spielen wieder positiv in die Zukunft denken. Das nächste Spiel findet erst am 14. September 2013 – dann in Rostock – statt, weil das geplante Spiel am Wochenende gegen SV Darmstadt 98 auf Anfang Oktober verlegt wurde.

Statistik:

MSV Duisburg:Lenz – Ofosu-Ayeh, Feisthammel, Baljic, Dum – Öztürk (72. Orsula), Gardawski (65. Zoundi), de Wit, Aycicek (34. Kühne), Wolze – Onuegbu

BVB II:Alomerovic – Hornschuh, Sarr, Meißner, Bandowski (79. Günter) – Amini (74. Harder), Treude (88. Weber) – Kefkir, Solga, Ducksch – Bajner

Tore:0:1 Ducksch (8. Minute, Vorlage Bajner), 0:2 Amini (32., Vorlage Ducksch), 1:2 Onuegbu (44.)

Gelbe Karten: Ofosu-Ayeh, Kühne, de Wit, Dum – Bandowski, Amini, Alomerovic, Kefkir

Schiedsrichter: Marcel Unger (Halle)
Zuschauer im Wedaustadion: 21.243

Stimmen zum Spiel:

Karsten Baumann (Trainer MSV Duisburg):Glückwunsch an Dortmund zum Sieg. Was wir haben das Spiel heute in den ersten Minuten verloren, weil die Jungs einfach zu viel wollten. Die Mannschaft hat zu stark nach vorne gespielt, was ich auf meine Kappe nehme. Am Ende war der Akku dann nach den anstrengenden Wochen einfach leer. Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber leider haben wir uns zu viel zugetraut. Ab sofort müssen wir wieder kleinere Brötchen backen.

David Wagner (Trainer BVB II): Für uns war das heute kein alltägliches Spiel. Trotz vieler verletzungsbedingter Ausfälle sind ihre Jungs hier super angetreten. Sie verdienen meinen allerhöchsten Respekt. Insgesamt ist der Sieg auf jeden Fall verdient für uns. Dem MSV wünsche ich alles Gute. So ein Verein wie Duisburg gehört nicht in diese Liga.

Marvin Ducksch:In Chemnitz haben wir auch super gespielt und dann verloren – So kann es laufen und hier haben wir über 95 Minuten alles gegeben und deswegen auch verdient mit 2:1 gewonnen. Bei dem 1:0 konnte ich nach der super Flanke von Balint Bajner nichts mehr falsch machen und ihn einfach nur noch reindrücken. Mit dem Pfostenschuss hatte ich dann noch etwas Pech, aber mit den drei Punkten können wir glücklich nach Hause fahren.

Tim Treude: Was wir haben heute keinen Zweikampf oder Pfiff des Schiris unkommentiert gelassen – das aber positiv. Was wir haben nicht gemeckert sondern das in positive Energie umgewandelt und uns gegenseitig gepusht. Wenn wir so auch in Rostock auftreten, brauchen wir uns auf keinen Fall zu verstecken.

Bálint Bajner: Das ist das erste gewonnene Auswärtsspiel, darüber sind wir alle glücklich, weil jeder von uns 110% gegeben hat – wir müssen so weiter machen und ich hoffe, dass das klappt. Heute waren viele Fans im Stadion, 21.000. Für junge Spieler ist das eine riesen Motivation, hast du die Fans im Rücken, gewinnst du automatisch. Uns macht das einen riesen Spaß und ich hoffe, dass wir bei den kommenden Spielen auch so eine Unterstützung haben.

Bericht/Stimmen: Julian Bräker, Fotos/Stimmen: Jan Kusenberg – 03.09.2013