BVB brilliert vor den Augen Mourinhos
Aus dem Sportpark Ronhof in Fürth berichten
Christian Michael und Christopher Neundorf
Borussia Dortmund trat zum Ende einer erfolgreichen Woche bei der SpVgg Greuther Fürth an. Die 18.000 Zuschauer im sonnigen Fürth, unter Ihnen auch Real Madrid Coach José Mourinho, sahen über weite Strecken allerdings eine recht einseitige Partie.
Der Tabellenletzte musste seine Startelf im Vergleich zum Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach etwas verändern, da Rechtsverteidiger Zimmermann und Kapitän Mavraj nicht mitwirken konnten. Bei Borussia Dortmund gab es nach dem sensationellen Spiel gegen den FC Malaga ebenso eine kleine Rotation, aber nicht in der Form wie zuletzt gegen den FC Augsburg. Mit Marcel Schmelzer, Neven Subotic und Sven Bender wurden drei Stammkräfte geschont – Marco Reus fehlte aufgrund muskulärer Probleme und blieb in Dortmund.
Das Spiel begann zunächst sehr offen und ausgeglichen. Nach drei Minuten hätte der Fürther Thanos Petsos BVB-Schlussmann Weidenfeller beinahe mit einem Schuss von der linken Seite überwunden und die Führung für die Kleeblätter erzielt, der Ball landete aber auf dem Netz. Nach den ersten zehn Minuten übernahmen dien Schwarzgelben das Kommando und hatten deutlich mehr Ballbesitz und Struktur im Spiel als die Franken.
In Minute 11 hätte der BVB nach einer schönen Kombination über Götze, Kuba und Gündogan bereits in Führung gehen können, doch der Fürther Keeper Wolfgang Hesl parierte noch glänzend. Eine Minute später aber war es dann auch für ihn nicht mehr zu verhindern. Der filigrane Techniker Götze setzte sich über die linke Seite durch und schloss eiskalt zum 0:1 für den BVB ab.
Die Dortmunder kamen jetzt immer wieder gefährlich vor allem über die linke Außenbahn, was sich in der 15. Minute schließlich auszahlte. Jakub Blaszczykowski holte sich den Ball auf Links und bediente Ilkay Gündogan, den Pokalhelden und Ex-Nürnberger zum 0:2 für Dortmund. Der Gegner war in dieser Phase zu keiner Zeit in der Lage einen Zugriff auf die Partie zu bekommen, Dortmund dominierte das Geschehen nach Belieben. In der 24. Minute vergab Mario Götze, der auf der linken Außenbahn zu Hause war und Fürths Verteidiger schwindelig spielte, freistehend vor dem Tor. Nach einem Fehlpass – ausgerechnet von Lasse Sobiech – hatte es Robert Lewandowski per Lupfer versucht, doch der Ball prallte an die Querlatte und Mario Götze versuchte es artistisch, aber leider erfolglos mit dem Abpraller.
Nur fünf Minuten später baute der BVB die Führung dennochr auf 0:3 aus, nachdem Jakub Blaszczykowski am zweiten Pfosten den Ball per Kopf abstauben konnte. Die Franken konnten einem regelrecht leidtun, da sie überhaupt nicht mit Borussia Dortmund mithalten konnten. Die grün-weißen Anhänger hatten an diesem Nachmittag vorerst nur dann Möglichkeiten zu jubeln, als das die Tore aus München bekannt wurden. Dort spielte der ungeliebte Rivale aus Nürnberg.
Immer wieder kam jetzt auch der polnische Nationalverteidiger Piszczek ins Spiel. Er setzte sich gegen den völlig blassen Linksverteidiger Baba immer wieder wie im Training durch. Vor allem in der 33. Minute machte sich dessen Schnelligkeit bezahlt, als er Gündogan das 0:4 und seinen zweiten Treffer ermöglichte. Mit einem platzierten Schuss aus ca. 16 Metern ließ der heute souverän auf der Zehner-Position agierende Gündogan dem Fürther Keeper keine Chance.
In der 37. Spielminute reagierte Kleeblatt-Coach Kramer dann und nahm den überforderten Baba vom Feld und Pledl kam für ihn in die Viererkette. Doch auch die Hereinnahme eines neuen Spielers konnte die Borussen zunächst nicht im Spielfluß bremsen. Bis zur 45. Minute folgten weitere gute Torraumszenen im Strafraum der Fürther. Fast mit dem Pausenpfiff spielten sich Kevin Großkreutz und Mario Götze an der Eckfahne in der Fürther Spielhälfte frei, Götze lies zwei Gegenspieler stehen und markierte den fünften Treffer des Tages für Dortmund. Mit einer absolut verdienten 0:5 Führung ging es dann in die Halbzeitpause.
Zum Wiederanpfiff wechselten sowohl Jürgen Klopp als auch Frank Kramer jeweils einen neuen Spieler ein. Bittencourt kam für den bis dahin überragenden Götze, Johannes Geis spielte nun für Varga. Im zweiten Abschnitt konnten die Hausherren das Spiel ein wenig gleichwertiger gestalten – vor allem, weil es der BVB, der Herr im Haus war, zuließ. Der Aufsteiger fasste sich nun ein Herz und versuchte der Borussia ein wenig besser zu begegnen.
In Minute 55 beklatschte das Publikum dann die erste schöne Kombination über Sercan Sararer und Edgar Prib. Der BVB nahm nun immer deutlicher das Tempo raus und schaltete zwei Gänge zurück, was den Fürthern nun die ein oder andere Tormöglichkeit gab. Nach einer Stunde dann stellte Klopp sein Team total um indem er Kapitän Sebastian Kehl für Julian Schieber vom Platz nahm. Gündogan rückte auf die Doppelsechs, Bittencourt ins Zentrum und der Doppeltorschütze von Augsburg ging auf die linke Außenbahn.
Das Spiel verflachte ein wenig, beide Mannschaften neutralisierten sich in dieser Phase. Das Highlight war zu dieser Zeit neben der 0:5 Führung auch der Dortmunder Anhang, der aus einem Auswärtsspiel ein absolutes Heimspiel machte und das Team nach einer glorreichen Woche sehr intensiv und ausgelassen feierte. In der 67. Spielminute brachte der Dortmunder Übungsleiter dann noch Moritz Leitner für den Denker und Lenker Ilkay Gündogan.
„The Special One“ nahm den Champions League-Halbfinal-Gegner höchstpersönlich in Augenschein
Nun hatte auch Real-Coach Jose Mourinho genug gesehen und das Stadion mit seinen Sicherheitsleuten verlassen. Hätte er noch eine Minute länger ausgeharrt, so hätte er erkennen können wie man Borussia Dortmund knacken könnte. Edgar Prib setzte sich über die linke Angriffsseite durch, zog ab und erzielte den Ehrentreffer für die SpVgg Greuther Fürth. Aufgrund des kämpferischen Einsatzes hatten sich die Franken diesen Treffer verdient. Aufgrund der vielen Umstellungen fehlte es dem BVB nun an Struktur, die Mannschaft verwaltete das Ergebnis ohne große Torgefahr auszustrahlen.
In einer sehr fair geführten Partie musste Schiedsrichter Marco Fritz erst in der 75. Minute dem Dortmunder Felipe Santana die erste Gelbe Karte des Spiels zeigen. Trotz des Schongangs merkte man vor allem Robert Lewandowski an, dass er seine erfolgreiche Serie von zehn Treffern in Folge unbedingt ausbauen wollte. Der Pole arbeitete viel und hatte mit Ausnahme des Hebers aus Halbzeit 1 kaum eine Torchance. In der 80. Minute aber sollte genau diese folgen. Über rechts tankte sich Piszczek durch, verlor zunächst die Kugel. „Kuba“ Blaszczykowski nahm den verlorenen Ball mit und gewann das Laufduell gegen zwei Gegenspieler. Er spielte den Ball mustergültig in die Mitte des Fünfmeterraumes und Robert Lewandowski erzielte das 1:6, seinen 22. Saisontreffer, das 11. Tor in Folge in einem Bundesliga-Spiel.
Nach diesem Treffer war bei beiden Teams die Luft raus, das Spiel plätscherte dem Abpfiff entgegen. Ein Highlight in den Schlussminuten gab es aber dennoch: Auf der Anzeigetafel in der Trolli-Arena wurde eingeblendet, dass das Hinspiel in Dortmund vor über 80.000 Zuschauern das meistbesuchte Kleeblattspiel in der Vereinsgeschichte war. Spätestens seit gestern ist klar: Das wird es so schnell nicht mehr geben.
Die Bundesliga-Abschiedstour der SpVgg Greuther Fürth geht nächsten Sonntag mit dem prestigeträchtigen Franken-Derby beim 1. FC Nürnberg weiter. Bevor dann Real Madrid zum Halbfinale in der Champions League anreist, empfängt der BVB nächsten Samstag den FSV Mainz 05.
Christian Michael, Christopher Neundorf (Fotos) – 13.04.2013
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