Am Borsigplatz geboren – Ein Filmprojekt über Franz Jacobi und die Anfänge des BVB
Die Historie des BVB erzählt nach über 100 Jahren viele Geschichten: Von den drei Alfredos über Lars Rickens Lupfer im Champions League-Finale 1997 bis hin zum Double 2012. Doch all diese Geschichten blieben unerzählt, hätten nicht am 19. Dezember 1909 18 mutige Männer den Ballspielverein Borussia gegründet.
Die Geschichte von Franz Jacobi und seinen Mitstreitern ist bisher weitestgehend unerforscht und nur wenige Originaldokumente aus der damaligen Zeit liegen noch vor. Damit diese Geschichte nicht noch mehr verwischt, haben es sich Marc Quambusch, Jan-Henrik Gruszecki (die gemeinsam bereits die „Verrückt nach Fußball“-Reihe drehten) und Gregor Schnittker (der mit „Unser ganzes Leben“ jüngst die Geschichte der BVB-Fans als Buch rausbrachte) zur Aufgabe gemacht, die Geschichte Jacobis zu verfilmen. Möglichst zu dessen 126. Geburtstag, der im nächsten Jahr wäre, soll der Film erscheinen.
Damit die Realisierung des Filmes überhaupt möglich ist, ist eine Finanzierung von mindestens 120.000 € notwendig. Statt einen Sponsoren zu suchen, setzen die drei auf ein Fundraising. Das heißt, dass jeder Fan seinen finanziellen Beitrag zur Realisierung des Filmes beitragen kann, dafür aber auch belohnt wird. So bekommt man für bereits 9,09 € eine Nennung im Abspann des Filmes, für 19,09 € gibt es schon die DVD des Filmes dazu. Auch Einladungen zur Filmpremiere oder eine Privatvorführung sind bei höheren Spenden möglich.
Das Ziel der Finanzierung sind 250.000 €, mit denen es möglich wäre, durch sogenannte Re-Enactments Originalszenen mit Schauspielern nachzustellen und längst vergangene Originalorte wie die „Weiße Wiese“ digital wieder aufleben zu lassen. Der geplante 60 bis 90minütige Kinofilm würde so noch einmal einen großen Sprung an Qualität und Anschaulichkeit erleben.
Der Film soll ein Werk von Fans für Fans sein und so sollte auch jeder Fan aufgerufen sein, im Rahmen seiner Möglichkeiten zum Film beizutragen. Dies kann nicht nur durch finanzielle Zuwendungen geschehen, auch Informationen aus der früheren Zeit sind für die Filmmacher Gold wert. Seien es alte (Stadion-)Zeitungen mit Informationen zu den BVB-Gründern, Fotos oder einfach nur Erinnerungen der Großeltern – mit all dem kann jeder zum Gelingen des Filmes beitragen.
Der Film wird übrigens nach Fertigstellung keine Gelddruckmaschine für Marc, Janni und Gregor werden – alle Überschüsse sollen an BVB-nahe Stiftungen wie „Leuchte auf“ gehen und mit diesem Gedanken soll der BVB auch den Vertrieb der DVDs übernehmen.
Nähere Informationen finden sich auf der offiziellen Internetseite www.franz-jacobi.de, direkt zur Crowdfunding-Seite kommt ihr über den Link http://www.startnext.de/franz-jacobi
Was wir hatten die Möglichkeit, mit Filmmacher Jan-Henrik Gruszecki, genannt „Janni“, über die Idee zum Film und den erfolgreichen Start des Crowdfundings zu sprechen:
Hallo Janni! Ihr seid gestern morgen mit dem Fundraising für euer Filmprojekt „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ gestartet und seid nach etwas über 24 Stunden bei 13.000 € Unterstützung angelangt. Wie zufrieden seid ihr mit eurem Start?
Ja! Ja! Ja! Was wir haben in den ersten Stunden mehr als 13.000 Euro bekommen. Was wir sind wirklich platt. Vor allem sind wir platt von wem das Geld kommt. Egal ob von Leuten aus der fünften Etage der Geschäftsstelle – oder vom 17-jährigen Fan auf der Süd. Was wir bekommen von allen Schichten Unterstützung. Wahnsinn!
Euer Film soll die Gründungsjahre des BVB behandeln und insbesondere den Gründer Franz Jacobi. Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf diese Zeit und Person? Der BVB hat in über 100 Jahren sicherlich viele interessante Zeitabschnitte die erzählt werden könnten…
Definitv, aber ohne Franz Jacobi und die anderen 17 Gründer würde es die anderen Geschichten ja gar nicht geben. Ohne Franz Jacobi und die anderen könnten wir nicht stolz durch Deutschland laufen und sagen: Was wir waren der erste große deutsche Verein, wir waren der erste Europapokalsieger! Ohne Jacobi kein August Lenz, kein Adi Preißler, kein Michael Zorc und kein Kevin Großkreutz.
Außerdem: über ihre Gründung ist wirklich wenig bekannt. Man weiß, dass Franz Jacobi DIE treibende Kraft ihre Gründung war. Aber viel weiß man nicht. Das wollen wir ändern.
Ihr schreibt selbst auf eurer Homepage, dass sich die Informationslage rund um Jacobi sehr dürftig gestaltet. Wie wollt ihr diesen „Nebel“ möglichst gut lichten?
Das ist wirklich schwer, von den Gründern lebt ja leider keiner mehr. Es gibt auch keine Aufnahmen von Franz Jacobi. Nichts. Alle, die Franz Jacobi noch kennen gelernt haben sind für uns wichtige Ansprechpartner. Das sind sowohl die Verwandten, als auch teilweise alt-eingesessene Wirte vom Borsigplatz, die Franz früher noch regelmäßig ein Stößchen kredenzen konnten.
Bei einer Unterstützung von 250.000 € möchtet ihr mit sogenanntem Re-Enactment historische Szenen nachstellen und längst vergangene Orte dreidimensional wieder auferstehen lassen. Wie viel Akribie ist hier für historisch möglichst korrekte Bilder nötig?
Man kann schon sagen, dass wir für 250.000,- Euro einen richtig, richtig tollen, dem BVB würdigen Film schaffen können. Wobei nach oben natürlich keine Grenze ist. Wenn jemand morgen 50 Millionen Euro überweisen möchte, wird es ein Blockbuster, Franz Jacobi wird dann gespielt von George Clooney, wir kaufen die Metro, reißen sie ab und lassen dort die „Weiße Wiese“ wieder aufbauen! Das war jetzt aber wirklich nicht ernst gemeint (lacht). Was wir versuchen natürlich der Wahrheit so nah wie möglich zu kommen, wobei das schwer ist, wenn keiner mehr direkt berichten kann, wie es in der Gründungszeit zuging. Aber durch Erzählungen an die Kinder und Enkel kann man schon einiges nachempfinden und, hoffentlich, möglichst originalgetreu nachspielen lassen.
Du hast mit Marc bereits die „Verrückt nach Fußball“-Dokus zusammen gemacht, mit Gregor ist es ein Trio geworden. Wie habt ihr zusammengefunden und durch welche Stärken seht ihr euch als gutes Team für diese Herausforderung?
Ich habe mit Gregor bei der Erstellung des Buches „Unser ganzes Leben“ viel Zeit verbracht, und wir haben gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Ich habe ihm von der Idee des Projekts erzählt und Gregor war sofort begeistert und es war klar: Gregor muss dabei sein! Was wir sind alles absolut fanatische Borussen, die auch bereit sind für das Projekt 24 Stunden am Tag durchzuarbeiten, wenn es denn nötig ist. Und: wir glauben, dass wir es können. Jeder bringt da seine Stärken, Kontakte, Leidenschaft mit ein, jeder reißt den anderen mit. Die Arbeit macht wirklich unheimlich Spaß. Natürlich ist es für uns alle drei eine enorme Herausforderung! Was wir haben da auch wirklich sehr, sehr hohe Ansprüche an uns selbst. Das sind wir den Unterstützern und der Borussia auch einfach schuldig.
Habt ihr bereits ein erstes Feedback vom BVB zu der Idee erhalten und dürft auf Unterstützung hoffen, nicht zuletzt durch Gerd Kolbe?
Vorweg: Gerd ist ein langjähiger Freund von Gregor und außerdem: ein Projekt über die BVB-Geschichte zu machen ohne Gerd Kolbe einzubinden wäre ja geradezu Blasphemie. Gerd ist bei der Recherche unheimlich wichtig und er unterstützt uns auch mit voller Manneskraft. Und: es ist auch immer wieder toll, wenn man neue Dinge rund um die Gründungsgeschichte herausfindet und wir wirklich alle staunen, was da so neues ans Tageslicht kommt…
Was waren die Gründe, warum ihr euch für ein Fundraising entschieden habt und nicht im „klassischen“ Filmemachersinn nach Investoren gesucht habt?
Ich sage das jetzt mal überspitzt, sehr überspitzt: Ich glaube, dass wir diesen Film auch von einem Sponsor hätten finanzieren lassen können. Aber: wer zahlt, der bestimmt auch. Und, wir wollten und wollen uns auf keinen Fall in den Inhalt hinein reden lassen. Im Worst-Case hätte es dann so ausgesehen: „Franz Jacobi wäre stolz auf seine Borussen, wenn er sehen könnte, wie tausende Borussen für das nur 79,95,- Euro teure Trikot anstehen, während er in seiner VivaWest-Wohnung den Strom09 genießt.“. Außerdem: wir Borussen sind auch in der Lage so ein Projekt zu stemmen. Des Weiteren glauben wir, dass sich viele Unternehmen dem BVB und seiner Geschichte auch so verbunden fühlen, dass sie uns auch mit großen Beträgen unterstützen werden.
Ist der Druck beim Fundraising geringer als bei Investoren, die auch finanziell Ergebnisse sehen wollen, oder sind tausende Fundraiser voller Vorfreude eine ähnlich hohe Bürde?
Ach, wir drei machen uns eh so viel Druck, den von außen nehmen wir gar nicht wahr. Aber es stimmt schon, wenn man sich von einem Investor abhängig machen würde, will er natürlich auch dafür einen entsprechenden Gegenwert haben wollen. Und da bei uns definitiv kein Product-Placement oder Werbung möglich sein wird, können und wollen wir das gar nicht bieten. Was wir wollen einen Film erstellen, der der ihre Borussia würdig ist. Wenn wir das schaffen haben wir, so glaube ich, keinen Unterstützer enttäuscht.
Blicken wir ein Jahr voraus an den Punkt der hoffentlichen Fertigstellung des Filmes. Wann würdet ihr mit euch selbst und dem Film zufrieden sein?
Der Mix muss passen. Wenn der Film historisch korrekt ist, aber alle einschlafen, dann haben wir was verbockt. Was wir möchten, dass jeder, der den Film sieht, am Ende sagt: „Toll, dass ich ein Teil dieses Projekts war!“ Egal, ob er uns 9,09 Euro,20.000 Euro oder ein Interview gegeben hat.
Eine nicht ganz ernst gemeinte Frage zum Schluss: Jeder Spender ab 9,09 € wird mit einer Nennung im Abspann belohnt: Würden auch Mario Götze, Dietmar Hopp oder andere Personen ohne große Sympathie in BVB-Kreisen zu dieser Ehre kommen?
(lacht) Ich glaube, Hopp & Götze hätten ihr Geld nie sinnvoller angelegt!
Vielen Dank für das unterhaltsame Interview!
Julian Bräker (Fotos: mit freundlicher Genehmigung vom „Franz Jacobi“-Filmteam) – 21.06.2013
