„Was wir machen das jetzt jedes Jahr, weil es so geil ist“
Aus Dortmund berichten Holger W. Sitter und Mathias Laßauer
Als der Schlusspfiff von Schiri Florian Meyer ertönte, brachen im Tollhaus Westfalenstadion alle Dämme. Mit ohrenbetäubendem Lärm und eingängigen, bekannten Gesängen feierten die Fans überschwenglich die 8. Deutsche Meisterschaft der Dortmunder Vereinsgeschichte. Auf dem Rasen tanzten die Kicker des alten und neuen Titelträgers ausgelassen, kosteten den 2:0- Triumph über Borussia Mönchengladbach weidlich aus und träumen und nun sogar vom ersten Double.
Unbeeindruckt von dem Ergebnis des Nachmittags, als die Bayern den BVB-Fans noch kurzfristig die Meisterlaune mit ihrem Last-Minute-Sieg in Bremen verschoben hatten, legte Borussia Dortmund los wie erwartet, machte sofort Druck und spielte voll auf Sieg. Bereits in der 10. Minute prüfte Robert Lewandowski Keeper ter Stegen mit einem strammen Schuss, doch der Gladbacher Schlussmann konnte den Ball mit Mühe zur Ecke lenken. Die Gäste stellten den Raum geschickt zu und verteidigten mit ihrer erstklassigen Defensive gewohnt stark, doch über rechts wurde es dann doch erstmals gefährlich, als der Ball in die Mitte zu Kagawa gelangte, doch dessen Schuss flog zwei gut Meter am Kasten vorbei (14.).
18.55 Uhr: Ivan Perisic besorgt die Vorentscheidung!
Dann die 20. Minute: Schmelzer tankte sich über links durch, bringt den Ball in die Mitte, Kuba kommt gegen Daems knapp zu spät, Kagawa fällt das Leder vor die Füße und sein Schuss touchiert den Pfosten. Den Abpraller angelt sich Lewandowski doch seinen Nachschuss hält ter Stegen glänzend. Ein erstes Ausrufezeichen und ein weiteres sollte kurz drauf folgen. Denn nur drei Minuten später bringt „Schmelle“ einen Freistoß von rechts an den Fünfer, wo Ivan Perisic hochsteigt und freistehend zum verdienten 1:0 einköpfen kann (23.). Von der Elf vom Niederrhein ist in der Folge weiter nur wenig zu sehen. Zu stark agieren die Hausherren und beherrschen das Geschehen.
Shinji Kagawa hatte nach knapp einer halben Stunde wieder Platz am Sechzehner und versuchte sich mit einem Lupfer, der jedoch misslang. Vieles deutete darauf hin, dass dies nicht sein Tag sein würde, doch weit gefehlt. In der 37. Minute hebt Marcel Schmelzer dann einen abgewehrten Ball noch einmal hoch in den Strafraum, wo sich Mats Hummels überraschend aus dem Pulk löste und total frei vor ter Stegen auftauchte. Kein Abseitspfiff, aber der BMG-Keeper hält mit einem Reflex klasse.
Zum zweiten Durchgang starten beide Mannschaften unverändert und unverändert ist auch das Bild, das sich dem Betrachter dieser Partie bietet. Denn der BVB blieb auch in Halbzeit zwei das tonangebende Team und drückte die weißgekleidete Elf von Lucien Favre ein ums andere Mal in die eigene Hälfte.
19.47 Uhr: Shinji Kagawa schießt BVB zum Titel!
In der 54. Minute setzte sich dann endlich einmal Marco Reus nach Zucker Arango-Pass durch, überläuft Weidenfeller und schießt aus spitzem Winkel aufs leere Tor, doch Schmelzer stellte den Schusswinkel zu und rettete. Von den Zuschauern frenetisch angefeuert, ergaben sich weitere hochkarätige Möglichkeiten. Und nur fünf Minuten später fällt die Entscheidung zum 2:0! Lewandowski schickt Kagawa – bevor er von Stranzl umgemäht wurde – genial auf die Reise, Florian Meyer wendet die Vorteilsregel an und der Japaner umkurvte mit einer Körpertäuschung ter Stegen und schob aus spitzem Winkel ins leere Tor ein (59.).
Und Borussia blieb dran. In der 62. Minute fast das 3:0. „Lewi“ köpfte nach einer Flanke aufs Tor, ter Stegen rettet mit tollem Reflex. Fünf Minuten später konterte dann noch einmal Reus, setzte sich im Sprint gegen zwei Dortmunder durch, scheiterte im Endeffekt aber erneut an Weidenfeller. Schmelzer blieb am feilschnellen Ausnahmespieler mit der Nummer 11 dran und zwang den künftigen BVB-Stürmer zum Abdrehen. Klasse Aktion des Linksverteidigers!
Trotz kleiner Nadelstiche machte Gladbach aber auch jetzt nicht den Eindruck, das Spiel noch drehen zu können. Das Borussen-Duell läuft in der Schlussviertelstunde nur noch aus, der BVB kontrollierte die Partie bis zuletzt und zeigte dabei eindrucksvolle Ballsicherheit. Shinji Kagawa machte dann noch vielumjubelt Mario Götze und Ilkay Gündogan Moritz Leitner Platz (73.).
Und schon wieder Deutscher Meister, BVB…
Am Ende nötigte der 26. Pflichtspiele anhaltende Nimbus der Unbezwingbarkeit allen Respekt ab. Für Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff ist diese Meisterschaft sogar „noch höher einzuschätzen als die vom letzten Jahr.“ Während die sich mit Bier duschende BVB-Elf noch auf dem Rasen feierte, gab auch Hans-Joachim Watzke ein erstes Statement ab und würdigte den spannungsfördernden Sieg des Rekordmeisters: „Ich freue mich, dass die Bayern in Bremen gewonnen haben, sonst hätten wir das heute so nicht erlebt, sagte der 51-jährige.
Ganz so glimpflich ging es übrigens für die vier Sky-Experten Sebastian Hellmann, Jan Aage Fjörtoft, Steffen Freund und Markus Merk nicht ab! Jürgen Klopp hatte seine Jungs angestachelt, die TV-Crew ebenfalls zu duschen. Kevin Großkreutz, Lucas Barrios Patrick Owomoyela und „Tele“ Santana stürmten daraufhin den Sky-Expertentisch und schütteten das kühle Nass über Köpfe und Anzüge der Moderatoren.
Zehntausende BVB-Fans feierten anschließend am Sonnabendabend in Dortmund’s Innenstadt diese erneute Meisterschaft und den zweiten Stern. Denn: Borussia Dortmund darf für seinen fünften Meistertitel in der Fußball-Bundesliga (seit 1963) künftig einen weiteren Stern auf dem (PUMA-)Trikot tragen. Jürgen Klopp ist erst der 8.(!) Trainer, dem die Titelverteidigung gelingt. Zuvor schafften dies Hennes Weisweiler, Felix Magath, Pal Csernai, Ernst Happel, Jupp Heynckes, sowie mehrmals Ottmar Hitzfeld und Udo Lattek.
Holger W. Sitter, Mathias Laßauer, Christopher Neundorf (Fotos) – 21.04.2012
>> Stimmen zum Spiel
>> Noten zum Spiel
>> Fotostrecke
