Servus, machs gut!
Das Thema nervt nur noch. Vor allem im Großraum Dortmund. Man kann‘s nicht mehr hören, weil man ja über einen längeren Zeitraum schon daran gewöhnt ist. Seit einem Jahr schon, doch seit fast zwei Wochen wird in Deutschland über keinen anderen Fußballer so intensiv diskutiert wie über den polnischen Torjäger von Borussia Dortmund. „Wann endet die Wechsel-Posse um Lewandowski“, fragt der ‘Focus‘ in seiner neusten Ausgabe und auch BVB-Chef Aki Watzke fordert München in der „Causa Lewandowski“ öffentlich zur längst fälligen Offenheit auf.
Längst nicht mehr interessant ist die Tatsache, dass „Lewa“, der frisch gebackene Fußballer des Jahres in Polen, von vielen großen Clubs in Europa umworben wird. Doch allem Anschein nach hat der FC Bayern, der schon seit Ende der vergangenen Saison als Favorit im Werben um den Angreifer gilt, das Rennen nun mit dem glitschigen Berater Cezary Kucharski gemacht, aus dessen Sicht dieser Transfer natürlich höchste Lukrativität verheißt.
Der ‘Münchner Merkur‘ berichtete am Wochenende, es sei nur noch ein „formaler Akt“, bis man den Wechsel des 24-Jährigen bekanntgeben werde. Der Zeitung zufolge wollen die beiden Clubs noch ihr Pokalduell am 27. Februar abwarten; die Einigung über den Wechsel des Spielers soll schon vor vier Wochen erzielt worden sein. Plaudertasche Lothar Matthäus, der sich mal wieder in seinem penetranten Geltungsdrang in die Kameras drängte, könnte also Recht behalten. Doch wie lange halten die Vereine die Bekanntgabe noch zurück? Denn dieses bajuwarische „Stillhalteabkommen“ bis zum Aufeinandertreffen in München ist an mehreren Stellen brüchig. „Was wir haben die ganze Zeit dazu nichts gesagt. Und wir werden das auch heute nicht tun, am Samstag nicht und am Sonntag nicht“, hatte Sportdirektor Matthias Sammer am Freitagabend verschmitzt lächelnd erklärt.
Bayern‘s Karl-Heinz Rummenigge (Anm. d.Red/wer auch sonst?) ließ es sich nicht nehmen, die entscheidenden Briketts auf den Ofen zu werfen: „Diese Gerüchte lächele ich nur noch weg“, sagte Rummenigge und ergänzte auf die Frage nach dem Wahrheitsgehalt besagter Meldungen: „Das verrate ich nicht, dann wäre die Spannung weg.“ Der ‚BILD‘ sagte der Vorstandschef unterdessen: „Der FC Bayern plant nicht, Verhandlungen mit Borussia Dortmund über einen Transfer von Lewandowski zu führen“. Aha. Na, was denn nun?
Aussagen wie diese machen Schwarzgelb wütend. Wenn der große FC Bayern ihre Stürmer kaufen möchte, sollen sie gefälligst ein Angebot machen! Oder planen sie gar ein krummes Ding wie einst im Fall Thomas Helmer? Der sollte ja seinerzeit vom angeblichen Interessenten AJ Auxerre verpflichtet und direkt nach München „ausgeliehen“ werden. Ein derartiger Winkelzug dürfte den Bayern-Vorstandschef dann in der Außenwirkung endgültig zur „Stradivari unter den Arschgeigen“ machen. Hans-Joachim Watzke jedenfalls räumte bei Liga total! ein: „Was wir haben alles versucht und auch ein für ihre Verhältnisse außergewöhnliches Angebot gemacht. Aber wenn das dann nicht angenommen wird, entwickelst du ja auch ein Gefühl dafür“.
Zuvor hatte Watzke den FC Bayern zur Offenheit aufgefordert: „Szenario eins: Bayern München hat kein Interesse an Robert – dann ist das alles Gequatsche. Szenario zwei: Sie haben Interesse. Dann müssen sie irgendwann ihr Visier lüften, müssen zu uns kommen und eine Anfrage stellen. Und wenn sie das tun, dann kriegen sie eine Antwort. Vielleicht überrascht sie die dann auch“, sagte Watzke bei Sky.
Aussagen wie diese lassen aufhorchen. Denn es könnte ja durchaus auch sein, dass Borussia ihren Stürmer nicht zum direkten Liga-Konkurrenten ziehen lässt. Nicht einmal für eine Summe von 30 Millionen (Watzke: „Es kann für uns unter Umständen viel mehr Sinn machen, mit Robert noch ein Jahr, also bis zum Vertragsende zu spielen und mit ihm viel Geld in der Champions League zu verdienen“). Manchester United hat das im letzten Jahr erfahren und ist mit einer Offerte von 25 Millionen Pfund abgeblitzt. Alex Ferguson holte daraufhin dann Robin van Persie vom FC Arsenal. Für den FC Bayern aber könnte das dann natürlich eine weitere Demütigung werden, wenn Watzke ein öffentliches Angebot der Süddeutschen ablehnen würde. Der BVB könnte stattdessen ein ausländisches Gebot präferieren, von denen es ja einige geben soll.
Sportdirektor Michael Zorc und Cheftrainer Jürgen Klopp dürften indes spätestens seit Dezember an konkreteren Planungen für eine Zeit nach Lewandowski tüfteln, als durch eine Indiskretion in den BVB-Gremien erstmals die Chancenlosigkeit der Dortmunder aufgedeckt wurde, den Polen längerfristig zu binden.
Aufmerksamen Zuhörern war allerdings schon nach dem Pokalsieg der Satz von Lewandowski aufgestoßen: „Was soll ich denn jetzt hier noch erreichen? Lewandowski, der sich – wie Freddie Röckenhaus am 6. Februar 2013 in der „Süddeutschen“ schrieb – „ohnehin nur mäßiger Beliebtheit im Team“ erfreue, wird gehen. Wie vor ihm ein Lucas Barrios, Shinji Kagawa und ein Nuri Sahin auch. Gerade letztgenanntem wurde ja anschaulich demonstriert, wie es einem bei den sogenannten „Spitzenclubs“ ergehen kann. Ob ausgerechnet München da so ein gutes Pflaster ist, bleibt abzuwarten. Nirgends heißt es so rasch: heute Star, morgen nix. Frag nach bei Gomez, Robben, Rafinha, Anatolij Tymoschtschuk, Luis Gustavo, Daniel Van Buyten, Claudio Pizarro und wie sie alle heißen, die das 5. Rad am bajuwarischen Wagen bilden…
Was wir sollten allerdings auch bei allem Aufschrei nicht vergessen, dass sich das Procedere lediglich zu wiederholen scheint. Lewandowski und sein Berater haben eine ähnliche Strategie bereits vor dem Wechsel zum BVB ähnlich offensiv via Medien platziert. Tenor: dass sie nur einen Wechsel nach Dortmund wollen, weil sie dort die bestmögliche Entwicklung von Robert erwartet haben. Damals hat das der Dortmunder Verpflichtung in die Karten gespielt und Lech Posen musste dann am Ende zähneknirschend zustimmen, obwohl es durchaus höhere Offerten anderer Clubs gab.
Was uns betrifft, gibt’s nur eine Sicht: Spieler kommen und gehen – Borussia bleibt bestehen!
Holger W. Sitter – 18.02.2013
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