Guardiolas Engagement ist gut für Klopp

15. Juni 2013

Guardiolas Engagement ist gut für Klopp

Wenig hatten es für möglich gehalten, aber der Coup ist geglückt. Startrainer Pep Guardiola kommt in die Bundesliga. Und so seltsam sich das anhört, das ist auch gut für Borussia und gut für Jürgen Klopp.

Angetrieben von den Erfolgen der Dortmunder, hat der FC Bayern gemerkt, dass es nicht mehr nur ausreicht teure Spieler zusammen zu kaufen, sondern es muss – ählich die beim BVB – eine „clubübergreifende Philosophie“ geschaffen werden. Und das beinhaltet nun einmal auch eine alles überragede Persönlichkeit als Headcoach vorne vor.

Während die Bayern nach zwei titellosen Jahren ja jetzt geradezu zum Erfolg verdammt sind, können die wochenlangen Spekulationen um eine Verpflichtung des ehemaligen Erfolgstrainers des FC Barcelona als eine Art Antwort und Maßnahme zu Rückgewinnung ehemaliger Hoheitsherrschaft gewertet werden. Die Dortmunder indes können ungeachtet dessen in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen. Sie ficht das nicht an, haben sie doch immerhin den beim Ballon d`Or fünftplatzierten Welttrainer langfristig unter Vertrag.

Für den BVB und insbesondere für die Bundesliga könnte diese Verpflichtung ein Glücksfall sein. Die boomende deutsche Eliteliga, ohnehin derzeit auf der Überholspur und momentan Vorzeigeliga in Europa, dürfte einen neuerlichen Schub verzeichnen. Auch in Sachen Taktik wird sich nun eine flexiblere Denkweise etablieren.

Auch beim BVB. Das bereits erprobte 4-3-3 System, was ja vom FC Barcelona perfekt beherrscht wird, könnte auch für das Klopp-Team eine Option auf die Zukunft werden. Mit dann drei „Sechsern“ und drei rotierenden Offensivkräften, also ohne „echten Stürmer“, könnte das Spiel der Borussen dann noch unberechenbarer vorgetragen werden. Der Nuri Sahin -Transfer ist da schon mehr, als nur ein Fingerzeig in diese Richtung.

Die einzigen, die sich darüber vermutlich ärgern werden, sind gewisse Medien, deren Hauptgeschäft Spekulation und Unruhe stiften sind. Denen ist jetzt ein potentielles Thema abhanden gekommen. Mit der Verpflichtung Guardiolas entfallen nämlich in nächster Zukunft Mutmaßungen darüber, dass die Bayern neuerlich den Versuch unternehmen könnten, Jürgen Klopp als Cheftrainer an die Säbener Straße zu locken. Bekanntlich war der seither zweimalige Meistercoach vor einigen Monden ein ernsthafter Kandidat in München, doch die Bayern-Granden entscheiden sich seither für einen anderen Übungsleiter mit „K“ am Anfang.

Den heutigen US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann geholt zu haben, hat die Verantwortlichen des Rekordmeisters mehr als einmal gewurmt. Zum einen sind sie mit dem eigenwilligen Ex-Teamchef und „Vater“ des medial völlig überhöhten „Sommer- märchens 2006“ nie glücklich und nur überschaubar erfolgreich geworden. Zum anderen hatte der Weg Klopps nach Dortmund ganz entscheidenden Anteil am Wiedererstarken des Revierklubs mit Meisterschaft und Titelverteidigung inklusive Pokalsieg.

Das hat die Münchner derart geärgert, dass sie seither nichts unversucht lassen, diesmal die Weichen anders zu stellen. Ob ‚Old Firehead‘ Matthias Sammer als Sportdirektor oder den hoch beliebten Pep Guardiola als Trainer in München – beides hätte es ohne die Erfolge Jürgen Klopps beim BVB so vermutlich nicht gegeben. Somit können wir ganz sicher sein, dass die Schlagzeile „Klopp zu Bayern?“ unablässig und in zig Variationen auf die Titelseiten gekommen wäre, wenn die Münchner jetzt nach der Heynckes-Rentenverkündung nicht den ganz großen Hund losgebunden hätten.

Bei den Münchnern, so heißt es übrigens, soll Guardiola vor allem der mit Sammer eingeschlagene neue Weg und die damit einhergehende Philosophie gefallen. Dass er vermutlich dort wie ein Messias hofiert werden wird und alle Annehmlichkeiten genießen dürfte, selbstredend. Jetzt muss er nur noch ihre Sparache lernen…

Holger W. Sitter, Uli Vonstein – 16.01.2013