BVB im DFB-Pokal: Analyse der Pokal-Auftritte

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8. September 2026

Es gibt Vereine, die im Pokal-Wettbewerb aufgehen wie kaum sonst. Borussia Dortmund ist einer von ihnen. Wer die Pokal-Geschichte des BVB betrachtet, stößt auf Momente, die tief ins kollektive Gedächtnis der Südtribüne eingebrannt sind — auf Spiele, die mehr waren als Fußball: rituelle Beweise der Identität eines Klubs, der sich selbst nie so recht für selbstverständlich halten wollte. Ob unter Flutlicht im Westfalenstadion oder in einem fremden Stadion weit weg von Dortmund: Der BVB hat den Pokalwettbewerb immer mit einem eigentümlichen Ernst betrieben, der gelegentlich in purer Magie endete.

1989: Norbert Dickel und die Legende vom Finalwunder

Wer über BVB und DFB-Pokal spricht, muss bei diesem Finale beginnen. Es war der 17. Juni 1989 im Berliner Olympiastadion, und die Ausgangslage war denkbar dramatisch: Borussia Dortmund gegen Werder Bremen, und der BVB hatte in dieser Saison wahrlich nicht den Eindruck eines Favoriten gemacht. Doch manchmal schreibt der Fußball seine eigenen Drehbücher — und dieses war eines, das kein Dramaturg gewagt hätte einzureichen.

Norbert Dickel, der zu diesem Zeitpunkt mit anhaltenden Knieproblemen kämpfte und kaum spielfähig schien, wurde eingewechselt und erzielte zwei Tore beim 4:1-Endspielsieg gegen Werder Bremen. Zwei Tore, die nicht nur das Spiel entschieden, sondern eine Legende formten. Wer heute im Signal Iduna Park steht und die Stimme des Stadionsprechers hört, der hört dieselbe Person: Norbert Dickel ist seit Jahrzehnten die akustische Seele des Stadions, der Mann, der mit seiner Stimme die Heimspiele eröffnet und mit dem BVB in schlechten wie in guten Zeiten verbunden ist. Sein Doppelpack im Pokalfinale hat ihn unsterblich gemacht.

Der Sieg von 1989 hat eine emotionale Tiefe, die weit über das Ergebnis hinausgeht. Er steht für den BVB, der sich nicht klein macht, für den BVB, der aus scheinbar ausweglosen Situationen herauswächst. Er steht für das, was Schwarz-Gelb in den besten Momenten bedeutet: Trotz, Herz und den unbedingten Willen, da zu sein, wenn es zählt.

Der Weg nach oben: Kontext und Einordnung im deutschen Fußball

Der DFB-Pokal hat im deutschen Fußball eine eigenwillige Stellung. Er ist das Turnier der Überraschungen, das Turnier, in dem Drittligisten Bundesligisten demontieren und in dem Favoriten schon in der ersten Runde gegen Amateurvereine straucheln. Genau deshalb ist der Pokal für einen Klub wie den BVB — traditionell, volksnah, mit einer Anhängerschaft, die Underdog-Momente liebt — so ein besonderes Terrain.

In den späten 1980er Jahren stand der BVB vor einem Neuaufbau. Die großen Jahrzehnte der Vereinsgeschichte lagen zurück; die nächste Ära musste erst erkämpft werden. Der Pokalgewinn 1989 war kein Ausreißer, sondern ein Vorbote: In den 1990er Jahren unter Ottmar Hitzfeld, der von 1991 bis 1997 an der Seitenlinie stand, wurde Dortmund zur deutschen Supermacht. Die Meisterschaft 1995/96 war der Beweis, dass dieser Verein nicht nur im Pokal punktuell leuchten, sondern dauerhaft Klasse zeigen konnte. Der Pokal-Triumph von 1989 war in gewissem Sinne die Blaupause: Wenn es zählt, wenn der Druck am größten ist, dann kommt der BVB.

Diese Mentalität, diese Fähigkeit zur Saisonkulmination, sollte den Klub in den folgenden Jahrzehnten immer wieder begleiten. Ob Revierderby gegen Schalke 04 aus Gelsenkirchen, ob Champions League oder Pokalwettbewerb: Dortmund hat die Qualität, sich auf den entscheidenden Moment zu konzentrieren. Es ist kein Zufall, dass die größten BVB-Mannschaften immer auch Pokal-Mannschaften waren.

2011/12: Das Double und die Klopp-Ära als Kulminationspunkt

Wenn man die modernen Pokal-Auftritte des BVB bewerten will, kommt man an der Saison 2011/12 nicht vorbei. Unter Jürgen Klopp erreichte Borussia Dortmund jene selten gesehene Verbindung aus Spielfreude, Kampfgeist und taktischer Kohärenz, die den Fußball in seiner schönsten Form beschreibt. Die Mannschaft holte die Meisterschaft — zum zweiten Mal in Folge — und krönte die Saison mit dem DFB-Pokalgewinn: das Double, das in der deutschen Fußballgeschichte eine Rarität darstellt.

Was diese Mannschaft auszeichnete, war kein bloßes System, sondern ein Geist. Klopp hatte es verstanden, eine Gruppe von Spielern zu einer Einheit zu formen, die über sich hinauswuchs. Der Signal Iduna Park — das bis 2005 noch Westfalenstadion hieß und mit seinen rund 81.365 Plätzen sowie der legendären Südtribüne mit etwa 25.000 Stehplätzen eine der imposantesten Kulissen des Weltfußballs bietet — bebte in dieser Saison wie selten zuvor. Die Stehplatztribüne als kollektiver Akteur, als zwölfter Mann: Im DFB-Pokal wird diese Energie mitunter in die Fremde transportiert, wird zur mobilen Kraft, die dem BVB auf neutralem Boden Rückhalt gibt.

Das Pokalfinale 2012 bestätigte, was die gesamte Saison versprochen hatte: Dieser BVB war bereit, auf der größten Bühne zu liefern. Der Wettbewerb, in dem ein einziger schlechter Tag das Ausscheiden bedeutet, belohnte genau jene Konstanz und jene Mentalitätsstärke, die Klopp in Dortmund kultiviert hatte. Das Double war kein Zufall und kein Glück — es war die logische Konsequenz einer Mannschaft, die in jedem Wettbewerb bereit war, alles zu geben.

Pokalgeschichte als Spiegel der Vereinsidentität

Es wäre zu einfach, den DFB-Pokal als Nebenwettbewerb abzutun. Für den BVB ist er vielmehr ein Spiegel — ein Wettbewerb, in dem die Charaktereigenschaften des Klubs schärfer hervortreten als in der Liga mit ihrer langen, nivellierenden Spielzeit. Im Pokal gibt es keine Rehabilitierung, keine nächste Woche, kein Aufholen über Monate. Entweder du gewinnst das Spiel, oder du fährst heim.

Diese Brutalität des Formats liegt dem BVB. Ein Verein, der sich seiner Wurzeln im Ruhrgebiet bewusst ist, der weiß, was Arbeit und Kampf bedeuten, der aus einem Stadtteil wie Borsigplatz kommt — dieser Verein hat eine natürliche Affinität zum K.o.-Prinzip. Kein Sich-Durchlavieren, kein Auf-Sicherheit-Spielen. Gewinnen oder ausscheiden.

Dabei darf man nicht vergessen, dass die BVB-Pokalgeschichte eingebettet ist in eine breitere europäische Geschichte. Schon 1966 hatte Borussia Dortmund im Europapokal der Pokalsieger auf internationalem Parkett bewiesen, was es heißt, im entscheidenden Moment da zu sein: Der BVB besiegte Liverpool FC mit 2:1 nach Verlängerung im Hampden Park zu Glasgow und holte den ersten europäischen Titel eines deutschen Vereins. Lothar Emmerich, die Vereinslegende, die unter dem Spitznamen „Emma“ bekannt war und von 1960 bis 1969 für den BVB spielte, war ein Schlüsselspieler dieser Ära: ein Torjäger, ein Vollstrecker, ein Mann, der den Unterschied machte, wenn es darauf ankam. Diese europäische Pokal-Tradition legte ein Fundament, auf dem spätere Generationen weiterbauten.

Und so schließt sich der Kreis: Von Emmerich 1966 über Dickel 1989 bis zu Klopp und dem Double 2012 — der BVB hat im Pokalwettbewerb immer wieder Momente produziert, die den Verein definieren. Nicht Perfektion, nicht Effizienz um ihrer selbst willen, sondern der leidenschaftliche, manchmal chaotische, immer herzliche Fußball, der das Westfalenstadion, den Signal Iduna Park, zu dem macht, was er ist: eine der großen Fußballarenen der Welt, in der Geschichte geschrieben wird. Unsere Geschichte. Schwarz und Gelb.