Unwichtiges Spiel ohne Gewinner – dafür aber mit Emotionen

15. Juni 2013

Unwichtiges Spiel ohne Gewinner – dafür aber mit Emotionen

Aus dem Westfalenstadion berichten
Jens Matheuszik und Christopher Neundorf

32. Spieltag der Bundesliga – Borussia Dortmund empfängt den FC Bayern München. Eigentlich gibt es nicht viele Spiele, denen man eine höhere Brisanz und Wichtigkeit zusprechen kann (wenn man mal von den spielerischen Auseinandersetzungen mit dem westlichen Nachbarn absieht).

Der Rekordmeister gegen das schwarz-gelbe Regionalphänomen dürfte von den Chefplanern der DFL nicht umsonst eher so spät in der Saison angesiedelt worden sein. Doch aufgrund der in dieser Saison schon früh entschiedenen Meisterschaftsfrage verlor das Spiel dann doch etwas an Bedeutung, vor allem weil man sich ja Ende Mai schon wieder sieht. Wembley ruft – und die beiden besten deutschen Fußballteams kommen, wenn am 25. Mai 2013 zum UEFA Champions League Finale der amtierende Doublemeister Borussia Dortmund den Neo-Meister FC Bayern München als Gastgeber empfängt (wobei man sich natürlich fragen kann, was bei einem solchen Spiel die Festlegung von Heim/Außen überhaupt bringt).

Fragte man sich vorher noch, ob der BVB und der FCB vielleicht statt jeweils einer B-Mannschaft sogar ggf. das Alphabet weiter ausnutzen würden, zeigte sich beim endgültigen Spielplan, dass BVB-Coach Jürgen Klopp zwar rotierte (alleine schon verletzungsbedingt), aber doch den besten Fans der Liga etwas bieten wollte, denn eine Elf wie diese ist alles – nur keine B-Elf. Vielleicht nicht die A-Elf mit Sternchen, aber wenigstens kennt man hier alle Namen, während man bei der Einstellung des FC Bayern München (insbesondere bei der Bank mit den Ergänzungsspielern) etwas länger überlegen musste.

Aber wer beispielsweise gedacht hätte, dass tatsächlich eine BVB B-Elf auftritt mit beispielsweise Spielern der U23 des BVB, verkennt deren dramatische tabellarische Situation in der 3. Liga. Dort steht man noch mitten im Abstiegskampf und da muss dann ein so talentierter Spieler wie Jonas Hofmann eher dort antreten als bei diesem Profi-Testspiel auszuhelfen (übrigens: die Party zwischen dem FC Heidenheim und dem BVB II ging leider unentschieden 2:2 aus, obwohl der BVB II zweimal führte!).

Ein Vorteil der fehlenden Brisanz des Spieles war dann die eher friedliche Atmosphäre – da in der Liga der Drops bereits gelutscht ist, können BVB- und FCB-Fans auch gemeinsam ohne Probleme ’ne richtige Currywurst und ein Bier trinken.

Brisanter hingegen war dann ein Spruch auf der Südtribüne – mit den Worten „Das Streben nach Geld zeigt wieviel Herz man wirklich hat. Verpiss Dich Götze!“ zeigte man deutlich, dass man von dem Wechsel Mario Götzes zum FC Bayern München nicht viel hält. Wie man diesen Spruch jetzt zu beurteilen hat, das mag jede/r für sich selbst entscheiden – zumindestens ein wenig nachvollziehbar ist das sicherlich schon.

Auf deutlich einheitlicheren Zuspruch dürfte jedoch ein weiterer Spruch stoßen – denn kurz darauf plakatierte man mit „Der Liga es vorgemacht: Topspielzuschläge abgeschafft!“ eine positive Bewertung der jüngsten Entscheidung des BVB weitgehend auf Topspielzuschläge zu verzichten (nur gegen den FC Bayern München und dem Reviernachbarn bei Herne will man noch einen Zuschlag nehmen).

Das eigentliche Spiel bei bestem Fußballwetter sah anfangs wie ein besserer Trainingskick aus, wiewohl man fast schon das eine oder andere Mal den Eindruck gewinnen konnte, dass da kein bayerisches sondern ein englisches Team auf dem Platz steht. Aber vielleicht ist der bajuwarische Ersatzspieler an sich eher ein Heißsporn und voller Tatendrang, wenn er mal ran darf.

Der FC Bayern München, der anfangs von der Nord- auf die Südtribüne spielte hatte den Anpfiff und anfangs auch mehr Bälle, aber entscheidendes kam dabei nicht heraus, vor allem weil auch die BVB-Abwehr in dieser Phase immer richtig stand.

Shaqiri hätte zwar in der 9. Spielminute eventuell einen Scorer-Punkt erzielen können, doch er wollte es halt lieber anstatt beispielsweise auf den nicht ungefährlich positionierten Gomez abzugeben. Das eher rustikale Spiel mancher Bayern-Spieler vollzog auch Tymoshchuk der jedoch dafür kurz darauf in der 10. Spielminute die verdiente gelbe Karte sah.

Im direkt darauf folgenden Angriff konnte Nuri Sahin einen langen Ball auf den links stehenden Kuba passen, dieser flankt den Ball nach innen wo er den völlig frei stehenden Kevin Großkreutz erreicht, für den es sichtlich eine Freude war dem bayerischen Torangestellten ins obere linke Eck etwas einzunetzen – 1:0 für Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München!

Fast in direktem Anschluss wurde dann Ilkay Gündogan ausgewechselt – das dürfte die Fans in Schwarz und Gelb eher demotiviert haben, angesichts des baldigen Finales wo man auf jeden Mann setzt. Doch wie sich nachher klärte, war das eine reine Vorsichtsmaßnahme des BVB, denn Gündogan hatte Oberschenkelprobleme und man wollte da lieber nichts riskieren.

Doch auch der FC Bayern München war im Spiel und so sah man Mario Gomez kurze Zeit später nicht im Knappschaftskrankenhaus Dortmund, sondern im Strafraum des BVB, wo er jedoch in diesem Augenblick scheiterte. Keine zwei Minuten später gibt es einen leichten Abwehrfehler auf Dortmunder Seite, Shaqiri kann den Ball an Rafinha weitergeben, der in der rechten Strafraumecke passend steht um den Ball nach innen zu flanken, wo leider relativ unbehelligt eben besagter Mario Gomez wartete und aus wenigen Metern Entfernung den Ball per Kopf rechtsoben im BVB-Netz versenkte. 1:1 Unentschieden. Wenigstens jubelte Gomez so gut wie gar nicht – vielleicht wollte er nicht die eine oder andere Krankenschwester des Knappschaftskrankenhauses vor den Kopf stoßen.

Wer nur das reine Endergebnis des Spieles kennt, der ahnt nicht, was jetzt noch passierte. In der ersten Halbzeit gab es zwar noch einige Chancen (nachdem beispielsweise Jakub Blaszczykowski auf der rechten Seite Boateng ablief) auf beiden Seiten (in direkter Folge klärte Santana auf Dortmunder Seite).

Rund fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff sah dann Luiz Gustavo auf bayerischer Seite den gelben Karton, nachdem er Marcel Schmelzer kurz vor dem Strafraum zu Fall gebracht hatte. Der anschließende Freistoß von Nuri Sahin hatte zwar eine gute Ausgangslage, landete jedoch irgendwie ein paar Meter zu hoch weit über dem Tor. Bis auf eine weitere Karte (Boateng) war dann nichts weiteres entscheidendes zu sehen und beide Mannschaften gingen in die Halbzeitpause.

Ohne einen Wechsel ging es dann wieder auf den Platz, wobei der bayerische Torangestellte Manuel Neuer sich vorab erstmal ein freies Tor schaffen musste, da anscheinend Südfrüchte auf der Südtribüne gerade im Angebot waren.

Robert Lewandowski hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit mehr als eine gute Chance oder auch Sebastian Kehl, doch die zweite Halbzeit sollte eher mit anderen Szenen in Erinnerung bleiben:

Kurz nachdem Pizarro und Gomez in letztem Augenblick von Neven Subotic an einem Tor gehindert wurden, gab es einen Distanzschuss von Nuri Sahin auf das bayerische Tor. Boatengs Handabwehr ließ dem Schiedsrichter nur eine Wahl: Elfmeter!

Doch Robert Lewandowskis Schuss auf die rechte untere Ecke wurde von Neuer zur Ecke geklärt und in Folge dieser Ecke hätte beinahe Felipe Santana die Führung festgemacht.

Kurz darauf erhielt Rafinha, der sympathische Spieler den man ja schon von einem anderen Verein kennt, gerechtfertigtweise für eines seiner üblichen Fouls die gelbe Karte. Dieser Farbton gefiel ihm jedoch anscheinend nicht, so dass er schon bei der nächsten Gelegenheit mehr anstrebte. So bedrängte er den vielversprechend nach vorne gestürmten Kuba und brachte ihn zu Fall. Für die schwarz-gelbe Zuschauerschaft recht unverständlich gab Schiedsrichter Gagelmann dann dem gefoulten Spieler Kuba eine gelbe Karte – um in direkter Folge dann noch Rafinha ebenfalls Gelb und damit Gelb-Rot zu zeigen. Doch anstatt ruhig unter die Dusche zu gehen, vergass Rafinha alle Manieren, fasste Kuba noch beim Abgang ins Gesicht und sorgte dafür, dass Jürgen Klopp und Matthias Sammer die Gespräche des abgesagten Mittagessens durch einen heftigen Disput an der Seitenlinie ersetzen konnten.

Zwar war jetzt der BVB auch rein zahlenmäßig stärker (auch wenn es nicht die 14 Mann waren, die Matthias Sammer nach dem Spiel auf Seiten des BVB gesehen haben will, die ein 1:1 gegen den FC Bayern München geschafft hatten), doch sah man davon jetzt nicht viel auf dem Platz. Weitere Chancen waren eher auf der BVB-Seite zu sehen, insbesondere Julian Schieber hätte in der einen oder anderen Situation nur mal seinem Namen alle Ehre machen sollen und den Ball hineinschieben müssen, aber so blieb es dann am Ende beim 1:1 zwischen dem amtierenden und dem designierten Deutschen Meister. Andere Spieler wie beispielsweise Marco Reus blieben auch unter ihren gewohnten Leistungen – wobei man Reus zugute halten muss, dass er auch nur gut 20 Minuten auf dem Spielfeld stand.

Inwiefern dieses Spiel als Generalprobe für Wembley zu sehen ist – darüber lässt sich streiten. Insbesondere die doch eher ungewohnte Besetzung der ersten Bayern-Elf lässt jetzt nicht wirklich Rückschlüsse auf das Spiel der Spiele zu.

Bericht: Jens Matheuszik, Fotos: Christopher Neundorf

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