Nuri ist zurück

15. Juni 2013

Nuri ist zurück

Aus dem Westfalenstadion berichten
Andreas Römer und Jasmin Lange

Nuri Sahin führt Borussia Dortmund mit zwei Toren und einer Vorlage zu einem 5:1-Sieg über den SC Freiburg. Dabei hatte es 40 Minuten gar nicht nach einem BVB-Erfolg ausgesehen. Doch vier Minuten genügten vor der Pause um aus einem 0:1 ein 3:1 zu machen. Fußball verrückt im Westfalenstadion.

Vor dem Anpfiff positionierte sich Borussia Dortmund mit einer Videobotschaft klar gegen Rassismus und Rechtsradikale. Dafür gab es vom Publikum zu recht viel Applaus.

Wieder einmal begrüßte der BVB mehr als 80.000 Zuschauer und ganz nebenbei den millionsten Zuschauer dieser Saison. Und natürlich wurden auch die Gäste aus dem Breisgau herzlich willkommen geheißen. Keine Pfiffe gegen die Mannschaft beim Warmlaufen und bei der Mannschaftsaufstellung. Zu gern hat man die Freiburger hier: Sie liefern in der Regel brav die Punkte ab und feiern gern mit dem BVB schwarzgelbe Meisterschaften.

Doch irgendwie lief das heute anders. Als Fan musste man sich ein wenig die Augen reiben. Die einzige Mannschaft, die im Westfalenstadion den Ton angab, waren die Gäste. Mit Pressing und immer einen Schritt schneller als die Borussen, bestimmten die Freiburger das Spiel von Beginn an. 4:37 Minuten dauerte es, bis der BVB endlich einmal kontrolliert die Mittellinie in Richtung Freiburger Tor überquerte. Wer war hier eigentlich die Heimmannschaft? Musste BVB-Coach nicht sofort den Vorwurf des Plagiats in Richtung Freiburg machen? Denn wie sonst die Borussia, beackerten die Freiburger die BVB-Kicker und an der Seitenlinie hüpfte Trainer Streich und diskutierte immer wieder mit dem vierten Offiziellen.

Freiburg hatte auch die besseren Chancen. Wenn der BVB mal nach vorn kam, dann über links, doch wie so häufig fehlte der letzte Pass, um eine echte Chance zu bekommen. Im Mittelfeld schaltete Freiburg schneller und profitierte von zahlreichen ungenauen Abspielen des BVB. „Was wir hatten die Derby-Schlappe noch im Kopf“, stellte Trainer Klopp später fest.

Fast folgerichtig ging Freiburg dann auch in Führung. Zuvor hatten Kruse und Flumm bereits erstklassige Chancen ausgelassen. In der 28. Minute segelte dann der Ball aus über 40 Metern in den Dortmunder Strafraum. Subotic war meilenweit entfernt von Kruse. Der legte sich in aller Ruhe links am Fünfer den Ball zurecht, guckte und hob den Ball dann lässig an den zweiten Pfosten. Da hatte Schmid, den Santana und Schmelzer aus den Augen verloren hatten, keine Mühe zum 0:1 einzuschießen.

Nach den nächsten Fehlpässen in Dortmunds Schaltzentrale, die heute mit Sahin und Gündogan besetzt war, gab es erste zarte Pfiffe von den eigenen Fans gegen den BVB. Immerhin war dann nach 35 Minuten wenigstens ein bisschen was zu feiern: Nürnberg führte. Doch wer jetzt vorausgesagt hätte, dass eine gute Stunde später die La Ola durchs Stadion rollt, dem hätte man gewiss den Besuch eines Nervenarztes empfohlen. Zu wenig zwingend waren die Dortmunder Aktionen.

So musste eine Standardsituation dem BVB auf den richtigen Weg helfen. Ein Freistoß aus fast 40 Metern schlenzte Nuri Sahin in den Strafraum. Robert Lewandowski stellte sich schlauer an als sein Gegenspieler und kam aus sechs Metern zum Kopfball und ließ Torhüter Baumann keine Chance (41. Minute). 1:1 und gleichzeitig ein neuer Vereinsrekord: Lewandowski löst Timo Konietzka ab, er hat als erster BVB-Spieler in acht Bundesligaspielen hintereinander ein Tor erzielt. „Da ist der Knoten aufgegangen, wir haben das Derby abgeschüttelt“, beschreibt Trainer Klopp die Szene.

Und Recht hat er. Denn jetzt rannte der BVB, das Spiel schien plötzlich zu laufen. Nur drei Minuten später schon das 2:1. Kuba spielte sich auf der linken Seite fein durch, schob den Ball in die Mitte. Reus blieb weg und ein heranstürmender Sahin haute das Ding rechts unten in die Maschen. Sein erstes Bundesligator nach mehr als zwei Jahren. Und weil es gerade so gut lief, setzte Borussia nur eine Minute später noch einen drauf. Ein schneller Pass auf Reus, der scheitert an Baumann, den Abpraller legt Lewandowski nach links auf Schmelzer, der von der Grundlinie wieder auf Reus, der erneut an Baumann scheitert. Den nächsten Abpraller nimmt wieder Lewandowski um spielt noch einen Freiburger und schießt aus acht Metern zum 3:1 ein.

Unfassbar! Eben noch hatten die Fans überlegt, die Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Pause zu schicken und nicht einmal fünf Minuten später herrschte nur noch Jubel.

Damit war auch der Widerstand der Gäste gebrochen. In der zweiten Halbzeit beherrschte der BVB den SC Freiburg fast nach Belieben. Mit ein bisschen Glück und etwas mehr Entschlossenheit, hätte es nach der Pause noch fünf oder sechs Tore vor der Südtribüne geben können. Doch die Borussia beließ es bei zwei weiteren Toren. Eines erzielte erneut Sahin nach dem Reus eine Hereingabe von Kuba verpasste. Sahin nahm den Ball halbhoch im Sprung und nagelte den Ball unter die Latte (73.). Den Schlusspunkt setzte schließlich wieder nur fünf Minuten später der eingewechselte Leonardo Bittencourt. Lewandowski hatte zuvor auf der linken Seite zunächst Sorg und dann Diagne vernascht und den Ball auf der Torlinie entlang gespielt. Der für Götze nur eine Minute vorher gekommen Bittencourt drückte den Ball über die Linie und erzielte sein erstes Bundeligator.

Freiburg war am Ende mit dem 5:1 trotz der guten ersten 40 Minuten noch bestens bedient. Dortmund vergab viele beste Chancen durch Sahin, Reus, Götze und Lewandowski. So versöhnte die Mannschaft die Fans nach der Derby-Pleite. Und so rollte dann tatsächlich die La Ola durchs Westfalenstadion – und die Freiburger Fans machten mit. Durch die Niederlage der Pillendreher aus Leverkusen konnte Dortmund ein bisschen Luft nach unten schaffen und den zweiten Platz festigen. Jetzt kommt die Länderspielpause und dann geht’s Ostern nach Stuttgart.

Andreas Römer (Text), Jasmin Lange (Fotos), 16.3.2012

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