Buyern schlägt wieder zu: Der miese Stil der Münchner Heuchler
Mario Götze verlässt die Borussia zum Saisonende und wechselt ausgerechnet nach München. Was der Sache einen besonders üblen Beigeschmack gibt, ist der Zeitpunkt des Bekanntwerdens, der den Münchnern nur recht sein und dem BVB alles andere als passen kann. Doch so ist Münchens oberster Steuer-Betrüger Uli Hoeneß erstmals aus den Schlagzeilen und zudem noch die aus bajuwarischer Sicht lästige Konkurrenz aus Westfalen ausgerechnet vor dem wichtigen Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid empfindlich gestört.
Verräterisch ist schon der heuchlerische Originalton der Bayern-Mitteilung zum Transfer. „Der FC Bayern ist bereit, die zwischen Borussia Dortmund und Mario Götze vereinbarte Ausstiegsklausel zu erfüllen“. Aha, die Herrschaften sind also bereit, vertragliche Verpflichtungen einzuhalten. Vielleicht verdient das in einem Umfeld, in dem man es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, besondere Erwähnung. Ferner heißt es in der Verlautbarung, „aus Rücksicht auf das anstehende Halbfinalspiel der Dortmunder in der Champions League“ habe man dies erst nach der Begegnung gegenüber dem BVB anzeigen wollen. Dann darf man sich fragen, warum es heute Morgen groß in der Bild-Zeitung stand. Wer das für einen Zufall hält, der der glaubt auch, Sepp Blatter wäre Stehplatz-Fan.
Einen tiefen Blick auf Charakter und Stil der Münchner Macher erlaubt jetzt auch die Hoeneß-Äußerung von den „spanischen Verhältnissen“, vor denen er noch vor einer Woche gewarnt hatte. Dass es eine Gefahr sei, wenn zwei Mannschaften die Liga nach Belieben dominieren, so wurde das interpretiert. Weit gefehlt! Jürgen Klopp dürfte den Steuerbetrüger aus dem Süden als Einziger schon in diesem Moment richtig verstanden haben, als er „eher schottische Verhältnisse“ sah. Unser Trainer verglich die Bundesliga-Situation mit der in Schottland, wo Celtic Glasgow nach dem Zwangsabstieg des Erzrivalen Glasgow Rangers ohne jede Konkurrenz soeben Meister wurde.
Das scheint eher nach dem Geschmack des FC Buyern zu sein und so greift er zu einer seit zig Jahren bewährten Strategie: Er schwächt den vermeintlich stärksten Konkurrenten kraft seines prall gefüllten Festgeldkontos. Auch wenn Hoeneß erst vor zwei Monaten in der Sport-Bild‘ behauptete: „Ehrlich, es ist überhaupt nicht unser Interesse, den anderen zu schwächen.“ Alles dummes Zeug! Jetzt ist es also Mario Götze, der sich einreiht in die Kette von Transfers, die 1980 mit dem Gladbacher Calle Del’Haye begann. Damals war Uli Hoeneß ein Jahr im Amt als Manager. Werder Bremen wurde einst sogar indirekt von den Münchner geschwächt, in dem die Jan Schlaudraff von Aachen kauften, nur damit der nicht an die Weser wechselt. Klose, Basler, Herzog und Trainer Rehhagel wurden zuvor schon von der Weser weggeholt, um den damaligen Konkurrenten klein zu halten. Auch Bayer Leverkusen kann ein Lied davon singen: Ballack, Zé Roberto, Lucio lassen grüßen. Jetzt also Götze. Die Meinungen in der Kirsche-Redaktion sind diesmal wenig kontrovers…
Andy: Seid ihr persönlich enttäuscht von Marios Entscheidung?
Uli: Nein, so ist das halt in diesem Geschäft. Es geht immer nur um die große Kohle und es wäre naiv anzunehmen, dass ausgerechnet eines der größten Talente weltweit da eine Ausnahme bildet, nur weil es zufällig bei uns groß geworden ist.
Ingo: Enttäuscht ist ehrlich gesagt untertrieben. Ich finde es absolut nicht nachvollziehbar. Besonders auch nach seinen Statements und den Aussagen seines Beraters in der jüngeren Vergangenheit, wo sogar von einem möglichen Karriere-Ende in Dortmund gesprochen wurde, mindestens aber davon, dass es 2013 keinen Wechsel geben wird.
Jens: Ich bin mir da nicht ganz sicher. Klar, Fußball ist nicht mehr das romantische Spiel, was es wahrscheinlich eh nie so richtig war. Insgeheim hatte ich aber schon die Hoffnung, dass Mario eher den Dortmunder Emotionen als den Münchener Millionen Wertschätzung gegenüber bringt. Denn ganz ehrlich: Sportlich gesehen ist ein Wechsel vom BVB zwar sicherlich nicht immer abzulehnen – aber der FC Bayern München ist jetzt auch nicht sooo die Top-Adresse wie manche ausländische Clubs.
Jasmin: Ich bin extrem enttäuscht. Klar, Spieler kommen und Spieler gehen. Was mich so daran enttäuscht ist die Art und Weise. Vor kurzem hat Mario noch behauptet, er könne sich vorstellen, bis zum Karriereende bei Borussia Dortmund zu spielen. Dass das nicht geschehen wird, war auch klar. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass er so kurze Zeit später den Verein wechseln würde. Und dann ausgerechnet gen Süden. Vor allem hat er gerade erst seinen Vertrag verlängert. Diese besonderen Klauseln in den Verträgen nerven einfach nur noch…
Holger: Absolut! Wenn ein Spieler seinen Vertrag vor einem Jahr mit salbungsvollen Worten verlängert wie: ich fühl mich hier wohl und es macht hier Spaß etc., dann ist so eine Kehrtwende jetzt kaum zu verstehen und macht einen grundsätzlich nachdenklich. Scheinbar werden der Jugend wirklich keine Werte mehr vermittelt, denn Geld allein kann es ja nicht gewesen sein und einen prima Trainer haben wir ja schließlich auch…
Patrick: Im Prinzip ist alles gesagt. Ergänzend vielleicht folgendes: Es ist eine überraschende und schwer nachvollziehbare Entscheidung, anders als bei Nuri vor einem Jahr. Kritisch hinterfragen sollte man die Vertragsgestaltungen. Hier hätte man zumindest die feste Ablösesumme jährlich angleichen sollen. Man sollte jetzt aber nicht in die vom FC Bayern gewollte öffentliche Hysterie bzgl. Götze einstimmen: es gibt andere Spieler, wie Schmelzer und Großkreutz, die sich mit dieser Mannschaft, der Philosophie, dem Verein und dem Umfeld eben mehr identifizieren. Deshalb bricht nicht gleich das große Ganze zusammen, weil ein Mosaikstein herausbricht. Vielmehr gilt es die Empörung auf die Bayern und ihre Scheinheiligkeit zu richten.
Andy: Was sagt ihr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung?
Jasmin: Der Zeitpunkt ist natürlich von Bayern München super gewählt worden. Am Tag ihres großen Spiels und einen Tag vor ihre großen Spiel. Das hat mir echt die Laune auf morgen verdorben. Ich hoffe, dass wir Fans die Mannschaft trotzdem ordentlich anfeuern. Wobei ich denke, dass das am einfachsten wird, wenn Mario bis zum Saisonende lieber nicht mehr aufgestellt wird. Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe ist natürlich auch perfekt in Bezug darauf gewählt, dass nun keiner mehr auf Würstchen-Uli und sein Steuerproblem schaut. Alles dreht sich nur noch um diesen Transfer.
Rutger: Der Zeitpunkt, die Verschwiegenheitsvereinbarung zu brechen, ist ein beeindruckender Hinweis darauf, wie sehr dem janusköpfigen Wurstfabrikanten aus dem Freistaat der Arsch zur Zeit auf Grundeis geht. Schade, dass solche Ablenkungsmanöver jedes Mal wieder funktionieren. Sonst käme man fast in Versuchung, sich für den fürsorglichen Menschenfreund Uli zu freuen, dass er sich demnächst eine Zelle mit Breno teilen darf – falls man nicht genau wüsste, dass für Großunternehmer und reiche Einzelpersonen eigene Gesetze gelten…
Patrick: Der Zeitpunkt ist eine absolute Frechheit und der Inbegriff von unfairem Verhalten. Hier wird aus dem Münchener Umfeld versucht, die Konkurrenz einen Tag vor dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League mit unsportlichen Mitteln zu schwächen und ihren Präsidenten aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit zu nehmen. Wenn man derart jeglichen Anstand verliert, dann sieht man wie tief ein Mensch offenbar sinken kann. Letzte Woche noch über spanische Verhältnisse jammern, um dann die von Jürgen Klopp befürchteten schottischen Verhältnisse als Ziel aufzugreifen. Hier passen wieder mehrere Teile ins Puzzle und Bild, das der FC Bayern abgibt.
Uli: Das ist die eigentliche Schweinerei an der Nummer, eine Riesen-Schweinerei sogar. Dass die Bayern dies aus Kalkül an die Bild -Zeitung gegebene haben, zeugt von ihrem miesen Stil und ihrem verkommenen Charakter. Jetzt haben sie ihren Steuerbetrüger aus den Schlagzeilen und zudem der Borussia das Halbfinale versaut, weil keiner mehr übers Sportliche redet. Daher mein romantischer Wunsch: Möge Barcelona schon in der Arroganz-Arena mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen.
Holger: Da schließ ich mich Uli an: Das ist eine riesen Schweinerei, dass das aus dem Bayern-Lager jetzt so lanciert haben, damit Uli Hoeneß heute Abend in Ruhe seinen Platz einnehmen kann und nicht dumm angepöbelt wird. Ja, jetzt kann er sich stattdessen sogar im Stadion schulterklopfend feiern lassen…
Ingo: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Infos aus dem Süden der Republik bewusst zum jetzigen Zeitpunkt weitergeben worden sind. Zum einen um einen gewissen Uli H. aus M. aus der Schusslinie zu nehmen, zum anderen um einen möglichen Final-Gegner frühzeitig zu verunsichern. Schwach allerdings, dass Götze uns sein Berater sich nicht haben vertraglich zusichern lassen, selbst zu bestimmen, wann die „frohe Kunde“ öffentlich gemacht wird.
Jens: Passend um den einzigen Konkurrenten des FC Bayern München vor einem wichtigen Spiel zu ärgern. Passend um – aber nur kurzfristig! – von der Steuerangelegenheit des Bayern-Präsidenten abzulenken. Oder wie sagte wohl Eins Live heute? „Für 37 Mio geht Götze nach Bayern. Für 6 Mio geht Hoeneß nach Stadelheim.“ Wobei das natürlich überspitzt dargestellt ist.
Andy: Wie sehen die Konsequenzen für den Rest der Saison, insbesondere für das morgige Champions League-Spiel aus?
Ingo: Ich fürchte, die Nachricht wird der Mannschaft einen Knacks verpassen, alleine weil der Großteil der Fans, nicht mehr hinter Götze stehen wird. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass er mit Applaus empfangen wird. Wenn ich was zu sagen hätte, würde er maximal am 34. Spieltag noch ein kurzes Gastspiel auf dem Platz bekommen um sich zu verabschieden. Ansonsten würde speziell in der Bundesliga in den restlichen Spielen jungen Spielern die Chance geben.
Patrick: Großartig, wie unser Trainer emotional und dennoch souverän gerade eben in der Pressekonferenz auf diese außergewöhnliche Situation reagiert hat. Gut zu wissen, dass man so einen Trainer hat! Von Steuersündern und Personen die eine Führungsposition(!) inne haben in denen sie dann jeglichen Rest an Fairness und Anstand aus der Wurstpelle quetschen, lassen wir uns hoffentlich nicht von ihre Weg abbringen! Schon gar nicht in einem Spiel wie dem morgigen Champions League-Halbfinale, das wir uns lange Zeit, wenn überhaupt, nur erträumt haben! Forza BVB!
Uli: Morgen kann Götze meiner Ansicht nach nicht spielen, weil der Druck zu groß ist. Abgesehen davon, dass man negative Zuschauerreaktionen befürchten muss. Sonst ist die Konsequenz einfach: Schnell einen guten Ersatz besorgen. Sowas wie einen neuen Shinji. Und den bitte mit Vertrag ohne Ausstiegsklausel ausstatten…
Jens: Ach, das Finale der CL hatte ich für den BVB bereits eingeplant, da ändert sich nichts. Nur ganz ehrlich: Von mir aus muss nicht mehr der FC Bayern München der Verein sein, der in Wembley gegen den BVB verliert. Götze sollte sich – falls er aufgestellt wird – in der Champions League anstrengen, denn wahrscheinlich ist das für ihn in dieser Saison die leichteste Chance diesen Titel zu gewinnen.
Jasmin: Die einzig logische Konsequenz wäre, Mario nicht mehr spielen zu lassen.
Holger: Ich hoffe inständig, dass Götze morgen nicht nur spielt, sondern – außer bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung – auch nicht nennenswert ausgepfiffen wird, weil wir den verdammt noch mal brauchen in diesen beiden Spielen!
Andy: Wagen wir einen Blick in die Zukunft! Was bedeutet der Abgang perspektivisch für den BVB?
Holger: Natürlich wird Borussia nun ihr Werben um Kevin de Bruyne verstärken, was eine hervorragende Lösung wäre, denn der nun allein gelassene Marco Reus braucht einen kongenialen Mitspieler, der sein Spiel ebenso lesen kann neben Gündogan. Mit einer so prall gefüllten Kampfkasse inklusive der Erlöse aus Verkäufen kann man wahrlich einiges bewirken. Ich habe keine Sorge, dass der BVB deshalb wieder zurückgeworfen wird (siehe Sahin, bzw. Kagwawa-Abschied).
Patrick: Sportlich ist das natürlich eine enorme Schwächung. Doch der Kern des BVB wird dadurch nicht erschüttert, wenn weiterhin alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Spieler kommen und gehen nun mal. Mit ganz wenigen Ausnahmen. Ich gehe davon aus, dass die sportliche Führung schon den einen oder anderen potenziellen Neuzugang im Auge hat. Ich schließe mich da Holger an: Kevin de Bruyne wäre eine passende Verstärkung. Man darf gespannt sein.
Jens: Der BVB wird auch in diesem Jahr einen hochkarätigen Abgang kompensieren können, da bin ich mir sicher. Spieler gehen, der Verein bleibt – und das schon seit vielen, vielen Jahren. Ob Götze als neuer Bayern-Spieler dort Triumphe feiern wird, muss sich erst noch zeigen.
Uli: Das ist was für die Kräutermuttis mit Glaskugel. Ohne mich!
Ingo: Was die nächste Saison angeht: Das Geld MUSS in die Mannschaft gesteckt werden.
Jasmin: Was wir haben auch nach Nuris Weggang gedacht, dass wir es ohne ihn nicht packen und sind ein weiteres Jahr Meister geworden. Was wir werden es auch ohne Mario packen, denke ich. Die Ablösesumme sollte halt sinnvoll investiert werden.
Redaktion – 23.03+1.2013
