U23: Zu Null und zu wenig – und eine beschissene Ansetzung des DFB
Aus der Roten Erde berichten
Jens Matheuszik und Christopher Neundorf
Derzeit hat der BVB II u.a. verletzungsbedingt ein paar Probleme im Sturm hat. Hier muss man dann auch mal hinterfragen, ob man wirklich auf die Dienste von Kiyan Soltanpour, der nach dem Hin und Her mit Wuppertal (der BVB II hätte ihn gerne als Teil einer Ablösesumme an den WSV abgegeben, Soltanpour wollte jedoch lieber in Dortmund bleiben) nicht mal im Kader stand, verzichten kann.
So überraschten die BVB-Amateure vor wenigen Tagen mit der Neuverpflichtung des Ungarn Balint Bajner, der – da er keinen aktuellen Vertrag hat – auch außerhalb der Transferperiode zu den Amateuren wechseln konnte und mit der Trikotnummer 12 bereits auf dem Platz stand. Ansonsten gab es keine großartigen Änderungen im Kader, nur fiel auf, dass Jonas Hofmann diesmal nicht von Anfang an dabei war und sowohl Leonardo Bittencourt (Startaufstellung) als auch Mustafa Amini (Bank) nicht beim Spiel der Profis in Frankfurt dabei waren.
Vor 310 Zuschauern (davon rund 50 aus Babelsberg) pfiff Schiedsrichter Malte Dittrich fast pünktlich um 19:01 Uhr das Spiel an, welches – getreu dem geforderten Motto des „Neuanfangs“ – die schwarz-gelben Spieler direkt von Anfang an dominierten. Es waren zwar keine zwingenden Chancen in den ersten Minuten, aber mit viel Glück hätte da mehr gelingen können und die schon in den ersten Minuten von Marc Hornschuh und Neuzugang Balint Bajner herausgeholten Ecken zeigten ein wenig die Dortmunder Dominanz, da die Gäste aus dem brandenburgischen bis dahin nicht viel entgegensetzen konnten. Die ersten beiden Ecken verwandelte – in Ermangelung eines Jonas Hofmann auf dem Platz – Kerem Demirbay und dessen zweite Ecke von rechts in der 8. Spielminute hätte im Nachschuss beinahe ein Tor bedeutet, als der Ball über Leonardo Bittencourt bei Balint Bajner landete und dieser ihn jedoch leider rechts am gegnerischen Tor vorbeischoss.
Nach ca. 10 Minuten kamen dann auch mal die Spieler vom SV Babelsberg 03 ins Spiel und Assimiou Toure versuchte bei einem Konterangriff von links kommend die Dortmunder Abwehr zu überlisten, was ihm auch teilweise gelang. Nur teilweise, weil er dann am Dortmunder Torhüter Zlatan Alomerovic scheiterte, der den Angriff effektvoll aufhielt.
Das Spiel plätscherte weiter so dahin, es gab weitere Chancen der Dortmunder, jedoch keine zwingende. In der 21. Spielminute foulte Demirbay nah an der Strafraumgrenze einen der Gäste, der Schiedsrichter entschied sich jedoch das ganze kartenlos zu regeln und dementsprechend fand ein „Gegenfoul“ kurze Zeit später auch keine Kartonantwort.
In der 35. Spielminute konnte Demirbay dann von rund 30 Meter Entfernung auf das Babelsberger Tor einen Freistoß ausführen, den BVB II-Kapitän Florian Hübner mit dem Kopf zum ersten Treffer in diesem Spiel verwandelte. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre oder aber der Linienrichter nicht die Fahne gezeigt hätte: Ob es nun Abseits, ein regelwidriger Ellbogeneinsatz oder aber einfach nur schlechtes Karma war – das Tor zählte leider nicht.
Die „führende Mannschaft der Herzen“ regte damit natürlich die nicht ganz so zahlreich vertretenen Fans an, die sich auch kurze Zeit später mit einem auf den DFB gemünzten Fangesang auch mit den Babelsberger Gästen einig war.
Klugerweise hatte man das Wort aus dem Fäkalienbereich was mit Sch… anfängt (nein, Herne-West, ihr seid ausnahmsweise mal nicht gemeint!) nicht explizit in Verbindung mit dem DFB gebracht, denn da braucht man dann ja bekanntlich unter Umständen Fortuna bei irgendwelchen Ermittlungen. Nichtsdestotrotz hatten die BVB-Anhänger über die gesamte Nordkurve hinweg deutlich plakatiert, dass man die überschneidenden Anstoßzeiten der Profis und der Amateure beschissen findet. Eine Aussage, der sich – zu mindestens inhaltlich, nicht unbedingt sprachlich! – auch BVB II-Trainer David Wagner deutlich anschloss (siehe die Stimmen zum Spiel am Ende des Berichts).
Die erste Halbzeit endete torlos, wobei die Babelsberger in der 45. Spielminute noch einmal einen Hauch einer Chance hatten, als Oliver Kragl mit einem Fernschuss rechts am Dortmunder Tor vorbei landete. Der Schuss sah gar nicht mal schlecht aus, vor allem weil er recht unhaltbar aussah. Was aber bei einem Ball, der am Tor vorbeifliegt, eher egal ist. So endete dann die erste Halbzeit mit deutlichen Vorteilen auf Dortmunder Seite mit einem unbefriedigenden 0:0.
Während der Babelsberger Trainer Christian Benbennek zur Halbzeit bereits zweimal wechseln ließ, hatte BVB II-Coach David Wagner erstmal die Startformation so wieder auf’s Feld beordert. Direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit ließen die BVB-Amateure noch einmal kurz durchblicken, dass sie hier Punkte holen bzw. behalten wollten, doch die Chancen von insbesondere Marcel Halstenberg verpufften zusehends, was auch am wirklich gut spielenden Babelsberger Keeper lag.
David Wagner brauchte daraufhin in der 55. Spielminute Jonas Hofmann für den „Rest“ der zweiten Hälfte (wo er für Ensar Enes Baykan kam), der ab dann auch wieder für das unrunde (sprich: eckige) Geschäft zuständig war. Eine der schönsten Szenen sah man noch in der 67. Spielminute als Kerem Demirbay von rechts kommend ungefähr jeden Babelsberger den er erblicken konnte umkurvte und dann mittig auf den dort lauernden Rico Benatelli abgab. Dessen Schuss wurde jedoch auf der Torlinie von den Gästen entschärft, so dass es auch hier beim 0:0 blieb.
Da beide Mannschaften sehr gut verteidigten, war es keinem der beiden Teams vergönnt noch irgendwie den imaginären Torezähler zu verändern, selbst weitere Wechsel (auf Dortmunder Seite kam Mustafa Amini in der 72. Spielminute für den leicht angeschlagenen Kerem Demirbay) und auch ein zweiter Ball im Spiel(!), den der Schiedsrichter erst überraschend spät bemerkte, änderten an der torarmen Partie nichts mehr.
A propos Schiedsrichter: Wenn es schon keine Tore gibt, dann auch keine Karten – so lautete anscheinend das Motto des Unparteiischen. Anfangs ließ er auch noch deutlich mehr durchgehen und im Spielfluss, vor allem jedoch in der zweiten Halbzeit wurde er dann doch teilweise etwas kleinlich bei seinen Pfiffen. Dennoch: Keine Kartons diesmal, was auch grundsätzlich keine schlechte Sache ist, da sie auch von einem grundsätzlich fairen Spiel der beiden Mannschaften zeugt.
Man muss dem BVB II natürlich zu gute halten, dass es ein „zu Null“-Spiel war und nach langer Zeit die Torhüter in Schwarz-Gelb (man sieht, der Redakteur weigert sich die merkwürdige Farbgebung der aktuellen Torwarttrikots zu beschreiben) auch mal ungeschlagen ein Spiel verließen (das ist ja derzeit sowohl bei den Amateuren als auch bei den Profis ein Problem). Nichtsdestotrotz wäre ein Sieg doch schöner und auch für die Tabellensituation bequemer.
Die englische Woche geht für den BVB II am kommenden Samstag weiter – die Borussen (vulgo: Preußen) aus Münster schlugen gestern die Alemannia aus Aachen und sind damit Spitzenreiter der 3. Liga. Man darf die Hoffnung haben, dass die Mannschaft mit dem Adler auf der Brust nicht mehr als einmal pro Woche Mannschaften in Schwarz und Gelb schlägt, auch wenn natürlich SC Preußen Münster 06 der klare Favorit ist.
Stimmen zum Spiel:
Christian Benbennek (Trainer des SV Babelsberg 03):
Ich denke wir haben ein kampfbetontes Spiel gesehen, bei dem wir am Anfang nicht die Abstände gefunden haben, um sauber in die Zweikämpfe zu kommen, um das Spiel sauber annzunehmen. Das ist dann im Verlauf der ersten Halbzeit …
Unterbrechung durch großen Jubel in der Stadiongaststätte aufgrund eines Dortmunder Tores in Frankfurt…
Hey, Tor für Dortmund!
Das ist uns dann im Verlauf der ersten Halbzeit dann besser gelungen ist und bis zur Halbzeit waren wir dann gut drin im Spiel. Was wir haben dennoch getauscht, um Daniel Reiche auf die Sechser-Position zu ziehen und Berzel hinten ‚reinzunehmen, um sicher zu sein, dass wir die Zweikämpfe weiterhin so gut annehmen, wie wir es zum Ende der 1. Halbzeit gemacht haben.
Ich denke ein Chancenplus für Dortmund war da.
Das war irgendwie so ein hässlicher Punkt. Den musst Du dann einfach mitnehmen, wenn nach vorne nichts geht. Ich denke wir hätten mit ein bisschen Glück auch eine Chance ‚reintun können, auf der anderen Seite hatte Dortmund gute Chancen gehabt. Ich hoffe ich war nicht der einzige der in der 20. Minute einen Strafstoß gesehen hat, der für uns nicht gepfiffen wurde: Benny Kauffmann am 16’er Eck. Aber gut, es ist so wie es ist.
Was wir sind froh, dass wir jetzt auswärts endlich mal was mitgenommen haben, auch wenn es nur ein Punkt war. Aber wenn man das Spiel im ganzen sieht, sagt man, okay, den Punkt nimmt man mit. Das ist auch wichtig für uns das zweite Mal in ihre Situation in Folge zu Null gespielt zu haben. Von daher sind wir nicht unzufrieden. Von der Entwicklung wie die Mannschaft es gemacht hat, wie sie gekämpft hat, wie sie verteidigt, wie sie sich mit dem letzten Mann auf der Linie ‚reinschmeißt, um einen Torschuss nicht zuzulassen – das haben wir gut gemacht.
David Wagner (Trainer Borussia Dortmund) II:
Ich will es mal so sagen: Die Stimmung ist ein bisschen ähnlich wie am vergangenen Samstag. Ich bin nicht enttäuscht über die Leistung der Mannschaft. Es ist wieder nötig die Spielleistung vom Ergebnis zu trennen. Es ist eher Verärgerung, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben.
Zum dritten Mal in Folge nach den Stuttgarter Kickers und Unterhaching haben wir ein gutes Spiel gemacht. Das kann man nicht anders sehen, die ersten 20-25 Minuten waren sogar sehr gut. Da haben wir den Gegner beherrscht, in der Folge haben wir ihn glaube ich kontrolliert. Ich habe ein klares Chancenplus für uns gesehen, von eigentlich fünf hundertprozentigen Chancen, wo auch ein Tor dabei war, was für mich aus unerfindlichen Gründen leider nicht gegeben wurde.
Dementsprechend kann ich den Jungs keinen Vorwurf machen wie sie das Spiel gespielt haben. Der Vorwurf bleibt heute die Chancenverwertung. Vor drei Tagen kriegen wir drei Tore, wir sind verärgert weil wir nicht gewinnen, heute kriegen wir kein Tor, wir sind verärgert, weil wir nicht gewinnen…
Also das positive ist, wir haben das erste Mal in dieser Saison zu Null gespielt und wir sind auf einem ordentlichen Weg sind ihre spielerische Leistung weiter zu entwickeln. Das ist jetzt erst einmal das was für uns zählt, das wir weiterhin ordentlich Fußball spielen, uns wieder ein Chancenplus erspielen, auch ordentlich verteidigen und dann werden die Ergebnisse sicher auch in naher Zukunft kommen. Was wir hatten eine ähnliche Phase in der vergangenen Saison schon, dass man Spielleistung und -ergebnisse trennen muss. Das ist zwar nicht angenehm, allerdings ist das im Moment die Situation und wir gucken auf das Positive und das ist das, was die Jungs heute angeboten haben.
Ansonsten möchte ich anmerken, dass ich mich absolut solidarisch zeige, zu dem was die Fans da heute im Stadion aufgehangen haben, was mit der zeitgleichen Ansetzung, mit dem was da gerade läuft [Wagner zeigt auf den Fernseher, auf dem die 1. Bundesliga-Partie Eintracht Frankfurt – Borussia Dortmund gezeigt wird; Anm. d. Redaktion] und ihre Spiel passiert… ich denke 310 Zuschauer heute bei so einem Drittliga-Spiel ist alles andere als dem Rahmen würdig. Aber das ist einzig und allein der Spielansetzung geschuldet, weil wer gesehen hat, wie viele Leute hier her kommen und sich für uns interessieren, wenn die Spielansetzung nicht zeitgleich mit, der hat kein Verständnis dafür, wie man so etwas machen kann.
Das ist Babelsberg, die bringen zwei Busse mit, das sind nette Leute, ich kenne den einen oder anderen von denen. Ich kann da nicht verstehen, warum wir da nicht morgen spielen können, wo dann wieder zweitausend von uns dabei sind. Vielen Dank!
Ein paar Worte zum Neuzugang Balint Bajner?
Ich denke Balint hat seine Sache ordentlich gemacht, er hatte in der 10. Minute eine große Kopfball-Chance, die er leider nicht genutzt hat. Aber er hat versucht die Bälle vorne festzumachen. Dafür, dass er erst seit knapp 10 Tagen bei uns mittrainiert und noch nicht im ordentlichen Rhythmus ist, war das ein ordentliches Debüt. Der Junge kann trotz seiner Körpergröße mit der Murmel was anfangen. Da ist uns bestimmt einer zugelaufen, mit dem wir in der Zukunft arbeiten können!
Florian Hübner (Kapitän Borussia Dortmund II):
Das erste Mal zu Null gespielt, aber ein Punkt ist in der aktuellen Tabellensituation eigentlich zu wenig, oder?
Natürlich ist erst mal ein Punkt zu wenig. Ich denke wir haben uns heute generell in den ersten 15 Minuten richtig gute Chancen herausgespielt, wir hätten da auch ein Tor schießen müssen, das haben wir nicht getan. Mein Tor in der ersten Halbzeit – da hätte ich nicht abgepfiffen. Aber gut, wir haben weiter dran gearbeitet, haben hinten zu Null gestanden, wenig zugelassen und darauf kann man aufbauen. Dann müssen wir nur noch ihre Chancen ‚reinmachen um zu gewinnen.
Die ersten 20 Minuten wart Ihr überlegen, aber danach haben die Babelsberger dann das Spiel besser in den Griff bekommen.
Ja, das ist schon richtig. Was wir hätten denen schon in den ersten zehn-zwanzig Minuten ein oder zwei Dinger ‚reinmachen müssen, dann wäre das Spiel auch schon fast durch. Das haben wir nicht getan, dadurch wurde es schwer. Da kamen die auch in die Partie ‚rein, aber ich denke wir waren über weite Strecken das viel bessere Team. Mit ein bißchen Glück hätten wir auch das 1:0 gemacht.
Kann man trotzdem aus diesem Spiel etwas positives mitnehmen für die schwere Aufgabe am Samstag in Münster?
Ja klar kann man da was positives mitnehmen! Es war das erste Spiel zu Null, wir haben hinten richtig gut gestanden und darauf müssen wir aufbauen. Am Samstag wird es natürlich ein schweres Spiel, aber wenn wir mit dieser Einstellung und dieser Kampfbereitschaft in das Spiel hineingehen, gucken wir mal, was da geht.
Zlatan Alomerovic (Torwart Borussia Dortmund II):
Erstes Spiel zu Null, aber nur ein Punkt.
Ja, aber man muss mit kleinen Schritten nach vorne gehen. Ich denke das war heute ein Erfolg, das wir heute zu Null gespielt haben. Das ist gut, vor allem nach dem bitteren Spiel in Unterhaching. Ich denke darauf können wir jetzt aufbauen aber natürlich wird es Samstag ein anderer Kaliber als Babelsberg.
Du hast doch in der 2. Halbzeit fast gar nichts richtig ‚draufbekommen. Das zeigt doch, dass die Defensive eigentlich steht, oder?
Ja, wir haben das gut gemacht. Es gab zwar auch ein paar Unsortiertheiten, wo es halt ein wenig Mittelfeldgeplänkel gab, aber eine Chance in der 2. Halbzeit hatten sie nicht wirklich, das stimmt.
Wie siehst Du am Samstag Eure Chancen?
Ich denke wir haben da nichts zu verlieren, wenn wir so kompakt auftreten wie heute und dann noch die Zuschauer mitnehmen, auch wenn das natürlich eine Überzahl für Münster sein wird. Dennoch können wir da was holen. Keiner hatte auch erwartet, dass der HSV letzte Woche Dortmund schlägt.
Statistik:
Borussia Dortmund II: Alomerovic, Hübner, Hornschuh, Halstenberg, Meißner, Fring, Baykan (55. Hofmann), Bajner, Benatelli, Bittencourt, Demirbay (72. Amini).
SV Babelsberg 03: Löhe, Kühne, Hartmann (46. Berzel), Reiche, Toure, Kragl, Evljuskin, Heil (82. Hebisch), Kreuels, Kauffmann (46. Müller), Hebib.
Tore: keine
Schiedsrichter: Malte Dittrich (Bremen)
Zuschauer: 310
Jens Matheuszik (Bericht), Christopher Neundorf (Fotos) – 26.09.2012
