Die Zwei vonne Südtribüne: Zwei Stunden schwarz - gelbe Unterhaltung pur

Immi und Lollo, besser bekannt als Die Zwei vonne Südtribüne (aus dem Öffnet externen Link in neuem FensterGeierabend), debütierten am Sonntag im Rahmen der Reihe Öffnet externen Link in neuem FensterRuhrHOCHdeutsch im Spiegelzelt unter dem Dortmunder U-Turm mit ihrem mehr als zweistündigen Programm. Spiegelzelt unter'm Dortmunder U-TurmUnter dem Motto "Musik, Kabarett & Comedy" gibt es auch in diesem Jahr die Veranstaltungsreihe RuhrHOCHdeutsch des Dortmunder Theaters Öffnet externen Link in neuem FensterFletch Bizzel. Das klimatisierte Zelt unter den Füßen eines der bekanntesten Dortmunder Bauwerke bietet dabei täglich bis zum Oktober 2011 immer wieder verschiedene Vorstellungen, von denen einige auch für den Fußballfan im Allgemeinen und den BVB-Fan im Speziellen lohnenswert sind. Neben dem bekannten Öffnet externen Link in neuem FensterBruno "Günna" Knust und seiner Hartz-Vegas-Segas-Band oder Öffnet externen Link in neuem FensterFrank Goosen mit "Radio Heimat - Geschichten von Zuhause" gibt es vor allem einen Programmpunkt, der für Fans von Borussia Dortmund besonders interessant sein sollte: Franziska Mense-Moritz und Martin Eickmann treten auf als "Die Zwei vonne Südtribüne" - besser bekannt als Immi und Lollo. Zuschauer des Geierabends, dem Ruhrpott-Karneval auf Zeche Zollern, kennen die beiden schon, denn seit fast anderthalb Jahrzehnten gehören die beiden zum festen Repertoire des Geierabends, wo sie über Borussia Dortmund, das Leben an sich und über Bier philosophieren und letzteres auch konsumieren.  Neben dem Wortwitz setzen beide auch auf die musikalischen Fähigkeiten - da ist beispielsweise deren größter Erfolg Öffnet externen Link in neuem FensterBoah ey Borussia zu nennen, der es schon (mit den beiden auf der Mittellinie) in's Westfalenstadion geschafft hat. In der Vergangenheit waren diese Auftritte immer recht kurz gehalten (bis zu einer Viertelstunde), doch mit Immi & Lollo - Die zwei vonne Südtribüne: "Die letzte Viererreihe", welches von Günter Rückert inszeniert wird, gibt es jetzt erstmalig ein zweistündiges Gesamtprogramm in Schwarz-Gelb.

Immi und Lollo (Pressebild von RuhrHOCHdeutsch)

Lollo (Franziska Mense-Moritz) und Immi (Martin Eickmann) sind eingefleischte Fans von Borussia Dortmund. Während der stets etwas naiv wirkende Lollo immer das Positive beim BVB sehen will und beispielsweise aktuell die Meisterschaft feiern möchte, sieht Immi das alles immer negativ und stellt fest, dass selbst auf Platz 1 der Rückstand immer noch zu groß und der nahende Abstieg fast schon vorprogrammiert sei.

Doch nicht nur die Leidenschaft zum BVB verbindet beide, sondern auch das gemeinschaftliche Philosophieren über die wichtigen Dinge im Leben (vor allem: Bier und BVB), bei gleichzeitiger Abwesenheit von gewisser "Alltagstauglichkeit".

Die Premiere am Sonntag

Das Spiegelzelt unter dem Dortmunder U-Turm, an quasi meisterlicher Stelle (hat hier doch der BVB Teile der Meisterfeierlichkeiten verbracht), war am vergangenen Sonntag fast vollständig ausgebucht - hier fiel mal kurz im Vorbeigehen die Zahl von 90 Prozent seitens der Veranstalter, was angesichts der wenigen freien Plätze im Zelt, die sich wohl an zwei Händen abzählen ließen, plausibel klingt.

Nach einem kurzen Monolog Immis zeigten Mense-Moritz und Eickmann gleich, wofür sie neben Wortwitz und Schauspielkunst auch bekannt sind - ihre musikalischen Darbietungen. Das bekannte Lied Boah ey Borussia (siehe oben, dort ist es mit YouTube verlinkt) sorgte direkt am Anfang für eine gelöste Stimmung, da es nicht lange dauerte, bis die anwesenden Gäste den Refrain mitschmetterten.

Das Eingehen Eickmanns auf die aktuelle Bundesliga-Tabelle und das Eröffnungs- spiel von Borussia Dortmund gegen den Hamburger Sportverein war natürlich auch direkt zu Beginn für einige Lacher gut - zwar nicht unbedingt bei den anwesenden Hamburgern, über die Lollo abfällig kommentierte, dafür aber für den Rest des Saals (und wahrscheinlich auch den einen Quoten-Schalker). Das war aber auch das Einzige, worüber sich Hamburger Fans - wenn überhaupt - aufregen konnten, und so wird es wohl eher an der späten Abendstunde gelegen haben, dass im Rahmen der Zugabe festgestellt wurde, die Hamburger seien schon weg.

"Nehmen wir noch einen? - Ja, sicher!"

Man achte auf die letzte Viererreihe...Wer die beiden schon einmal beim Geierabend erlebt hat, der kennt das Ritual der beiden: Als klassisches "Überbrückungselement" zwischen zwei Darbietungen dient die rhetorische Frage "Nehmen wir noch einen?", die die beiden sofort mit einem "Ja, sicher!" und einem beherzten Griff in den Bierkasten vor sich beantworten. Jedesmal für einen Lacher gut sind dabei die Trinksprüche, wobei diese Zitate, die von Hildegard von Bingen bis Paul Watzlawick reichen, oftmals fast schon philosophisch daher kamen:

"Keine Ahnung ob Alkohol die Antwort ist, wir haben die Frage sowieso vergessen."

Oder aber neue (alte) Erkenntnisse verkündeten:

"Ein Tag ohne Bier ist ein Gesundheitsrisiko."

Hildegard von Bingen

Egal ob Philosophie oder Lebensweisheit - das Publikum amüsierte sich immer wieder über dieses Ritual der beiden (man kann es auch "Kult" nennen... - ein kleiner Insidergag), welches dem ganzen Abend eine feste Struktur gab.

Authentischer schwarz(gelb)er Humor

Es gibt Künstler, die gerne auch mal Fußballthemen aufgreifen und dann plötzlich zu Fans von bestimmten Vereinen werden, obwohl sie bisher nicht viel damit zu tun hatten. Die Erfolgsfans gibt es also nicht nur auf den Tribünen, sondern auch vor Mikrofon & Co. Bei Eickmann und Mense-Moritz muss man das jedoch nicht befürchten, denn man merkt beiden an, wie gut sie sich in Dortmund und beim BVB auskennen. Wenn beispielsweise der Besuch im Westfalenstadion beschrieben wird, dann merkt man, dass man die Emotionen der Fans kennt:

"Und wir sagen da immer noch Westfalenstadion drauf, dabei ist es uns scheiß-egal, was die für Buchstaben da dran hängen!"

Die Kulisse im Spiegelzelt

Beim Geierabend ist die Kulisse eher spartanisch: Vor blauem(!) Hintergrund treten Eickmann und Mense-Moritz auf und haben eigentlich nur das dabei, was sie anhaben - und natürlich die obligatorischen Bierkästen vor sich, aus denen sie sich "ja, sicher!" immer wieder bedienen.

Das Spiegelzelt erlaubt jetzt nicht ausufernde Kulissen, aber das Bühnenbild wies auch en detail das eine oder andere Schmankerl auf, was dann beim durchgängigen schwarz-gelben Hintergrund anfing, bei der BVB-Klorolle nicht aufhörte und insgesamt gesehen dem Charme eines leicht in die Jahre gekommenen Hinterhofes entsprechen sollte.

Das Bühnenbild (Foto: Janine Hanke)

Da verzichtet man dann auch auf den obligatorischen Stehtisch auf der Bühne, vor allem wenn man mit einer - selbstverständlich - schwarz-gelben Mülltonne mit Ablagemöglichkeit (und gelbem Lattenzaun) da viel bessere Alternativen zur Verfügung hat.

Geierabend reloaded?

Natürlich stellt sich die Frage, ob man nicht als Besucher des Geierabends schon das eine oder andere Element kennt. Es versteht sich schon, dass da ein gewisses "Recycling" betrieben wird (und die schwarz-gelbe Tonne ist ja auch eine Wertstofftonne...).

Dass beispielsweise der große Abstieg der Römer mit einem Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld auf der Teutoburger Alm begann - das kennt man schon vom Geierabend 2011. Doch auch die "aktuellen" Programmelemente variieren immer wieder - und angesichts der aktuellen Ereignisse fallen manche Sachen dann auch ganz weg. Beispielsweise gab es jetzt im Spiegelzelt dann doch nicht mehr die im Januar noch umjubelten Scherze über Felix Magath. Damals sinnierten Immi und Lollo darüber, dass sich dieser - in Tradition von Kaiser Nero - nicht eine Stadt, sondern einen Verein suchte, den er ins Verderben stürzen kann (die Mission scheint auf gutem Weg zu sein...).

Wer also dieses Jahr schon beim Geierabend war, sollte das nicht als Hinderungsgrund sehen, sich das neue Programm anzuschauen, außer man ist Schalker und es gefiel einem deswegen nicht.

Wer jedoch Anhänger des BVB ist, wird sich freuen, denn Eickmann und Moritz bieten in der mehr als zweistündigen Performance, die immer wieder von musikalischen Darbietungen aufgelockert wird, weit mehr - quantitativ wie auch qualitativ - als auf Zeche oder im Biergarten von Tante Amanda (wo traditionell das Geierabend Sommer Open Air stattfindet).

Das Spiegelzelt

Das Spiegelzelt selbst ist ein historisches Zelt, das vor der Bühne diverse Tischreihen mit Bierzeltgarnituren aufweist, während an den Rändern noch Logen zur Verfügung stehen (preislich gesehen gibt es keine Unterschiede, was insofern gerechtfertigt ist, als dass man von den Tischreihen in der Mitte die bessere Übersicht hat, während man es in den Logen ggf. bequemer findet, wobei hier auch der eine oder andere Gast, der schon mal hier war, sich noch extra Kissen mitgebracht hat - aber das kennt ja der eine oder andere Stadionbesucher... Positiv hervorzuheben ist außerdem die Tatsache, dass man nummerierte Plätze erhält und somit einem Besuch des Biergartens direkt vor dem Spiegelzeit bis kurz vor Anpfiff nichts entgegensteht.

A propos Biergarten: Das Catering vor Ort wird von Öffnet externen Link in neuem FensterTante Amanda durchgeführt - die Preise sind zwar nicht unbedingt in den unteren Bereichen der Skala (Bier, Soft-Getränke 3,- Euro), jedoch auch nicht extrem teuer. Bei den dargebotenen Speisen empfiehlt sich übrigens der "Tante Amanda Flammkuchen" - das Geld (z.B. 6,- Euro für den normalen Flammkuchen) lohnt sich wirklich, und man bekommt da auch nicht nur ein kleines Stückchen, sondern schon fast einen viertel Quadratmeter.

Kurzinterview mit Franziska Mense-Moritz (Lollo), Martin Eickmann (Immi) und Regisseur Günter Rückert

Nach der Premiere nutzte ich die Gelegenheit, um kurz mit den beiden Schauspielern und auch dem Regisseur zu sprechen:  Lollo (mit Bier) und ImmiHeute hatte die "Zwei vonne Südtribüne" Premiere. Was erwartet die Zuschauer hier? Franziska Mense-Moritz: Ein Abend voll intelligenter Unterhaltung, tiefgründiger Philosophie, lustiger Texte, schiefer Fressen, schwarz-gelbe Deko und jede Menge Bier. Martin Eickmann: Und Musik ohne Ende, auf unterschiedlichste Art dargeboten, von zwei Menschen. Wer Euch schon von der Südtribüne eh vom Geierabend schon kennt. Was kann man da Neues erwarten? Martin Eickmann: Ich habe eben zu unserem Regisseur, der darf ja auch gleich noch mal was sagen, gesagt: Ich will es mal auf den Punkt bringen: Wir haben es geschafft, aus einem Comedy-Format ein Theater-Format zu machen. Was man aus dem Geierabend kennt, das sind so 10-15 Minuten-Nummern, wo die beiden sich nach Riten betrinken, dummes Zeug erzählen und die Leute zum Lachen bringen. Dummes Zeug erzählen meine ich jetzt nicht abwertend, sondern es wird da schon das Eine oder Andere subtil angesprochen, was es so an Problemen gibt: Rund um den Fußball und dem Leben.   Aus diesem Format, das maximal im Geierabend eine Viertelstunde dauert, daraus ein abendfüllendes Programm zu machen, das ist die eigentliche Leistung, die wir hier erbracht werden. Ich finde das ist Theater, was wir hier machen. Günter Rückert: An diesem Abend geht es vordergründig um Borussia Dortmund und die Fans, aber eigentlich ist es ein Stück über das Fansein an sich: Wie wird man zum Fan? Was geht in der Seele eines Fans vor? Diese ganze Fankultur bezieht sich ja nicht nur auf Borussia Dortmund. Die erzählen ja ihr ganzes Leben: Wie sie früher auf dem Aschenplatz gepöhlt haben, wie sie zum ersten Mal vom Vater ins Stadion mitgenommen wurden... Was so in der Seele und dem Gefühlshaushalt solcher Menschen passiert, das ist eigentlich der Inhalt dieses Programms. Warum musste man so lange warten? Beim Geierabend sind die Zwei vonne Südtribüne seit über einem Jahrzehnt dabei. Warum erst jetzt in einem Gesamtprogramm? Franziska Mense-Moritz: Erstens sind wir jetzt Meister in diesem Jahr, und wir mussten ja erst vierzehn Jahre sammeln, bis wir so zwei Stunden zusammengekriegt haben. Das haben wir getan, und wir wollten das eigentlich letztes Jahr schon aufführen und wir haben uns gedacht: Komm, wir warten, bis wir Meister sind, dann lohnt es sich wenigstens mit dieser ganzen Arbeit. Die Zeit war jetzt reif dafür, für diese beiden, dass die mal abendfüllend werden. Das heißt nächstes Jahr gibt es das Programm wieder? Franziska Mense-Moritz: Dieses Programm oder ein anderes. Mal gucken, was passiert. Zum Glück entwickeln sich Programme ja auch. Wir sind da ganz guter Hoffnung, und wir sind Optimisten und stecken voller Ideen. Wir haben auch ganz ganz viele Ideen weggelassen, sonst wäre das Programm wahrscheinlich vier Stunden lang geworden und nicht zwei. Da ist ein Riesenpotential - wartet's doch einfach ab. Wir gehen ja auch tingeln damit. Wenn das irgendeiner sehen will, der kann erstmal hier im Spiegelzeit noch gucken, dann im Oktober hier im Theater Fletch Bizzel in Dortmund und nächstes Jahr haben wir möglicherweise auch schon ein Engagement. Das wird sich 'rumsprechen, das muss sich ja auch erstmal setzen und etablieren, und das Volk muss mitkriegen, dass es uns gibt und dass nach uns nichts kommt, und dann wird das schon gehen. Und irgendwann stürmen wir die Halle, die Westfalenhalle. Die Halle 6 wahrscheinlich... Nicht die 1? Franziska Mense-Moritz: Ach, die 1. Martin Eickmann: Ja sicher die 1! Mir ist aufgefallen, dass gerade Immis Kutte sehr authentisch aussieht. Die soll auch echt sein. Stimmt das? Martin Eickmann: Ja, die hat mir mein Kollege, der Regisseur, zukommen lassen. Da muss er was zu sagen. Günter Rückert: Ich komme ja aus der Germania-Siedlung, da bin ich groß geworden, und da kommt auch diese Kutte her. Die ist von meinem Schwager. Der hat mir diese zur Verfügung gestellt, vor 14 Jahren. Franziska Mense-Moritz: Leihweise. Günter Rückert: Ja, das ist eine Dauerleihgabe. Und wer ist für dieses blau-weiß-rote Oberteil von Lollo zuständig, das eher nach Hamburg aussieht? Franziska Mense-Moritz: Das gehört meinem Gatten. Das hatte er schon an, als er Teenager war. Dazu gibt es auch eine Hose aus den frühen siebziger Jahren, die gibt es auch immer noch. Es gibt Fotos bei Oma Müller anner Bude in Huckarde, da hat er diesen Anzug an. Er ist da aber irgendwann 'rausgewachsen, und dann durfte ich den behalten. Ich schmeiße ja nichts weg, weil ich bin ja Requisitenfetischist, also ich bin garderobensüchtig, wenn man so möchte. Ich sammel alles, was daherkommt und gebe nichts ab, was irgendwie nach Unikat aussieht. Deswegen habe ich diese Jacke angezogen, und die wird es auch bleiben, weil die auch so scheiße aussieht.
Abschließend gefragt: Wer wird Deutscher Meister 2012? Franziska Mense-Moritz (singend): Nur der BVB! Martin Eickmann: Ja, würde ich auch sagen. Wer sonst? Günter Rückert: Borussia Dortmund

Weiterführende Links

 Öffnet externen Link in neuem FensterVideotrailer "Die Zwei vonne Südtribüne" (mit Aufnahmen aus der Premiere)
  • Öffnet externen Link in neuem FensterRuhrHOCHdeutsch (hier kann man für die Vorstellungen vom 12. bis 14. August 2011 noch Karten bestellen)
  • Öffnet externen Link in neuem FensterTheater Fletch Bizzel
  • Öffnet externen Link in neuem FensterGeierabend
Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mail Jens Matheuszik, 09.08.2011 


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