Krise? Welche Krise?! BVB schlägt Köln 5:0

Aus dem Westfalenstadion berichtet Jens Matheuszik

Auf dem Papier war die Ausgangslage klar: Unter Trainer Jürgen Klopp hat Borussia Dortmund (BVB) gegen den 1. FC Köln noch nie verloren und in Köln kommen schon lange Kinder in die Grundschule, die noch nie einen Sieg ihrer Mannschaft gegen den BVB gesehen haben. Zwar haben momentan beide Mannschaften eine Art Lauf in der Bundesliga und konnten sich - für die jeweiligen Verhältnisse - inzwischen gut in der Tabelle platzieren, aber dank der Champions League-Niederlage des BVB gegen Olympiakos Piräus vom Mittwoch wird bei einigen schon von einer Art BVB-Krise gesprochen. Einer Krise, der Jürgen Klopp und sein Team mit einem Heimsieg begegnen wollten. In der dem Spiel vorangegangenen Pressekonferenz erklärte der Trainer des amtierenden Deutchschen Meisters, dass man dieses Spiel idealerweise dafür nutzen sollte, um schnell wieder in die Spur zu finden - also der Siegesspur in der Bundesliga.
Die Aufstellung wurde von Klopp notgedrungen geändert - denn nach der gelb-roten Karte für Ivan Perisic im letzten Spiel gegen Werder Bremen musste Klopp die Startelf alleine schon auf dieser Position ändern. Hier entschied er sich für Kevin Großkreutz, während Ilkay Gündogan diesmal erstmal draußen blieb und durch Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl ersetzt wurde. Zu dieser Rochade erklärte Jürgen Klopp, dass es gegen Kehls Nominierung keine Argumente geben würde und er quasi spielen müsse. Interessanter schon ein wenig die Liste der Ersatzspieler: Nicht nur, dass der in Piräus durchaus gut spielende Moritz Leitner "nur" auf der Ersatzbank sitzt. Noch überraschender ist jedoch die Aufstellung von Terrence Boyd, der für den verletzten Lucas Barrios in den Profikader nachgerückt ist. Boyd spielt normalerweise bei den BVB-Amateuren in der Regionalliga West. Im Team von Coach David Wagner ist er für sein mustergültiges Spiel bekannt, denn er kämpft um Bälle, die andere schon verloren gegeben haben - und nicht nur, dass er diese auch bekommt, oftmals reicht er diese an die gegnerischen Torhüter weiter, die diese Bälle aus ihren Netzen holen. Vor Beginn des Spieles versuchten die Köner Fans den BVB-Jahr-hundertchor beim Singen von Leuchte auf mein Stern Borussia zu übertönen. Ein Versuch der kläglich scheitern sollte. Ganz im Gegenteil jedoch danach Hagen Brüggemann - der aus der letzten Wetten, dass… ?-Sendung bekannte 11-jährige AC/DC- und BVB-Fan durfte die Einlaufhymne Thunderstruck vor über 80.000 Zuschauern mitten im Stadion spielen (siehe auch den Öffnet externen Link in neuem FensterBericht bei DerWesten dazu). Eigentlich sollte das Spiel um 15:30 Uhr angepfiffen werden, doch Schiedsrichter Felix Brych liess noch ein wenig warten, da kokelnde Kölner meinten mit ihren paar Bengalos irgendwen beeindrucken zu können. In der 5. Spielminute sorgte Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl für den ersten Farbtupfer im Spiel - als er durch eine etwas rustikale Einlage den Kölner Martin Lanig stoppte und sich dabei einen lockeren Zahn und eine blutige Lippe abholte - und eine gelbe Karte des Schiedsrichters. Am Spielfeldrand wurde die Lippe Kehls getackert, wobei die Köln aus ihrer - nur zahlenmäßigen - Überlegenheit nichts machen konnten. Eine Minute später foulte der Kölner Adam Matuschyk den Dortmunder Robert Lewandowski und aus dem nach der zweiten gelben Karte des Spieles resultierte die folgende Spielsituation: Der der wieder auf dem Platz befindliche Sebastian Kehl spielt den Ball von rechts auf Mats Hummels, der knapp hinter dem Mittelkreis einen langen Pass auf Kevin Großkreutz vorne links spielte, der auf eine mögliche Abseitsfalle der Kölner erst gar nicht hereinfiel. Kevin Großkreutz passte dann den Ball von links in die Mitte, wo Shinji Kagawa den Ball quasi unbehelligt von einer handvoll Kölner im Tor von Michael Rensing versenken kann: 1:0 für Borussia Dormund in der 7. Spielminute - und das völlig zurecht, denn bis dato hatten die Kölner nicht einmal den Hauch einer Chance und so war das schnellste BVB-Tor in dieser Saison nur folgerichtig im schwarz-gelben Netz der Kölner verwandelt.

 

Das frühe 2:0 durch Marcel Schmelzer verhinderte Kölns Torwart Michael Rensing, der den Ball nur noch wegfaustern konnte. In Folge des Konters kam der Ball auch mal in der Dortmunder Hälfte und Roman Weidenfeller hatte geringfügig aufgrund eines Rückpasses etwas zu tun.  Die nächsten rund zehn Minuten sollte man immer wieder zwei Motive sehen können - einen kleinlichen Schiedsrichter, der nach den ersten beiden gelben Karten wohl Härte demonstrieren wollte, und einen kämpferischen Dortmunder Kapitän, der mit fast einer handvoll Bällen immer wieder nur am Abschluss scheiterte. Zum ersten Mal richtig wurde Dortmunds Torwart in der 19. Spielminute gefordert, als er einen Schuss von Lukas Podolski aufhalten musste. Danach ging es dann nur noch wieder auf das Kölner Tor und so war das nächste Tor des BVB nahezu zwingend.  So sollte es dann auch kommen: Shinji Kagawa passte auf Mario Götze, der rechts vor dem Tor keine Chance sah und stattdessen den Ball weiter zur Mittte hin an Sven Bender abgab. Dieser verstolperte jedoch den Ball, konnte ihn aber quasi noch im Sitzen nach hinten abgeben, wo Marcel Schmezler lauerte und in der 25. Spielminute das 2:0 für den BVB machte. Ein Tor übrigens, das den ersten Treffer Schmelzers in einem Pflichtspiel darstellen sollte. In der 38. Spielminute sollte ein Foul von Neven Subotic die Kölner im anschließenden Freistoß wenigestens ansatzweise in Dortmunder Tornähe bringen, doch der von Lukas Podolski geschossene Ball war nicht präzise genug - abgesehen davon, dass die Kölner sowieso im Abseits standen. Dortmund dominierte immer mehr das Spiel und es gab wieder einige ungenutzte Torchancen, bis dann Kevin Großkreutz an Michael Rensing scheiterte und der Nachschuss von Robert Lewandowski vorbeiging, obwohl Rensing da nicht mehr im Tor war. Doch da der Assistent die Fahne hochhielt und damit Abseits signalisierte, wäre dieses Tor sowieso nicht gültig gewesen. Einen Augenblick später gelang es Robert Lewandowski in der 44. Spielminute jedoch nach einem Pass von Lukasz Piszczek auf Sven Bender und von dort auf ihn den Ball (und sich selbst) im Kölner Tor zu versenken: 3:0 für Borussia Dortmund! Das sechste Saisontor des polnischen Nationalspielers sollte dann auch das letzte Tor in der ersten Halbzeit sein, die mit einer Minute Verlängerung abgepfiffen wurde. Zuvor hatte der BVB noch eine Ecke erhalten, die Mario Götze von links schoß und die Neven Subotic nutzen wollte. Doch der Ball ging an die Latte und direkt danach pfiff Schiedsrichter Brych auch die erste Halbzeit ab, die einen klar überlegenen BVB und einen kaum existenten 1. FC Köln gezeigt hatte.

 

Die Halbzeit nutzten beide Trainer zum Wechsel, so ging Mario Götze nach einer guten ersten Halbzeit raus und wurde durch Jakub Blaszczykowski ersetzt, der besser unter dem Namen Kuba bekannt ist. Die 2. Hälfte sollte so beginnen, wie die erste endete, denn in der 50. Spielminute konnte Robert Lewandowski direkt auf das Tor zurennen und diesmal versenkte er nur den Ball und nicht sich selbst dabei. 4:0 für Borussia Dortmund. In der 57. Spielminute wechselte Jürgen Klopp erneut - Sven Bender ging vom Platz, dafür kam Moritz Leitner. Eigentlich hätte Shinji Kagawa in der folgenden Minute ein Tor machen sollen, doch er wurde - ungeahndet - von einem Köner Spieler bedrängt, der ihn daran hinderte. "Das heitere Übungsspielchen gegen eine bessere Trainingsmannschaft" (so ein Zuschauer des Spiels) sollte in der weiteren Zeit sich primär in der Kölner Hälfte abspielen, so als ob es eine unsichtbare Markierung an der Mittellinie die Köner daran hinderte, darüber hinaus zu wirken. In der 66. Spielminute machte der BVB den Sack dann zu als Kuba vorne rechts einen Ball bekam, den dieser nicht verwandeln konnte. Stattdessen passte er ihn in die Mitte, quasi direkt vor das Kölner Tor, wo Sebastian Kehl mit einem beherzten Kopfsprung den Ball auffnahm und sicher im Tor verwandelte: 5:0 für Borussia Dortmund.

Auch wenn die Kölner in der letzten Viertelstunde, nachdem Shinj Kagawa gegen Ilkay Gündogan ausgewechselt wurde, doch noch zu einer Torschußsituation kommen sollten (die Lukas Podolski verschoss) und gerade zum Ende hin gleich mehrfach den Dortmunder Strafraum erkundeten. Die Kölner Fans konnten da nur noch gute Miene zum bösen bzw. schlechten Spiel machen und feierten primär sich selbst - ihre eigene Mannschaft hatte deren Unterstützung nicht wirklich verdient.

So endete dann an einem strahlenden Herbsttag die Partie Borussia Dortmund vs. 1. FC Köln mit 5:0 - eigentlich fehlt da noch das Wort "nur" dabei, denn der BVB hätte deutlich höher punkten können. Die Kölner haben von Anfang an nicht wirklich mitgespielt - da hilft auch (vor allem bei einem Stand von 5:0!) das kölsche Aufflackern am Ende der 2. Halbzeit nicht, wenn in den 70-80 Minuten vorher die Leistung absolut nicht stimmte. Dass der einzige wirkliche Torschuss von Köln erst in der 86. Spielminute stattfand, spricht wohl Bände für die nicht-Leistung in diesem Spiel. Für den BVB war dieser 1. FC Köln der geeignete Aufbaugegner nach der Champions League-Pleite. Das jedoch das Ergebnis aus dem Spiel gdes BVB gegen die Trainingsmannschaft aus Köln die Schwarz-Gelben nicht übermütig werden lassen sollte, dürfte jedem, der das Spiel gesehen hat klar sein - denn selten findet man ein Pflichtspiel, wo die gegnerische Mannschaft sich so sehr verweigert hat. Aber ein geiles Spiel war es für alle Fans von Borussia Dortmund trotzdem! Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailJens Matheuszik, Christopher Neundorf (Fotos) - 22.10.2011 Öffnet externen Link in neuem Fenster>> Stimmen zum Spiel
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