Lasse Sobiech: „Die ganze Familie ist Schwarz-Gelb“ (I)

Lasse Sobiech hat 09 Jahre lang diverse Jugendmannschaften des BVB durchlaufen, letztes Jahr stand er sogar im Profikader und hat die Meisterschaft hautnah miterlebt, wenn auch ohne eine einzige Spielminute. Der zwanzigjährige U21-Nationalspieler ist derzeit für ein Jahr an den FC St. Pauli ausgeliehen und gehört in der zweiten Liga zu den besten Innenverteidigern.

Im ersten Teil des Gib mich die Kirsche-Interviews sprachen wir mit Lasse Sobiech über seine Kindheit und Jugend, seinen Wandel zwischen den Welten der ersten und zweiten Mannschaft im Meisterjahr, das Training mit den Profis, die Aussichten für den BVB in dieser Saison und mögliche Parallelen zu Kevin Großkreutz.

Lasse, hat Bayer Leverkusen eigentlich schon bei Dir angefragt?

Lasse Sobiech: Weswegen?

Erst kommst Du zu den BVB-Profis, prompt werden sie Meister und nun stehst Du mit St. Pauli schon wieder oben. Vielleicht will Leverkusen ja auch mal Erster werden…

Lasse Sobiech: (lacht) Bislang noch nicht.



Nun warst Du letzte Saison mit Borussia Dortmund Erster und diese Saison zwischenzeitlich auch mit St. Pauli – wie ähnlich fühlt sich das an?

Lasse Sobiech: Das ist komplett unterschiedlich. Ich war letzte Saison dabei und habe mittrainiert, aber selber zu spielen und 90 Minuten lang auf dem Spielfeld zu sein, das ist noch mal was anderes als auf der Bank zu sitzen oder in der zweiten Mannschaft zu spielen. Zudem sind erst wenige Spieltage gespielt, da kann man noch nicht so weit gehen und sagen, das ist vielleicht ein ähnliches Gefühl wie bei der Meisterschaft.

Wie bist Du eigentlich zum Fußball gekommen, wie hat alles angefangen?

Lasse Sobiech: Mit vier Jahren habe ich in meiner Heimatstadt beim VfL Schwerte angefangen. Zur D-Jugend wurden Talentsichter auf mich aufmerksam und so wechselte ich dann zu Borussia Dortmund. Von da an habe ich dort alle Jugendmannschaften durchlaufen, dies wäre jetzt mein zehntes Jahr.

Warst Du als gebürtiger Schwerter als Kind eigentlich BVB-Fan?

Lasse Sobiech: Ja, schon immer. Die ganze Familie ist Schwarz-Gelb. Vor allem mein Vater, mit dem ich als Kind im Garten gespielt habe. Es hingen immer BVB-Poster an der Wand. Als Jugendlicher bin ich dann auch mit Mitspielern auf die Südtribüne gegangen. Von daher war mein Leben schon immer Dortmund-geprägt.

Wie sehr war schon in Deiner Jugend Dein Leben auf den Fußball ausgerichtet, gab es alternative Ausbildungs- und Berufswege die für Dich in Frage kamen?

Lasse Sobiech: In der Jugend war ich überhaupt nicht auf den Fußball fokussiert. Es hat mir großen Spaß gemacht damals mit den guten Jungs zusammenzuspielen. Vor allem in der D- und C-Jugend hat man trotz des vielen Trainings einfach Spaß gehabt. Erst nach meinem Schulwechsel bin ich dann auch von Schwerte nach Dortmund gezogen, da die weiten Anfahrtswege schon viel Zeit beanspruchten. Aber es war nicht von Anfang an angedacht, dass ich mit allem Willen Profi werden muss und es keine anderen Möglichkeiten gibt, etwas aus meinem Leben zu machen. Ich denke, das war auch eine gute Basis, gelassen an all das heranzugehen.

Hattest Du schon Alternativen im Kopf, falls es nicht so gut geklappt hätte mit dem Fußball in den letzten zwei, drei Jahren?

Lasse Sobiech: Falls es mit dem Fußball nicht geklappt hätte oder Verletzungen dazwischen gekommen wären, dann hätte ich versucht wie meine anderen Kollegen etwas im Bereich Sportwissenschaften, Sportmanagement oder Lehramt zu studieren. Von daher glaube ich, dass ich auch ohne den Fußball etwas hätte erreichen können.

Hast Du eigentlich auch mal im BVB-Jugendhaus gelebt?

Lasse Sobiech: Nein.

Wie ist das im Kader des Meisters gewesen zu sein ohne eine Minute gespielt zu haben: Warst Du zwar dabei, aber doch nicht so richtig oder ist das egal und Du bist glücklich, das so mit erlebt zu haben?

Lasse Sobiech: Wenn man dabei ist und mit dem Team trainiert, dann will man natürlich auch Einsätze haben und so viel wie möglich spielen. Aber im Rückblick habe ich letztendlich viel gelernt in dem Jahr, weil ich mit der besten Mannschaft trainiert habe. Sowohl fußballerisch als auch persönlich habe ich durch den tagtäglichen Umgang mit den unterschiedlichen Charakteren der Mannschaft viel dazu gelernt. Das war eine riesen Erfahrung, die mich sehr nach vorne gebracht hat, auch wenn ich nur in der zweiten Mannschaft gespielt habe.

Gab es da bestimmte Spieler, die Dich besonders weitergebracht haben?

Lasse Sobiech: Mittwochs haben wir immer elf gegen elf gespielt. Die A-Mannschaft gegen die B-Mannschaft. Wenn ich dann ständig Lucas Barrios im Angriff beackern musste, dann war das schon sehr förderlich. Das sind Spieler, mit denen man gerne trainiert.

Du bist ja in der vergangenen Saison zwischen den Welten gewandelt und standest mehrfach im Kader der Profis, gespielt hast Du aber bei den Amas. War das eine permanente Unsicherheit oder klar geregelt für die Saison?

Lasse Sobiech: Man sagt natürlich nicht: Du spielst die ganze Saison in der zweiten Mannschaft. Die Chance, in den Kader zu kommen, gab es jedoch nur, wenn jemand verletzt oder Gelb-gesperrt ausfiel, wie es einmal bei Neven (Subotic, Anm. d. Red.) der Fall war.



Wie hast Du denn dann die wechselhafte Saison der Amas erlebt mit dem Trainerwechsel?

Lasse Sobiech: Es hat großen Spaß gemacht, mit der zweiten Mannschaft zu spielen. Selbst bei den Amas waren immer viele Fans bei den Heim- und Auswärtsspielen dabei. Es war natürlich für die Spieler, die die ganze Woche mit den Profis trainiert haben, schwer, einen Rhythmus zu finden. Zudem musste man sehen, dass die Automatismen mit den Spielern stimmen, mit denen man im Prinzip die ganze Woche nicht zusammen trainiert hat. Ich denke aber, dass wir das nach dem Trainerwechsel ganz gut hinbekommen haben. Für Oberhausen hat es mich gefreut, dass sie mit Theo Schneider einen guten Trainer bekommen haben. Beide Trainer (Theo Schneider und Hannes Wolf. Anm. d. Red.) haben unsere Mannschaft gut gefördert. Mit Hannes Wolf bekamen wir dann ja einen noch sehr jungen und elanvollen Trainer. Dies hat dann so gut gepasst, dass wir noch mal eine Serie mit vielen Siegen hinlegen konnten.

Hast Du noch Kontakte zu damaligen Mitspielern?

Lasse Sobiech: Auf jeden Fall. Aus der zweiten Mannschaft sind viele Spieler gegangen, dafür kamen neue von außen und aus der A-Jugend hinzu. Zu Mario Vrancic habe ich beispielsweise noch Kontakt. Ansonsten habe ich natürlich zu den Spielern, die derzeit vom BVB in die zweite Liga ausgeliehen sind am meisten telefonischen Kontakt. Als Neven zu Saisonbeginn verletzt war, haben wir uns per SMS geschrieben. Er wollte sich neulich eigentlich auch mal ein Spiel von uns hier angucken.

Wie groß ist das Heimweh nach Hause zur Familie, zu Borussia, gerade jetzt nach der Meisterschaft?

Lasse Sobiech: Ich habe mich bewusst entschieden, nicht nach Bochum, Duisburg  oder zu einem anderen Verein in der Nähe von Dortmund zu gehen, sondern nach Hamburg. Es gab viele schöne Momente in Dortmund, die ich nie vergessen werde. Aber jetzt bin ich hier und greife an.

Was erwartest Du von Deinem BVB in dieser Saison, sowohl von der ersten als auch von der zweiten Mannschaft?

Lasse Sobiech: Die Amateure sind ganz gut gestartet. Die Truppe hat viele neue Spieler. Den neuen Trainer (David Wagner, Anm. d. Red.) kenne ich nicht persönlich. Aber ich denke, dass sie in der vierten Liga schon eine ganz gute Rolle spielen werden. Bei den Profis und deren Qualität ist es klar, dass wieder ganz oben angegriffen werden kann. Wenn sie nicht von großen Verletzungen geplagt werden, dann können sie ähnlich wie in der letzten Saison spielen, denke ich.

Hast Du während deinem einjährigen Gastspiel bei St. Pauli eigentlich Kontakt zu Offiziellen des BVB oder wie kann man sich das vorstellen?

Lasse Sobiech: Der Kontakt ist da, denn ich weiß ja, dass ich zurück komme. Uns wurde auch ein Scout zur Seite gestellt, der uns hilft und den wir bei Fragen anrufen können. Die Organisation ist da sehr gut.

Hast Du derzeit auch Kontakt zu Jürgen Klopp?

Lasse Sobiech: Ja, per SMS gab es schon gegenseitige Glückwünsche in dieser Saison.

Als Kevin Großkreutz früher in Ahlen spielte, fuhr er heimlich Samstags ins Westfalenstadion…

Lasse Sobiech: Wenn es zeitlich passt, dann gehe ich gerne mit Kollegen die dann nicht im Kader sind, ins Westfalenstadion und guck mir Spiele an. Allerdings ist es natürlich aufgrund der Entfernung von Hamburg nach Dortmund aufgrund der Trainings- und Spieltermine nicht mal eben so möglich. Da muss schon alles passen.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailPatrick Meiß, Moritz Gerlach (Fotos) - 20.09.2011

Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit Lasse Sobiech über den FC St. Pauli und die Unterschiede zum BVB, die erste und die zweite Liga, Führungsspieler, Zukunftsaussichten und über die Schwierigkeiten des Profigeschäfts. (Öffnet externen Link in neuem Fenster>> Zum zweiten Teil des Interviews)



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