Was hat Deutschland mit „La Decima“ zu tun?

Beim zwölften Anlauf hat es endlich geklappt: Real Madrid holt „La Decima“. Zum zehnten Mal setzen sich die „Los Blancos“ die europäische Krone des Vereinsfußballs auf. 2002 holten sie den Henkelpott das letzte Mal ins Santiago Bernabeu. Dieses Jahr musste am Ende der Titel stehen, gleich drei Bundesligisten wurden schließlich aus dem Weg geräumt. Das kann praktisch als Grundvoraussetzung für einen Champions-League-Sieg der Königlichen gesehen werden, wie die Vergangenheit zeigt. Insgesamt steht nun endlich die „Zehn“. Real gewann sechs Mal den Europapokal der Landesmeister – den Vorgängerwettbewerb der Champions League, der seit der Saison 1992/93 umbenannt wurde. Durch einige Reformen wurde der Wettbewerb im Laufe der Zeit verändert. Nun spielten nicht mehr nur die jeweiligen Meister der einzelnen Länder den Titel aus. Auch andere Spitzenklubs hatten nun die Möglichkeit, sich die Fußballkrone Europas aufzusetzen. Die Champions League wurde damit attraktiver und ein Millionengeschäft – alleine schon wegen der Fernseheinnahmen. Die „Galaktischen“ zementierten in den folgenden zehn Jahren ihren Status als Rekordsieger dieses Wettbewerbs. Zwischen 1998 und 2002 gewann sie drei Mal den Titel. Danach folgte die Durststrecke – bis zu diesem Jahr. Blickt man in die Vergangenheit, so muss man fragen: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Immer wieder mussten die Madrilenen deutsche Teams in der K.o.-Runde überwinden, um den Titel zu holen. Schafften sie es nicht, flogen sie folgerichtig heraus. Wenn sie sich allerdings durchsetzen konnten, dann stand am Ende der Triumph. Die goldenen 50er Jahre Für den Europapokal der Landesmeister gilt diese Theorie nur bedingt. Erstmals wurde dieser Wettbewerb in der Spielzeit 1955/56 ausgespielt. Der erste Titelträger: Real Madrid. Auch in der Folge dominierten die „Los Blancos“. Die ersten fünf Auflagen des Cups entschied das Team um das Madrider Sturmtrio praktisch im Alleingang. Alfredo Di Stefano, Héctor Rial und Francisco „Paco“ Gento erzielten 12 der insgesamt 18 Finaltreffer und ebneten somit den Weg für den Seriengewinn des Pokals. Direkte Duelle gegen deutsche Teams gab es vorerst nicht. Während des Wettbewerbs traf Real weder auf Rot-Weiss Essen noch auch auf Borussia Dortmund. Zwei Jahre hintereinander räumten sie den jeweiligen BVB-Bezwinger im Halbfinale aus dem Weg. In der Saison 1956/57 scheiterten die Dortmunder an Manchester United. Ein Jahr darauf (1957/58) war es der AC Mailand, der den BVB im Viertelfinale aus dem Turnier schmiss. Für Milan und die „Red Devils“ war im Halbfinale gegen Real Schluss. Beim Titelgewinn 1959 kann man keine mehr oder weniger direkte Verbindung zu deutschen Vereinen ziehen. Schalke 04 und der SC Wismut Karl-Marx-Stadt scheiterten beide im Viertelfinale. Doch Deutschland war damit nicht ganz aus dem Spiel. Real triumphierte im Finale mit 2:0 gegen Stade Reims. Der Finalspielort war Stuttgart und wurde vom deutschen Schiedsrichter Albert Dusch aus Kaiserslautern geleitet. Beim fünften Erfolg (1960) hintereinander spielte ein deutscher Verein eine entscheidende Rolle bei der Vergabe des Titels: Eintracht Frankfurt. Die Hessen gewannen 1959 zum ersten und bislang letzten Mal die deutsche Meisterschaft. Im Halbfinale des Europapokals setzte sich die Eintracht gegen die Glasgow Rangers souverän mit 12:4 (6:1, 6:3) in der Addition durch. Damit versaute man den Schotten das Finale im Glasgower Hampden Park. Das Finale war aber eine mehr als eindeutige Angelegenheit. Vor der rekordwürdigen Kulisse von 135.000 Zuschauern zerlegte Real Madrid die Frankfurter in ihre Einzelteile. Zwar gingen die Hessen mit 1:0 durch Richard Kress in Führung, doch am Ende gewannen die Königlichen mit 7:3. Die Torschützen: Alfredo Di Stefano (3) und Ferenc Puskas (4).   Die lange Durststrecke   
    
Erst im 1966er-Finale traf man auf einen Deutschen. Der Unparteiische Rudolf Kreitlein aus Fürth leitete die Finalpartie, in der sich Real mit 2:1 gegen Partizan Belgrad durchsetzte. In der Folge fielen die Königlichen in ein Loch. Der nächste internationale Erfolg ließ rund 20 Jahre auf sich warten. 1985 und 1986 konnten sie den UEFA-Pokal gewinnen. Abermals 12 Jahre später konnte man erstmals die Champions League – nach ihrer Umbenennung 1992 – für sich entscheiden. Insgesamt warteten die Real-Anhänger 32 Jahre auf einen erneuten Gewinn der Königsklasse. Spätestens ab dieser Saison lässt sich ein gewisses Schema erkennen. Auf dem Weg zum Titel mussten die Madrilenen einen Verein aus der Bundesliga bezwingen, um am Ende den Pott in den Himmel zu strecken. Entweder scheiterte man gegen die deutschen Teams in der K.o.-Runde – siehe Borussia Dortmund oder „La bestia negra“ (die Bayern) – oder man setzte sich durch und holte den Titel. Sind diese Parallelen an den Haaren herbeigezogen? Reimt sich der Autor dieses Textes etwas zusammen? Alles nur Hirngespinste? Mitnichten! Ein Blick in die Vergangenheit reicht dazu aus. Endlich wieder Europas Könige Den ersten „Champions-League“- Titel – nach der Umbenennung – gewannen die Königlichen in der Saison 1997/98. Im Viertelfinale räumten sie Bayer Leverkusen aus dem Weg (Gesamt 4:1). Im Halbfinale wartete dann kein anderes Team als der BVB. An das Rückspiel kann sich kaum noch jemand erinnern – ein müdes 0:0. Aber das Hinspiel ist in die Geschichte eingegangen. Vor dem Anpfiff ist bereits ein Treffer gefallen. Der „Torfall von Madrid“ erlangte besonders durch die Berichterstattung im Fernsehen große Bekanntheit. Am Ende siegte Real mit 2:0 und gewann das Finale gegen Juventus Turin (1:0). Nach einem Jahr ohne CL-Gewinn war es eine Spielzeit später – 1999/2000 – wieder so weit. Die Königlichen krönten sich zu den Königen von Europa. Auf dem Weg zum Finale stellte sich ein deutsches Team in den Weg: der FC Bayern München. Doch der Rekordmeister konnte sich gegen Raul, Steve McManaman und Co nicht durchsetzen. Im spanischen Finale gegen Valencia hatte Real ebenfalls die Nase vorne (3:0). Der Fluch "La Decima"? Im Jahr 2002 durften die Hauptstädter erneut Jubeln. Mit Luis Figo, Zinedine Zidane, Raul und Fernando Morientes holten sie zum neunten Mal den Titel. Im Viertelfinale mussten wieder einmal die Bayern dran glauben. Wie zwei Jahre zuvor setzte man sich aufgrund des erzielten Auswärtstreffers in München am Ende durch. Doch ein deutsches Team stand noch dem Gewinn im Wege: Bayer 04 Leverkusen. Im Finale im Glasgower Hampden Park siegte Real mit 2:0 gegen die Werkself. Das weiße Ballett feierte an gleicher Stelle wie vor 42 Jahren. Der Hampden Park und Real, das passt wohl. Dann folgte die zwölfjährige Durststrecke bis zu diesen Jahr. Es schien sogar teilweise, dass „La Decima“ ein Fluch sei, der auf dem Verein lastet. Es wollte einfach nicht klappen. Fünf Mal hintereinander schied Real bereits im Achtelfinale aus. Liverpool, Arsenal, Juventus, AS Rom und sogar Olympique Lyon zwangen die Galaktischen in die Knie. Monaco schaltete Real im Viertelfinale nach einem 5:5 in der Gesamtrechnung aufgrund der Auswärtstorregel aus. Außerdem war vier Mal im Halbfinale Schluss. Juventus, Barcelona, Bayern und Dortmund waren die Endstationen. In dieser Saison musste es mit dem Titelgewinn einfach klappen. Der Grund: die gesamte K.o.-Runde. Im Achtelfinale fegte Real Madrid Schalke 04 mit insgesamt 9:2-Toren weg. Im Viertelfinale gewann man daheim souverän mit 3:0 gegen den BVB. In Dortmund hätte man bereits früh den Sack zumachen können. Doch Di Maria verschoss einen Elfmeter in der 17. Spielminute. Danach drehte die Borussia auf und hatte die Möglichkeit, Real zu schlagen. Ein Treffer fehlte am Ende, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen. Im Halbfinale wartete mal wieder „La bestia negra“. Doch den roten Monstern zog man den Zahn. Im Hinspiel dominierten die Bayern die Partie, kamen aber nicht über eine 0:1- Niederlage hinaus. Im Rückspiel gab es eine Packung für den Vorjahressieger. 4:0 siegten die Madrilenen in München und zogen souverän ins Finale ein, wo sie Atletico dann relativ glücklich in der Verlängerung schlagen konnten. Am Ziel aller Träume Erst in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit gelang der Ausgleich durch Sergio Ramos. Was dann folgte, war ein Debakel für den Stadtrivalen. Die Blancos gewannen mit 4:1 nach der Verlängerung und holten endlich ausgerechnet gegen Atletico „La Decima“. Doch es gibt noch mehr Verbindungen zwischen den zehn CL-Titeln von Real und Deutschland. Denn es gewannen insgesamt drei Deutsche im Dienste der Königlichen den Henkelpott. Im Jahr 1998 waren gleich drei Deutsche, mehr oder weniger direkt, am Erfolg beteiligt. Zunächst Torwart Bodo Illgner und Trainer Jupp Heynckes. Letzterer musste trotz des Gewinnes des Europapokals seine Segel streichen. Man wurde in der Liga nur Vierter und scheiterte im Pokal am Zweitligisten Deportivo Alaves. Zudem wurde das Endspiel der Königsklasse von Hellmut Krug geleitet. Dieses Jahr war es Sami Khedira, der mit Real die Champions League gewann. Lange Zeit fiel der deutsche Nationalspieler wegen eines Kreuzbandrisses aus. Im Finale stand der Ex-Stuttgarter rund 60 Minuten auf dem Platz. Auf seiner Autogrammkarte steht nun: Champions-League-Sieger 2014.

„La Decima“ - deutsche Spieler und deutsche Teams hängen einfach irgendwie zusammen und sind so quasi ein Teil der Geschichte. Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailArthur Makiela- 28.05.2014 (Bilder: Öffnet externen Link in neuem FensterKirsche-Archiv)


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