BVB II: Zwischen Dritter und Regionalliga

Dieser Tage schaut alles in Schwarzgelb Richtung Berlin, aber auch das beschaulichen Aalen im östlichen Baden-Württemberg sollte Zielobjekt der Dortmunder Begierde sein. Nach Rang 19 und dem damit verbundenen sportlichen Abstieg aus der dritten Liga hielt man sich dennoch eine Option, die Klasse am grünen Tisch zu halten, offen.

Denn lange Zeit war nicht klar, ob Zweitligaabsteiger VfR Aalen alle nötigen Unterlagen und Gelder für eine Lizenz in der dritthöchsten Spielklasse zugesprochen bekommt. Während tagelang durch die Medien kursierte, dass sie keine Berechtigung erhalten, konterte der Verein selbst auf der eigenen Facebookseite. Zunächst meldete Aalen seinen Unterbau, die U23, vom Spielbetrieb ab und Vorsitzender Jörn Makko versicherte, dass man fristgerecht alle nötigen Unterlagen und Bürgschaften einreichen wird. Also doch kein Schlupfloch für die Amateure.

Egal ob Dritte oder Regionalliga. Ein Umbruch muss her? - Weit gefehlt. Für David Wagner wird es eine normale Sommerpause getreu dem Motto: „same procedure as every year.“ „Uns verlassen jedes Jahr einige Spieler, sodass wir immer einen Umbruch vollziehen müssen.“ Nach dem letzten Saisonspiel in Münster stand BVB-Trainer David Wagner vor dem Kirsche-Mikro Rede und Antwort:



Sitzen Sie auch über dem Sommer hinaus auf der Trainerbank und dürfen Sie bei der Kaderplanung mitwirken?

Wir wissen seit einer Woche, dass wir für die Regionalliga planen können. Derzeit haben wir dennoch nichts zu vermelden. Ich denke, dass wir das in den nächsten Wochen tun werden. Wir sind generell schon sehr aktiv aber seit letzter Woche eben sehr aktiv. - Ich habe hier noch zwei Jahre Vertrag. Dementsprechend ist es so, dass ich den Job auch weitermachen werde.

Wie ärgerlich wäre es, wenn man doch noch in der Liga geblieben wäre, aber man schon einige Stammkräfte abgegeben hat?

Die Spieler, die wir abgeben, geben wir ligaunabhängig ab. Es gibt hier keinen Spieler, den wir gehalten hätten, wenn wir doch noch in der Dritten Liga antreten dürften. Es geht dabei eher um die Neuzugänge. Da hätten wir in der Dritten Liga sicherlich den ein oder anderen bekommen, den wir nun in der Regionalliga nicht bekommen.

Sie haben angekündigt, dass es beim BVB jedes Jahr einen großen Umbruch gibt. Wie gehen Sie insbesondere als Trainer damit um?

Wir müssen viel arbeiten, viel unterwegs sein und sehr viele Spiele schauen. Wir müssen einfach „up to date“ sein. Dass ist für diejenigen, die bei einer zweiten Mannschaft sind und jedes Jahr einen Umbruch machen, von hohem Stellenwert. In der Regel sind es immer 8-12 Leute, die neu dazukommen. Das ist knapp die halbe Mannschaft. Aber das ist unser Job.

Henrik Bonmann hat beim BVB verlängert. Können Sie mit ihm in der zweiten Mannschaft planen oder ist er für die Tuchel-Elf vorgesehen?

Nein. Er wird bei uns bleiben.

Ein Umbruch wie jedes Jahr. Wer bleibt und wer geht? Nachfolgend haben wir einen kleinen Überblick zur Personalsituation bei den Amateuren. 14 Verträge laufen bei der BVB U23 aus.

Die ersten Abgänge stehen bereits fest. Wie Sebastian Kehl und zuvor Dede verlässt auch Kapitän Marc Hornschuh nach 13 Jahren seinen BVB. Wie Kehli spielte der Verteidiger seit 2002 im schwarzgelben Trikot. Er durchlief sämtliche Jugendabteilungen und schaffte es sogar bis in den Profikader. Doch der letzte entscheidende Schritt gelang ihm bislang nicht. Zwar durfte „Horni“ Profiluft in der Bundesliga, Europa League und sogar in der Champions League schnuppern, zum Einsatz kam er allerdings nie.



Der 24-Jährige musste sich das Spiel oft von der Bank anschauen. Insgesamt ist er dem BVB zwei Mal „untreu“ gewesen. Seine ersten Schritte im Fußball lernte er nicht bei der Borussia, sondern beim Vorortclub DJK TuS Körne, wo er acht Jahre lang kickte. Mit drei Jahren begann Hornschuh bereits mit dem Pöhlen im Verein. Mit elf Lebensjahren kam er dann zum BVB. Das zweite Mal der „Untreue“ begann er 2012, wo er dem Lockruf der 2. Bundesliga nicht Widerstand und für die Rückrunde der Saison 2011/12 beim jetzigen Bundesliga-Aufsteiger FC Ingolstadt spielte. Dort war er allerdings nur Bankdrücker. Dennoch stehen zwei Zweitligaspiele in seiner bisherigen Vita. Eine Partie absolvierte er über die volle Distanz. Bei der anderen spielte er sage und schreibe eine einzige Minute.

Nun, mit 24 Jahren und 211 Spielen für den BVB, versucht er den nächsten Schritt, um im Profifußball Fuß zu fassen. Beim FSV Frankfurt wird er wahrscheinlich um den Klassenerhalt in der zweiten Liga kämpfen. Erfahrung in diesem Bereich konnte mit Borussia Dortmund ja reichlich eine Klasse tiefer sammeln. Eine allzu große Lücke hinterlässt er jedoch nicht, da mit Jon Gorenc-Stankovic und Christoph Zimmermann bereits zwei Innenverteidiger im Kader sind, die in der abgelaufenen Saison bereits oft im Abwehrzentrum gespielt haben.

Ein weiterer Abgang, dessen Ziel ebenso schon feststeht, ist Edisson Jordanov. Der Deutsch-Bulgare sagte nach „nur“ zwei Jahren auf Wiedersehen. Nur, weil er nach "Horni" dran ist. Das Kicken erlernte er im Norddeutschland. Besonders Hansa Rostock war eine wichtige Station, die hier zu nennen ist, mit deren A-Jugend er 2010 sogar Deutscher Meister wurde. Er übersprang praktisch die zweite Mannschaft und war schnell Teil des Profikaders. Insgesamt machte der Mittelfeldspieler zwölf Partien in der zweiten deutschen Spielklasse für die Hanseaten. 2013 folgte dann der Wechsel zum BVB, wo er auch mit den Profis ins Trainingslager mitgenommen wurde. Mit nun 21 Jahren und wohl keiner Aussicht auf den Profikader hat sich der bulgarische U12-Nationalspieler für einen Tapetenwechsel entschieden. Ab dem Sommer wird er für die ambitionierten Stuttgarter Kickers auflaufen. Er bleibt also der dritten Liga zunächst treu und visiert mit den Degerlochern den Aufstieg an.



Zudem stehen vier weitere Abgänge bereits fest, da die Verträge im Sommer auslaufen und nicht mehr verlängert werden. Oguzhan Kefkir, Julian-Maurice Derstroff, Mustafa Amini und Evans Nyarko können sich neuen Klub suchen. Bislang sind ihre Ziele allerdings größtenteils unbekannt. Der gebürtige Wuppertaler Kefkir bewies zu oft, dass ihm die Konstanz fehlt. Zwischen Genie und Wahnsinn ist es eben ein schmaler Grat, was definitiv auch auf ihn zutrifft. Teilweise glänzte der Deutsch-Türke mit brillanten Pässen. Doch dann hatte er auch Spiele, wo er komplett nicht zu sehen und nur ein Mitläufer war. Mit acht Vorlagen war er immerhin zweitbester Assistgeber nach Tammo Harder. Aus Sicht eines Reporters war Kefkir nach dem Spielen immer klar und selbstkritisch in seiner Analyse und scheute nicht, sich vor die Mikros zu stellen. Doch einen wirklichen Durchbruch in Richtung Bundesligakader haben die Verantwortlichen wohl nicht mehr kommen gesehen und haben sich entschieden, den Vertrag mit dem 23-Jährigen nicht zu verlängern.

Ähnliches gilt für Derstroff. Der frühere Lauterer deutete seine Qualitäten in der Offensive immer wieder mal an, doch dies nur, wenn der regelmäßig zum Einsatz kam. Aufgrund vieler meist auch kleiner Verletzungen fiel der beste "Buddy" von Erik Durm immer wieder aus. Er kämpfte sich zwar wieder ran, musste aber weitere Rückschläge hinnehmen. David Wagner hielt immer große Stücke von ihm. Er konnte eben den Unterschied machen, wenn er im vollen Besitz seiner Kräfte war. Dies war leider viel zu selten der Fall.



Ebenso verhält es sich mit Evans Nyarko. Der gebürtige Hamburger kickte in der Jugend des HSV. Der Deutsch-Ghanaer kam über die Zweite von Fortuna Düsseldorf nach Dortmund, wo er in der Defensive ordentlich reinklotzte. Praktisch auf jeder Position kam es im Defensivbereich zum Einsatz. Aber am wohlsten fühlte er sich als Staubsauger vor der Abwehr (Wie er im Öffnet externen Link in neuem FensterInterview mit uns verriet).

Auch die Zeit von Amini beim BVB geht zu Ende. Bereits mit knapp 18 Jahren angelten sich die Dortmunder, das damalige Wunderkind aus Australien. Zunächst parkte der BVB den Mittelfeldspieler zunächst bei seinem Heimatverein. In Dortmund angekommen, kam er meist in der Zweiten zum Einsatz. Zwar war Jürgen Klopp grundsätzlich vom „Pumuckl“ überzeugt, doch die Erwartungen konnte er nicht erfüllen. Seine Aktionen waren teils sehr hektisch, er war auch oft übermotiviert, was zur Folge hatte, dass sich viele Fehler in sein Spiel einschlichen. Dennoch nahm ihn Klopp mit in den diesjährigen Champions-League-Kader auf. Doch auf einen Pflichtspieleinsatz bei den Profis musste er - mangels Form - vergeblich warten.

Neben diesen schon sicheren Abgängen gibt es noch eine Reihe von weiteren Spielern, die den Verein im Sommer verlassen könnten, da ihre Verträge auslaufen. Ufuk Özbek z. B. wird sich wahrscheinlich auch einen neuen Verein suchen können. In dieser Saison kam der 22-Jährige - trotz großen Lazarettes - lediglich nur einmal zum Einsatz. Meist reicht es für ihn nicht einmal für die Bank. Bereits im Winter machte ein möglicher Wechsel in die Türkei die Runde, der jedoch nicht zustande kam. Im Sommer wird womöglich ein neuer Anlauf geschehen.

Mitsuru Maruoka, als Kagawa 2.0 gehandelt, ist offiziell von Cerezo ausgeliehen. Der BVB hält zwar eine Kaufoption, doch ob diese gezogen wird, ist tatsächlich fraglich. Auch Routinier David Solga wird vermutlich den Verein verlassen und im Sommer seine Schuhe an den Nagel hängen. Der 32-jährige Routinier wird, laut Gerüchteküche, mit einer Trainerausbildung beginnen.



Zudem laufen die Verträge der A-Junioren aus, die bereits ihre ersten Schritte bei der U23 gemacht haben. Burak Camoglu, Nico Knystock, Nick Weber und Vincent-Louis Stenzel könnten die neuen Gesichter der Wagner-Truppe werden. Offen hingegen ist, was mit Torhüter Steffen Göcke wird. Gleiches gilt für Joseph-Claude Gyau, der den größten Teil der Saison ausfiel. Zwei weitere mögliche Abgänge. Sie haben zwar noch Vertrag, aber könnten den Verein dennoch verlassen. Auch Schlussmann Zlatan Alomerovic und Toptorjäger Tammo Harder könnten dem Verein nach dem Abstieg den Rücken zukehren. Alomerovic muss schauen wie sich der BVB auf der Torwart-Position zur neuen Saison aufstellt, denn auch bei den Profis deuten sich Veränderungen an. Sein Vertrag hat noch ein Jahr Gültigkeit und er mache sich keine Gedanken, so der Keeper im Öffnet externen Link in neuem FensterKirsche-Interview.

Mit der Vertragsverlängerung von Hendrik Bonmann könnten die Würfel in Sachen Stammkeeper der Zwoten bereits gefallen sein. Bei Tammo Harder ist das anders. Einige Vereine sollen bereits ein Auge auf den schnellen Offensivmann geworfen haben. Unter anderem soll Energie Cottbus und Trainer Krämer Interesse signalisiert haben.

Doch auch auf der Habenseite sind bereits zwei Neuzugänge zu verzeichnen. Stürmer Michael Eberwein kommt von der U19 von Bayern München und Mittelfeldspieler Atakan Karazor kommt vom Reviernachbarn VfL Bochum – ebenfalls aus deren U19. Die feststehenden Neuzugänge lassen schon jetzt eine eindeutige Interpretation zu: Der BVB II wird sich im Sommer deutlich verjüngen.

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailFalk-Stéphane Dezort, Artur Makiela, Fotos (Archiv), 28.05.2015




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