Montagsspiele sind kein Segen!

Der gestrige Montag und der heutige Dienstag haben es in sich, denn an beiden Tagen wurden für den Fan des gepflegten Ballspiels einschneidende Veränderungen verkündet, die gravierenden Einfluss auf sein Konsumentenverhalten ausüben werden. Gestern schon war der Aufschrei groß, aber heute wurde dann bekannt gegeben, dass die verhassten Montagsspiele auch für die erste Liga beschlossene Sache sind in Frankfurt.

Zunächst einmal beschloss das Kartellamt das ultimative Ende von "Alle Spiele, alle Tore" bei Sky als alleinigem Anbieter. Zwar erteilte das Bundeskartellamt grünes Licht für den milliardenschweren TV-Rechte-Poker der Deutschen Fußball Liga (DFL), kippte dabei das Monopol des einzigen Abo-Senders in Deutschland. Allerdings ist die künftig vorgeschriebene "No-Single-Buyer-Rule", nach der die Live-Rechte nicht komplett an nur einen Bieter gehen dürfen, ein Kompromiss - für den Fan vor dem Fernseher könnte sich einiges ändern, wenn er auf Laptop, Tablet oder Handy zurück greift.

"Solange nur ein Inhaber der Live-Rechte am Markt ist, birgt dies die Gefahr, dass der Innovationswettbewerb, insbesondere der von internetbasierten Angeboten, beschränkt wird", tadelte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, am Montag das bisherige Procedere. Konkret werden die Interessenten auf verschiedene Pakete des dann aufgeteilten Spieltages bieten können. Beispielsweise könnte ein Paket das Top-Spiel am Samstag umfassen, das dann auf TV-Sender „A“ läuft. Die verbleibenden Partien könnten dann auf Sender „B“ live übertragen werden. Für Sky, wo der Fußball das unumstrittene Zugpferd derzeit darstellt, wäre das ein herber Rückschlag für die Gesamtstrategie des Medienunternehmens.

Fußball im Internet wird salonfähig

Tritt dieses erste Szenario aber nicht ein und nur ein Sender bietet für alle Pakete des Live-Spieltages der Bundesliga im TV, greift die "Online-Lösung", mit der ein Konkurrenzangebot mit ausgewählten Spielen (von insgesamt 306) im Internet geschaffen werden soll. Der Markteinstieg für neue – insbesondere ausländische – Rechteinhaber, beispielsweise den US-Riesen Amazon, scheint so deutlich einfacher. Derzeit ist bekanntlich die ARD mit ihrer Sportschau eine Institution im Land, die allerdings durch die Konkurrenz von RTL und den US-Medienriesen Discovery bedroht ist.

Aber es gibt eine einzige gute Nachricht in diesem auf uns zukommenden neu strukturierten Angebot für alle Liebhaber des Fußballsports. Zum Abo-Wirrwarr müsse es nicht zwangsläufig kommen, beschinigt das Kartellamt. Denn Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass sich die Rechteinhaber gegenseitig auch Unterlizenzen einräumen können.



Wirklich „fanfreundlich“ können diese verschiedenen Modelle schon deshalb nicht sein, da sie unter dem Primat der Refinanzierung konzipiert werden, was man ja bereits im Mutterland des Fußballs gut erkennen kann. In der englischen Premier League hatte der Konkurrenzkampf zwischen zwei Pay-TV-Sendern zu einem Mega-Vertrag geführt, der den Klubs ab der kommenden Saison sage und schreibe 3,2 Milliarden Euro pro Spielzeit einbringt. In Deutschland sind es in der kommenden Saison dagegen „nur“ 673 Millionen aus der nationalen und 162 Millionen aus der Auslandsvermarktung.

Und als wäre das unentwegte Lechzen der Proficlubs nach immer neuen, frischen Geldquellen in der Bundesliga noch nicht groß genug, fällt auch gleich noch ein weiteres Tabu. Ab der Saison 2017/18 wird fünfmal am Montagabend gespielt. Das bestätigte Christian Seifert, seines Zeichens Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, am heutigen Dienstag bei der Vorstellung der Ausschreibung der Medienrechte und beschwichtigte in dem Bewußtsein, was für einen Korken er da aus der Flasche gelassen hat sogleich: "Wir reden über fünf von 306 Spielen. Es ist ausdrücklich nicht geplant, künftig noch mehr Montagsspiele durchzuführen, das macht auch sportlich keinen Sinn." Immerhin.

Montagsspiele - der Anfang vom Ende

Grundsätzlich werde es in der kommenden Rechteperiode (bis 2020/21) allerdings "kaum Veränderungen" beim Spielplan geben – sieht man einmal von unscheinbaren Kleinigkeiten ab. In der Bundesliga wird das zweite Sonntagsspiel künftig erst um 18.00 statt wie bisher um 17.30 Uhr beginnen, was die Anreise für Fans an diesem „Scheißspieltag“ auch nicht grade verbessert. Insgesamt wird es zehn "Ausweichspiele" für die Europapokal-Starter geben (fünf am Montag, fünf am Sonntag), die aber in jeden Fall stattfinden - unabhängig davon, wie viele Bundesligisten im Laufe der Saison international noch vertreten sind. Ach wie gut, dass wir wieder zurück in der Champions League sind...

Die fünf „Ausweichpartien“ am Sonntag beginnen jetzt bereits um 13.30 oder 18.00. Bundesliga-Anstoß am Montagabend ist um 20.30 Uhr. Gut für alle Fußballfreunde, deren Club im Unterhaus kickt: die Montagspartie der 2. Liga wird dann auf Samstag verschoben. Eine weitere Änderung: statt vier wird es nur noch zwei englische Wochen geben. Zudem rückt eines der drei Freitagsspiele der 2. Liga auf Samstag (Anstoß 13.00). Das Unterhaus bekommt außerdem zwei exklusive Spieltage. Diese finden allerdings noch vor dem Bundesligastart statt.

Alles in allem muss man feststellen, dass weiter munter an den Stellschrauben zu Lasten derer gedreht wird, die diesem Sport Leben einhauchen – uns, den Fans! Die Gewinnmaximierungs-Bestrebungen in den Vorstandsetagen lassen zu, dass sich die Entscheidungsträger immer weiter vom Fan als solches entfernen. Sie sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen und werden vermutlich erst wach, wenn Stimmung nur noch mit Klatschpappen und musikalischer Dauerberieselung kompensiert werden muss, wie bei der behördlich durchstrukturierten Nationalelf gut zu erkennen ist. Die haben längst Auswärtsspiele im eigenen Stadion. Aber ruhig weiter so, Herr Seifert!


Opens window for sending emailPeter Hoffmann, Fotos: Archiv - 12.04.2016






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