WM 2018 – Sowjets ma Butter bei die Fische

Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Es ist WM, Freunde. Weltmeisterschaft. Geil. Während mein fünfjähriges Ich fröhlich „Un'estate italiana“ von Gianna Nannini schmettert, Brehme nochmal zum Elfer anläuft, Baggio den Ball in den Himmel von Pasadena haut, Blanc dem Barthez seine Glatze küsst und Miro Klose Saltos schlägt, frage ich mich: Wann hat der Fußball eigentlich seine Unschuld verloren?

Vielleicht, als Franz Beckenbauer und Sepp Blatter noch nicht als korrupte Scheißkerle überführt waren? Und die Nationalmannschaft einfach Nationalmannschaft hieß? Ohne Artikel. Ohne Hashtag. Und ohne die scheinheilige DFB-Welt, die sich vom Fan inzwischen so weit entfernt hat, wie Putin vom Rechtsstaat? Apropos Sowj… ähm Russland. Schönes Land. Wirklich. Außer Du bist homosexuell. Oder Journalist. Oder Oppositioneller. Oder Ukrainer. Oder ein kleines Kind in Aleppo. Dann is halt Scheiße. Aber es ist WM, Freunde. Rubel und Kugel rollen. Und wer will sich da die Laune schon von bisschen Korruption, Doping, Krieg und Unterdrückung kaputtmachen lassen? Also beim DFB niemand. Und es wäre ja auch – zugegeben – völlig vermessen zu glauben, man könne die Weltpolitik oder die FIFA zwischen einem Achtelfinale gegen Panama und dem anschließenden, eskalierenden Autokorso durch Castrop-Rauxel mal eben so ändern.


 

Auch wenn der größte Sport- und Fußballverband der Welt, der amtierende Weltmeister, da natürlich so seine begrenzten Möglichkeiten hätte, nicht? Dabei wäre man ja schon froh, wenn der DFB ganz simpel für den Volkssport Fußball einstehen würde. Oder für Pressefreiheit. Oder wenigstens nicht auch noch als Steigbügelhalter für diejenigen dient, die vier Wochen lang ein Event durchchoreografieren, das die Welt zusammenbringt. Während sie an den übrigen Tagen des Jahres alles Erdenkliche versuchen, um die Welt auseinanderzubringen und zu spalten.

Jaja ich weiß. Sich von FIFA, DFB und „Die Mannschaft“ angewidert abzuwenden, mag völlig unpopulär sein und ändern wird es eh nichts. Dann lieber brav das Schland-Fähnchen schwenken, oder? Ist doch schließlich die letzte Sommer-WM für die nächsten acht Jahre. Dazwischen prostituiert sich der eigentlich so wunderschöne Fußballsport dann vier Wochen lang in Katar. Im Dezember.

Und still und leise beneide ich mein fünfjähriges Ich, das im Klinsmann-Trikot fröhlich „Un'estate italiana“ von Gianna Nannini schmettert, während Brehme nochmal zum Elfer anläuft. Damals. Als selbst Italien für die WM qualifiziert war.

Christoff Strukamp – 15.06.2018


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