Und wieder jubeln die Anderen...

Es sind einmal mehr die anderen die jubeln, als der Abpfiff nach einem Finale ertönt, in dem Jürgen Klopp als Trainer an der Seitenlinie stand. Das Europa League Finale war nach dem Champions League Finale 2013, den Pokalfinals 2014 und 2015 mit dem BVB und dem League Cup in dieser Saison mit Liverpool das fünfte Finale in Folge, das Klopps jeweilige Mannen verloren.

Kann Jürgen Klopp Finalspiele? Die Frage geisterte schon vor dem Anpfiff in Basel durch viele Medien. Nach dem Abpfiff eines insgesamt für die Briten enttäuschend verlaufenen Endspiels sahen sich diejenigen bestätigt, die den Pokalsieg 2012 als "Ausnahme" sahen.

Betrachtet man die Spiele, so waren die Niederlagen im Champions League-Finale 2013 und dem Pokalfinale 2014 unglücklich und durch fehlerhafte Schiedsrichterentscheidungen begünstigt (zwei nicht gegebene Platzverweise für Dante und Ribery in 2013 und ein nicht gegebenes Tor in 2014). Auch in diesem Finale wurde die Kloppsche Elf vom Schiedsrichter benachteiligt, als zwei Elfmeter in der elften und 41. Minute nicht gegeben wurden. Gerade der zweite Elfmeter hätte ein 2:0 vor der Pause und damit eine wesentlich bessere Ausgansposition bedeutet.



Letztlich muss man aber konstatieren, dass der LFC trotzdem das Spiel in der ersten Hälfe im Griff hatte und durch das 1:0 mit einer sehr guten Ausgangsposition in den zweiten Durchgang ging. Diese torpedierten die eigenen Mannen wenige Sekunden nach Wiederanpfiff, als sie sich von Sevilla überrumpeln ließen und den schnellen Ausgleich fing.

Danach kam vom LFC gar nichts mehr, Sevilla dominierte das Spiel und die Reds schossen im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte bestenfalls noch ein Mal aufs Tor. Nach dem 3:1 war der Sieg für Sevilla nicht mehr ernsthaft gefährdet, so dass die Spanier nicht in gewohntem Maße ihre größte Stärke ausspielen mussten: Das Zeitspiel.

Liverpools Finalteilnahme war schon außergewöhnlich

Ist Jürgen Klopp jetzt kein Trainer für Finals? Was möglicherweise fehlte, war die Stimmung. Die Emotionalität, die das Kloppsche Spiel ausmacht, braucht es auch von den Rängen. Mit dieser Waffe hatte er einst mit dem BVB das große Real Madrid mit 4:1 versenkt, durch für englische Verhältnisse unfassbar emotionale Fans konnte ein fast sicher verlorenes Viertelfinale gegen den BVB noch gedreht werden. In Basel war die zahlenmäßige Übermacht aus Liverpool groß, doch die Stimmung blieb bis auf wenige Minuten um das 1:0 herum sehr mau.



Man muss aber erkennen, dass der FC Liverpool in England aktuell nur eine Durchschnittsmannschaft darstellt, die Jürgen Klopp im Laufe der Saison so übernommen hat. Mangels Vorbereitung im Sommer und Winter unter dem neuen Trainer und aufgrund der zahlreichen Spiele, konnte er den Reds sicher bisher nicht mehr jenen Stempel aufdrücken, den er selbst gerne hätte. Die kommende Saison wird ihm da mehr in die Karten spielen. Er ist von vornherein an der Personalplanung beteiligt und kann Spieler verpflichten die seiner Spielidee entsprechen.

Die fehlende Teilnahme am internationalen Wettbewerb wird hier auch möglicherweise zum Segen, bietet sie den Spielern doch im sowieso schon eng gestrickten Terminkalender in England Erholungsmöglichkeiten. Die Mannschaft wird in der neuen Saison eine andere Stärke haben, jedoch werden sich auch die anderen großen Teams keine weitere schwache Saison mit einem Sensationsmeister wie Leicester leisten. Jürgen Klopp wird das nicht stören, er konnte große Teams mit vermeintlich spielerisch unterlegenem Team schon oft genug ärgern. Und dann wird er auch wieder Pokale in die Höhe strecken, ganz sicher...

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailJulian Bräker, Bilder: Archiv – 20.05.2016




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