Was kommt nach dem Premier League TV-Deal?

Gigantische 6,5 Milliarden erzielt die englische Premier League für die TV - Rechte, und davon sollen nach Angaben der Liga 1,5 Milliarden £ in die Fußballbasis fließen. Wir fragen uns, welche Auswirkungen wird das auf die Ticketpreise in der Premiere League haben? Wird diese Investition das Ende der Protestbewegung gegen die Wucherpreise im englischen Fußball und der damit verbundenen wöchentlichen Wanderung von englischen Fans in die Bundesliga bedeuten, oder sind viele englische Fans inzwischen nach 'echter Liebe' süchtig geworden? BVB-Fan Benjamin McFadyean analysiert für DIE KIRSCHE die Auswirkungen des Deals.

Sky und BT Sport zahlen die gigantische Rekordsumme von 5,136 Milliarden Pfund für die Live - Übertragungsrechte aus der Premiere League für 2016 - 2017, und angesichts der großen Proteste gegen die Ticketpreise der britischen FSF (Football Supporters Federation/Die Red.), stellt sich für hiesige Fanclubs eines deutschen Vereins wie Borussia Dortmund die Frage, was die Rekordeinnahmen für das Rechtepaket und eine mögliche Reduzierung der Ticketpreise an Veränderungen nach sich ziehen werden. In einer Zeit, in der Dortmund aus der Champions League ausgeschieden ist, und die aktuelle Lage in der Bundesliga die erneute Qualifikation für Europa wenig wahrscheinlich werden lässt, könnte der Strom von englischen Fans, die es insbesondere seit dem deutsch - deutschen Champions League - Finale in die Bundesliga und insbesondere ins Westfalenstadion zieht, möglicherweise versiegen. Aber befassen wir uns mit den Fakten. Es gibt aus meiner Sicht drei Gründe, weshalb die aktuellen Einnahmen aus den Medienrechten in England in solche Höhen geschossen sind:

Der erste Grund ist die Wettbewerbssituation. Eurosport, BeIN - Sport aus Katar, BT und Sky haben um die Rechte konkurrierend mitgeboten. Somit gab es zum allerersten Mal eine wirklich globale Schlacht um die englischen Fußball-TV - Rechte. Diese wurden unter Sky, welches 126 Premier League - Spiele bis 2017 für ungefähr 0,8 Mio. Pfund pro Spiel erworben hat, und BT, die 7,6 Mio. Pfund für jedes 'ihrer' 42 Spiele zahlt, aufgeteilt. Wahrlich astronomische Zahlen, die das Herz eines jeden Bundesliga - Vereinspräsidenten höherschlagen ließen.

Der zweite Grund ist das Marketing. Sky verfügt etwa über 10,5 Millionen Abonnenten, hat aber nie angegeben, wie viele von diesen Kunden allein die Sportkanäle gebucht haben. In der Ausschreibung der Premier League - Rechte geht es um viel mehr, als bloß den Sport allein. Es geht darum, neue Kunden zu gewinnen, um neben einem umfassenden TV-Angebot auch Breiband-, Festnetz- und Mobilfunkpakete verkaufen zu können. Das Fußballpaket wird somit als eine Attraktion für eine breite Masse von Konsumenten angesehen.

Der dritte Grund ist das Produkt selbst, die weltweit etablierte Premier League. Man muss sich nur die Liste der aktuellen Sponsoren in der englischen Liga ansehen, um zu erkennen, dass diese Liga längst auf ein globales und insbesondere das asiatische Publikum abzielt. Acht der Trikotsponsoren in der Meisterschaft 2014/15 sind hauptsächlich auf asiatische Märkte ausgerichtet. Ein stark boomender Markt, den ja auch die Bundesliga verstärkt ins Auge gefasst hat.

Hier sind beispielsweise etwa die QPR Queens Park Rangers mit Air Asia, einer nur in Asien operierenden Fluggesellschaft, oder Everton und Chang Beer, einer thailändischen Biersorte exemplarisch zu nennen Oder etwa der riesige 20 Millionen Pfund-Deal von Liverpool mit Standard Chartered, einer Bank, die keine einzige Filiale in Großbritannien betreibt und über 90 % ihrer Geschäfte in Asien und Afrika betreibt. Der TV - Rechte- Vertrag bestätigt, dass die Premier League längst eine globale Liga geworden ist. Das Interesse an der englischen Liga ist weltweit so groß wie nie zuvor.

Der Vorsitzende von Stoke City, Peter Coates, sagte in einem Interview mit der BBC vergangene Woche:" Es ist ein bisschen übertrieben, nennen wir es obszön. Es ist eine Menge Geld, aber wir haben eine Verantwortung für den gesamten Fußball, und ich bin sicher, dass wir diese Verantwortung wahrnehmen werden". Aber was ist nur mit uns englischen Fußballfans? Haben wir eigentlich auch Verantwortung?


Quelle: Öffnet externen Link in neuem FensterPremier-League-Clubs-Shirt-Sponsorship-Deals

Eine Studie der BBC und Recherchen der englischen Zeitung 'Daily Mirror' wiesen nach, dass englische Fans fast viermal soviel wie deutsche Fußballanhänger zu zahlen haben, und dass die Preise sogar um das dreifache der Inflationsrate im vergangenen Jahr gestiegen sind. In Deutschland, mit seiner Reihe von schillernden Traditionsvereinen wie Borussia aus Dortmund zum Beispiel, wo eine Dauerkarte in der aktuellen Saison in der höchsten Spielklasse mit ca. 200 £ nur etwa 10% von den ca. 2000 £ jährlich für eine vergleichbare DK von Arsenal kostet (der durchschnittliche Preis einer Premiere League Saisonkarte liegt bei stattlichen 508 £), verlangt kein Bundesligaverein solche Preise. Deutschland ist bekanntlich auch das Land des aktuellen Weltmeisters, und auch bei Betrachtung der Champions League-Finalisten der letzten zehn Jahre kann sich die Bundesliga im Vergleich zur Premiere League absolut sehen lassen: Sechs der Finalisten waren Bundesliga - Teams und acht Teilnehmer waren englische Teams.

Dieser dicke TV Deal in der englischen Liga scheint jetzt eine echte Gelegenheit für Clubs, etwas von diesem großen Reichtum an die Fans weiterzugeben. Malcolm Clarke, Vorsitzender der Football Supporters Federration, sagte in einem Interview vergangenen Donnerstag in London, die Situation (hervorgerufen durch den Medien-Rechte-Vertrag/Die Red.) würde den Vereinen jetzt erlauben, die Preise zu senken, wobei sie dann immer noch mehr Geld als vorher hätten. Es bleibt abzuwarten, ob dies ein Wendepunkt sein kann, auf den so viele Fans hoffen. Haben wir auf der Insel tatsächlich einen Höhepunkt des Preisniveaus in der Premiere League erreicht?

Wahrscheinlich nicht. So erstaunlich das klingt, die Premiere League bleibt ein unglaublich attraktives Angebot, nicht nur in diesem Land, sondern eben auch auf der ganzen Welt. Die Kartenpreise in der englischen Meisterschaft werden inzwischen - auch gerade bei solch gigantischen Einnahmen durch die Vermarktung der Medienrechte - zu einem Ziel für Spott und Kritik auf Seiten der englischen Fans, von denen laut einem von BVB Geschäftsführer Aki Watzke dem britischen 'Daily Telegraph' gegebenen Interview zufolge, inzwischen etwa 1000 Fans pro Heimspiel ins Dortmunder Westfalenstadion pilgern.

Bleiben wir beim Beispiel Arsenal. Sie erzielen etwa 45-mal so hohe Einnahmen aus ihren Heimatspieltagen als etwa Borussia Dortmund, doch die günstigste Saisonkarte ist immer noch etwa doppelt so teuer wie Borussias teuerster Platz. Eine Dauerkarte für Dortmunds berühmte Südtribüne, die "Gelbe Wand", Europas größte Stehplatztribüne mit 25.000 springenden und singenden Fans, kostet nur 190 € (160 £). Arsenals günstigster Sitzplatz – Stehplätze gibt es ja nicht - kostet stolze £ 985. Das sind Welten! Deutsche Fans wollen sich eben nicht fühlen wie ein Zuschauer im Theater oder in der Oper, sie wollen sich als ein Teil des Ganzen fühlen und Fußball leben. Gründe, die beispielsweise der US-amerikanische Unternehmer Stan Kroenke nicht versteht. Ihm, der die Mehrheit der 62.217 Arsenal-Aktien seit März 2013 besitzt - was insgesamt 66,83% der Anteile für ein Finanzierungsvolumen in Höhe von umgerechnet etwa 500 Millionen Euro darstellt - sind Fußballfans relativ egal, wenn die Kohle stimmt. Was scheren einen wie ihn schon Faninteressen?

Im Vergleich: die Reise, die sechs Leute von unserem Fancllub zum Spiel gegen den 1. FC Köln am 14 März machten, kostete inklusive Flug und Hotel 150 £. Ein Spiel in Chelsea, Manchester oder Arsenal hätte für Zug und Eintrittskarte vergleichsweise sehr viel mehr gekostet. Wird also eine mögliche Preissenkung in der Premier League in Folge der hohen Einnahmen aus den Fernsehrechten, und die, wegen der möglicherweise fehlenden Europa-Qualifikation angesichts des Tabellenstandes der Borussia in der Bundesliga reduzierte Fernsehpräsenz in England, dem Trend der englischen Fans in Richtung Bundesliga und Dortmund ein Ende bereiten?

Meine Meinung basiert auf den Erfahrungen mit unserem enorm wachsenden BVB Fanclub hier in Londen, der sich inzwischen regelmäßig bis zu 100 BVB-Freunde zum Stammtisch im Londoner Pub "Zeitgeist" und zu Public Viewing Parties versammelt, und auf Facebook mit 1700 Followern die derzeit größte Fangruppe eines deutschen Fanclubs im Ausland stellt. Nein, die einladende Gastfreundlichkeit, vernünftige Preise bei Eintrittskarten, Essen, Getränken und Fanartikeln, günstige Flüge mit Billig- Fluggesellschaften und vor allem die Erfahrungsberichte über die tolle Gastfreundlichkeit uns englischen Fans gegenüber, werden immer mehr englische Fans in die Bundesliga locken. Aber die deutschen Vereine müssen weiterhin, wie es zum Beispiel der BVB im August mit dem fast ausverkauften Freundschaftsspiel in Liverpool gemacht hat, ihre Präsenz auf der Insel ausbauen. Die Bundesligavereine müssen auch Fanclubs im Ausland verstärkt mit Tickets oder aktuellen Informationen unterstützen. Unser Fanclub war in der laufenden Saison bisher nur einmal erfolgreich bei Kartenbestellungen. Damit werden die englischen Fans dann in die Hände der Schwarzmarkthändler getrieben, die ähnliche, wenn nicht noch höhere Preise als die in der Premier League üblichen, verlangen.

Der BVB kann sich nicht alleine auf dem Effekt von Südtribüne/Westfalenstadion ausruhen, sondern er muss sich auch aktiv um die Märkte im Ausland kümmern. Ein gutes Beipiel dafür ist die jährlich stattfindende Südtribünenmeisterschaft, an der wir als Fanclub mit bis zu 100 anderen Borussen - Fanclubs erneut wieder teilnehmen werden. Oder das 'Fan und Legenden Fußballspiel' (mit dem 97er Champions League - Sieger Lars Ricken), in dem, auf Einladung von Borussia Dortmund, einige unserer Mitglieder für Dortmund gegen den FC Sheffield im August mitspielen durften.

Es gibt inzwischen drei offizielle Borussia Dortmund Fanclubs in England, und wir in London sind stolz darauf, einer davon zu sein. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß ein großer Teil des Wachstums des BVB in Punkto Medieneinnahmen, und Trikot- und Fanartikelabsatz auch aus dem Ausland kommen werden. Preissenkungen in der Premier League oder eine fehlende Präsenz im internationalen Geschäft in der kommenden Saison wird der englischen Präsenz kein Ende setzen.

Einmal das Westfalenstadion erleben, und die Beziehung wird eine lebenslange echte Liebe. Aber bekanntlich beruht jede erfolgreiche Beziehung auf Gegenseitigkeit, und man kann nur hoffen, daß gerade in der neuen Saison die Bundesligaclubs - allen voran Borussia Dortmund - ihre neugewonnenen Freunde im Ausland, somit auch Fanclubs wie unseren, mit der dazugehörigen Zuneigung unterstützen werden. Dann bleibt der Travel-Tourismus aus England eine echte Alternative für uns Briten!

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailBen McFadyean - 31.03 2015

Siehe dazu auch:
Öffnet externen Link in neuem Fenster>> Britisches Interesse an Borussia Dortmund keine Überraschung
Öffnet externen Link in neuem Fenster>> Game of Thrones



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