Die Fußballwelt trauert um eine Legende: Eusébio verstorben

Die Fußballwelt hat einen ihrer größten Spieler aller Zeiten verloren. Der portugiesische Nationalheld Eusébio da Silva Ferreira ist am Sonntag im Alter von 71 Jahren an Herzversagen in seinem Haus in Lissabon verstorben. Damit nimmt das Land Abschied von seinem größten Sportidol. Die Regierung kündigte aus diesem Anlass eine dreitägige Staatstrauer an. Der WM-Torschützenkönig von 1966 (neun Tore) prägte eine ganze Generation von Kickern. Seine Geschichte liest sich wie ein Märchen. Geboren wurde er in Lourenço Marques - heute Maputo - Hauptstadt der damaligen portugiesischen Kolonie Mosambik. Schon von Kinderbeinen an war er vom runden Leder verzückt. In seiner Jugend kickte er für Sporting Lourenço Marques, einen Ausbildungsclub von Sporting Lissabon. Mit 18 Jahren wagte er den Schritt nach Europa – nach Lissabon. Doch er ging nicht zu Sporting, sondern zum Stadtrivalen Benfica. Rund um den Wechsel ranken sich noch heute teils mythische Geschichten. Eine besagt: Er sei von Benfica-Verantwortlichen entführt worden und sei solange bearbeitet worden, bis er unterschrieb. Die Wahrheit ist aber wohl: Der Lokalrivale war schlichtweg schneller. Der Aufstieg des „Pantera Negra“(Schwarzen Panther) war kometenhaft. Bereits in seiner ersten Saison wurde der Angreifer portugiesischer Meister. Insgesamt 15 Jahre lang trug Eusébio das Trikot Benfica Lissabons und prägte die bisher erfolgreichste Ära der Klubgeschichte. Der „Pele Europas“ erzielte 317 Treffer in 301 Spielen. Die Adler gewannen mit ihm elf Meisterschaften, fünfmal den Pokal und einmal den Europapokal der Landesmeister (1962) – Vorgängerwettbewerb der Champions League. Über die genaue Anzahl an Treffern ist man sich ebenfalls wie bei seinem Wechsel uneins. Einige geben über 500 Tore an, andere beziffern auf über 300. Einst steht definitiv fest: Eusébio ist Benficas Rekordtorschütze. Seine Verdienste für die Nationalmannschaft sind nicht groß genug einzuschätzen. Bereits mit 19 Jahren debütierte Eusébio. Durch den „König“ (O Rei), wie er auch gerufen wurde, war Portugal wieder in aller Munde – eventuell sogar noch mehr als zu Zeiten von Pedro Álvares Cabral und Christoph Kolumbus. In 64 Spielen erzielte er 41 Tore. Der technisch versierte Angreifer, der über eine enorme Schnelligkeit und Schusskraft verfügte, ballerte sich selbst zum Volkshelden. Zur WM 1966 schoss er die Portugiesen praktisch im Alleingang. Diese Weltmeisterschaft, in der er die Torschützenkanone gewann, sollte jedoch seine Letzte bleiben. Am Ende reichte es nur zum dritten Platz. Dortmund und Eusébio Auch die Geschichte des wohl größten Fußballer Portugals und die Borussia Dortmunds kreuzten sich. Jedoch hat er keine guten Erinnerungen an den BVB. Theo Redder, Linksverteidiger in jener Elf, die im Achtelfinale am 06.11.63 in Lissabon mit 1:2 verlor und am 04.12.63 in Dortmund mit 5:0 gegen Benfica triumphierte, erinnerte sich erst kürzlich zum 50. Jahrestag im BORUSSEUM: "Das war unglaublich damals, wie die uns damals umkurvt haben. Die hätten locker, vier fünf Tore mehr schießen können. Meistens trafen sie Latte, Pfosten oder Hannes hatte ihn." Anmerkung: Eusébio schoss übrigens beide Tore, traf vier Mal Latte und Pfosten. Dieter „Hoppy“ Kurrat mühte sich redlich und verfolgte den portugiesischen Superstar – wie man so schön sagt – „bis auf’s Klo“, was zur Folge hatte, dass Eusébio seinen Widersacher fast würgte vor Wut. Als sie sich nun Anfang Dezember im BORUSSEUM wiedersahen zum 50. Jahrestag des Rückspiels, ging der Weltstar unverzüglich auf „Hoppy“ zu und schloss seinen Schatten von einst friedlich in die Arme. Er hatte ihn auch nach so langer Zeit nicht vergessen. Kurios: Beim Rückspiel im Stadion Rote Erde lief die Fußball-Ikone nicht auf. „Mein verletztes Knie hatte einem Belastungstest meines Trainers nicht standgehalten, also wurde ich nicht aufgestellt“, so der Portugiese beim Traditionsabend im vergangenen Dezember rückblickend. Die Anteilnahme am Tod des Stürmers ist überwältigend. Zahlreiche Bekundungen von Verantwortlichen aus Politik, Film und der Fußballwelt zeugen von der Bedeutung des Portugiesen und rühmen ihn. Rund um die Statue von Eusébio am Estádio da Luz (Spielstätte von Benfica) erstreckt sich ein Meer von Schals, Kerzen, Fahnen und Blumen. Der Verein ging dem letzten Wunsch des Klub-Idols nach und trug den Sarg eine letzte Runde um das Stadion. Zehntausend Portugiesen waren am Montag gekommen, um ihren Star bei seinem letzten Geleit zu begleiten. Ein Verein, ein Land, die Fußballwelt trauert. Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailHolger W. Sitter und Arthur Makiela, 06.01.2014


Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund