Ave DFL - morituri te salutant

Ave Caesar, morituri te salutant - Heil dir, Caesar, die Todgeweihten grüßen dich! Dies war der Gruß der Gladiatoren in den römischen Arenen. Schon damals ging es um die Geburt von Helden und den Reiz des Scheiterns. Die Relegationsspiele der ersten und zweiten Fußballbundesliga sind von der Faszination her den Gladiatorenkämpfen im alten Rom gar nicht mal so unähnlich. Besonders anschaulich in dem vergangen Kampf des wankenden und in die Jahre gekommenen Kämpfers aus Hamburg gegen den Außenseiter aus Karlsruhe. Die Geburt der Helden Es ist die 91. Minute im Karlsruher Wildpark. Der HSV liegt 1:0 zurück, steht quasi mit einem Bein und vier Zehen vor dem ersten Abstieg seiner Vereinsgeschichte. Er wankt, ist stark verwundet und sein Schwert ist mehr als nur stumpf. Manuel Gräfe gibt einen Freistoß nach einem vermeintlichen Handspiel eines Karlsruhers. Wir haben alle gesehen, dass diese Entscheidung nicht bedenklich, sondern schlichtweg falsch war. Mit einigen Tagen Abstand möchte ich Herrn Gräfe keine Absicht mehr unterstellen. Auch für den Schiedsrichter waren es 91 anstrengende Minuten und bis dahin leitete er das Spiel fehlerfrei. Marcelo Alfonso Díaz Rojas, seines Zeichens Mittelfeldspieler, läuft an… Der Rest ist Teil der Heldengeschichte. Ich möchte auch an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass der HSV klar die überlegene Mannschaft war und das Spiel auch völlig verdient mit 1:2 in der Verlängerung gewonnen hat.

Der Fehler liegt im System Der BVB, wie jeder weiß, hat natürlich damals, 1986, extrem von der Relegation profitiert. Wir erinnern uns gerne an das Tor von Jürgen „Kobra“ Wegmann gegen Fortuna Köln - ebenfalls Sekunden vor dem Abpfiff. Wer weiß, wo wir heute stehen würden, wenn es diesen Modus damals nicht gegeben hätte. Bis 1991 fanden also in der Bundesliga die sogenannten Relegationsspiele statt. Damals fanden die Verantwortlichen vermutlich, dass es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit war, das Wohl und Wehe einer Saison von zwei Spielen abhängig zu machen. Ein wunderschöner Gedanke, wie ich finde. 2009 führten die Imperatoren der DFL, unter Berücksichtigung des schnöden Mammons, diesen Modus wieder ein.

Eine Relegation, zwei Geschichten Vor zwei Jahren stieg der KSC nach einem beispiellosen Absturz in die Niederungen der dritten Liga wieder in die zweithöchste deutsche Spielklasse auf. Nach einem sehr guten fünften Platz in der ersten Saison gelang dem KSC eine furiose Aufholjagd in der Rückrunde. Die Geschichte eines Aufsteigers Was in den letzten zwei Jahren beim Hamburger Sportverein passiert ist, ist uns ja fast allen im Gedächtnis. Der Klassenerhalt 2014 ohne Sieg in den Relegationsspielen gegen Greuther Fürth, vier Trainer in einer Saison, schlechte bis katastrophale Außendarstellung der handelnden Verantwortlichen, eine leblose bis lethargische Mannschaft, die schlechteste Offensive der Liga. Die Liste der Verfehlungen bei den Hanseaten ist ellenlang. Festzuhalten bleibt, dass die Hamburger Traditionalisten die Relegation der zweifelhaften Einstellung unserer „Freunde“ aus Gelsenkirchen am letzten Spieltag zu verdanken haben. Die Geschichte eines Absteigers Es bleibt also festzuhalten, dass nach 34 Spielen der HSV den Abstieg und der KSC den Aufstieg verdient gehabt hätten. Trotzdem sieht es der DFL, wahrscheinlich unter Druck der Fernsehanstalten, als richtig an, diese beiden Gladiatoren in einen letzten Kampf auf Leben und Tod zu schicken. Und rein theoretisch geht dieser Plan auch auf. Zwei weitere Spiele vor ausverkaufter Kulisse, gute Einschaltquoten (ca. 9 bis 10 Millionen TV-Zuschauer), die Geburt von Helden beim HSV und das anschauliche Scheitern des KSC. Auf der anderen Seite finden da zwei Hochsicherheitsspiele in einer bedrohlich aggressiven Atmosphäre statt und ein 56jähriger Karlsruhe-Fan erleidet sogar im Hinspiel einen Herzinfarkt im Stadion (zum Glück geht es ihm wieder gut). Aber das ist den Arenameistern der DFL egal. Für mich ist und bleibt die Relegation sportlich und sicherheitstechnisch eine mehr als bedenkliche Veranstaltung. Von daher halte ich es da mit dem Sportdirektor des KSC Jens Todt „Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte“. Bitte, liebe DFL, schließt die Arenen! Fangt bitte wieder an, die sportliche Leistung der Vereine über 34 Spieltage im Positiven wie im Negativen entsprechend zu würdigen. Nehmt den Druck von den Verantwortlichen, den Spielern, den Sicherheitskräften und schließlich und letztendlich von uns Fans. Denn wir sind es, die Euren Wein, Eure Weiber und den Gesang finanzieren. AVE BVB! Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailDennis Lange, Fotos: KIRSCHE-Archiv – 13.05.2015



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