Bis hier hin. Und wie weiter?

Wer am Samstag nach der emotionalen Achterbahnfahrt gegen den FC Augsburg (4:3) durch das Dortmunder Kreuzviertel schlenderte, sah in den meisten Gesichtern gleich zweierlei: Pure Glückseligkeit und Häme. Nicht etwa über die tapferen Augsburger, bei denen  der Torschütze Michael Gregoritsch nach der Niederlage am liebsten „in einen Kübel speien“ würde.

Es war die spöttische Freude über die 0:3-Niederlage des FC Bayern München in der heimischen Arena gegen Borussia Mönchengladbach. Und über die aktuelle Tabellensituation. Während die Borussia mit 17 Zählern nach sieben Spielen von der Spitze grüßt, purzelten die Bayern nach der leidenschaftslosen Partie gegen die Elf vom Niederrhein auf Rang sechs, der Rückstand auf den BVB beträgt vier Punkte.

Jetzt ist Länderspielpause an. Zeit, um durchzuatmen. Zeit, um mit klarem Blick auf wilde Wochen zurückzublicken. Dann fällt auf, was gut läuft. Die Sommereinkäufe waren allesamt Volltreffer.



Thomas Delaney ist der gewünschte Mentalitätsspieler, der seiner Mannschaft Vertrauen und Rückhalt gibt. Achraf Hakimi hat Oldie Lukasz Piszczek den Rang abgelaufen und sorgt für Offensivpower. Abdou Diallo funktioniert als Innenverteidiger hervorragend mit Manuel Akanji und beschert dem BVB eine seit dem Abgang von Mats Hummels vermisste Spielkultur schon aus der zentralen Defensive heraus. Marius Wolf ist eine kostengünstige und flexible Allzweckwaffe. Paco Alcacer trifft nach Belieben, im Schnitt netzt der Spanier alle 13,5 Minuten ein. Eine Wahnsinnsquote. „Sein Torabschluss ist unglaublich, er ist eine gute Verstärkung für uns“, schwärmt Akanji von Alcacer. Der Königstransfer war jedoch Axel Witsel, der das Spiel der Borussia im Rückwärtsgang absichert und im Angriff ankurbelt.

Dafür, dass das alles passt, sorgt Trainer Lucien Favre. Er sorgte zunächst für eine defensive Stabilität. Die ist auch der Grund, warum Vergleiche zum ebenfalls furiosen Saisonstart der vergangenen Spielzeit unter dem damaligen Coach Peter Bosz unpassend sind: Das Fundament steht.

Das sieht auch Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, so: „Ich glaube, dass die Mannschaft eine ganz andere Stabilität zeigt. Der Entwicklungsprozess ist deutlich vorangeschritten, sodass wir in der Defensive besser stehen und immer wieder den Unterschied machen können.“



Dazu reagiert Favre perfekt auf oftmals holprige Anfangsphasen. Zum einen mit den richtigen Wechseln zur richtigen Zeit, zum anderen mit Systemwechseln, die die Gegner vor unlösbare Aufgaben stellen. Gegen Augsburg wurden alle vier Treffer durch Spieler von der Ersatzbank erzielt. „Es war eine Qualität in den vergangenen Wochen, so zurückzukommen und nachzulegen. Das zeigt zudem, wie fit die Mannschaft ist. Die Auswechselspieler haben gegen Augsburg wieder den Unterschied ausgemacht“, sagt auch Kehl.

Doch bereits jetzt die Schwarz-Gelben als Meisterschaftsfavoriten auszurufen wäre zu früh. Bei der TSG Hoffenheim und in Leverkusen holte Dortmund glücklich die Punkte, wilde Aufholjagden wie jetzt gegen den FCA werden nicht immer von Erfolg gekrönt sein. Und der FC Bayern wird auch wieder Spiele in gewohnter Manier gewinnen. „Ich weiß aus langjähriger persönlicher Erfahrung, dass es auch schwierige Phasen geben wird. Wenn es immer so weitergehen würde, wäre es zu schön“, meint auch Kehl, der aber anfügt: „Aber im Moment genießen wir es einfach.“

Martin Bytomski, 10.10.2018




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