Veni, vidi, Witsel

Auch wenn das Preisschild von "nur" 20 Millionen Euro etwas anderes sagt - Axel Witsel ist der Königstransfer von Borussia Dortmund im Sommer 2018. Unter Beweis stellte er dieses Prädikat bereits bei seinem Pflichtspieldebüt. Beim 2:1-Last-Minute-Sieg in der ersten DFB-Pokalrunde beim Zweitligisten Greuther Fürth erreichten die Schwarz-Gelben erst dank seines Premierentreffers zum zwischenzeitlichen 1:1 die Verlängerung. Witsel kam, sah und siegte. Wir haben den Belgier genau beobachtet und wagen einen Blick in die Zukunft.


Was bringt Witsel dem BVB?

Bei seinem fulminanten Debüt war sofort zu sehen, warum sich die Dortmunder Verantwortlichen um Sportdirektor Michael Zorc intensiv um einen Transfer von Witsel ins Ruhrgebiet bemühten: Er ist ein Macher. Wie ein Magnet zog der WM-Dritte des Sommerturniers in Russland das BVB-Spiel an sich. Stets von seinen Mitspielern gesucht, zog er die Fäden bei den Borussen.

Wo ist er am besten aufgehoben?

Nach seiner eleganten Direktabnahme zum 1:1: im Sturmzentrum! Doch das Gedankenspiel, mit der Witsel-Verpflichtung auch die Sorgen im Angriffszentrum ad acta legen zu können, ist selbstverständlich kein realistisches. Witsel ist ein klassischer Sechser, der das Spiel vor der Abwehr gestaltet. Mit seinen Pässen und Ideen soll der 29-Jährige das Gehirn des Teams werden.




In Fürth gelang das in den rund 40 Minuten bereits vorzüglich. Neben seinen strategischen Fähigkeiten ist er auch ein begnadeter Techniker und findet deshalb auch unter hohem Druck sinnvolle Lösungen. Außerdem ist er - gerade für seine 1,88 Meter - durchaus spritzig und kann dank seines Antritts in Kombination mit seiner Dribbelfähigkeit auch mal einen Gegenspieler im direkten Duell stehen lassen. Es macht sich bezahlt, dass Witsel seine Karriere als offensiver Mittelfeldspieler begann.

Was ist ausbaufähig?

Die Kommunikation. Von Deutschkenntnissen ist bei Witsel nichts bekannt, auch ohne die Sprachbarriere gilt der Wuschelkopf nicht als Lautsprecher. Dennoch waren bereits in der Partie bei den Kleeblättern einige zaghafte Anweisungen zu sehen. Doch wenn der erfahrene Profi - neben Thomas Delaney - der gewünschte und vielzitierte Mentalitätsspieler werden soll, wird sich Witsel zügig an das neue Umfeld, die neuen Kollegen und Trainer Lucien Favre gewöhnen müssen. Die Voraussetzungen zum Führungsspieler sind dank vieler Stationen im Ausland und bei der belgischen Auswahl fraglos vorhanden.

Wer muss weichen?

Julian Weigl. Der einstige Senkrechtstarter dürfte am meisten unter der Verpflichtung von Witsel zu leiden haben. Denn genau wie der Zugang von Tianjin Quanjian braucht Weigl viele Ballkontakte und ist - zumindest an guten Tagen - Regisseur des Dortmunder Spiels. Mit Blick auf seinen verletzungsbedingten Rückstand dürfte der 22-Jährige zu Saisonbeginn das Nachsehen haben. Ein Duo Weigl/Witsel hätte zwar einen gewissen spielerischen Charme, dem aber die Dynamik abgeht. Deshalb heißt es wohl: Entweder Weigl oder Witsel.




Dass es für Nuri Sahin und Sebastian Rode fast unmöglich wird, Spielzeiten zu bekommen, liegt auf der Hand. Wie es heißt, soll dem Duo bei einem Angebot kein Stein in den Weg gelegt werden. Dahoud, Delaney oder Mario Götze dürften indes nicht unter dem Einkauf des 96-fachen Nationalspielers zu leiden haben, da sie als dynamische Achter zusammen mit Witsel auflaufen können.

Bricht der BVB mit Witsel in eine bessere Zukunft auf?

Fraglos: Witsel könnte ein wichtiges Mosaiksteinchen werden, er bringt unheimlich viel Qualität mit sich. Er hat das Potenzial, seine Mitspieler besser zu machen. Doch ein Witsel alleine macht noch keinen Neuanfang. Der BVB hat auf den Außenverteidiger-Positionen oder im Angriffszentrum noch Verbesserungsbedarf. Somit stehen noch viele Fragezeichen im Raum, ob es unter der Regie von Favre nach der turbulenten letzten Saison wirklich wieder aufwärts geht.






Autor: Martin Bytomski, Fotos: Archiv - 22.08.2018





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