Eisiger Montag: Ein machtvolles Zeichen der aktiven Fanszene des BVB

„Diese große Ablehnung habe ich in der Form nicht erwartet, da muss man ehrlich sein“ sinnierte Aki Watzke gestern mit Blick auf ein Stadion, dass – statt wie gewohnt ausverkauft – nur zu zwei Dritteln besucht war. Und wie Watzke dürfte es vielen gegangen sein: Den Herren bei DFL und DFB, die ja eigenen Aussagen zufolge so gar nichts zu Montagsspielen motiviert; die Medien (in der Halbzeit geisterten über die Pressetribüne Zahlen um die 65.000); und nicht zuletzt die Aktiven vom Bündnis Südtribüne, von der Fan- und Förderabteilung und anderen, die sich für einen Protest stark gemacht haben und sich selbst über den Erfolg ihres Aufrufs gewundert haben dürften.

Gegen die totale Verfügbarkeit des Fußballs für kommerzielle Zwecke


Es geht bei den Protesten nicht um ‚die zunehmende Kommerzialisierung‘, die immer wieder durch die Medien geistert – es geht um die totale Verfügbarkeit des Fußballes im Dienste wirtschaftlicher Interessen. Die aktive Fanszene hat über Jahrzehnte das gemeinschaftsstiftende Erlebnis Profifußball zu dem gemacht, was es ist – ein Organismus, der zigtausende beschäftigt. Milliarden umsetzt, eigene Mediensparten unterhält, die sonst so nicht existierten.



Zu diesem Gemeinschaftserlebnis gehört das Wochenende, gemeinsame Zeit mit Freunden, Unverfügbarkeit – was auf Fußball übersetzt heißt: Samstag 15:30 Uhr – oder zumindest wenige Anstoßzeiten nur am Wochenende. Aber da, wo die Ökonomie ins Rollen kommt, wo Geld  zu verdienen ist, da wird eben nicht nach Sinn gefragt, und Gemeinschaft interessiert nur, wenn man ihr Trikots und Bier verkaufen kann. Diese beiden Züge, das Verwertungsinteresse am Fußball und die Fanbewegung, rasen derzeit aufeinander.  Und dass der Fanzug so stark ist, dass er Fans dazu bewegen kann, knapp 30.000 Plätze unbesucht zu lassen – das hat wohl kaum jemand geahnt.

Macht bringt Verantwortung


Die aktive Fanszene sollte sich nicht dazu verleiten lassen, diese Macht ohne Maß auszuüben. Die Chancen dafür, dass DFL und Vereine zum Ablauf des Vermarktungsvertrages zurückrudern und die Montagsspiele einstellen stehen aktuell nicht schlecht. Es kann daher nicht darum gehen, die Power der Fans sinnlos zu verbrennen, sondern bewusst einzusetzen. Zudem sollte man nicht außer Acht lassen, dass diese Aktion auch einen Keil in die Fanbewegung getrieben hat. Im Stadion selbst, bei den public viewings und in den zahllosen Foren gibt es eine große Zahl von Fans, die das Mittel des Boykotts strikt ablehnen – teils aus eigenem Interesse (weil ihnen die Termine unter der Woche durchaus zupass kommen) , teils weil sie die Mannschaft unterstützen wollen. Die entsprechenden Kommentare sind durchaus aggressiv und  mitunter nicht jugendfrei. Es wäre an der Zeit, diese beiden Fanblöcke ins Gespräch zu bringen, damit aus dem Keil zwischen ihnen kein Riss wird.



Gestern ist in Dortmund etwas in Bewegung gekommen. Wenn die Beteiligten klug agieren, dann können aus dem eisigen Montag noch viele heiße Wochenenden werden.

Opens window for sending emailKurt A. Pohlkötter



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