BVB will Torwartdiskussion ausblenden

Was ein Wahnsinn, oder besser gesagt: Dortmund wie es leibt und lebt (bebt!). Fakt ist, dass Bürki in der Champions League deutlich schwächere Leistungen zeigt als in der Bundesliga. Er hält weniger Bälle, vereitelt weniger Großchancen und bringt zu allem Überfluss auch noch weniger Pässe an den Mitspieler.

Vorne Hui, hinten pfui, oder anders ausgedrückt: Der Angriff hat das Potenzial stellenweise Weltklasse abrufen zu können, doch hinten tritt auch schon einmal Kreisklasse offen zutage. Das System von Trainer Bosz ist für Spektakel geeignet, aber ebenso gefährlich, wenn die Defensivakteure nicht schnell genug und vor allem nicht handlungsschnell genug agieren.  

Nun könnte man ja berechtigt entgegnen, immerhin fünf Bundesligaspiele gelang es keinem Team, Dortmunds Abwehr zu überwinden, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Alle Mannschaften hatten durchaus Torgelegenheiten, scheiterten aber aus diversen Gründen. Irgendwann ist dann das Glück mal aufgebraucht.  Zu alledem kommen aktuell die Probleme mit dem Torsteher, dessen Nervenkostüm scheinbar an Grenzen stößt.

Bosz: „Er hat gepatzt, das weiß er selbst“

Roman Bürki, die aktuelle Dortmunder Nummer 1 lieferte final einen kapitalen Patzer zur nun unsäglich aufkeimenden Diskussion: Total unbedrängt und ohne Not spielte er einen Ball in die Füße von Lorenzo Ebecilio, daraus resultierte ein Torschuss und diesen schwachen und unplatzierten Schuss ließ der Keeper nach vorne abprallen, sodass der Ex-Dresdener Mickael Poté in aller Seelenruhe ins leere Gehäuse einschieben konnte. Glücklich sieht anders aus!

Für Bürki kommt dieser Doppelpatzer zu einem ganz und gar ungünstigen Zeitpunkt, da der Schweizer schon seit Wochen in der Kritik steht. Beim 1:3 gegen Tottenham vor einem Monat wurde Bürki zweimal in der „kurzen“, der Torwart-Ecke, überwunden. Und am Samstag im Spitzenspiel gegen Leipzig war er an zwei der drei Gegentore maßgeblich mitschuldig.

Und da derlei „Kabinettstückchen“ sich nun mal im Bewusstsein der Öffentlichkeit an einer Perlenkette aneinander reihen,  werden eben auch die Erinnerungen wach an die beiden Gegentreffer Bürkis in Wembley, wo es Harry Kane ein leichtes war, aus spitzem Winkel ins Dortmunder Tor zu vollstrecken. Und Borussia? Trotz des Patzers in Nikosia steht der Club zu seinem Torhüter: "Wir sind zufrieden mit ihm", sagte Sportdirektor Michael Zorc gegenüber dem ‚kicker‘. Die Gespräche über eine Verlängerung des bis 2019 gültigen Vertrages werden fortgesetzt. Gegenüber der ‚Funke-Mediengruppe‘ erklärte Bürki: "Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als hier zu spielen. Ich glaube, dass es bald eine Entscheidung geben wird."

Fokus muss auf besserem Abwehrverhalten liegen

Ok, kann man so machen. Es ist jedoch lediglich ein Übertünchen der Symptome, wenn man einfach das beliebte „Schwamm drüber“- Mätzchen abspult. Aber es wäre ebenso fatal, würde man jetzt den derzeitigen miserablen Gesamteindruck der Abwehrleistung allein am Eidgenossen festmachen. Piszczek (32/fällt den Rest des Jahres aus) und Schmelzer (fast 30) sind – wie man so schön sagt – im fortgeschrittenen Alter der Entwicklungsstufe. Zagadou (18) und Toljan (23) sind noch längst nicht soweit, um echte Alternativen im Rahmen der aktuellen Ansprüche zu sein. Bleibt einzig Europameister Guerrero, der indes schmerzlich vermisst wird.

Borussia besticht ja seit Jahren durch umsichtiges und extrem erfolgreiches Scouting. Vielleicht kursiert deshalb im Nachbarland das Dortmunder Interesse an Ajax-Ass Matthijs de Ligt (18). Halb Europa jagt derzeit dieses Top-Talent, dessen Vertrag noch bis 2021 läuft. Hoffen wir aber, dass der sympatische Peter Bosz bereits vorher den Deckel drauf kriegt, denn bekanntlich gewinnt „Abwehr“ Meisterschaften!


Opens window for sending emailPeter Hoffmann, Fotos: Archiv/IM Football – 19.10.2017






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