Ein Gedankenspiel zu den Riots

Ein Kommentar von Sascha Rudolph


Ich habe heute die freudige Nachricht gelesen, dass die Riots sich auflösen. Nun, das ist für mich erst mal eine sehr gute Nachricht. Ich freue mich darüber, dass man offenbar diese Gruppierung so stark unter Druck gesetzt hat, dass sie scheinbar klein bei geben. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass es ein Sieg auf ganzer Linie ist, aber ist es das wirklich?

Über was reden wir hier? Über eine Gruppierung, die sich aus Gleichgesinnten, aus verschiedenen Fanclubs oder sonstigen Zusammenschlüssen von angeblich dem BVB zugeneigten Fans vereinigt haben, um in erster Linie Unruhe zu stiften und Gewalt zu verbreiten.

Und nun ganz plötzlich: Auflösung! Diese Menschen verschwinden ja leider nicht einfach so, sie sind immer noch da und ihre Gesinnung und Motivation haben sie ja vermutlich auch nicht aufgegeben, möchte ich mal vorsichtig anmerken. Das wäre gewiss wünschenswert, aber das wird wohl eher nicht der Realität entsprechen. Ich denke der Mensch ist, wie er ist und nur weil man sich „offiziell“ und werbewirksam auflöst, muss das ja nicht das Ende sein.

Man könnte sich einen anderen Namen ausdenken, oder auch einfach anonym weiter machen. Man muss sich ja nicht „offiziell“ einen Namen geben, wenn die Richtung klar ist. Man kennt sich untereinander, und wie einfach ist es in der heutigen Zeit im Zeitalter der digitalen Vernetzung, sich zu verabreden oder zu organisieren, ohne eine „offizielle“ Gruppierung zu sein. Man würde erst mal relativ einfach „unter dem Radar fliegen“ und weniger bis gar keine Angriffsfläche bieten. Das schönste daran wäre: man würde seine diversen Verfolger in Sicherheit wähnen.

Hooligans haben sich schon immer vereinigt, vielleicht weil sie alleine zu feige sind und/oder sich scheinbar über Gewalt definieren. Ich weiß es nicht genau und ich denke so einfach ist es auch nicht, da die Motivation wohl auch unterschiedlich verteilt sein wird. Der harte Kern umfasst nach unseren Informationen bis zu 50 Leute, die sich vor allem aus Abspaltungen der Ultragruppen "Jubos" und "Desperados" zusammensetzen.

Man scheint sich aber immer wieder profilieren zu wollen. Man ist uneinsichtig, hält sich nicht an Vorschriften und schadet gerne immer wieder mal dem Verein. Man schüchtert gar nicht Gewaltbereite ein, um seinem Ziel näher zu kommen. Aber was ist das Ziel dieses zur Gewalt bereiten Zusammenschlusses? Ich denke ein normaldenkender Mensch, der Gewalt nicht gut heißt, kann das nicht nachvollziehen.

Ich weiß nicht, ob ich die Eier in der Hose hätte, gegen die Leute vorzugehen, wenn sie vor mir stehen. Ich weiß auch nicht ob ausgerechnet ich Anzeige erstatten würde, da denen dann der eigene Name bekannt würde. Unsere „Rechtsorgane“ funktionieren meiner Meinung nach nicht zufriedenstellend, und Schutz ist sowieso nicht möglich, also ist es ein nicht eben geringes Risiko, welches man da eingeht. Von daher bin ich eigentlich froh, dass sie sich jetzt – ich sage immer noch unter Vorbehalt - selbst aufgelöst haben.

Es wird also die Zeit zeigen, wie endgültig die Riots wirklich von der Bildfläche verschwinden, oder ob es sich um ein strategisches Manöver handelt. Denn ich bezweifle diesen plötzlichen Rückzug allerdings stark und denke, geringe Angriffsfläche zu bieten könnte das Motiv sein, um es den Behörden und dem Verein schwerer zu machen, bei deren Aktionen dazwischen zu pfuschen und sie bei häufigen strafrelevanten Handlungen zu erwischen.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Opens window for sending emailSascha Rudolph, 25.07.2017

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Die Erklärung im Wortlaut:

Entgegen unserer Angewohnheit keine offiziellen Erklärungen oder Stellungnahmen abzugeben, werden wir uns heute ein erstes, einziges und vor allem letztes Mal öffentlich zu Wort melden: Wir erklären mit sofortiger Wirkung die Auflösung unserer Gruppe, die in der Öffentlichkeit vor allem unter dem Namen RIOT0231 bekannt ist. ‎Über die genauen Gründe, über die wir uns hier nicht äußern werden, möge sich wie üblich die werte Presselandschaft und die Experten der verschiedenen Fanmagazine das Maul zerreißen. Wir werden euch kein Futter mehr liefern. Allen Wegbegleitern an dieser Stelle natürlich ein großer Dank für die schweren und guten Tage, Monate. Und selbstverständlich viel Erfolg an allen Tagen die noch auf euch zukommen. Unser Weg nimmt an dieser Stelle ein Ende. RIOT0231 im Juli 2017



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