Ja spinnt’s ihr denn?

Als hätte es nicht genug andere Sorgen in dieser Saison gegeben, hauen sie sich bei Borussia jetzt gegenseitig vor den Kopf. Ein Kommentar.

Drei Spiele vor dem Ende einer in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Saison rappelt es beim BVB. Die Fortsetzung des Engagements des Trainers scheint gerade nicht sehr wahrscheinlich. Der schwarzgelbe Fan reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, warum wir jetzt nicht einmal mehr Bayern, Leipziger oder Hoppenheimer brauchen, um öffentlich zu streiten.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte in einem Interview mit der Funke Mediengruppe erstmals bestätigt, dass er mit seinem Trainer „einen Dissens“ hatte. Vor allem die Kritik am schnellen Fußballspiel nach dem Anschlag stieß ihm wohl sauer auf. Zudem hatte der BVB-Boss erklärt, dass eine Vertragsverlängerung mit Tuchel, nicht nur vom sportlichen Erfolg abhänge, sondern auch Fragen wie Kommunikation, Strategie oder Vertrauen eine Rolle spielten. Das ließ viel Raum für Spekulation, zumal Watzke als gewiefter Profi solche Aussagen sicher genau abgewogen haben dürfte.

Danach bleibt der Sieg und der damit verbundene Sprung auf Rang drei fast eine Petitesse. Die Journalisten stürzen sich mit Freude auf den hausgemachten Streit zwischen Watzke und seinem Trainer Tuchel. Spiegel online schreibt schon, dass die Situation „eine Trennung von Tuchel nach dem Saisonende wahrscheinlich erscheinen lässt“. Die Süddeutsche schreibt: „Ein mediatorisches Wunder, und nichts anderes wäre es, sollten der BVB und Thomas Tuchel über das baldige Saisonende beieinanderbleiben, scheint ausgeschlossen zu sein“

Weiter weist der Autor darauf hin, „Wenn man nach einem einschneidender Vorfall wie dem Anschlag auf den eigenen Mannschaftsbus nicht zusammenrückt, sondern, im Gegenteil, weiter auseinanderdriftet, kommt jede Schlichtung zu spät“.

Und jetzt packen die Medien alle gern aus. Die einen kramen den Streit und das angebliche Nichtverhältnis zwischen BVB-Chefscout Sven Mislintat und Tuchel hervor (Spiegel), andere führen die deutliche Kritik von Tuchel an seinen Spielern nach den Niederlagen in Frankfurt und Darmstadt an (Süddeutsche), weitere wissen von angeblich „wenig harmonischen Verhältnis“ zu einigen Profis (FAZ). Das ganz große Chaos im Klub wollen da offensichtlich einige herbeischreiben. Und das alles soll jetzt helfen, die Kuh vom Eis zu bekommen?

Liebe Leute, was wir jetzt brauchen ist Ruhe und Konzentration. Denn genau, wie der Trainer sagt, gibt es noch drei wichtige Spiele, die man alle gewinnen muss, gewinnen will, um die Saison zu krönen. Wenn der dritte Platz und damit der direkte Einzug in die Champions League geschafft, der Pokal in Dortmund steht, dann könnt ihr euch wie erwachsene Männer an einen Tisch setzen und mögliche Differenzen ausdiskutieren.

Wenn es dann sein muss, auch mit einer Trennung – doch jetzt so eine Diskussion in die Mannschaft, ins Umfeld mit den Fans zu tragen, wirkt schon ziemlich merkwürdig.  „Man kann über den Inhalt, vor allem aber über den Zeitpunkt von Watzkes Wortmeldung, nur den Kopf schütteln“, heißt es bei 11 Freunde – mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

Opens window for sending emailAndreas Römer, 8.5.2017




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