Kevin ist nicht allein zu Haus!

Das Glück war plötzlich nicht mehr an seiner Seite. Der strahlende Ur-Dortmunder, der als Identifikationsfigur des einheimischen Traditionsclubs Dortmunds Tugenden so sehr verkörperte – er war aussortiert worden bei seinem Herzensclub. Bei Borussia Dortmund war Großkreutz' unter Thomas Tuchel nicht mehr regelmäßig zum Einsatz gekommen. Und dies nicht nur, weil er häufiger verletzt war.

Die überstürzte Flucht zu Galatasaray Istanbul und Poldi war begleitet durch das Prädikat „Pleiten, Pech & Pannen“, denn wegen eines Formfehlers beim Transfer war er, der Vollblutfußballer, zunächst monatelang gesperrt. In dieser Zeit reifte der Keim des Heimwehs. Fremde Kultur, strenge Sitten, unbekannte Gebräuche, dazu nur Testspiele, kaum auf Wettkampfniveau. Das war nicht das Wohlfühlklima, dass einer wie er nun mal braucht zur optimalen Entfaltung.

Dann hat Kevin etwas gegen sein Heimweh getan und ausgerechnet beim VfB Stuttgart Unterschlupf gefunden. Rund 2,5 Millionen Euro Ablöse ließen sich die Schwaben den „Evinger Jungen“ kosten – ein Indiz für sein Leistungsvermögen. Aber Stuttgart ist menschlich ein schwieriges Pflaster. Der Schreiber dieser Zeilen hat als Ruhrpottjunge selbst einige Zeit dort gelebt. Der Stuttgarter an sich ist für gewöhnlich ober korrekt und verzeiht ein Leben lang nicht.

Die aktive Fanszene beäugte den bekennenden Dortmunder mit Argusaugen, weniger wegen Pinkel- und Döner-Affäre, sondern eher wegen der kaum glaubhaften Identifikation. Doch Kevin überzeugte. In den schweren Stunden des Abstieges war er es, der ein Zeichen setzte und blieb. Sein Charakter ließ es nicht zu, den Club, dem man diesen Schlamassel eingebrockt hat, Hals über Kopf durch die Hintertür zu verlassen wie viele andere. Kevin Großkreutz ist halt ein echter Typ – gradlinig, authentisch und zum anfassen!



Doch auch mit 28 Jahren war und ist er noch immer „Lausbub“ geblieben. Die Folge einer unrühmlichen Nacht stellt den bisherigen Tiefpunkt dar: Der VfB Stuttgart suspendierte den Fußball-Weltmeister und der schien ins Bodenlose zu stürzen. Dass er den Arsch hatte, sich auf einer PK zu stellen und sich offen zu seinen Fehlern zu bekennen, verblüffte nur die, die ihn nicht kennen. In tiefer Betroffenheit hatte er dort an jenem 3. März aber auch angekündigt, sich „vorerst“ aus dem Profi-Fußball zurückziehen zu wollen.

Doch jetzt kann Kevin Großkreutz auf eine Rückkehr zu seinem Stammverein hoffen – und das als gern gesehener Trainingsgast. Der langjährige Dortmunder Profi will, wie man hört, in der 2. Mannschaft in der Regionalliga West mittrainieren. Das ist absolut zu begrüßen! In Zeiten der Überkorrektheit und haufenweise glattgebügelter Typen sind Fehler „seiner Kaliber“ nicht nur verpönt, sondern extrem unerwünscht. Profis sind immer noch Vorbilder (auch wenn man sich nur all zu oft fragt, für wen eigentlich?).

Gewiss, der Dortmunder hat schon (zu) oft in die Scheiße gepackt. Aber dafür hat er auch geblutet und es wurden ihm drakonische Strafen aufgebürdet. Aber so Paradox es klingt: Kevin ist tatsächlich mehr Vorbild als Rowdy für die Jugend da draußen. Seine Ecken und Kanten, seine ehrliche Identifikation mit Heimat und BVB sind sprichwörtlich und glaubhaft. Doch wenn er nicht spätestens jetzt kapiert hat, dass es so nicht mehr weitergehen kann in seinem Leben, wann dann?

Hoffen wir, dass dieser Abwärtstrend sich in heimischem Umfeld wieder verkehrt und ihm seine Dortmunder alsbald wieder zujubeln. Kevin hat auf jeden Fall eine zweite Chance bei „seinem“ BVB verdient! Danke, dass Ihr sie ihm ermöglichen wollt...

Opens window for sending emailPeter Hoffmann, Fotos: Archiv - 16.03.2017




Nächstes Spiel: Borussia Dortmund vs. SV Werder Bremen
Aktuelle Infos // Pressekonferenz // Statistik
Copyright 2011 - Gib mich die Kirsche - Das Fußballmagazin aus Dortmund