Die Süd ist tot – Lang lebe die Süd!

Wer wem in die Karten gespielt hat, lässt sich nicht genau feststellen. Sicher ist nur, dass sie ermordet wurde – die SÜD. Es sind viele Täter, unzählige aber schweigende Zeugen, Mitläufer, Sympathisanten der Täter… zu viele, um alle aufzuzählen.

Jetzt, wo die SÜD dahin gerafft wurde nach längerem, grausamem Siechtum, melden sich tausende zu Wort, folgen dem Mainstream. Unbeteiligte, Betroffene, Politiker, bigotte Medien und Fanzines, selbstherrliche Fußballfunktionäre und sogar ein Bundestrainer. Immer drauf hauen auf diese schwarzgelben Unmenschen, auf diesen zwölften Mann, dem man in den letzten Jahrzehnten nicht beikommen konnte. Was soll´s, wenn auf Unschuldige verbal eingeprügelt wird, wenn Unschuldige bestraft werden: mit vereinten Kräften kriegen sie die schwarzgelbe Lebensart schon klein. Das Schlimme ist, dass Feinde dieser Lebensart sogar in den eigenen Reihen der BVB-Familie zu finden sind.

Seit über einem Jahr hat die KIRSCHE auf das Leiden und Wimmern der SÜD hingewiesen. Wir haben berichtet, wie BVB-Fans aus den „eigenen Reihen“ drangsaliert und bedroht wurden. Wir haben versucht, in Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften die Öffentlichkeit über den schlimmen Zustand der SÜD zu informieren und damit zu sensibilisieren – nichts hat geholfen. Stattdessen wurden wir belächelt, man hat sich lustig über uns gemacht, versuchte uns gar in die „rechte Ecke“ zu stellen und wir wurden ebenfalls bedroht. Die große Masse… schwieg.

Unverschämt und dumm!

Der DFB hat jetzt die SÜD zum Schweigen gebracht – zigtausend Unschuldige wurden quasi in Sippenhaft genommen, damit die Fußballfunktionäre sich nach außen hin als „Herren über die Situation“ darstellen und ihre Hände in Unschuld waschen können. Sie statuieren an den BVB-Fans ein Exempel wegen „Schmähbannern“ der „Ultras“, die in vielen anderen Stadien in der Bundesliga in der gleichen oder ähnlichen Form ungestraft Verwendung fanden. Schlimmer noch aber verhielt sich ein großes BVB-Fanzine, dem gute Verbindungen in die „Szene“ nachgesagt werden: Die Vorkommnisse auf der SÜD, der Einsatz von Pyrotechnik, die stillosen Beschimpfungen sogar gegen den eigenen Geschäftsführer in den letzten Monaten und Jahren wurden verharmlost, verteidigt, gutgeheißen.



Aber in den Tagen nach dem Heimspiel der Dortmunder gegen die Marketingtruppe aus Leipzig folgte man dem Anti-Gewalt-Hype der Fußballöffentlichkeit und schwang sich zum Meinungsführer auf. Übernahme von Verantwortung? Fehlanzeige! Bigotter geht nicht. Es geht nur „noch dümmer“: Der Versuch der einen oder anderen „Fangruppierung“, die Rede des BVB-Kapitäns Marcel Schmelzer vor dem Spiel gegen die Hertha aus Berlin zu übertönen, ist an Unverschämtheit und Dummheit nicht zu überbieten – hoffe ich zumindest.

Das Schweigen der SÜD im Spiel gegen den VfL Wolfsburg wird zu einem Sinnbild des Scheiterns und Versagens werden: Zum einen hat der DFB versagt – Gewalt und Pyrotechnik werden an diesem Tag woanders Anwendung finden. Des Weiteren hat er Unrecht begangen, indem Unschuldige bestraft wurden für Dinge, die er andernorts durchgehen ließ. Zum anderen sind die „Hüter der Fußballtradition“ mit ihrer Glaubwürdigkeit gnadenlos untergegangen – trotz ihrer unbestrittenen Erfolge bei der Durchsetzung von Faninteressen gegenüber den Vereinen scheinen diese Gruppierungen die Bodenhaftung verloren zu haben und versetzten der SÜD mit ihrem Gebaren den endgültigen Todesstoß. Unsere Tradition sieht anders aus!

Der Schaden ist immens

Was in 108 Jahren an Image, Lebensart und Tradition aufgebaut wurde, haben einige wenige in den vergangenen Monaten mutwillig zerstört. Diese Täter und deren Sympathisanten haben dafür gesorgt, dass in der „BVB-Familie“ Zwietracht und Angst herrschen. Ich selbst habe ein Gefühl im Bauch wie in der Woche vor dem bedeutungsvollen 14. März 2005, als es um die blanke Existenz unseres BVB ging. Eher noch schlimmer, weil nun im Jahr 2017 die Seele des Vereins aus den eigenen Reihen schwer verletzt wurde.


Ein ungewohntes Erlebnis erwartet unsere Spieler schon beim Raustreten zum Warmmachen

Der Verein selbst lebt weiter, aber dem Fan und Mitglied des BVB, der sich bisher an Spieltagen der Borussia in Freud und Leid einfach hingegeben hat, fehlt ein Teil seiner selbst. Nicht nur die SÜD schweigt – die ungetrübte Freude an den Spieltagen ist ebenso dahin wie das den Borussen bisher eigene Selbstverständnis, tiefe Leidenschaft und Liebe, Gastfreundschaft und Situationen einfach zu genießen und auszuleben. Den finanziellen Verlust mag man noch verschmerzen, aber unsere Borussia ist durch die Schandtaten einiger weniger ungewollt eine andere geworden. Zu lange wurde geschwiegen, zu lange wurden die Missstände kaschiert, zu lange wurde mit unzulänglichen Strafen und Maßnahmen agiert. Die „besten Fans der Welt“ haben dadurch ihren Titel wohl vorerst verloren.

Der „Aufstand der Anständigen“ versucht in seiner Hilflosigkeit zu retten, was zu retten ist. Aber auch diese „Momentaufnahme“ wird scheitern, wenn aus dem Reden und Diskutieren in den sozialen Netzwerken bzw. im Internet nicht auch ein HANDELN entsteht. Wenn unsere Liebe zum Verein wirklich ECHT ist, müssen wir gerade jetzt „fest und treu“ zusammen stehen, um uns wieder zu holen, was uns genommen wurde: der Stolz und außergewöhnliche, einzigartige Charakter, Borusse zu sein! Liebenswert, zuweilen schrullig, bodenständig und ehrlich.

Das Schweigen der Süd: Eine Chance!

Haben West-, Ost- und Nordtribüne im Vergleich zur Süd bei der Ansprache durch Nobby Dickel bisher eher verhalten geklungen, sollte sich der Unmut der „Anständigen“ auf diesen Tribünen beim Spiel gegen Wolfsburg orkanartig Luft machen. Schwarzgelbe Stimmung ist kein Alleinstellungsmerkmal der „Fangruppierungen“ der SÜD – man muss nur wollen. Eigentlich ist es ein MUSS, dass alle Schwarzgelben nicht nur an diesem Spieltag, sondern dann auch in der Zukunft aller Welt beweisen, was Hingabe und Liebe zum Verein für einen Borussen bedeuten.



Ohne Gewalt und Pyrotechnik, dafür mit umso mehr Lebensfreude und Partystimmung. Wenn uns der DFB die gelbe Wand nimmt (er hat es ja schon einmal versucht, indem ein Stehplatzverbot diskutiert wurde), bauen wir Borussen drei weitere auf. Jetzt MUSS von allen eine Trotzreaktion her – gegen die Willkür des DFB und gegen Gewalt, Rassismus und die Vergewaltigung unserer Fanseele durch Hooligans und die Gralshüter einer Fankultur, die nicht die unsere ist. Und „Vorsänger“ werden sich auch auf diesen Tribünen sicher finden lassen.

Nehmt Schwenkfahnen mit, die die Stadionordnung auch auf diesen Tribünen zulässt. Taucht das Westfalenstadion in ein schwarzgelbes Fahnenmeer und singt Euch die Seele aus dem Leib – damit wir sie wiederbekommen. Hilfreich wäre es, wenn der BVB das Fangesangbuch neu auflegen könnte – und auf jedem Platz eines liegt. Wir sind es den nachwachsenden Generationen schuldig, unseren Tempel schöner und stolzer wieder aufzubauen. Wenn unser Westfalenstadion eine Festung sein soll, braucht es mehr als eine Wand.

Sorgt dafür, dass die Wolfsburger Mannschaft zum ersten Mal froh sein wird, eine Halbzeit vor der SÜD zu spielen… weil sie nirgendwo anders mehr hin können. Sie sind es gewohnt, in Stille zu spielen? NICHT IN DORTMUND! Und wir sind es uns selbst schuldig, den „Aufstand der Anständigen“ lautstark zu verkünden, damit wir unseren schwarzgelben Seelenfrieden wieder finden und das wieder werden, was wir waren: Die besten Fans der Welt!

Opens window for sending emailErnst Andersch, Fotos: Archiv - 14.02.2017





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