Täglich grüßt das Murmeltier oder die ständige Suche nach der Krise

Medien leben davon, nicht (nur) zu informieren, sondern ein Massenpublikum zu unterhalten - und seit der Verbreitung des Internet noch viel mehr. Deshalb verwundert es niemanden, dass es gewinnbringender ist, Sachverhalte aufzubauschen oder schlicht zu erfinden, als sachlich über sie zu berichten. Darum liest sich der Nachrichtenüberblick über den BVB, den ich täglich mit dem Frühstück zu mir nehme, derzeit so, als hätte die Geschäftsführung des BVB den Brexit der Borussia aus der Bundesliga beschlossen - oder Schlimmeres. Wohin man schaut: Krisenmeldungen!


Verletzung hier, Verletzung da ... Kapitänskrise ... Tuchel-Krise (saisonübergreifend und immer während) ... Schlimm: Auba so gut wie weg ... Noch schlimmer: Auba bleibt ... Geld weg.

So geht es fast jeden Tag: Und in den Transfernews werden so viele Neuverpflichtungen gehandelt, dass wir schon Wohnungen in Herne-West mieten müssen, um all die Spieler und Talente unterzubringen... Jeder Spieler, der gerade der Windel-Liga entwachsen ist und halbwegs einen Ball treffen kann, wird mit dem BVB in Verbindung gebracht. Und klar, jeder halbwegs gute Spieler von uns ist schon so gut wie verkauft. Seltsam, dass ein Adrian Ramos immer noch in Dortmund weilt und noch nicht im goldenen Geldspeicher gesichtet wurde.




Tatsache ist: Wir sind in diese Saison mit etlichen Verletzten gestartet: Reus und Durm, Bender und Subotic standen nicht zur Verfügung - und zudem mussten acht neue Spieler integriert werden. Wie schwer das ist, haben wir spätestens im Spiel gegen Leipzig gesehen, als wir nicht in der Lage waren, den Ballbesitz umzusetzen und die Kirsche in die Box zu bringen, um gefährliche Situationen zu schaffen. Da stand ein Team auf dem Platz, was sich erst ein paar Wochen kannte - und quasi jede Woche gab's ne andere Startelf. Da fehlte die Vertrautheit mit den Laufwegen der Mitspieler, da fehlten eingeübte Spielzüge, da fehlte ein gemeinsames Spielverständnis - und es fehlte an der Borussia-Einstellung! An der Einstellung, solche Situationen dann mit Kampfgeist anzugehen.

Nun, vier Monate später, kurz vor dem Rückrundenstart, beschreiben manche professionellen Schwarzseher in den Medien und auch unter den Fans unsere Borussia, als sei sie genau wieder an dem selben Punkt. Aber dem ist nicht so!!! Zwar beklagen wir wieder ein großes Aufgebot an verletzten Spitzenspielern - wenn der HSV die im Kader hätte, die in Dortmund gerade von der medizinischen Abteilung betreut werden, würde er sofort Meisterschaftsambitionen anmelden...

Aber der BVB ist im Umgang mit der Variabilität seines (großen) Kaders gewachsen. Das Team steckt die sich aus solchen Situationen ergebenden Umstellungen besser und kreativer weg als zuvor. Im Testspiel gegen Lüttich sah sich der Trainer gezwungen, vier A-Jugendspieler auf's Feld zu bringen. Und trotzdem sah man einen letztlich souveränen Sieg gegen den belgischen Erstligisten (und dessen Spieler sind auch keine Slalomstangen auf dem Feld: Lüttich hat einen Marktwert von mehr als 50 Mio. und damit deutlich mehr als beispielsweise Darmstadt, Ingolstadt oder Freiburg).




Und auch der Kampfgeist stimmt: Gerade die Spiele im Dezember, von denen die letzten vier "nur" unentschieden ausgegangen sind, haben gezeigt, dass die Identifikation da ist, die Begeisterungs- und Leidensfähigkeit, der Wille, auch dann noch alles was geht rauszuhauen, wenn es mal "nicht läuft".

Thomas Tuchel wird vermutlich nicht begeistert sein, dass seine von Verletzungen geplagte Mannschaft zum Rückrundenstart gleich die Doppelbelastung aus dem Ligaspiel bei Werder Bremen und tags darauf dem Test bei RW Erfurt wegzustecken hat. Aber unsere Borussen werden diese Herausforderung blendend bestehen und aufzeigen, welche Möglichkeiten in dieser Saison noch vor uns liegen. Watzke hat als Ziel für den BVB die direkte Qualifikation für die Champions League ausgegeben - und er hat recht damit. Denn, nicht vergessen:

Alles wird gut!



Kurt A. Pohlkötter, Bilder: Archiv - 16.01.2017




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