Männerfußball, Impulskontrolle, Regelverletzung

Thomas Tuchel und Sascha Fligge wollten die Fouldebatte nach dem Spiel als beendet ansehen. Meines Erachtens ist sie nötiger denn je. Wettkampfsport, insbesondere wenn es Kontaktsport wie Fußball ist, ist die zivilisierte Form des Kampfes – jedenfalls dann wenn der Wettstreit zivilisiert ist. Das heißt, dass festgelegte Regeln eingehalten werden, und Regelverletzungen geahndet werden, damit gerechte Chancen bestehen und damit das Verletzungsrisiko minimiert wird.

Sky-Kronzeuge ‚Iron‘-Mike Franz (ein Supertyp, der unglaublich zugewandt mit Kindern und jugendlichen Fans  umgeht) plädiert offensiv dafür, dass eine technisch, taktisch, konditionell – wie auch immer – schwächere Mannschaft den Gegner mit einer "aggressiven, unangenehmen, giftigen Spielweise" konfrontieren darf. Und das heißt, reden wir Klartext: Sie soll „kontrolliert“ foulspielen. Bis zu 20 Fouls pro Spiel seien demnach ok.

Verständlicher Ärger, unverständliches Benehmen

Was bitte soll das für ein Vorbild für Jugendspieler sein? Wenn Du Dich mit regulären Mitteln nicht wehren kannst, dann stoppe den Gegner eben mit unfairen? Es gibt dann, neben Toreschiessen noch eine weitere Disziplin im Fußball: So viel Foulen wie möglich, ohne eine gelbe oder rote Karte zu bekommen. Verbucht wird das ganze unter dem Oberbegriff, dass Emotionen und Härte eben zum Fußball dazugehören. Darunter kann man dann auch die fehlende Impulskontrolle von Emre Mor buchen.



So verständlich sein Ärger sein mag – er wäre sonst durch gewesen, insofern hätte Langkamp auch Rot sehen können – so unverständlich ist sein Benehmen. Wenn ich sein Spiel in Halle dazunehme, und einige andere Meckerszenen, dann sollte ihm beim BVB dringend jemand klarmachen, dass das nicht nur nicht zum Spiel gehört, sondern dass die daraus resultierende Schwächung der Mannschaft allein auf seine Kappe geht. By the way: Auch wenn man Sebastian Langkamp für seine Ehrlichkeit nach dem Spiel dankbar sein muss – man hofft doch, dass er dafür nicht für den Fairnesspokal nominiert wird.

Huntelaar fordert vor Derbys dazu auf, dass man kratzen, beissen und treten müsse – und dann findet man bei den Blauen auch Ribbery-Nachahmungstäter. Pal Dardai sprach auf der PK nach dem Spiel von "Männerfußball" – das ist eine archaische Ausdrucksweise, die Ruppigkeiten und Foulspiel rechtfertigen soll. So macht man auf Dauer technisch versierten Fußball kaputt – und so zerstört man, was viel schlimmer ist, die positive erzieherische Wirkung von Jugendfußball. Aber – um auch das deutlich zu sagen: Für die gestern verlorengegangenen Punkte sind die Berliner Fouls nicht verantwortlich, sondern allein das Dortmunder Spiel.


Opens window for sending emailIngo Berchter, Fotos:Archiv - 18.10.2016






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