Der Borussenweg

Ralf Rangnick, der geschäftstüchtige Gutsleiter der Leipziger Großvieh-Einheit, wird den Machern der DFL auf Knien dankbar gewesen sein, dass sie das Spiel der Borussen gegen seine Leipziger als zweites auf die Karte der neuen Bundesligasaison gesetzt haben – spätestens wenn er sich bei sky die Highlights der Begegnung aus dem Dortmunder Stadion gegen Darmstadt angesehen hat. Er und alle andere Zuschauer rieben sich verblüfft die Augen: Sie sahen die gleiche Borussia und doch eine ganz andere - und Rangnick wird heilfroh sein, dass er diese Borussia nicht vor einer Woche im Leipziger Stadion gesehen hat.


Watzke und Zorc haben den Weg, sich für die kommenden Aufgaben neben den Megatransfers Götze und Schürrle mit gleich sechs vielversprechenden Spielern zu verstärken, als unverzichtbar erklärt. Es war klar, dass eine solche Kadererweiterung und ein solcher Mannschaftsumbau Zeit brauchen würde, bis das Vertrauen zwischen den Spielen gewachsen ist, bis Abläufe funktionieren, ein gemeinsames Spielverständnis gefunden ist. Das war gegen den FCB, gegen Trier und Mainz sichtbar.

Tuchel, ein Wachstumsförderer

Gegen Warschau und mehr noch gegen Darmstadt war sichtbar, wie schnell das junge Team voneinander und miteinander lernt. Manche Auguren werden jetzt sagen: Wer ist schon Warschau und wer ist schon Darmstadt! Ich glaube, dass anders herum ein Schuh daraus wird: Die Darmstädter Mannschaft ist sicher kaum schwächer als die, die in der letzten Saison ein 2:2 aus Dortmund mitgenommen hat. Aber das Spiel zeigt das Wachstum der Borussia in der Varianz, in der Überraschung, in der jugendlichen Kraft und in der Spielfreude. Oder, um es anders zu sagen: Vielleicht war Warschau gar nicht so schwach, wie viele meinen. Die Spiele gegen Wolfsburg und Freiburg, Madrid und Leverkusen werden das zeigen.




Tuchel, der Entdecker des Rotationsdruckverfahrens im Fußball, scheint ein begnadeter Fußballlehrer zu sein – ein Wachstumsförderer, der seinesgleichen sucht. Borussias Rotationsmaschine wird noch ganz andere Teams überrollen – wenn man daran denkt, welche Qualität mit Reus, Sahin, Subotic, Schürrle, Bender, Merino und Piszczek wegen Verletzung nicht einmal im Kader war, und dass zu Beginn Spieler im Marktwert von weit über  100 Mio Euro auf der Bank saßen – dann darf einigen jetzt schon mal Angst und Bange werden – den Borussenfans aber nicht. 

Ingo Bercher - 19.09.16


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