Unser Blick nach vorn - Teil 2

Im zweiten Teil unserer Saisonvorschau macht sich die Redaktion Gedanken über den Trainer und welche Chance man als Fan hat, noch ein Spiel unseres Lieblingsklubs zu sehen.



Was erwartet ihr vom Trainer? Der Spiegel schrieb „Favre gilt auch als schwierig“. Wie kann er mit dem Druck umgehen. Denn mehr als Platz Vier muss ja wohl drin sein….


Bodo: Als Fußballfachmann sicher Top, aber in Gladbach hat er sich ja auch klammheimlich vom Acker gemacht als Probleme auftauchten, also Vorsicht!

Kurt: Wo ich ihn unterschätzt habe, und was sich bei ihm jetzt schon zeigt ist, dass er Spieler lesen kann und mit ihnen sprechen kann - er trifft den Ton. Das ist viel wert, und ist eine Fähigkeit, an der Tuchel z. B. noch arbeiten muss. Aber es bleibt, was Bodo schon ansprach: Favre ist anfällig, wenn es menschlich nicht klappt, das hat man schon bei Hertha gesehen. Und Watzke ist nun mal beim Wettbewerb ‘Wer zeigt Feingefühl’ nur zweiter Sieger geworden - in der Klasse Ü50 in Erlinghausen …

David: Wundern würde es mich nicht, wenn wir um die Meisterschaft mitspielen. Die Frage ist eher, was passiert im nächsten Jahr. Steigt ihm der mögliche Erfolg zu Kopf. Stellt er Forderungen, wird er zum Tyrann. Gegen Watzke und Zorc allein war es schon schwer, wenn man nicht auf der gleichen Länge war. Mit Kehl als zusätzlicher “Aufpasser” wird es noch delikater.

Sascha: Ich habe ehrlich gesagt kein gutes Gefühl bei ihm. Sollte es laufen, wird er das nächsthöhere Angebot wahrnehmen. Er kann angeblich gut mit jungen Spielern, fände ich gut, denn wir haben viele Junge, die aufgebaut werden müssen, siehe Isak, Zagadou, Toljan usw. Ich hoffe, dass er einen klaren Schnitt bei den “Altgedienten” wie Schmelle und Sahin macht und dass ihm nicht an die Karre gefahren wird. Denn eines sollten wir gelernt haben: Die unzufriedenen Spieler, die TT zu Recht nicht aufgestellt hat, sind nach TT nicht besser geworden oder häufiger in der Aufstellung berücksichtigt worden. Sie haben nur Unruhe reingebracht und für mich sah es aus, als hätten einige Spieler gegen den Trainer gespielt. Das ist vereinsschädigend!

Falk: Lassen wir den Mann erstmal machen.

Andreas: Naja - wir vielleicht schon. Aber Peter Bosch war schnell weg, als plötzlich nicht mehr lief….

David: Naja, ein Dutzend sieglose Spiele… Was bezeichnest du dann als langsam?

Martin: Wie bereits geschrieben, bin ich äußerst positiv gestimmt, was seine fachlichen Fähigkeiten anbelangt. Und ganz ehrlich: Alles andere ist aus Ansicht doch eher irrelevant. Zumindest im Augenblick. In dieser Saison dürfte noch ein Hauch von Verliebtheit in der Luft hängen, das dürfte das Arbeiten bei Erfolg angenehm gestalten. Ob es beispielsweise bei der Kaderzusammenstellung im kommenden Sommer krachen wird, treibt mir im Augenblick keine Sorgenfalten auf die Stirn.



Die letzte Saison verlief vor allem in der Champions League enttäuschend. Nicht einmal gegen Nikosia konnte der BVB in zwei Spielen gewinnen. Welches Gewicht sollte auf dem internationalen Auftritt liegen? Zählen zunächst die Bundesliga und dann die CL?


Bodo: Ich würde den Fokus immer zuerst auf die Bundesliga legen. Das ist das primäre Geschäft, die CL ein Zubrot.

Ingo: Der BVB ist ein zu großer Name geworden, um sich auf die Bundesliga zu konzentrieren. Wir müssen auch international wieder abliefern, alleine darum, dass Spieler bei uns spielen wollen um der Perspektive willen, nicht wegen des Geldes. Dieses witzige Geplänkel zwischen Ira und Kloppo auf irgendeinem Flughafen war doch nur möglich, weil wir zu den Namen in Europa gehören. Wir müssen in der Bundesliga dominant sein - aber Salzburg und Nikosia … da muss die Quote 1,01:1 stehen …

Sascha: Tja, das ist die Krux der letzten Jahre, trotz schlechter Leistung noch was erreicht zu haben. Wenn man es mal ohne Emotionen bewertet, stellt man (ich) fest, dass der BVB eigentlich nicht mal den europäischen Wettbewerb hätte erreichen dürfen. Für mich war es nach den ersten Testspielen unter Peter Bosz schon klar, wo die Reise hingeht. Dafür wurde ich aufs schärfste angegriffen, da die Ergebnisse zu Beginn anderes vermuten ließen. Für mich war klar, dass es nicht gut gehen kann, da die Transfers nicht dafür ausgelegt waren und gegen dieses extrem hohe Anlaufen zu einfache Mittel dazu führen, dass System auszuhebeln und den Gegner zu gefährlichen Torchancen kommen zu lassen. Ich finde unseren Kader nicht gut genug, um in der CL/EL was zu reißen. Dafür haben wir zu viele “Altlasten”, die zu starr sind und das Niveau einfach nicht haben. Wohlgemerkt, nicht offensiv, da ist genug Potential da, außer in der Spitze als reiner Stürmer. In der Abwehr reicht das Niveau nicht, vor allem die Außen sind da nicht mehr up to date.



Falk:
Will man namenhafte Spieler holen oder auch große Talente muss man europäisch einen guten Namen haben. Das gelingt am besten über die Champions League. Finanziell ist das sicherlich auch nicht nur ein Zubrot, sondern bedeutend wichtig. Man sollte ausgewogen agieren. Sowohl in der CL als auch in der Bundesliga.

David: Wobei mir dieses ganze BVB-ist-die-beste-Adresse-für-die-Jugend-Gedöns mir echt auf den Keks geht. Jeder junge Spieler auf diesem Globus, der unter 20 ist, taucht als “fast sicherer” Neuzugang beim BVB auf und füllt anscheinend den Vertrag selbst schon zu Hause aus. Unterm Strich haben wir mit diesen hoffnungsvollen Talenten kein Glück gehabt. Okay, sie haben uns die Taschen gefüllt. Aber klar ist auch, dass die Champions League hat schon ein Flair, das den Verein und uns Fans in den Bann zieht. Da will ich dann auch weit kommen. 

Andreas: Ich sehe auch die Liga als oberste Prio. Im Pokal haben wir die letzten Jahre echt gut ausgesehen. Doch wenn du tatsächlich Talente oder gar mal einen Star holen willst, kannst du den nur mit der Kohle aus der CL bezahlen. Und wenn du da so abkackst wie in der letzten Saison, spricht sich da auch rum.

Martin: Ich sehe es ganz simpel: In der Bundesliga ist mindestens Platz vier Pflicht, Platz zwei sollte anvisiert werden. Sind wir im Rennen um den Titel lange dabei, umso besser. In der Königsklasse muss die nächste Runde erreicht werden. Allein schon, das sehe ich wie die meisten anderen hier, um attraktiv für neue Spieler zu bleiben. Nach der Vorrunde hängt es vor allem mit dem Losglück zusammen, wie weit es gehen kann und muss.


In der letzten Saison war der Zuschauerschnitt erstmals seit vielen Jahren wieder unter 80.000 pro Spiel. Hat der BVB deshalb das Dauerkarten-Kontingent um 500 erhöht? Aber mal im Ernst: Viele Fans waren ein bisschen enttäuscht von dem, was sie zuletzt angeboten bekommen haben. Wie kann die Mannschaft die Fans wieder erobern?


Bodo: Der BVB hat sich in den letzten Jahren leider immer mehr von seinen Fans entfernt und hat letzte Saison teilweise die Quittung dafür bekommen. Verein und Mannschaft müssen wieder auf die Fans zugehen.

Sascha: Man sollte einfach auch mal wieder auf die Fans zugehen und NICHT nur auf die Scheiß Kohle schauen. Klar, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, aber deshalb die Basis vor den Kopf zu stoßen, geht gar nicht. Denn wenn man wirbt, dass wir das größte und schönste Stadion mit den meisten Zuschauern haben, muss man auch was dafür tun. Die Erfolgsfans, sind eben genau das: ERFOLGSFANS. Bei ausbleibendem Erfolg bleiben sie halt fern!

David: Das fängt doch schon im Kleinen an. Die Tickets für das Testspiel in Altach gegen Rennes sollen 30 Euro gekostet haben. 30 Euronen. Für ein Platz hinter dem Tor. Und die Spieler? Gehen nach diesem lustlosen Gekicke - ja, ich weiß, die waren platt - nach dem Abpfiff noch nicht mal zu den Fans, um sich zu verabschieden. Es fehlt Feuer, Leidenschaft, die Gier. Auf dem Platz, aber auch auf der Tribüne. Ganz oft habe ich das Gefühl, dass sich beide Seiten gegenseitig einschläfern.

Andreas: 30 Euro geht doch. Beim FC Bayern gegen Paris musstest du 58 Ocken mindestens hinlegen und bekamst dann keinen einzigen Nationalspieler zu sehen, sondern Jugendliche und Ersatzbankdrücker. Wir Fans sind einfach manchmal so doof...

Martin: Die unrühmlichen Abgänge von Dembélé und Aubameyang waren die Spitze der Entfremdung zwischen Fans und Profis. Sollte wieder ein Teamspirit zu erkennen sein, ein vor allem leidenschaftliches und idealerweise kreatives Spiel zu sehen sein, dürfte die Südtribüne aus dem fast schon peinlichen Tiefschlaf der vergangenen Jahre erwachen. Ich habe in der vergangenen Saison fast alle Spiele im neutralen Bereich verfolgt und kann sagen: Die Stimmung im Westfalenstadion ist aktuell Mittelmaß. Mit Ausreißern nach oben und nach unten. Da geht deutlich mehr, das ist ja auch kein Geheimnis.


Noch steht es nicht fest, aber theoretisch könnte uns ja auch in der kommenden Saison ein Montagsspiel drohen. Die Fanreaktionen lassen die Oberen bei der DFL ja ziemlich kalt. Langfristige Verträge – da können wir nicht raus, so wird argumentiert und den Fans eine lange Nase gezeigt. Ist Nicht-Hingehen die einzige Lösung?


Bodo: Auch die DFL handelt nach dem Motto: Wie können wir mit der Marke Fußball immer mehr Geld scheffeln und den Fan schröpfen.

Sascha: Ist vollkommen Latte, denn wir werden nichts daran ändern. Da ist, darf ich das sagen, die Fußballmafia am Werk und es geht nur um die dreckige Kohle. Das ganze System Fußball ist sowas von verkommen, ich mag es eigentlich nicht mehr. Die Fans haben da null Möglichkeit, denn die Kohle, die gescheffelt wird, berechnet sich ja eben nicht nach denen die hingehen, sondern nach denen die zuhause bleiben und das Spiel im TV gucken. Deshalb vermute ich, dass es sogar noch schlimmer werden wird!

Falk: Das Nicht-Hingehen drückt vielleicht die eigene Meinung aus. Es gibt aber genug Idioten, die dies nutzen, um eben doch mal ins Stadion zu gehen, weil die “Problemfans” zu Hause bleiben. Ein Nicht-Hingehen schadet allerdings auch der Mannschaft. Es ist ein zweischneidiges Schwert.




Andreas:
Wenn die Fans weiter hingehen, wird bald am Dienstag, und Donnerstag gespielt, morgens, mittags oder abends. Das ist doch einfach nur scheiße.

Martin: Der Boykott war richtig und eindrucksvoll, doch die Wirkung wird bei mehrfacher Ausübung deutlich geringer sein und irgendwann zu einer Randnotiz verkommen.



Wir werden auch von den Fernsehanstalten immer mehr gemolken. Ein Sky-Abo reicht nicht für die Bundesliga und auch die Champions League-Spiele kann man nicht sicher sehen, weil die deutschen Spiele vielleicht nur als Konferenz zu sehen sind. Eurosport hat weiter die Freitagsspiele, die Montagsspiele und die Sonntags-Mittags-Spiele. Die CL-Spiele gibt es vielleicht bei DAZN. Ist der Trend noch irgendwie aufzuhalten oder brauchen wir demnächst noch mehr Abo-Sender, um unseren Lieblingsverein spielen zu sehen? Wo können Fans, die vielleicht nur hin und wieder eine der wenigen freien Karten fürs Westfalenstadion ergattern, überhaupt noch sichtbar protestieren? Ein allgemeiner Boykott der Bezahlsender wäre prima – ist aber unrealistisch.


Bodo: Ja ich halte einen Boykott auch für prima, aber auch für unrealistisch, leider!

Ingo: In der neuen Saison kostet es ca. 840 EURO, wenn man Sky, DAZN und Eurosport abonnieren will - das sind 70 EURO pro Monat oder ca. 17 EURO pro Spiel (wenn man nur BVB gucken will). Na klar ist das Wucher. Wir Fans tragen mit dazu bei, dass die Ligen zu Monsterligen werden … Aber: Die Hunderte von Fanclubs des BVB außerhalb des Einzugsgebiets des VRR, vor allem die vielen Fanclubs im Osten, existieren nur, weil es Pay TV gibt. Bei den OPR-Borussen im Hotspot in Neuruppin treffen sich an jedem Spieltag 20-50 Fans, nicht anders ist es bei den Hauptstadt-Borussen in der BVB-Fankneipe in Berlin… und  in Halle, Leipzig, Erfurt etc. etc. D. h., das Medium, dass den BVB zu immer mehr Fans trägt, entfernt ihn auch immer mehr von den Fans.

Sascha: Da gilt für mich dasselbe wie bei den Montagsspielen. Alle nicht gucken und komplett boykottieren wäre der Hammer, aber mal im Ernst: Brot und Spiele ist das Motto und was wird das Schaf wohl machen? Auf seine Ablenkung am WE wird kaum jemand verzichten. Also völlig unrealistisch, dass sich da was ändern wird.




Falk:
Ich habe ein Sky-Abo. Auch nur deshalb, weil ich gerne alles Mögliche an Spiele schaue. Ich werde aber sicherlich keine 2-3 Abos abschließen, um alles zu sehen. Entweder greift man auf den illegalen Weg zurück, wie zu Schulzeiten, als man noch kein Geld verdient hat, oder man schaut die Spiele bei 'nem Bier in einer Bar. Oder eben gar nicht.

Andreas: Ein reines BVB-Abo wäre sinnvoll. Doch wie es zurzeit angeboten wird, ist das Schwachsinn. Ich schaue mir doch kein Spiel mehr an, wenn ich schon das Ergebnis weiß. Also sollte sich der Verein mal Gedanken machen, wie man die Fans hier unterstützt.

Martin: Ich denke, dass das generelle Interesse am Fußball zurückgehen wird. In allen Bereichen. Stadionbesuche sind teuer, die Anzahl der Abos, um alles sehen zu können, steigt. Es ist unerträglich, deshalb wird sich das - so zumindest meine Hoffnung - allein aus wirtschaftlichen Gründen wieder zum Guten ändern. Denn aktuell dürfte das Maß voll sein.

Im letzten Teil schaut die Redaktion auf die Erwartungen an den Saisonstart und spekuliert, wo der BVB in der Endabrechnung landet.


Opens window for sending emailRedaktion, 16.8. 2018


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