Ein Heimatbuch - Das Westfalenstadion in 200 Bildern

In seinem gleichnamigen Lied sang Herbert Grönemeyer einst "Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl!". Was auf den ersten Blick sehr tragend klingt, ist doch im Grunde etwas was jeder empfindet. Gerade in der Weihnachtszeit kommen viele, die in der ganzen Welt verstreut sind zurück in die "Heimat" und kaum jemand wird bestreiten, dass damit ein gutes Gefühl einhergeht.

Als BVB-Fan kommt man auch alle zwei Wochen in eine zweite Heimat. Das Westfalenstadion als solche zu bezeichnen, das würden viele Stadiongänger unterschreiben. Grund genug für Reinaldo Coddou H. und Jan-Henrik "Janni" Gruszecki dem Stadion einen Bildband mit dem Titel: "Heimat: - zuhause im schönsten Stadion der Welt" zu widmen.

Reinaldo Coddou H., geboren 1971 in Santiago de Chile, ist Fotograf und gründete im Jahr 2000 mit Philipp Köster zusammen das Fußballmagazin "11 Freunde", das er über viele Jahre fotografisch prägte. Seine Bilder wurden vielfach prämiert, nicht zuletzt mit dem Sportfoto des Jahres 2014 als er von der Tribüne des Maracana aus die deutsche Nationalmannschaft im Moment des Abpfiffs des WM-Finales und damit des Triumphes einfing.




Der Ostwestfale "Janni" Gruszecki ist sicher einem Teil der Fans bereits bekannt. Einerseits durch seine zahlreichen fanpolitischen Aktivitäten, aber nicht zuletzt auch durch seine federführende Beteiligung am Franz Jacobi-Film, den mittlerweile jeder BVB-Fan gesehen haben sollte!

Das Buch beginnt mit einem mehrseitigen Abriss der Geschichte des BVB mit dem Fokus natürlich auf den Spielstädten. Von den Anfängen ohne echte befestigte Spielstätte, über die Weiße Wiese und Rote Erde hin zum Westfalenstadion. Die Verknüpfung mit der Geschichte des BVB selbst ist dabei in ihrer Kürze sehr gelungen, gibt sie so doch auch fußballfernen Lesern, die vielleicht mehr Interesse an Fotografie an sich haben, die Möglichkeit, sich in die Thematik einzufinden.

Im Interview kommen mit Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke auch die aktuellen Köpfe des Vereins zu Wort. Auch wenn sie zu erkennen geben, dass die letzte Ausbaustufe des Stadions den Verein nah an die Pleite brachte, ist diese letztlich doch ein Gewinn für den Verein. Hier kommt auch das anfangs genannte Zitat inhaltlich wieder zum Tragen, geht es doch auch darum, welche Emotionen das Stadion auslöst. Gleichwohl zeigen sich im Interview in gewisser Weise auch die Differenzen zwischen Vereinsführung und Fans.



Während in den Fragen, wohl aus Respekt vor den Gesprächspartnern, nur vom "Stadion" und nicht vom Westfalenstadion gesprochen wird, verwenden Rauball und Watzke pflichtgemäß natürlich den Werbenamen Signal Iduna Park. Watzke hatte ja bereits in der Vergangenheit durchblicken lassen, dass dieser Name bestehen bleibt, so lange er im Verein in verantwortlicher Position ist (der aktuelle Vertrag für die Namensrechte läuft bis zum Jahr 2021).

Das Buch ist ein Gewinn sowohl für diejenigen, die aus verschiedenen Gründen wie dem Wohnort selten bis nie die Gelegenheit haben, das Westfalenstadion aufzusuchen. Sie erhalten Einblicke in das Stadion, die man aus der alltäglichen Berichterstattung so nicht bekommt. Seien es die Kabinen, die Arbeit der Greenkeeper oder der VIP-Bereich. Für Dauerkarteninhaber und Dauergäste liegt der Fokus vielleicht etwas anders. Sie sehen das Stadion laufend und dadurch verliert man doch den Blick für die schönen Details.

Die schiere Weite des Stadions, die im renovierten Stadion immer noch etwas nostalgisch anmutenden analogen Uhren in den Stadionecken oder die wirklich in die Jahre gekommenen Herrentoiletten. Der neutrale Betrachter wird sich fragen was an alten Uhren oder Toiletten schön sein soll. Aber gerade sie sind es, die dem Stadion bei allen bisher stattgefundenen Modernisierungen seinem in Teilen noch ursprünglichen und über 40 Jahre alten Charakter verleihen. Das Westfalenstadion wird sich selbst bei weiteren Renovierungen so in seinen Details immer von Einheitsbauten auf der Wiese wie in Hoffenheim oder Mainz absetzen.

Der Verlag beschreibt das Buch mit den Worten "Nie ist jemand dem Phänomen Westfalenstadion näher gekommen als Coddou mit seinem Aufnahmen, die eine Arena in all ihren Facetten zeigt: leer, voll. Vor dem Spiel, danach. Von ganz tief drinnen und ganz weit weg." Man kann diesen Worten nicht widersprechen und doch wären sicherlich einige mehr historische Bilder aus den Anfangsjahren und für Darstellung der Entwicklung des Stadions schön gewesen. Hier beschränkt sich das Buch auf den Einleitungstext, was die historische Einordnung eingeht. Sicherlich mangelte es auch an eigenem historischen Bildmaterial, denn Coddou H. kann als Jahrgang 1971 natürlich keine Bilder aus der Anfangsphase des ab 1971 erbauten und 1974 eröffneten Westfalenstadions liefern. Wer aber einen Bildband rausbringt, der will natürlich seine eigene Arbeit zeigen und nicht Bilder von Dritten einkaufen. Daher ist der Schwerpunkt auf der jungen Vergangenheit auch voll nachvollziehbar.

Wer also noch ein Weihnachtsgeschenk für Familie und Freunde oder einfach sich selbst sucht, der ist mit dem über 300 Seiten starken Bildband mit rund 200 Fotos bestens beraten. Das Hardcover-Buch ist im Spielmacher-Verlag erschienen und kostet 34,80 € (ISBN 978-3956800139).

Opens window for sending emailJulian Bräker, 11.12.2015

Fotos: Reinaldo Coddou H.. Zur Verfügung gestellt mit freundlicher Unterstützung des "Spielmacher"-Verlages




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