„Fußball ist wie eine Frikadelle – man weiß nie, was drin ist“

Dortmunder Jungs – Unser Leben für den BVB

Den beiden Dortmunder Borussen Felix Meininghaus (Journalist) und Achim Multhaupt (Fotograf) ist mit dem Buch „Dortmunder Jungs – Unser Leben für den BVB“ eine wunderbare Liebeserklärung an ihren Herzensverein gelungen. Und zwar nicht durch umständliche oder bemühte Beschreibungen, sondern indem sie 31 ausgewählte BVB-„Bekloppte“, also Dortmunder Jungs (Mädels inbegriffen), als eine kleinen romantische Auswahl zu Wort und aufs Bild kommen lassen. Jeder erzählt seine ganz eigene Geschichte, die ihn mit dem BVB verbindet: wie man zum Ballspielverein kam, wie man mit ihm verwurzelt ist, wie aufopferungsvoll man ihn liebt, was für verrückte Geschichten man genau deshalb mit dem Verein erlebt hat. Die Auswahl der Protagonisten ist gelungen, denn jeder Borusse in diesem Buch hat wahrlich atemberaubendes, verrücktes, anrührendes, kurioses, einmaliges zu erzählen. Hierbei handelt es sich um ehrliche, authentische Geschichten, die mehr sind als einfach nur nette Anekdoten wie man sie in zig Fußballbüchern findet. Vielmehr zeigt diese Sammlung zwar ganz persönliche, individuelle Geschichten – doch in ihrer Quintessenz einen diese Geschichten wohl fast alle Borussinen und Borussen: die Liebe und Verbundenheit mit dem BVB, die in vielerlei Formen ihren Ausdruck findet. Wenn also jemand aus dem Bekanntenkreis eines Borussen tatsächlich noch nicht begriffen haben sollte, dass der BVB mehr ist, als einfach nur ein Sportverein, dem kann man getrost dieses Buch unter die Nase halten. Denn hier kann man sich Geschichte für Geschichte einem tieferen Blick auf den Verein von der Strobelallee und warum er zahlreichen Menschen so viel bedeutet, nähern.

Unter den 31 Protagonisten befinden sich Fans und Spieler (bspw. Nuri Sahin, Kevin Großkreutz, Neven Subotic), Verantwortliche (bspw. Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc), Ehemalige und Legenden (Dede!), aber auch Journalisten, Kneipenwirte u.a. Von jungen Tempelpilgern bis hin zu Augenzeugen der ersten Nachkriegserfolge, von Exil-Borussen bis zum Quartiersmanager Borsigplatz, vom Allesfahrer bis zum Fanfunktionär, vom Vorsänger bis zum Ultra, vom Schauspieler bis zum BVB-Archivar - wie gesagt: diese Auswahl ist gelungen. Nicht nur aufgrund ihrer Breite, sondern auch deshalb, weil tatsächlich alle von ihnen höchst interessante, z.T. verrückte, aber für Dortmunder meist nachvollziehbare Geschichten zu erzählen haben. Auch hier ist eben die Spannweite groß: vom Allesfahrer, der sein halbes Mobiliar verkaufte um zu irgendeinem Vorbereitungsspiel reisen zu können bis hin zur sehr berührenden Geschichte von Dede, die einem wahrlich Gänsehaut bereitet. Daneben gibt es viele Geschichten, die einen auch stolz machen auf den BVB und diese Borussen. All das zeigt wunderbar, was Schwarzgelbe im Inneren zusammenhält. Und ganz nebenbei erfährt man einiges aus der Geschichte der Westfalen, was nicht unbedingt in Vereinschroniken auftaucht. Wenn bspw. Mannschaftsbetreuer Fritz Lünschermann berichtet, wie sich der Verein rund um das Pokalfinale 1989 darum bemühte, den Menschen in der DDR die schwarzgelben Farben näher zu bringen und wenn Sven Pfauder, ein Borusse aus Sachen, von seinen ersten Touren zu Heim- und Auswärtsspielen nach dem Fall der Mauer erzählt, dann kann man die heutige Verwurzelung des BVBs im Osten der Republik erahnen. Wenn auf der anderen Seite der BVB-Archivar Gerd Kolbe schildert, wie er lauter Erinnerungsstücke aus der Geschichte des Vereins vor der achtlosen Entsorgung rettete oder welche Strukturen der frühere Pressesprecher Josef Schneck zu Beginn seiner Tätigkeit an der Strobelallee vorfand, dann sagt dies mehr über Strukturen und Charakteristika in der Geschichte des Vereins aus, als es so manches Geschichtsbuch aufzuzeigen vermag.

Das Buch hat jedoch nicht den Anspruch einen vollkommenen Querschnitt abzuliefern und bspw. auch kritische oder problematische Teile der Borussen-Familie anzusprechen. Es ist eben eine Ode an den Ballspielverein und an die enge Verbindung der Menschen zu ihm.

Es ist schön, so etwas nachzulesen im fortgeschrittenen Zeitalter der Kommerzialisierung des Fußballs. Schön, dass wahre Fußball-Romantik in diesem hochwertigen Einband Platz findet. „Dortmunder Jungs“ kann man wunderbar durchlesen, sich aber auch immer wieder in einzelne Geschichten vertiefen und schmunzeln oder staunen. Jedenfalls sind die Geschichten ein wohliger Gewinn für jeden Borussen, auch wenn sich der eine oder andere Rechtschreibfehler eingeschlichen hat. Die Sprachform des Buches erscheint ehrlich. In ihrer Vielfalt zeigen diese Dortmunder Jungs und Mädels wie viel Leben und tiefverwurzeltes Herzblut im eiskalten Fußballgeschäft noch stecken kann – und vor allem: wie facettenreich und wie weit verstreut die Borussen-Familie ist. Abgerundet wird das schmucke Buch durch tolle, abwechslungsreiche Bilder, mit denen Achim Multhaupt die Protagonisten gekonnt in Szene setzte und porträtierte.

Dortmunder Jungs – Unser Leben für den BVB
(Felix Meininghaus,
Achim Multhaupt)
veröffentlicht im Delius Klasing Verlag
192 Seiten, gebunden
22,90 EUR



BVB-Album: Unvergessliche Sprüche, Fotos, Anekdoten

„Fußball ist wie eine Frikadelle – man weiß nie, was drin ist.“ (Martin Driller)

Dieser schöne Satz aus dem BVB-Album gilt auch für eben jenes Büchlein von Ben Redelings. Dabei weiß man bei den meisten unzähligen Fußball-Sprüche-Büchern schon vorher, was drin steckt: lieblos zusammengeklatschte und schon x-mal gehörte Sprüche aus dem Fußballkosmos. Nicht so hier. Das liebevoll gestaltete Werk beinhaltet auf über 150 Seiten nicht nur kuriose, witzige und vielsagende Sprüche sowie Zitate von Aktiven und Ehemaligen des BVB, von Journalisten, Funktionären, Trainern, gegnerischen Spielern und wer sich noch so dazu berufen fühlte im Laufe der letzten Jahrzehnte etwas Geistreiches über den Ballspielverein zu äußern. Sondern neben diesen kurzen rhetorischen Kabinettstückchen sind es auch die von Redelings erzählten Anekdoten rund um die Westfalen, welche zum Schmökern einladen. Spätestens jedoch beim Betrachten der zahlreichen und passenden Bebilderung durch Fotos, Autogrammkarten, Spielplakate, Titelbilder von alten Stadionheften und Fußballmagazinen geht einem Borussen das Herz auf. Kurzum: Dieses Büchlein ist nicht nur ein Kuriositätenkabinett in schwarz und gelb, sondern auch ein Streifzug durch die Geschichte des BVB. Oftmals sagen diese kurzen Zitate, Anekdoten und Bilder mehr als manch quälend gefüllte Buchseite. Diese Ausschnitte stehen für sich, bieten nicht nur Erheiterndes sondern auch Erhellendes und rufen einige – manchmal längst vergessene – Erinnerungen aus der bisherigen Geschichte des BVB wach. Logisch, dass das Buch vor allem von den Zeiten ab den 1950er Jahren zehrt – allzu viel erhaltenes bzw. überliefertes Material bietet das frühe 20. Jahrhundert diesbezüglich schließlich nicht. Doch auch weniger schöne Kapitel wie die Ära Ende der 90er/Anfang der 2000er werden nicht ausgeblendet und zeigen mit entsprechenden Zitaten ihr unverstelltes Gesicht.

Das BVB-Album ist in lose Kapitel unterteilt, die sich jeweils verschiedenen Persönlichkeiten, Personengruppen oder anderen Schwerpunkten wie dem Derby oder Meisterschaften widmen. Mit den zahlreichen Bilderschnipseln und Covern, die sich mit sog. Starschnitt-Kapiteln paaren und den Anekdoten und Sprüchen wird augenzwinkernd stilistisch auch auf die letzten Jahrzehnte der oftmals unbeholfenen Hochglanz-Boulevardisierung des Fußballs zurückgeblickt.

Fazit: In diesem Poesie-Album für Borussen kann man immer wieder genüsslich blättern.

BVB-Album: Unvergessliche Sprüche, Fotos, Anekdoten (Ben Redelings)
veröffentlicht im Verlag Die Werkstatt
160 Seiten, Taschenbuch
9,99 EUR

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailPatrick Meiß - 06.06.2014



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