Als Public Viewing noch Fan-Treff hieß

Viele eigene Erlebnisse und Erfahrungen, gepaart mit den Erkenntnissen aus zahllosen Gesprächen mit Spielern, Trainern und Funktionären bilden die Grundlage für "Das kleine Borussia Dortmund Buch - Weißt du noch?", das grad im Herkules Verlag, Kassel, erschienen ist und besonders den älteren Borussen unter uns das eine oder andere Schmunzeln entlocken dürfte. Wer Gerd Kolbe, den umtriebigen früheren Sprecher der Stadt Dortmund und des BVB kennt weiß, dass der 66-Jährige sich nicht einfach zur Ruhe setzen kann. Seine Leidenschaft gehört Borussia Dortmund, und in deren Geschichte kennt er sich aus. 13 Milliarden Mal werde Dortmund jährlich in tagesaktuellen Medien erwähnt, im Zusammenhang mit der Borussia. So habe es das Presseamt der Stadt errechnet, sagt Gerd Kolbe, heute Archivar und Historiker des BVB.

Pressekonferenz mit dem BVB -Aufstiegstrainer 1976 im alten Presseraum unter der Nordtribüne (Bild: Kolbe) Er erzählt in dem mit seltenen Schnappschüssen illustrativ bebilderten Buch Geschichten und Anekdoten rund um die schönste Nebensache der Welt von 1945 bis zur Gegenwart. Von „Spinne“ Max Michallek bis Jakub "Kuba" Blaszykowski, von „Fußlümmelei“, Kalorienspielen in Marsberg, der "Schanko-Rebellion" 1956 über Europacupteilnahmen bis zur Champions-League - von großen Erfolgen bis zu wahren Fußballdramen reicht die Bandbreite der angepackten Themen. Dabei merkt man, dass speziell die "Geschichte hinter der Geschichte" Kolbes besonderes Interesse findet. Das Ergebnis seiner Recherchen ist oft überraschend, gleichzeitig aber auch stets informativ und kann als interessante Lektüre für Fans dieses großartigen Vereins eingestuft werden. Von 1976 bis 1981 war Gerd Kolbe in turbulenten Zeiten nebenberuflich Pressesprecher des Ballspielvereins Borussia 09 Dortmund e.V. und hat selbst viel hautnah erlebt. Wir sprachen mit ihm über seine Veröffentlichung: Gerd, Du hast in Deinem Buch oft den speziellen Zusammenhalt betont. Die Dortmunder sagen, nirgendwo sonst in Deutschland sei die innere Verbindung so eng zwischen einer Stadt und ihrem Verein wie hier. Kann man sagen, die Dortmunder leben und sterben für Schwarz-Gelb? Diese Einschätzung teile ich. Wobei ich davon ausgehe, dass man dabei sogar die gesamte Region um Dortmund herum einbeziehen kann. Der BVB ist identitätsstiftend und der zentrale Schlüssel zum Wir-Gefühl der Menschen hier bei uns. Bruno Knust hat schon recht, wenn er in „Borussia“ singt: “Bei uns in Dortmund gibt’s ein Phänomen, dass alle Menschen hinter der Borussia stehn!“

In den letzten 30 Jahren hast Du Dir privat ein umfangreiches BVB -Archiv aufgebaut, das seines gleichen sucht. Sicher gibt der Fundus dieses Vermächtnisses  so manche unbekannte Geschichte her, die man vor allem der jüngeren Generation hinterlassen möchte, könnt ich mir denken. War das der Ausgangspunkt dieser Buchidee? Der Ausgangspunkt war eigentlich meine über vier stündige „Marathon -Führung“, die ich mehrfach im Jahr mit dem Herzstück Westfalenstadion, heute Signal Iduna Park, durchführe. Da bin ich mehrfach von Teilnehmern angesprochen worden, ob ich meine vielen BVB -Geschichten nicht auch einmal in einem Buch veröffentlichen wollte. Als dann der Herkules-Verlag auf mich zu kam, habe ich rasch und erfreut zugegriffen. Die wechselvolle Geschichte der Borussia kann ja einiges aufweisen. "Für eine Tonne Stahl braucht man 1 Tonne Kohle und tausend Liter Bier", sagte man in den 7oern, um das Zusammenspiel der drei wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt zu dokumentieren. Dortmund verfügt lediglich nur noch über ein an Haupt und Gliedern beschnittenes Brauereisammelsurium, aber die Identität mit Borussia kompensiert scheinbar diese Aderlässe. Täuscht dieser Eindruck? So kann man es durchaus sehen! Und wenn man weiß, dass der Vereinsname ja von der „Borussia -Brauerei“ hergeleitet wird, dann bekommt die traditionelle Braukunst in unserer Stadt dadurch fraglos einen ergänzenden Stellenwert! Eine schöne Geschichte, die Du beschrieben hast, ist ja auch die vom legendären Dortmunder Oberbürgermeister Fritz Henßler, der nach dem Krieg zur Borussia kam und sagte, die Kicker sollten nun nicht nur Fußball spielen, sondern auch eine Art Friedensbotschafter sein. Dieser Anregung verdankt der Verein Anfang der Fünfziger Gastspiele in England und Frankreich, wo Freundschaftsspiele gegen den ehemaligen Kriegsgegner auszutragen wurden. Wer weiß das heute schon…

Ich habe das Buch auch deshalb geschrieben, um die Erinnerung daran hoch zu halten. Genau genommen ist der BVB eine der Wurzeln auch für die frühere  Rheinisch-Westfälische Auslandsgesellschaft, die heute „Auslandsgesellschaft NRW“ heißt und in der früheren Steinwache im Dortmunder Norden angesiedelt ist.


Gerd Kolbe (links neben Gregor Schnittker) bei der "physischen" Reinkarnation des Peter "Erbse" Erdmann 

Viel ist auch über das Westfalenstadion, der Trutzburg der Borussen zu lesen. Ob es zur WM 1974 die Holländer und Brasilianer, 1977 die rasenfressenden Würmer, 1979 die Weltauswahl mit Pele, Cruyff und Keegan, 1982 die DDR-Europacupsieger aus Magdeburg oder legendäre Schlachten der Heimmannschaft waren – es hat immer tolle Werbung für die Sportstadt Dortmund gegeben. Was ist Dir in diesem Zusammenhang am stärksten in Erinnerung geblieben? Zu meinen schönsten und intensivsten Erinnerungen gehört fraglos die WM 1974, bei der die Holländer ja sage und schreibe drei Mal in Dortmund auftraten, dabei im besten Match der gesamten WM den amtierenden Weltmeister Brasilien mit 2:0 schlugen und damit das Endspiel gegen Deutschland erreichten. Johan Cruyff in Dortmund zu erleben, war ein großer Fußball-Genuss…  Nur wenige wissen, dass das heutige „Public Viewing“, also das gemeinschaftliche Erleben einer Liveübertragung als „Gesamtkunstwerk“ seinen Ursprung 1987 in Dortmund hatte und sehr eng mit Deinem Namen verknüpft ist… Das stimmt. Der Ideengeber war Polizeidirektor Bernhard Leidiger. Ich habe die „Fan-Treffs“ dann inhaltlich gestaltet und auf die Bühne gebracht. Es begann mit dem Spiel gegen Celtic Glasgow 1987, das gleichzeitig ja auch der Ausgangspunkt für eine tiefe Fan-Freundschaft zwischen den Anhängern des BVB und von Celtic wurde. Spielübertragungen wurden dann 1989 in die Programme integriert. Die Fan-Treffs wurden eine internationale Erfolgsstory und später ein Herzstück der Fußball-Weltmeisterschaften.  Das kleine Borussia Dortmund Buch ist so konzipiert, dass es Fortsetzungen geben könnte. Sowohl das Thema als auch das archivierte Material ließen das durchaus zu. Welche Planungen hat der Autor?
Bei einer entsprechenden Resonanz könnte es durchaus eine Fortsetzung geben. An entsprechendem Stoff würde es mir wahrlich nicht mangeln. Ich bin und bleibe nun einmal ein Geschichten -Erzähler. Das macht mir sowohl mündlich als auch schriftlich sehr viel Freude. Ich hoffe, dass sich die persönliche Freude des Autors auch in den Beiträgen widerspiegelt!


DIE KIRSCHE verlost noch schnell 5 Bücher unter ihren Lesern. 

Mit welchem Trainer ist Gerd Kolbe im oberen Bild zu sehen?
Schickt eine Mail mit der Antwort an Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailredaktion@die-kirsche.com Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailHolger W. Sitter, 18.12.2013 _____________________________________________________________________________________ Das Buch ist zudem beim Herkules Verlag, im Buchhandel und in den BVB-Fan-Shops zum Preis von 11,90 Euro erhältlich und ein tolles "last minute" Weihnachtsgeschenk für Borussenfans.

Siehe auch dazu:
Öffnet externen Link in neuem FensterTV-NRW: NachSpielzeit - zu Gast: Gerd Kolbe
Öffnet externen Link in neuem FensterPeter "Erbse" Erdmann und die Geschichte des BVB-Walzers




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